Personalmarketing: Köder für die Kunden

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Bereits in meinem letzten Blogartikel schrieb ich darüber, welche Möglichkeiten das Personalmarketing in der Bewerberansprache (nicht nur!) im Handel bietet. Während ich dabei den Schwerpunkt auf das Thema Online gelegt habe, geht es heute einmal primär um die Offline-Maßnahmen. Welche Branche hat schon so viel Kontakt zum potenziellen Bewerber, wie der Einzelhandel? Ist doch jeder (!) Kunde ein potenzieller Bewerber bzw. zumindest Multiplikator. Da manche Ideen oftmals so naheliegend sind, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, hier ein paar ultimative Tipps zur Bewerberansprache im Einzelhandel. Und der ein oder andere schafft vielleicht auch den Transfer in andere Branchen ;-)

Es ist schon verrückt. Da gehen Unternehmen wie REWE und SIXT mit Snapchat auf Bewerberfang, nutzen aber nicht die naheliegendsten Mittel und Potenziale. Während es bei SIXT, die ohnehin eher als „hipper“ wahrgenommen werden, noch passen mag, kann man sich bei einem konservativen Einzelhändler schon fragen, ob es zum Rest des Auftritts passt. Vor allem aber fragen, warum nicht erst einmal die Potenziale genutzt werden, die (im wahrsten Sinne des Wortes) auf der Straße, vor der Tür oder im Laden selbst brach liegen?

Warum Snapchat, liegt das Gute doch so nah

Ja, selbst die „mobilen Potenziale“ werden nicht genutzt. Nahezu jedes große Einzelhandelsunternehmen verfügt mittlerweile über eine App, deren Mehrwert gelinde gesagt eher gleich null ist. Trotzdem (oder gerade deswegen?) werden diese Apps millionenfach herunter geladen. Nun raten Sie mal, wie viele dieser Apps über aktuelle Jobs informieren? Ich erwarte ja gar nicht, dass ich statt der täglichen Rabatt-Gutscheine oder Sonderangebots-Hinweise einen aktuellen Job gepostet bekomme. Dafür bin ich viel zu sehr Realist. Aber was spräche dagegen, wenigstens einen Hinweis à la Tinder zu platzieren? Was, bitte, was?

Bewerberansprache via App - auch so könnte Personalmarketing gehen

Mal ganz ehrlich: Welche Branche hat schon das Glück, den Bewerber von morgen jeden Tag bei sich im Laden (oder auf der Website) zu haben, wie der Handel. Und trotzdem klagt man über Fachkräftemangel. Klar, ist ja auch am einfachsten, wenn man keine Lust hat oder nicht bereit ist, sich ein wenig mit der Thematik auseinanderzusetzen und sich ein paar Gedanken zu machen, welche neuen Wege (die gar nicht immer so neu sein müssen!) man im Personalmarketing beschreiten könnte, um Bewerber zu ködern. Oder man einfach das macht, was man immer schon gemacht hat. Weil da hat’s ja auch funktioniert. Neue Ideen, neue Ansätze? Um Gottes Willen! Hand aufs Herz: Im Grunde genommen gilt doch die Gleichung: Fachkräftemangel = Ideenmangel.

Lassen Sie uns das ändern. Ein paar Ideen hätte ich für Sie.

Personalmarketing am POS – Ultimative Tipps zur Bewerberansprache im Handel

Noch einmal: Sie im Handel sind in der glücklichen Lage, Ihre Mitarbeiter von morgen (=Ihre Kunden) auf verschiedenen Wegen direkt anzusprechen. Apropos Wege: Wie wäre es bspw. bereits in der Fußgängerzone durch Fußbodenwerbung („Floor Graphics“) auf Sie bzw. Ihre Jobs aufmerksam zu machen?

Am Laden angekommen, erblickt der interessierte Besucher:

  • Ein Plakat/Banner, welches ihn z. B. auf die Ausbildung (oder welche Positionen Sie auch immer zu besetzen haben) aufmerksam macht, an der Außenfassade und/oder
  • an der Eingangstür und/oder
  • an der Schaufensterfront und/oder
  • an einer Schaufensterpuppe oder einem Monitor oder was auch immer Sie so schönes dekorieren

Auch die Schaufensterfront eignet sich hervorragend fürs Personalmarketing

Auch im Laden selbst gibt es diverse Möglichkeiten, wie Sie Ihre Kunden auf sich als Arbeitgeber respektive Ihre Jobs aufmerksam machen können. Tatsächlich war ich gerade vor Kurzem im DM-Markt meines Vertrauens. Obwohl das Unternehmen im Allgemeinen und auch in diesem Markt im Speziellen neue Ausbildungsplätze als Drogist zu besetzen hat, habe ich keinen einzigen Hinweis darauf gefunden. Dabei wäre es doch so naheliegend, bspw. direkt im Kassenbereich auf entsprechende Möglichkeiten hinzuweisen. Personalmarketing am Point of Sale eben.

Bewerberansprache per Kassenbon - Personalmarketing bei denn's

  • Ihr Kassenbon mit Hinweis auf Vorderseite/Rückseite auf Ihre Karriere-Website bzw. generell dem Hinweis, dass man aktuell Positionen zu besetzen hat
  • Flyer, die darüber hinaus Informationen bieten
  • Ein Aufsteller im Kassenbereich
  • Bildschirme im Kassenbereich
  • Verkaufspersonal, welches T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck trägt
  • Einkaufstüte mit Aufdruck
  • Einkaufstüte, in die der Flyer eingelegt wird

Oder wie wäre es mit Lautsprecher-Durchsagen zur Bewerberansprache? Anstatt den Kunden auf aktuelle Sonderangebote aufmerksam zu machen, preisen Sie doch einfach mal Ihre Ausbildung an! Sagen Sie mir einen, nur einen einzigen Grund, der dagegen spricht!

Auch das stille (Kunden-)Örtchen können Sie sinnvoll für die Bewerberansprache nutzen: Ikea macht es beispielsweise vor – die Eingangstür zum Toilettenbereich, der unmittelbar ans Restaurant grenzt, weist aufmerksamkeitsstark auf die Karriere-Website hin. Und natürlich muss hinter der Tür nicht Schluss sein. Hier bietet sich das Pissoir bzw. die eigentliche Toilette an. „Pee and watch“ – sich während des Pinkelns über aktuelle Karrierechancen zu informieren eröffnet ganz neue Perspektiven.

"Pee and watch" - Personalmarketing am stillen Örtchen - Copyright by Joonas.ch

Und anstatt Blanko-Papierhandtüchern bekommen Ihre Kunden dann mittels drauf gedruckter Botschaft noch einen Hinweis auf den Einstieg bei Ihnen im Unternehmen.

Ziel dieser mehr oder minder subtil platzierten Botschaften ist natürlich, dass Ihre Kunden zu Bewerbern werden. Da braucht’s dann natürlich eine entsprechende „Landing-Page“, also Zielseite, auf der der Interessent dann die relevanten Informationen findet. Dies ist natürlich sinnvollerweise Ihre Karriere-Website. Oder eben eine Microsite, die bspw. über Perspektiven als Filialleiter, Verkäufer, Visual Merchandiser, Service-Mitarbeiter oder was auch immer informiert.

Personalmarketing mit Flyer bei Coffee Fellows

Super umgesetzt habe ich das beispielsweise bei der Kaffeehaus-Kette Coffee Fellows gesehen: Flyer, die prominent an der Theke oder den Sitzplätzen platziert sind und eine direkte Bewerbungsmöglichkeit bieten – so ganz old school per Hand ausfüllen und an der Theke abgeben oder einschicken -, aber auch auf die Karriere-Website hinweisen, auf der Mann respektive Frau dann weitere Informationen – respektive: „einen Blick hinter die Theke“ erhält. Und die bzw. der macht so viel Lust, dass man gar nicht anders kann, als sich zu bewerben.

Coffee Fellows gewährt Einblicke hinter die Theke

Also, bevor Sie wieder lautstark über den Fachkräftemangel jammern, nutzen Sie diesen Blogartikel als Inspiration und setzen die ein oder andere (oder alle) Maßnahmen um. Bewerberansprache respektive Personalmarketing muss nicht hip sein. Ich gehe jede Wette ein, dass sich Ihre Bewerberzahlen (und die Qualität Ihrer Bewerber) positiv verändern wird, wenn Sie dann den gewonnenen Interessenten auch noch die Wertschätzung entgegen bringen, die sie verdient haben.


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  1. Dennis sagt:

    Hallo!

    Ich persönlich würde mal denken, vermutlich wird es nicht näher in Betracht gezogen, weil die angesprochenen Flächen nicht für Personalmarketing „erwartet“ werden. Und zwar entweder vom Ladenbesitzer oder den Kunden oder auch beiden.

    Man macht doch Werbung eigentlich immer nur dort, wo man erwartet, dass der „Empfänger“ sie auch wahr nimmt. Nicht umsonst wird die leckere TK-Pizza oder die umwerfende Chipstüte am Besten kurz vor oder während des Fußballspiels werbetechnisch präsentiert. ;)

    Und wer hört denn bitte noch bei dem genuschelten irgendwas im Ladenradio zu? Ich eher nicht mehr… Und Kassenbons? Ich erlebe es immer nur noch, dass ich gefragt werde, ob ich den überhaupt mitnehmen wollen würde (unabhängig davon, was das Umsatzsteuergesetz eigentlich vorschreibt…;)).

    Kurzum: Ich denke die Begründung liegt einfach darin, dass sich der Handel damit abgefunden hat, dass diese „old school“ Werbeflächen eben nicht mehr wahrgenommen werden oder noch besser: Sogar schon von den „Machern“ nicht mehr als solche registriert werden…

    Anyway: Interessanter und (zum Teil) erheiternder Post – wie immer.

    Viele Grüße

    Dennis

  2. […] auch der werte Bloggerkollege Henner Knabenreich schöne Beispiele für Offline Bewerberansprache im Handel beschrieben und die Vorteile für Unternehmen herausgestellt, denen potenzielle Bewerber als Kunden […]

  3. Christina sagt:

    Hallo Henner,

    mal wieder ein toller Blogpost! :)

    Aber in einem Punkt stimme ich dir nicht ganz zu: in IKEA, dm Drogeriemarkt u. Co. macht es sicher Sinn, vor Ort um Azubis zu werben
    – aber wahrscheinlich weniger im Lebensmitteleinzelhandel, da viele Azubis noch zu Hause wohnen –> ergo nicht den Lebensmitteleinkauf „erledigen“.

    Mich würde mal interessieren, wie gut REWE via Snapchat die Zielgruppe erreicht und wieviele der Azubibewerbungen daraus generiert werden im Vergleich zu z.B. Aldi, die doch scheinbar etwas mehr „offline“ Personalmarketing, zumindest für die Abiturienten-Ausbildungsprogramme, machen.
    Kommst du da an Zahlen?

    Liebe Grüße

    • personalmarketing2null sagt:

      Hallo Christina,
      vielen Dank!
      Du vergisst die Multiplikatoren – sprich bei Azubis insbesondere die Eltern. Und die erreichst du sehr wohl. Nicht zu vergessen, wenn die Kids mit ihren Eltern einkaufen gehen. Das Argument lasse ich also nicht gelten ;-)
      Zahlen kann ich leider nicht liefern. Müsste ich mal bei REWE nachfragen ;-)
      Liebe Grüße zurück!

  4. Nicht zu vergessen: der Bewerber_in kennt das Unternehmen als Kunde und kommt nicht via Monster/Stepston/Zeitung… das erste Mal mit der Firma in Kontakt. Da ist sicherlich eine ganz andere Bindung möglich, auch längerfristig.
    Btw. ich komme häufiger via Twitter oder Xing auf interessefremde Posts, und die meisten lesen sich wie Werbung für die eigene Leistung und weniger – wie dieser – als Zeichen des eigenen Könnens. Spannender Artikel!

    • personalmarketing2null sagt:

      Sehr guter Punkt! Und die Wechselwirkung Kunde – Bewerber und umgekehrt ist ja auch nicht zu unterschätzen :)
      Vielen Dank für den wertschätzenden Kommentar!

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