Personalmarketing auf Schwäbisch

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Da schreib ich gerade noch darüber, dass man mit Skandalen für jede Menge Aufmerksamkeit als Arbeitgeber sorgen kann und schon zeigt ein Beispiel aus dem Schwabenländle, dass es auch anders geht. Nämlich mit Witz und Charme. Und einer Menge Glück, dass jemand dieses Fundstück aufgegabelt und auf die Reise durchs Social Web geschickt hat. Und da das wirklich ein nettes Beispiel ist, wie erfolgreiches Personalmarketing funktionieren kann und überdies ein Lehrstück in Sachen (Print-)Stellenanzeigen ist, dürfen der „Baggor“ und der „Laschdwaga Fahror“ natürlich auch hier nicht fehlen.

Eigentlich ist alles ganz einfach. Wenn man eine Stelle zu besetzen hat, schaltet man eine Stellenanzeige (z. B. hier auf personalmarketing2null, wo Sie zu unschlagbaren Konditionen mit Ihren Stellenanzeigen Ihre HR-Zielgruppe mitten im Herzen erreichen). Dann legt man die Hände betend im Schoß zusammen und wartet. Post & Pray nennt man diese nach wie vor erfolgreichste und beliebteste Methode der Personalwerbung. Dass das nicht so ohne Weiteres funktioniert, musste auch der Chef der Holp GmbH feststellen. Alle Versuche, via „normaler“ Stellenanzeige in der Lokalzeitung Bewerber zu generieren, schlugen fehl.

Als im Rems-Murr-Kreis ansässiges Unternehmen kam ihm dann die Idee, das Ganze doch einmal in Schwäbischer Mundart im Wochenblatt zu probieren. Und wie wir wissen, können die Schwaben alles. Außer Hochdeutsch eben. Die Idee dazu hatte er bereits seit einem halben Jahr. Ergo schnappte er sich jüngst die bisher in feinstem Hochdeutsch formulierte Stellenanzeige und „übersetzte“ sie in eine Sprache, die unsereins immer fremd bleiben wird. Heraus gekommen ist dabei die Stellenanzeige für den „Baggor-Fahror“ respektive den „Laschdwaga Fahror“.

Stellenanzeige in Schwäbischer Mundart

Personalmarketing auf Schwäbisch: Baggor-Fahror-Laschdwaga-Fahror - Stellenanzeige von Holp

Ich habe natürlich keine Mühen gescheut und sofort Google Translate konsultiert, um die Anzeige zu übersetzen. Blöd nur, dass Google Translate zwar Friesisch kennt, aber kein Schwäbisch. Nun denn, das meiste ist mit ein wenig Mühe selbsterklärend, lediglich der Begriff „Schofseggl“ bedarf der Recherche. Außerdem bietet der Chef höchstselbst eine Übersetzung an. (Alternativ gibt’s die nun auch auf Facebook).

Google Translate kennt Friesisch, aber kein Schwäbisch

Wie es der Zufall es wollte, fand diese Art der Bewerberansprache sehr viel Zuspruch. Was so verwunderlich eigentlich nicht ist. Denn schaut man sich die beiden Stellenanzeigen oben im Bild an, so fällt der „Bagger Fahror“ einfach schon aufgrund der ungewöhnlichen Schreibweise auf und hebt sich wohltuend damit vom Stellenanzeigen-Einerlei ab.

Was dann wohl auch den Siegeszug durch die Sozialen Medien erklärt. Alleine der Post von Twitter-Userin Jil Phoenix wurde 676-mal geteilt und 1.600-mal gefaved (so heißt das bei Twitter, wenn man etwas richtig toll findet). Und irgendeiner der Re-Tweets schlug dann auch bei mir auf. Die lokale Presse sprang auf den Zug auf, von da an ging es weiter in den Schwäbischen Medien und mittlerweile hat es die Stellenanzeige bis nach Berlin, nach Hamburg oder in die „Bild-Zeitung der Intellektuellen“, den Focus (das sind die mit den garantiert nicht repräsentativen Arbeitgeber-Rankings) und bis in die Schweiz und nach Österreich geschafft.

Bäm. So einfach geht das manchmal. Einfach für Aufmerksamkeit sorgen mit einer witzigen Idee und dabei ganz geschickt die gewünschte Zielgruppe adressieren (mal ganz ehrlich, welcher Nicht-Schwabe würde sich schon auf diese Anzeige bewerben wollen?). Die „Eier legende Wollmilchsau“ und die „Mama“ sind ja vergleichbare Beispiele.

Stellenanzeige hat Erfolg, aber…

Tatsächlich zeigt die Anzeige Erfolg, wie die Waiblinger Zeitung berichtet. So viele Bewerber hätten sich noch nie beworben, wird der Inhaber des Unternehmens dort zitiert. Bereits am Tag nach Erscheinen der Stellenanzeige im Wochenblatt standen die ersten Bewerber auf dem Hof des Unternehmens. Wobei der ungewöhnlich hohe Bewerberandrang wohl auf die virale Reichweite zurückzuführen ist. Was mich allerdings wirklich nachdenklich stimmt, ist Holps Antwort auf die Frage, ob sich denn auch die Qualität der Bewerber gesteigert habe. Das könne er in zwei Monaten sagen, wird dieser zitiert. Nämlich dann, wenn er seine Auswahl getroffen habe.

Hm, zwei Monate bis zur Auswahl des Bewerbers? Ernsthaft? In der Zeit hat selbiger im Zweifelsfall beim Bau-Unternehmer in der Nachbargemeinde unterschrieben. Gut, die durchschnittliche Besetzungsdauer in deutschen Unternehmen beträgt gemäß IAB Kurzbericht beträgt 85 Tage (Tendenz leider steigend!). Insofern liegt Holp da noch sehr gut im Durchschnitt ;-). Aber mal im Ernst: Da generiert man Reichweite und Bewerber – Holp sucht bereits seit Wochen nach personeller Unterstützung – und dann lässt man die Bewerber im Regen stehen? Wie war das noch mit dem Fachkräftemangel?

Und noch was: Das Unternehmen ist vor Kurzem mit einer neuen Website online gegangen. Die ist sogar mobil optimiert! Aber dreimal dürfen Sie raten, ob ein potenzieller Bewerber dort die Stellenanzeige geschweige Informationen zum Arbeitgeber findet. Wir erinnern uns: Jeder Besucher einer Website ist ein potenzieller Bewerber respektive Multiplikator. Wer steuert die Homepage eines solchen-Unternehmens an? Genau das ist der Punkt: Leute, die sich für „Baggor“ und „Laschdwaga“ begeistern. Nur finden genau die leider nicht den Hinweis auf die Jobs. Aber warum sollte es Holp besser machen als die Telekom oder 1&1? Denn auch dort werden wertvolle Potenziale verschenkt.

Nur am Rande sei erwähnt, dass „Baggor-Fahror“ oder „Laschdwaga-Fahror“ nur in Print-Stellenanzeigen funktionieren. Selbst ein Schwabe würde online nicht nach solchen Begriffen suchen, wenn er auf Stellensuche wäre. Und selbst Googles Cloud Jobs API kann einiges. Aber kein Schwäbisch.

Jobs für Bagger Fahror und Laschdwaga-Fahror kann ich nicht bieten. Aber wie wäre es mit …


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