#TraumberufSchäfer: Wenn Wanderschäfer zwitschern

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Vor kurzem berichtete ich über die bisher wohl größte Recruiting-Aktion auf Twitter. Über den Hashtag #jimdoquit fieberten Recruiter unterschiedlichster Unternehmen mit und überboten sich beim Anbiedern Anbieten Ihrer Jobs für die gerade frei gesetzten Mitarbeiter des einstigen Vorzeige-Startups JIMDO. Die Aktion an sich war schon recht bemerkenswert. Wenn aber ein Schäfer Twitter fürs Recruiting nutzt, um darüber einen Azubi bzw. Mitarbeiter zu finden und zudem über diesen Kanal Einblicke in das (Berufs-)Leben eines Wanderschäfers vermittelt, dann ist das definitiv einen Asbach Uralt Blogartikel wert.

Auf du und du mit den Schafen am Gruesee

Auch in der Schäferei herrscht so was wie Fachkräftemangel. Wahrscheinlich ist es aber wohl einfach auch so, dass keiner darüber nachdenkt, Schäfer zu werden, wenn er eine Schafherde sieht – vielleicht auch deswegen, weil ihm gar nicht bewusst ist, dass es ein offizieller (Ausbildungs-)beruf ist. Wobei der Ausbildungsberuf offiziell ja auch total unromantisch Tierwirt mit Schwerpunkt Schäferei heißt. Insgesamt vier Fachrichtungen gibt es beim Tierwirt, einer davon ist die Schäferei. In der Liste der Ausbildungsberufe steht der Tierwirt an 131. Stelle.

Ausbildungsberuf Tierwirt auf Rang 131 bei den Ausbildungsabschlüssen

Immerhin an 131. Stelle von 317 angebotenen Ausbildungsberufen. Wie viel davon Schäfer sind, das gibt die Statistik leider nicht her.

„Tierwirte und Tierwirtinnen der Fachrichtung Schäferei züchten und halten Schafe, um die Tiere oder deren Fleisch und Wolle zu verkaufen. Außerdem leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Landschaftspflege.“

So weit, so gut. Den Schäfern gehen also die Schäfer aus. Aber über Twitter den passenden Nachwuchs suchen? Twitter als Recruiting-Tool für Schäfer? Versuch macht kluch, hat sich auch Sven de Vries gedacht. Sven ist Wanderschäfer und zwitschert seit April 2015 unter dem Motto „Einem Wanderschäfer und 1000 Schafen in deinem sozialen Netzwerk folgen“ via Twitter und Facebook täglich über sein Leben als Wanderschäfer.

„Die Wanderschäferei ist beinahe so alt wie die Menschheit selbst und es gibt in Deutschland noch immer Menschen, die diesem Beruf nachgehen. Mit Rund 1000 Schafen und meinen Hunden, ziehe ich auf uralten Routen quer durch Süddeutschland.

Wanderschäfer Sven de VriesMit seinem Online-Auftritt ist er sogar für den Grimme Online-Preis nominiert worden. Respekt! Das hat noch kein HR-Blogger geschafft :-) Sven macht das, was gute Arbeitgeber im Rahmen ihrer Employer Branding-Bemühungen auch tun (sollten): Er vermittelt transparent und authentisch, wie sein Arbeitsalltag aussieht und zeigt nicht nur die schönen Seiten. Fast 6.400 Follower versammelt er mittlerweile auf seinem Twitter-Account @schafzwitschern und täglich werden es mehr, die er mit seiner Leidenschaft für die Schäferei ansteckt. Weil sich Sven Gedanken über die Zukunft der Schäferei macht, er seinen Beruf liebt und keinesfalls möchte, dass dieser ausstirbt, hat er mal eben so einen eigenen Stellenmarkt für Schäfer auf die Beine gestellt und zudem die Kampagne „#TraumberufSchäfer“ lanciert. Und weil ich das, was er macht, einfach klasse finde, habe ich ihn einfach mal zu alldem befragt. Via Twitter natürlich ;-)

Zeig, was du kannst, Twitter!

Lieber Sven – Schäfer und twittern – wie geht das zusammen? Anders gefragt: Wie bist du auf die Idee gekommen, Twitter als Kommunikations-Tool zu nutzen?

// Eigentlich war das Zufall. Ich habe Twitter schon lange privat genutzt. Als klar war, dass ich über meinen Beruf schreiben möchte, hat sich das dann einfach angeboten. Mit der Zeit hat sich Twitter als das ideale Werkzeug erwiesen. Über die vielen kurzen Tweets kann ich ganze Geschichten erzählen, ohne mich lange hinsetzen zu müssen. Die Tweets sind immer Momentaufnahmen und kurze Eindrücke. Mit der Zeit entwickelt sich bei den Followern ein viel komplexeres Bild als mir das mit längeren Texten möglich wäre. Gerade die kurzen Einblicke ins Private machen das, denke ich, für die Follower interessant. Die wiederum müssen keine Romane lesen um zu verstehen, was bei mir geschieht.

Du suchst aktuell einen Azubi bzw. einen Schäfer. Ist Twitter da das geeignete Tool, um den Nachwuchs auf dich aufmerksam zu machen? Mal ganz ehrlich: Welcher Schäfer ist schon auf Twitter unterwegs – und vor allem: welcher potenzielle Schäfer?

// Bei der aktuellen Stellenanzeige haben sich vor allem Menschen gemeldet, die etwas an ihrem Leben verändern möchten. Die muss ich auch dort abholen, wo sie sich zur Zeit befinden. Twitter ist da unserer Schnittpunkt. Die anderen sozialen Netzwerke sind genauso gut geeignet und ich habe auch über Facebook auf die Stelle hingewiesen. Menschen, die schon länger mit dem Gedanken spielen, den Beruf Schäfer zu erlernen werden wohl eher über den Stellenmarkt für Schäfer auf die Stelle aufmerksam werden.

20 Bewerbungen und hohe Reichweite

Wie ist die Resonanz auf deinen „Aufruf“? Haben sich schon potenzielle Kandidaten gemeldet?

// Ja, sogar jede Menge. Ich habe bisher 20 Bewerbungen und vielleicht auch ein paar Menschen zum Nachdenken gebracht. Mir geht es ja nicht nur darum, unsere Stellen zu besetzen, sondern den Menschen auch zu zeigen, dass man Schäfer noch lernen kann. Insgesamt haben Rund 80.000 Menschen Tweet und Facebook-Post gesehen, etwas über 1.000 haben sich per Klick auf den Link weitere Informationen geholt.

Du hast eine Jobbörse für Schäfer ins Leben gerufen. Welche Wege wurden bislang genutzt, um Nachwuchs für den Job zu gewinnen bzw. Stellen zu besetzen? Wie ist hier die Resonanz? Gibt es Bewerbungen, die über das Portal zustande kommen?

// Beim Stellenmarkt für Schäfer habe ich mich vor allem auf die Sichtbarkeit im Internet konzentriert. Stellenanzeigen werden auf der Seite, in einschlägigen Facebook-Gruppen, über WhatsApp und per E-Mail verteilt. Die Sichtbarkeit bei den Suchmaschinen habe ich durch Links in einigen Jobbörsen-Verzeichnissen über das Arbeitsamt und meinen Status als ungewöhnliche Nischen-Stellenbörse erreicht. Social Signals über meinen Twitter-Account und bei Facebook tun das übrige. Egal ob man Schäfer sucht oder eine/r werden möchte, man wird am Stellenmarkt kaum vorbei kommen. Das Feedback der Schäfer zeigt mir, dass die Stellen häufig auch besetzt werden können. Sowas spricht sich natürlich rum und ich bekomme immer häufiger Anrufe von Schäfern, die inserieren möchten, aber mit dem Internet nicht umgehen können.

Stellenmarkt für Schäfer

Stellenmarkt für Schäfer

Und zu guter Letzt: Wie ist die Situation generell? Ist es heute schwieriger, passende Leute zu finden, die den Beruf des Schäfers ergreifen wollen?

// Wir haben gleich mehrere Baustellen. Zum einen sind Bezahlung und Arbeitszeit fürchterlich. Da ist es schwierig, junge Menschen für den Beruf zu begeistern. Auch gibt es immer weniger Betriebe, die aktiv nach Auszubildenden suchen. Das hängt wohl vor allem mit der finanziellen Situation vieler Schäfereien zusammen. Wenn es uns aber gelingt die Menschen für unseren Beruf zu begeistern, werden sie sich auch wieder aktiv bei Betrieben bewerben und der eine oder andere wird auch wieder ausbilden. Mir ist da in der Vergangenheit zu wenig passiert. Mit meinem Twitteraccount und dem Stellenmarkt für Schäfer habe ich dann einen Anfang gemacht. Die beste Werbung machen aber weiterhin unsere Schafe. Wer sich eingehender mit den Mädels beschäftigt, wird feststellen, dass es sich lohnt über den Beruf Schäfer nachzudenken.

Sven, ich danke dir sehr für deine Zeit. Tolle Sache, dass du dich so engagierst! 

Toll, was Sven de Vries da mit simplen Mitteln auf die Beine gestellt hat. Durchaus inspirierend, wie ich finde! Es braucht nicht immer die Riesen-Budgets, um auf sich aufmerksam zu machen. Was Sven sagt, gilt generell: Es geht darum, Menschen für den Beruf zu begeistern. Dass die nicht von selbst kommen, wenn man nicht darüber spricht, sollte eigentlich klar sein. Ergo gilt es Flagge zu zeigen. Die Zielgruppe emotional zu packen und zu begeistern. Und ehrliche Einblicke zu vermitteln, wie es das in der Form so bisher noch nicht für diesen Beruf gegeben hat. Der Wanderschäfer mit seiner Kampagne #TraumberufSchäfer ist ein schönes Beispiel, wie dies mit wenig Aufwand geschehen kann.

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