Jack the Ripper im Recruiting: Bewerber, die auf Blutorgien starren

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 2 Minuten.

Die Kehle der Frau haben zwei tiefe Schnitte durchtrennt, eine tiefe Wunde klafft in ihrem Unterleib. Anderen Opfern wurden die Kehle oder die Halsschlagader durchschnitten und die inneren Organe, wie Herz, Niere oder Gebärmutter entnommen. In einem Falle wurden sogar Teile der Haut abgezogen. Für diese Blutorgien verantwortlich: Jack the Ripper. Sie fragen sich, was das nun mit Recruiting respektive Personalwerbung zu tun hat?

Jack the Ripper Recruiting-Video mit Blutorgie - Screenshot Youtube

Das fragte ich mich auch. Aber der grausame Serienkiller, der 1888 sein Unwesen trieb, fasziniert viele Menschen nicht nur derart, dass bis heute neue Werke über Jack the Ripper und seine Taten entstehen. Offenbar fasziniert diese Berühmtheit auch den Inhaber eines Braunschweiger IT-Versenders. Via Twitter wurde ich heute auf dieses verstörende, jegliche Grenzen des guten Geschmacks überschreitende „Recruiting-Video“ aufmerksam gemacht.

Recruiting mit Splatterfilm

Zu sehen ist ein immer wieder fröhlich mordender, Frauen aufschlitzender Jack the Ripper. Kommentiert wird diese Blutorgie durch seinen Kutscher (dargestellt von Schauspieler Max Florian Hoppe), der offensichtlich von den ewigen Metzeleien seines Chefs gelangweilt ist und sich einen neuen Job mit spannenderen Aufgaben wünscht (genau das ist die Botschaft des Videos).

„Mann, Mann, Mann, Mann, Mann, jeden Abend das gleiche Theater. Und ich? Ich sitze hier auf meinem viel zu engen Kutschbock und frier mir die Eier ab… Freaks. Nacht für Nacht… Und die Bezahlung? Die ist auch nicht besonders…ich muss dringend etwas ändern…“

Zwar werden Jack the Ripper tatsächlich nur fünf Morde zugeschreiben, aber offenbar reichte das vollkommen aus, um daraus die kranke krude Idee dieses Spots erwachsen zu lassen, von dem zwei Varianten existieren. Ich zeige hier bewusst die „Uncut-Variante“:

Personalsuche mit „ungewöhnlichen Maßnahmen“

Geschockt? Ich war es auch. Und bin es noch. Splatterfilme im Recruiting – das hatten wir doch schon mal bei Saturn Österreich. Aber muss so was wirklich sein?

(Potenzielle) Bewerber starr(t)en auf oben gezeigte Blutorgie in Braunschweiger Kinos. Zu sehen ist der Splatterstreifen auch auf Youtube und natürlich auf der Karriere-Website des Unternehmens.

Und wozu der ganze Aufriss, dieser aufwendig produzierte und mit Schauspielern inszenierte Recruiting-Spot, der so gar nicht zu den anderen Recruiting-Videos, geschweige denn zum restlichen Auftritt des Unternehmens passt?

Karriere bei Kosatec - Auftritt passt nicht zu Splattervideos - Screenshot: kosatec.de

Darüber gibt die Pressemitteilung Aufschluss: Anlass für den Blutrausch das Video ist die weitere Expansion des Unternehmens und die Ausschreibung von Sales Manager und Key Account Manager Positionen für den Vertrieb. Dafür setzt der Braunschweiger IT-Distributor KOSATEC bei seiner Personalsuche „auf ungewöhnliche Maßnahmen und veröffentlicht aufwändig produzierte Recruiting-Videos im Kinostil, um die Aufmerksamkeit neuer potenzieller Mitarbeiter für sich zu gewinnen.“ Klar genau so und nicht anders gewinnt man Sales Manager und Key Account Manager. Vielleicht wäre ein Besuch der #SoSu in Mainz die bessere Alternative?

Wie auch immer. Die Aufmerksamkeit ist dem Unternehmen mit Sicherheit gewiss. Und wenn nicht von Bewerbern, so zumindest vom Deutschen Werberat.

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    1. Vermutlich ist die Motivation pure Verzweiflung ;-)

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    3. Naja, das kann man schlimm und eklig finden oder einfach ausgefallen. Zumindest ist es was anderes. Über Marke brauchen wir eh nicht reden, wobei ich da bei den meisten Videos so meine Bedenken habe. Die Frage ist eher: Sind die Typen, die Videos wie dieses oder das Parallelvideo mit dem blutigen Boxkampf toll finden, die richtigen für einen Key Account Job in diesem Unternehmen?

      Mal Abwechslung im Recruiting-Einerlei, auch wenn es nicht nach meinem Geschmack ist. Aber so ist das mit dem Wurm beim Angeln … :)

      • personalmarketing2null sagt:

        Puh… Nicht schlimm… Da spritzt das Blut und du findest es nicht schlimm? Klar, wir sind total abgestumpft und sehen so was Tag für Tag. Sei es in den Nachrichten oder einschlägigen Filmen. Aber ist das ein Grund, so etwas Gewalt veherrlichendes und verharmlosendes auch noch in einem Recruiting-Video einzusetzen? Wenn wenigstens der Rest des Unternehmensauftritts passen würde und alles solche Freaks wären. Aber das scheinen ja eigentlich alles ganz nette Leute zu sein. Obwohl… Jack the Ripper sah man es ja auch nicht an:)
        Ob das Video dem Fisch (= Sales Manager) schmecken wird? Ich wage es zu bezweifeln…

        • HRfilter sagt:

          Die Idee hat was.

          Der Droschkenführer wird zum Key-Account-Manager des 19. Jhd. uminterpretiert. Die Aufgabe: Seine Schlüsselkunden beim Ausüben äußerst fragwürdiger Tätigkeiten zu unterstützen. Und das auch noch bei schlechten Arbeitsbedingungen. Eine gelungene Metapher.

          Es stimmt. Das Video ist eine groteske Horrorkomödie. Aber das sollte ja nicht von der Absicht hinwegtäuschen, dass hiermit nach Leuten mit Berufserfahrung gesucht wird.

          Diejenigen, die wissen, was für ein Drahtseilakt Kundenbetreuung und Kundengewinnung ist, die gute Miene zum bösen Spiel zu wahren, werden sich sicher mit dem Droschkenführer identifizieren.

          Ein bisschen nachsichtig sollte man bei Recruitingvideos schon sein. Die Macher sind alles keine Film- und Regieexperten. Hier in dem Video erkennt man recht leicht wo es hapert: Sek. 32 bis 35 ist unangemessen. Die Auflösung ins Absurde gabs bereits weit früher und nun schwenkt es wieder ins Ernste zurück? Kein Wunder, warum man es als geschmacklosen Splatterfilm ansieht. Aber solche Kleinigkeiten sind Erfahrungswerte, die man wohl eher in der Filmindustrie vermeiden lernt.

          • personalmarketing2null sagt:

            Puh… ein bisschen weit hergeholt, die Interpretation… :) Erinnert mich an den Deutschunterricht, wenn es darum ging, irgendwelche Literatur zu interpretieren. Die große Herausforderung war dabei immer, herauszufinden, was denn wohl der Lehrer hinein interpretiert haben wollte. Ich bin meistens gnadenlos gescheitert, weil ich einfach andere Vorstellungen hatte…
            Was das mit den Machern angeht: Leider doch. Das sind Film- und Regie-Experten. Allerdings nicht für Recruiting-Filme.
            Wie auch immer, man kann hinein interpretieren, was man will. Das Gewalt verharmlosende, verstörende bleibt bestehen.

            • HRfilter sagt:

              HA! Noch jemand der verstanden hat, wie man sich durch den Deutschunterricht in der Schule mogelt. :D

              Allerdings gibt es hier kaum etwas zu interpretieren. Was sollte man denn sonst aus einem Kutschenführer, der die einzige Sprechrolle hat und der Pressemeldung entnehmen. Die andere Annahme die Macher glauben alle Account-Manager sind Splatterfilmliebhaber wäre da wohl eher an den Haaren herbeigezogen.

              Wie dem auch sei. Ich denke das Video gibt einen guten Anlass darüber zu diskutieren, was eigentlich ein Recruiting-Video ist bzw. ausmacht? Ich habe jetzt eine Nacht darüber geschlafen und bin der Ansicht, dass man Werbung von Recruiting-Videos trennen sollte. Und dieser Film ist definitiv einfache Werbung, wie man Sie aus dem Fernsehen kennt.

              Warum? Alle gut gemachten Recruiting-Videos erzählen etwas über den beworbenen Job, die Arbeitswelt und über das Unternehmen. Sie sind informativ und geben Einblicke.
              Werbefilme dagegen geben zu 1% Auskunft da ist ein neues Produkt auf dem Markt und die restlichen 99% sind Affektfängerei, Fassade und Schein. Genau wie bei diesem Film.

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