Ehrliche Stellenanzeige: Monetäre Vergütung nicht vorgesehen

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 3 Minuten.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein Freund ehrlicher Worte bin. Das gilt nicht nur für den Blog, der am 24.3. seinen siebten Geburtstag feierte und damit eine Hürde gemeistert hat, an der so manche Ehen scheitern (also das verflixte siebte Jahr zu schaffen), das gilt auch für die Kommunikation mit dem Bewerber. Seien es Stellenanzeigen oder auch die Karriere-Website: Ehrlich währt am längsten. Und so kann ich es mir nicht nehmen lassen, die folgende Stellenanzeige kritisch zu würdigen.

Monetäre Vergütung nicht vorgesehen

Gerade schrieb ich ja noch über die Stellenanzeige mit „Tabu-Bruch“ – eine Pflegeeinrichtung wirbt plakativ mit dem Gehalt und macht damit alles richtig, richtet sie sich doch nach den Bedürfnissen der Zielgruppe – da flattert mir dann heute das absolute Gegenstück ins Haus. Zugegeben, die Aufbereitung der Inhalte dieser Stellenanzeige lässt nichts zu wünschen übrig, mit der das auf die Besetzung von Positionen der obersten Führungsebene spezialisierte Unternehmen Labbé & Cie. hier nach einem Sympathieträger für eine exponierte Schlüsselposition sucht. „-ungs“ gibt’s keine (1.005.177 „-ungs“ in gut 120.000 Stellenanzeigen hat Textkernel seinerzeit gezählt) und auch ansonsten hält man dort nicht viel vom Nominalstil, der einem Großteil der deutschen Stellenanzeigen so zu eigen ist.

Aber mal im Ernst: Würden Sie sich auf eine Stelle bewerben, wenn für deren Ausübung „eine monetäre Vergütung nicht vorgesehen“ ist? Okay, klar als Praktikant kennt man das zur Genüge. Aber würden Sie unter der Voraussetzung auch „extremen Termindruck und physisch herausfordernde Arbeit“ auf sich nehmen? Oder „flexible Arbeitszeiten, die auch Feiertags- und Nachtarbeit einschließen„?  Nun, immerhin erwartet den Stelleninhaber ein „außergewöhnliches öffentliches Renommee„. Allerdings schwer erkauft. Denn unbedachte, mit leicht angeduseltem Kopf geschossene Selfies, die einen dann in einer peinlichen Lage auf Twitter, Facebook oder Instagram zeigen und den letzten Abend in Erinnerung rufen, sind bei dieser Stelle absolut undenkbar. Denn, wie es so schön im Anforderungsprofil heißt, zeichnet sich der Kandidat „neben einem Lebenswandel, der einem Sympathieträger in exponierter Schlüsselposition angemessen ist, durch seine natürliche Souveränität aus, ein elegantes mit einem unauffälligen Erscheinungsbild geschickt zu kombinieren„.

Stellenanzeige: Labbé & Cie. suchen Sympathieträger für exponierte Schlüsselposition

Berücksichtigung weiblicher Bewerber nur, wenn sie mandatsspezifische Voraussetzungen erfüllen

Tja, man muss offenbar ein ganz besonderer Kandidat sein, um die anspruchsvolle Aufgabe in dynamischem Umfeld als „Sympathieträger für exponierte Schlüsselposition“ zu besetzen. Wobei es mich schon schmerzt, dass auch nach 10 Jahren AGG noch immer nicht angekommen ist, dass eine Ansprache ausschließlich männlicher Bewerber eben jenes Gesetz mit Missachtung straft. Das mittlerweile obligatorische „m/w“ fehlt. Tatsächlich hat sich diese (potenzielle) Diskriminierung umschiffende Lösung mittlerweile im Hausgebrauch etabliert: Mit insgesamt rund 63.000 Nennungen in 100.000 untersuchten Stellenanzeigen ist das die am häufigsten gewählte Variante. Die die weibliche Ansprache fördernde Umkehrung, also „w/m“ kommt hingegen nur rund 9.000-mal vor. Hier gibt es aber weder ein „m/w“, noch ein „w/m“.

Und so kann auch der Hinweis, dass „weibliche Bewerber AGG-gemäß gewiss gleichermaßen berücksichtigt werden, insofern sie die geforderten mandatsspezifischen Voraussetzungen erfüllen„, den Eindruck nicht verwischen, dass hier alles getan wird, um die mittlerweile gesetzlich geforderte Frauenquote zu konterkarieren. Die Tatsache, dass „Persönlichkeiten mit weißem Vollbart aufgrund der Abgrenzung zur Konkurrenz grundsätzlich nicht in Frage kommen„, trifft mich schon fast persönlich, gehöre ich doch seit einiger Zeit fast genau zu dieser Gruppe von Menschen. Gut, so richtig voll und so richtig weiß ist er nicht, aber meine Seniorität unterstreicht der Gesichtsschmuck sehr wohl. Gerade vor dem Hintergrund, dass das suchende Unternehmen bereits in der Vergangenheit durch das AGG ignorierende Stellenanzeigen auffiel und in der letzten skandalumwitterten Anzeige eben genau noch solche Persönlichkeiten mit weißem Vollbart suchte, ist eine solche Ausschreibung umso fragwürdiger.

Umso gespannter darf man also sein, ob sich auf diese Stelle, die „im Zuge einer sanften Nachfolgeregelung für den Gründer mit einer jüngeren Persönlichkeit neu besetzt werden“ soll, jemand bewirbt.

Die komplette Stellenanzeige gibt’s hier im Original.

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    1. […] Ehrliche Stellenanzeige: Monetäre Vergütung nicht vorgesehen […]

    2. motobu2003 sagt:

      schade nur, dass man nichts weiter über die überaus exklusiven Kaminabende erfährt… ich war doch nach der ganzen Einleitung gespannt.

    3. Beverly sagt:

      Das liest sich wie ein ganz schlechter Scherz, ich kann das überhaupt nicht glauben! Noch weniger kann ich glauben, dass man sich darauf bewirbt, oder? :-D Diese verschachtelten Sätze lesen sich wie ein Loriot-Sketch.
      Fehlt nur Herr Dr. Klöbner.

    4. Sonja sagt:

      ich würde sagen, hier sucht jemand einen Nachfolger für unseren Osterhasen :D
      auch wenn mir nicht klar ist, warum unser Osterhase ausgedient haben sollte :)

      • personalmarketing2null sagt:

        Wir kommen alle in die Jahre. Auch an Meister Lampe gehen Digitalisierung, Arbeiten 4.0 und Generationenwandel nicht spurlos vorbei ;)

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