Google for Jobs: Eine neue Ära in der Jobsuche

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 8 Minuten.

Nun ist es also passiert: Das, worüber ich in meinen Artikeln zur Google Cloud Jobs API und zu Google Hire (nicht nur) spekuliert hatte, ist eingetreten. Bzw. wurde ein Prozess in Gang gesetzt. Denn alles, was mit „Google for Jobs“ möglich ist, ist noch nicht live. Und, als kleiner Wermutstropfen: bisher gibt’s das Ganze nur in Amerika. Nichtsdestotrotz: Google wird mit seinem Jobsuch-Feature den Jobbörsen-Markt ziemlich auf den Kopf stellen. Für deutsche Unternehmen, die in den USA rekrutieren, tun sich spannende Möglichkeiten auf. Und früher oder später kommt das Ganze ohnehin auch nach Deutschland. Jede Wette, dass..! ;)

Apropos Jede Wette, dass..!: Tatsächlich war ich durch die Vorbereitungen auf mein Event so abgelenkt, dass ich die Sensation erst am Tag danach mitbekam. Bekannt gegeben wurde das neue Feature, was den Jobbörsen-Markt und Recruiting-Prozesse ordentlich durcheinander wirbeln wird, auf der Google I/O Entwickler-Konferenz durch Google CEO Sundar Pichai höchstpersönlich. Was dort angekündigt wurde, ist nun mittlerweile (in den USA) live und so habe ich nun ganz aktuelle Screenshots und weitere Hintergrundinformationen.

Was ist Google for Jobs?

Google for Jobs ist nicht mehr und nicht weniger als eine Jobbörse innerhalb von Google. Der Nutzer muss zukünftig nicht mehr die gängigen Stellenbörsen oder Job-Crawler durchforsten, sondern nutzt dafür ganz im Sinne des Candidatus Oeconomicus einfach den Suchmaschinengiganten. Das, was Marcus Tandler in seinem Artikel Der Endgegner bereits im März 2011 als Szenario gezeichnet hatte, ist nun also Realität geworden.

„Auf jeden Fall kann Google so eine sehr effiziente und userfreundliche Suche anbieten – wer braucht da noch Online-Jobbörsen? Klar, die mögen exklusive Kunden haben, aber wohl fast jedes Unternehmen schreibt ja seine offenen Stellenangebote auf der eigenen Unternehmenswebseite aus, was diese somit sowieso schon für Google auffindbar machen. […]  Wenn eine derartige Suchlogik dann entsprechend prominent auf der Suchergebnisseite angeteasert wird, werden wohl nur noch die wenigsten User auf das organische Suchergebnis einer Online-Jobbörse klicken (wieso auch?)“

Google for Jobs - prominent platziert in den organischen Suchergebnissen

Eine Suche bspw. nach „accounting jobs“ zeigt bspw. der obige Screenshot. Direkt unmittelbar unter den bezahlten Suchergebnissen (Google Adwords) prangt die „Jobs-Box“. Erst unterhalb dieser Box finden sich dann die organischen Suchergebnisse mit den „üblichen Verdächtigen“, sprich indeed, careerbuilder und Co. Das zeigt, wie ernst es Google mit diesem Feature ist.

„I’m personally enthusiastic for this initiative because it addresses an important need, and perhaps our core competencies as a company.“

Was kann Google for Jobs?

Okay, also Google bietet eine Jobsuche an. Und was ist da jetzt so revolutionär?

Nun, revolutionär ist alleine die Tatsache, dass der Suchmaschinengigant dem Nutzer erspart, weitere Quellen anzusurfen. Sprich die Jobbörsen. Denn Google vereint die Ergebnisse aus diesen Jobbörsen in seinen Suchergebnissen. So finden sich dort bspw. Jobs aus indeed, careerbuilder, Glassdoor, LinkedIN und anderen Jobbörsen. Und natürlich auch die, die sich Google direkt von der Website zieht (vorausgesetzt, das ist möglich. Dem schieben Sie in der Regel schon einen Riegel vor, wenn Sie sich ausschließlich auf Ihr ATS verlassen. Entscheidend ist, dass ihr Job als HTML-Seite vorliegt und Sie einem Webcrawler den Zugriff gestatten. ATS-Anbieter bieten diese Möglichkeit in 99,99 Prozent der Fälle nicht).

Nach Klick auf „more Jobs“ wird der Nutzer auf die eigentliche Jobs-Seite gelotst. Hier werden dann alle passenden Jobs angezeigt. (Aktuell) filtern lassen sich die Jobs nach Kategorie, Stellentitel, Veröffentlichungsdatum, Beschäftigungsart, Staat, Stadt, Branche und Unternehmen. Besonders spannend ist hier der Stellentitel. Denn wie wir wissen, finden sich an einem Durchschnittstag über 300.000 Stellentitel alleine auf indeed. Und wir wissen auch, dass es so viele unterschiedliche Berufe gar nicht gibt, sondern dies der Tatsache geschuldet ist, dass Unternehmen entweder a) besonders kreativ sein wollen (von wegen Ninja und Nerds und so), b) gerne einfach möglichst nicht nachdenken wenn sie bspw. eine Stelle als „Wirtschaftswissenschaftler/innen, Volljurist/in, Wirtschaftsprüfer/innen oder Steuerberater/innen“ ausschreiben oder c) gerne mit firmeninternen Begrifflichkeiten oder Abkürzungen arbeiten (Referent Reservierung Spezial, AVB/K, Field Execution Specialist etc. pp.).

Wie also weiß Google, dass mit eben diesem Referent Reservierung Spezial AVB/K eigentlich ein Aktuar bzw. Versicherungsmathematiker gemeint ist (ich würde mal behaupten, dass das selbst Google nicht wissen kann, aber sehr wohl weiß, dass Aktuar synonym für Versicherungsmathematiker steht), ein Careman eine Pflegefachkraft ist (männlich, Pflegefachkraft weiblich ist die Pflegeheldin) oder es sich beim Java-Guru nicht um eine Primatenart, sondern um einen Java Backend-Entwickler handelt? Das Problem ist ja nicht nur die Menge an Daten, die Googles clevere Algorithmen auswerten müssen, Problem sind insbesondere solch abstrusen oder undifferenzierten Job-Bezeichnungen und -Anforderungen.

Hier nun kommt die Cloud Jobs API ins Spiel, über die ich bereits unter dem Titel Revolutioniert Google die Jobbörsen-Landschaft? berichtet hatte. Grob in die Tüte gesprochen macht dies eben jene künstliche Intelligenz möglich, die Millionen dieser Stellenanzeigen auswertet, vergleicht und strukturiert.  Wie das Ganze im Detail funktioniert, erspare ich mir an dieser Stelle, weil nicht das „wie“ das Interessante ist, sondern das „was“. Also, was bedeutet das für die Jobsuche? Ganz einfach: Google for Jobs zeigt mir zum einen bereits beim Eintippen, zum anderen dann im Filter „Title“ alternative Jobtitel an:

Google for Jobs - Suche per Autovervollständigen berücksichtigt auch verknüpfte Begriffe

Google for Jobs zeigt alternative Jobtitel zum Suchbegriff an

Am Beispiel „Accounting Jobs“ kann man schon ganz gut sehen, dass die API ordentlich zu funktionieren scheint, wie Josh Bersin in seinem reißerisch betitelten Artikel Google For Jobs: Potential To Disrupt The $200 Billion Recruiting Industry auf forbes.com schreibt. Er vergleicht die Suchanfrage auf der Karriere-Website von Johnson & Johnson. Während ohne Nutzung der künstlichen Intelligenz auch Sales Jobs (Account) angezeigt werden (was einer Misinterpretation der Suchanfrage [Account | Accounting] zuzuschreiben ist), zeigen die Suchergebnisse mit der API tatsächlich nur Accounting-Jobs an. Ohne wenn und aber. Ausreißer gibt es keine. Er offenbart noch ein paar andere Erkenntnisse, insofern  gilt dem Artikel meine Leseempfehlung.

Update: Soeben wurden aktuelle Zahlen vom Google Cloud Jobs API Team in Bezug auf den Einsatz der Schnittstelle bei Johnson & Johnson angeht: Seit der Integration von Cloud Jobs API hat das Unternehmen 18 Prozent mehr Bewerber per Suchanfrage und nahezu 25 Prozent mehr Klicks auf die Karriere-Website erhalten. Dies unterstützt der Meldung zufolge den von Google verfolgten Ansatz, dass Arbeitssuchende leichter finden, was sie suchen.

Bewerbung noch nicht möglich

Zurück zu den Jobs: Die Stellenanzeige selbst wird mir auf einer separaten Jobs-Seite angezeigt (s. o.). Unterhalb der schmucklosen HTML-Darstellung gibt’s dann noch die Möglichkeit, nach weiteren Jobs beim jeweiligen Unternehmen zu suchen. Eine Bewerbung direkt aus der Stellenanzeige ist hingegen (aktuell noch) nicht möglich. Geplant sei das aber, wie Sundar Pichai angekündigt hat. Momentan ist es so, dass der Bewerber über den Bewerben-Button entweder auf die Seite der Jobbörse gelotst wird, um sich dann dort zu bewerben (oder aber von da auf die Karriere-Website gelotst wird, um sich dann dort zu bewerben) oder aber auf die Karriere-Website gelotst wird. Hm.

Google for Jobs - direkte Bewerbung noch nicht möglich

Und was ist mit Google Hire? Tja. Die Integration ist wohl noch nicht vollzogen. Zumindest nicht bei den von mir getesteten Unternehmen, die Google Hire nutzen. Hier gibt’s (noch) keine Schnittstelle. Insofern ist die Candidate Experience hier eher mau und wohl bekannt von den klassischen Job-Crawlern. Aber auch hier wird – ebenso wie Google for Jobs selbst – sukzessive ausgerollt, so dass uns Google über kurz oder lang im gesamten Recruiting-Prozess unterstützen kann und (hoffentlich) so leidige Bewerbermanagement-Systeme wie die von SAP (aka Successfactors) oder andere veraltete aufgeblähte Anbieter der Vergangenheit angehören. Nun, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt ;).

Noch einmal zurück zur Jobsuche. Denn natürlich bedeutet eine Jobbörse, die in Google integriert weitaus mehr, als nur eben die Integration eines weiteren Job-Crawlers. Immerhin ist Google weltweit die am meisten genutzte Suchmaschine. Und mehr. Nutzer verwalten über Google ihre E-Mail-Postfächer, ihre Kalender, ihre Bilder, Filme, Musik und sonstige Dateien, tätigen über Android-Handys Überweisungen, daten sich und so weiter. Das heißt: Google weiß alles. Und noch viel mehr, als Sie glauben, über sich selbst zu wissen. Ist so und müssen wir auch nicht beschönigen, Stichwort Predictive Analytics. Das hat aber auch einen Vorteil: Google weiß nämlich auch viel besser, welcher Job zu einem passt, als man selbst. Schließlich werden ja auch sämtliche Suchanfragen und besuchte Seiten registriert. Ganz zu schweigen von Google Maps. So ist es also sehr gut denkbar, dass aufgrund meines Suchverhaltens bei der Jobsuche Unternehmen respektive Jobs nicht angezeigt werden, die nicht zu meinem Mindset passen oder zu weit von meinem Zuhause weg liegen. Cultural und Regional Fit in Bestform sozusagen ;).

Was bedeutet Google for Jobs für die Jobbörsen?

Was bedeutet Google for Jobs nun für die Jobbörsen… Eine gute Frage, die man nicht abschließend beurteilen, wohl aber in Anlehnung bspw. an Google Flights oder aber aber an die Produktsuche recht einfach beantworten kann. Aktuell liefern die Jobbörsen das größte Volumen der in Google for Jobs angezeigten Stellen. Demzufolge gibt es also eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit. Nichtsdestotrotz wird es trotz aller Euphorie bei den Jobbörsen darauf hinauslaufen („Google for Jobs hat das Potenzial, dass Millionen von Jobs, die auf LinkedIn zur Verfügung stehen, noch einfacher von Fach- und Führungskräften entdeckt werden können“ wird bspw. Dan Shapero, VP Talent Solutions and Careers bei LinkedIn im Artikel Wie Google den Online-Stellenmarkt aufrollen will zitiert), dass sich diese demnächst ihren Werbeplatz bzw. ihre Position bei Google for Jobs einkaufen müssen. Google auf jeden Fall macht das Ganze (wie immer) nicht aus Liebe zum Menschen und um etwas Gutes zu tun. Google macht es, um noch mehr Geld zu verdienen und noch mehr über die Nutzer zu wissen. Regt sich eigentlich noch irgendjemand über George Orwells 1984 auf? ;)

Update 2: Google Jobs ist nun offiziell in den USA gestartet und es gibt ein paar Neuerungen.

Nun denn, es bleibt auf jeden Fall spannend. So lange Google for Jobs noch nicht in Deutschland ausgerollt ist, gibt’s hier (und auch dann)…


Die besten Personalmarketing & Recruiting Jobs

Personalmarketing, Recruiting, Employer Branding oder HR generell ist deine Leidenschaft? Du willst dich verändern oder strebst nach Höherem? Dann klick dich glücklich! Unter einer Vielzahl von Stellenangeboten findest auch du deinen Traumjob!

    Suche

    Ihr wart ein großartiges Publikum! Vielen Dank!

    Willkommen im Recruiters Club!

    Jede Wette, dass es am 4. Mai weitergeht!

    Keinen Artikel mehr verpassen?

    Kategorien

    Arbeitgeber Ausbildungsmarketing Authentizität Bewerber Candidate Experience employer branding Facebook Fachkräftemangel Karriere-Fanpage Karriere-Page Karriere-Website Karriere-Website-Check Karriereseiten kununu Personalmarketing recruiting Social Media Social Media Personalmarketing Stellenanzeige Stellenanzeigen Studie twitter Xing Youtube Zielgruppe

    Archive