durchstaaten.de: Bundesregierung macht jetzt Personalmarketing

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

BÄM! Nun hat also auch die Bundesregierung ihre eigene Personalmarketing-Kampagne! Das „gemeinsame Werbekonzept zur Nachwuchswerbung“ hört auf den launigen Namen „durchstaaten“ und soll den Öffentlichen Dienst als attraktiven Arbeitgeber positionieren. Ob das gelingt? Schaun mer mal…

Öffentlicher Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber

Wenn die Bundesregierung mit einer vollmundigen Pressemitteilung darauf hinweist, dass „erstmals Bund, Länder und Kommunen ein gemeinsames Werbekonzept zur Nachwuchswerbung entwickelt“ haben, weckt das sehr hohe Erwartungen. Zumal die Pressemitteilung das Ganze als großes Ding aufbauscht. So kann man lesen dass „Bund, Länder und Kommunen und Gewerkschaften in der Arbeitsgruppe „Der Öffentliche Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber“ ein gemeinsames Konzept zur Fachkräftesicherung im öffentlichen Dienst als Teil der Demografiestrategie der Bundesregierung erarbeitet haben“.Demografiestrategie der Bundesregierung“ – das klingt toll. Und somit sind dann auch „das Wissen aller Verwaltungsebenen und verschiedene Sichtweisen in die Arbeit dieses Gremiums eingeflossen.“ Weiter heißt es: „Um die Kräfte des Öffentlichen Dienstes zu bündeln, hat die Arbeitsgruppe gemeinsam mit dem Bundespresseamt ein Werbekonzept entwickelt, mit dem erstmals der gesamte Öffentliche Dienst für sich als attraktiver Arbeitgeber wirbt.“

Im Zentrum dieses so genannten Werbekonzeptes steht die als „Internetportal“ proklamierte Website durchstaaten.de (dazu gleich mehr) und „ein dazugehöriges Signet, das auf die Internetseite verweist„. Dieses Internetportal, welches ja Teil der Demografiestrategie der Bundesregierung ist, entpuppt sich letztendlich als gut im Bereich „Service“ der Website bundesregierung.de versteckte Unterseite mit einer umfangreichen Linksammlung und Bildergalerie.

"jetzt durchstaaten?" - Das Internetportal der Bundesregierung enttäuscht auf ganzer Linie

Karriere-Bereich nicht auffindbar

Was mich wundert: Wenn doch die „öffentlichen Arbeitgeber gerade auch in Zeiten, in denen das Angebot auf dem Arbeitsmarkt knapper wird, gute Fachkräfte brauchen“ und „qualifiziertes Personal maßgeblich darüber entscheidet, ob der Öffentliche Dienst auch in Zukunft seine Aufgaben auf dem gewohnt hohen Niveau anbieten kann„. Wenn dann noch mit großem Brimborium eine solche „Personalmarketing-Kampagne“, die ja augenscheinlich gar keine ist, lanciert wird, warum versteckt man dann dieses Internetportal, so dass man es garantiert nicht finden kann, wenn man zufällig über die Seite surft? Bis auf ein unscheinbares Logo, welches weit unten auf der Startseite der Bundesregierung zwischen dem Button für die „Deutsche G20-Präsidentschaft“ und dem Button „Infomaterial der Bundesregierung“ prangt, wird man kaum auf die Seite aufmerksam.

Selbst im Bereich Service, wo man die Unterseite ja eigentlich versteckt hat, ist die Seite nicht verlinkt…

Kampagnenseite durchstaaten ist über die Navigation nicht aufrufbar

Ein Hinweis auf irgendwelchen Unterseiten? Fehlanzeige. Weder auf der Seite „Themen“, noch auf der Seite „Aktuelles“ oder aber eben auf der „Service“-Seite findet sich der Link oder ein Hinweis zum Portal. Selbst im Footer oder in der Meta-Navigation, wo man ja gerne mal den Karriere-Bereich hinverfrachtet, damit die Quengelgeister aus der Personalabteilung endlich mal Ruhe geben und das Marketing stolz sein Revier verteidigt hat, kein einziger Hinweis. Wenn man so will, existiert diese Kampagne eigentlich gar nicht.

Aber vielleicht ist das ja auch alles durchdachtes Kalkül. Denn was auf den Seiten präsentiert wird, ist eben nicht wirklich dazu geeignet, Bewerber für den Beruf im Öffentlichen Dienst zu begeistern respektive den Öffentlichen Dienst als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Und da bedarf es eben mehr als eines dreifarbigen Logos.

Logo durchstaaten.de - Quelle: Bundesregierung

Vom Hocker reißen einen auch weder der Begrüßungstext „Wir – Bund, Länder und Kommunen – suchen Menschen, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen wollen. Wir suchen Menschen, die bereit sind, sich für das Gemeinwohl einzusetzen.“ Sich einbringen wollen ist ja schön und gut – nur in was eigentlich? Auch ein Hinweis, dass es viele Berufsbilder und verschiedene Laufbahnen gibt, ist nett gemeint. Spannend wäre dann doch auch, Infos darüber zu bekommen, welche Berufsbilder das sind, wo man sie ausüben kann, wie diese aussehen und was die Zugangsvoraussetzungen sind.

Bisher gibt es aber tatsächlich nicht mehr als bunte Bildchen auf der Seite „Stellenangebote“ (auf der es aber wider Erwarten gar keine Stellenangebote gibt, sondern nur auf andere Stellenangebots-Seiten verlinkt wird, die dann in einzelnen Fällen sogar tatsächlich Stellenangebote beinhalten, in anderen Fällen dann aber auf eine Seite weiterleiten, auf der zwar keine Stellenangebote zu finden sind, aber Hinweise auf Seiten mit Stellenangeboten, auf denen dann tatsächlich Stellenangebote sind). Die kann man dann zwar anklicken (also die Bilder) aber anstatt dann Infos zum jeweiligen Berufsbild zu bekommen, werden die Bilder dann einfach nur vergrößert angezeigt. Was zwar hübsch anzuschauen ist, aber nicht wirklich einen Mehrwert bietet.

Website-durchstaaten.de: wer hier weiterführende Infos zu den einzelnen Berufsbildern erwartet, liegt falsch

durchstaaten.de festigt Negativ-Image vom Öffentlichen Dienst

Nun wird der Öffentliche Dienst ja in der Öffentlichkeit als staubtrocken und langweilig assoziiert, die Stelleninhaber in vielen Fällen als Dienst nach Vorschrift leistende Sesselpupser wahrgenommen, die um Punkt 17.00 Uhr (oder früher?) den Stift fallen lassen. Und genau mit diesem Klischee – was natürlich nicht stimmt – soll ja dank der findigen Werbekampagne aufgeräumt werden. Aber genau das wird aktuell nicht erreicht. Denn abgesehen davon, dass die Website nicht viel mehr ist als eine umfangreiche Linksammlung, wecken die staubtrockenen Texte null Emotionen und locken damit kaum hinterm Ofen hervor. Aber offenbar ist das auch gar nicht der Anspruch (also abgesehen davon, dass man sich ja als attraktiver Arbeitgeber positionieren will). Schließlich ist das Ziel der Internetplattform, dass der Nutzer „gebündelt und verlinkt in einem Portal […] mit wenigen Klicks viele Stellen im Öffentlichen Dienst“ findet und seine Suche „auf vielen verschiedenen Internetseiten damit ein Ende hat„. Diese Mission wird auch mehr oder weniger erfüllt.

Abgesehen davon heißt es ja auch nicht „durchstarten“, sondern „durchstaaten“. Betonung auf Staat. Und was will man auf einer Behördenseite auch anderes erwarten als Behördendeutsch. Wobei ich von einer Behörde wiederum eine tadellose Rechtschreibung erwarte.

Jörg Buckmann, Schweizer Kchult-Blogger und Personalmarketer mit Herz und Leidenschaft (und seinerzeit selbst im Öffentlichen Dienst) schreibt in seinem Frechmut-Blog von einer Kampagne mit Einschlafgarantie und konstatiert zu Recht:

„Auf durchstaaten.de empfängt einen das nackte Grauen, die ganze graue Soße der öffentlich-rechtlichen Vorurteile klatscht mir frontal ins Gesicht. Grässlich. Emotionslos. Lieblos. Grundlos.“

Dem habe ich wenig hinzuzufügen. Dass die Demografiestrategie der Bundesregierung aufgeht, wage ich aktuell stark zu bezweifeln. Wobei es mir natürlich fernliegt, die Arbeitsgruppe „Der Öffentliche Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber“ respektive die Bundesregierung und das Bundespresseamt mit diesen Zeilen zu entmutigen.

durchstaaten.de aktuell nur Startversion

Aber wozu all die Aufregung? Denn noch ist Hoffnung: Die aktuelle Website ist nämlich nur eine „StaatStartversion“. „Sie soll nach einer erfolgreichen StaatStartphase weiter und noch serviceorientierter ausgebaut werden„. Nach einer erfolgreichen Startphase impliziert aber auch, dass eben nicht ausgebaut wird, wenn die Startphase nicht erfolgreich ist (im Übrigen impliziert „noch serviceorientierter“, dass die Website tatsächlich Service bietet. Finden Sie den Fehler?). Letzteres würde ich der Kampagne allerdings momentan unterstellen. Apropos Kampagne: Derzeit ist wirklich nicht mehr vorhanden, als dieses Portal. Schaut man sich die Websites anderer Behörden oder auch deren Stellenangebote an, so ist dort nichts von dieser Kampagne zu sehen. Aber auch das soll sich ändern. So sollen nämlich möglichst viele Behörden von Bund, Ländern und Kommunen das Logo öffentlichkeitswirksam platzieren, „beispielsweise als Button auf ihren Internetseiten, auf Publikationen, Briefen oder Formularen. Unterstützend dazu sollen vorbereitete Plakate und Flyer in Bürgerämtern, Schulen, Hochschulen, Volkshochschulen etc. aufgehängt bzw. ausgelegt werden„. Allerdings ist es nur mit einem Logo eben nicht getan. Sämtliche Texte und sämtliche Stellenangebote, sämtliche „Karriere-Seiten“ der Behörden benötigen dringendst eine Überarbeitung, um den Arbeitgeber Staat attraktiv zu gestalten. Da ist viel zu tun.

Na denn, lassen wir uns überraschen. Ich als guter Staatsbürger werde mal den Anfang machen. Ab sofort finden Sie das Logo hier bei mir prominent platziert in der Marginalspalte.

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    1. Tina Wieser sagt:

      Das „Portal“ ist ja wirklich lachhaft. Ich selbst kenne junge Menschen, die mit einer Tätigkeit im öffentlichen Dienst gerungen haben und eine informative und motivierende Seite mehr als gut hätten gebrauchen können.
      Schade, dass hier mit viel Aufwand eine Chance vertan wurde.

    2. Hallo Henner,
      danke für deinen Post.

      Ich, der sich mit dem Personalmarketing im öffentlichen Dienst beschäftigt, ist von dieser „Kampagne“ wirklich peinlich berührt. Ich frage mich, wer da eigentlich in dieser Arbeitsgruppe saß und habe gleichzeitig eine Vorstellung über die Antwort. Leider.

      Die Zweite Frage stelle ich, warum man nicht an der seit Jahren bestehenden, deutlich attraktiveren Kampagne der Gewerkschaft http://www.die-unverzichtbaren.de/ andockt und diese endlich mit Jobs bestückt. Aber auch hier kenne ich die Antwort, die ich selber schon zu hören bekommen habe: „Mit der Gewerkschaft kooperieren wir das nicht. Wir machen das schon selber.“ Da stellt man sich die Frage, um was es eigentlich geht. Attraktivitätssteigerung im öffentlichen Dienst oder Ego-Streicheln.

      Als drittes möchte ich deinen wunderbaren Beitrag mit einem Hinweis auf den dazugehörigen Facebook-Post – bzw. die dortigen Kommentare – ergänzen: https://www.facebook.com/Bundesregierung/ Einen eigenen Kanal hat man sich gleich mal gespart aber tatsächlich zunächst auch geantwortet. Aber scheinbar wurde man mit Kommentaren (aktuell 1083) überrollt. Das könnte man als Erfolg der Kampagne werten, fängt man an zu lesen, ging das wohl nach hinten los…

      VG, Stefan

      • personalmarketing2null sagt:

        Servus Stefan,
        als ich den Artikel schrieb, habe ich mich gefragt, was du als „Öffentlicher“ wohl von der Kampagne hältst. Insofern danke für deine Meinung! ;)
        Die Kampagne „Die Unverzichtbaren“ hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, aber die Frage ist durchaus berechtigt. Wahrscheinlich ist sie einfach zu hip und modern, was der ÖD offensichtlich dann doch nicht sein will. Auch wenn dies das überaus pfiffige Wortspiel „durchstaaten“ suggerieren mag.
        Die Vorstellung bezüglich der Zusammensetzung der Arbeitsgruppe teilen wir wahrscheinlich.
        Und was da auf der Facebook-Seite abgeht (ich war gar nicht auf die Idee gekommen, auf Facebook zu schauen – warum wohl?) zeigt ja doch sehr anschaulich, dass durchstaaten eher zum fehlstaaten gerät. Aber immerhin hält die Redaktion tapfer durch und stellt sich jedem noch so dämlichen Post. Respekt.
        In diesem Sinne – auf besseres Personalmarketing im ÖD und sonnige Grüße
        Henner

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