Online-Bewerbung: Siemens perfektioniert die Candidate Experience

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Wie oft war doch in den letzten Monaten, fast sind es schon Jahre, die Rede von der Candidate Experience. Also von den Erfahrungen, die ein Bewerber während seiner gesamten Bewerbungsphase vom ersten „Touchpoint“ – das kann eine Stellenanzeige sein, ein Kontakt auf einer Jobmesse, die Karriere-Website, what ever – bis hin zum Onboarding (eigentlich sogar weiter, aber wen schert es, und wen schert überhaupt der Onboarding-Prozess, Hauptsache der Bewerber unterschreibt seinen Vertrag, und bis er dann bei uns seinen Job antritt, melden wir uns nicht wieder bei ihm, weil wir sind seiner ja sicher, weil er hat ja unterschrieben) sammelt. Spannend, dass das Thema (name it as you like it, but care about it!) immer noch nicht alle Unternehmen auf dem Schirm haben. Umso erfreulicher, dass Siemens mit seiner optimierten Online-Bewerbung dazu gehört. Und wenn man so will,  sogar eine Vorreiterrolle einnimmt…

Siemens hat nämlich die Ergebnisse vieler Studien ausgewertet und bei der Umsetzung seiner Online-Bewerbung beherzigt. Diese Ergebnisse fließen nun alle in einen revolutionären, weil sensationell simplen Bewerbungsprozess ein, der seinesgleichen sucht. Wer spricht schon von einer 15 Sekunden-Bewerbung, wenn es durchaus auch mal länger dauern kann? Und in dem Fall hilft ein Snickers, das wissen wir. Wobei, Hände weg von dem süßen, klebrigen Zeug, ich empfehle an dieser Stelle die Hafervoll-Flapjacks ohne jeglichen Chemieschrott. Das aber nur am Rande, zurück zu den Erkenntnissen aus zahlreichen Erhebungen, die Siemens in seinen Bewerbungsprozess hat einfließen lassen.

Bewerber mögen keine Formular-Bewerbung

Da ist zum einen Potentialquark Potentialpark. Die Ergebnisse des Rankings lassen wir mal außen vor, die sind mehr als fragwürdig, jeder, der sich schon mal via SAP beworben hat, weiß, welche Tantalusqualen ein Bewerber erleiden muss. Ohnehin sind die Rankings mit Vorsicht zu genießen, steht hier doch nur eine Zielgruppe im Fokus. Nämlich die der Studenten. Und die sind bekanntlich sehr leidensfähig, wollen sie doch nach dem Studium möglichst schnell zum Job. Wobei die Leidensfähigkeit dort mittlerweile sehr eingeschränkt ist, wie man anhand der Ergebnisse sehen kann (hier zitiere ich mal als Sekundärquelle den Blogartikel Die Online-Bewerbung und Bewerbermanagement-Systeme meines überaus geschätzten Bloggerkollegen Stefan Scheller:

„Immerhin 58 Prozent (Steigerung um 14 Prozentpunkte seit 2015!) haben schon einmal eine Onlinebewerbung abgebrochen. Dabei zeigen sich noch immer eklatante Mängel in der technischen Umsetzung. So geben fast die Hälfte der Befragten an, sie konnten den Bewerbungsprozess nicht zwischenspeichern und in einer weiteren Session vollenden. Auch klagen fast 40 Prozent der Befragten über handfeste technische Probleme bei der Eingabe ihrer Daten.“

Was sind die frustrierendsten Aspekte bei der Online-Bewerbung - Quelle Potentialpark, persoblogger

Nicht nur diese Studie ist bei den Überlegungen eingeflossen, die Siemens beim Setup seiner neuen Online-Bewerbung hat einfließen lassen, auch die Studie Recruiting-Trends, seit Jahren ein Meilenstein – oder sollte ich sagen Leuchtturm? – unter den Recruiting-Studien. Was sagt nun Recruiting-Trends 2016 (genauer eigentlich das Themenspecial zur Zukunft der Bewerbung) zu Online-Formularen?

Nun, zum Beispiel, dass dies das bevorzugte Bewerbungsformat (75 Prozent) bei Recruitern ist. Beißt sich leider mit den Vorstellungen der Bewerber, die Online-Formularen lieber aus dem Weg gehen (nur 7,6 Prozent mögen die) und E-Mails absolut bevorzugen (an dieser Stelle sei angemerkt, dass die natürlich das neue Siemens-Formular noch nicht kennen!).

Online-Bewerbung - Vergleich Unternehmen und Stellensuchende - Quelle Monster_Bewerbung der Zukunft

Außerdem ist es ja so, dass nicht mal 7 Prozent wirklich von einer Bewerbung absehen, wenn die ausschließlich per Online-Formular möglich ist.

Online-Bewerbung - Verhalten von Stellensuchenden bei Wunsch nach einer Formularbewerbung - Quelle Monster

Hey, ich bitte Sie, was sind schon 7 Prozent gegenüber 93 Prozent, die dann doch einknicken? (Blöd nur, wenn diese 7 Prozent genau die sind, die Sie schon die ganze Zeit gesucht haben…).

Kandidaten wollen sich per E-Mail oder über einfache Online-Formulare bewerben

Schauen wir uns zu guter Letzt die aktuellste Studie in diesem Kontext an, die Social Media Personalmarketing Studie 2016 der Hochschule RheinMain. Auch hier ist das Ergebnis eindeutig:

Online-Bewerbung - Kandidaten wollen sich per E-Mail bewerben - Quelle Social Media Personalmarketing Studie

Natürlich haben Kandidaten nichts gegen eine Bewerbung via Formular – wenn sie denn einfach gestaltet ist. Im Übrigen bieten moderne (und gute!) E-Recruiting-Systeme mittlerweile auch E-Mail-Parsing an. D. h. eine ankommende E-Mail wird entsprechend ins System überführt. Vorteil: Der Bewerber ist glücklich, weil er „sein“ bevorzugtes Bewerbungsformat gefunden hat und sich gewertschätzt fühlt. Der Recruiter ist glücklich, dass sich der Kandidat bewirbt, die Mail direkt ins System überführt wird und der Recruiter früher Feierabend machen kann. Überspitzt gesprochen natürlich. Es geht um den Effizienzgewinn.

Siemens perfektioniert die Online-Bewerbung

Und das hat auch Siemens verstanden und die Online-Bewerbung perfektioniert, wenn nicht sogar re-vo-lu-tio-niert! Wie das Ganze funktioniert? Nun, ganz einfach:

  1. Der Bewerber sucht die Karriere-Website von Siemens auf (wie auch immer er dorthin gelangt ist – es gibt ja viele Wege, die zur Karriere-Website führen).
  2. Dort findet er nach längerem Suchen auch den Link zur Jobbörse.
    Online-Bewerbung bei Siemens - Link zur Jobbörse
  3. Er klickt diese an und sucht
    Online-Bewerbung bei Siemens - Jobsuchmaske
  4. seinen Traumjob raus, den er
  5. anklickt, sich
  6. anschaut
    Online-Bewerbung bei Siemens - Jobdetailansicht
    und sich
  7. bewirbt (wobei er sich schon fragt, warum der „Bewerben“-Button am oberen Ende platziert ist, anstatt unten am Ende der Stellenanzeige, wo, nur am Rande, selbstverständlich keine Adresse genannt wird, um diese in einem eventuellen Anschreiben (auf das Siemens sogar großzügigerweise verzichtet – an dieser Stelle ein Hoch auf eine positive Candidate Experience ;-)) zu platzieren Er fragt sich des Weiteren, warum eigentlich die ganze Zeit nur ein einsamer Herr im Header zu sehen ist, obwohl Siemens doch gemäß Ausschreibung „die Chancengleichheit fördert„. Schließlich „bereichert Vielfalt unser Unternehmen und verschafft uns einen Wettbewerbsvorteil„. Wie war das noch mit Frauenquote und Ansprache von weiblichen Bewerbern? Geschenkt!) Hierzu muss er sich lediglich
  8. am System anmelden
    Online-Bewerbung bei Siemens - Anmeldung
    und
  9. einer Datenschutzbestimmung (heißt es nicht Datenschutzerklärung?) zustimmen.
    Online-Bewerbung bei Siemens - Datenschutzbestimmung
    Dann kann er sich
  10. endlich bewerben. Hierzu muss er lediglich ein Konto anlegen

    Online-Bewerbung bei Siemens - Konto anlegendann kann er
  11. seinen Lebenslauf hochladen. Das kann er ganz klassisch, aber auch via Linkedin (warum nicht per XING?), per Google Drive und per Dropbox (ganz schön fortschrittlich) oder aber per Copy & Paste im dafür vorgesehenen Feld.
    Online-Bewerbung bei Siemens - Lebenslauf hochladen
    Damit könnte jetzt eigentlich alles erledigt sein. Aber nun muss der Bewerber
  12. entscheiden, ob er ein Motivationsschreiben beifügen möchte, oder eben nicht
    Online-Bewerbung bei Siemens - Motivationsschreiben(möchte er natürlich nicht, weil Telefonica und OTTO verzichten ja auch auf das Anschreiben). Damit könnte jetzt alles erledigt sein, aber nun muss er
  13. seine Anmeldedaten vervollständigen, die er ja schon zu einem Großteil angegeben hat…
    Online-Bewerbung bei Siemens - Daten vervollständigen 1
    Aber da man bei Siemens sehr genau die Studien studiert und ausgewertet hat, weiß man dort, dass Formulare möglichst schlank gehalten sein sollten, damit Bewerber sich damit auseinandersetzen. Deswegen hat man das Anmelde-Procedere „Wir möchten Sie kennenlernen“ wertschätzenderweise gleich auf mehrere, aber sehr kurze Formulare verteilt… (an dieser Stelle hat er übrigens noch nicht einmal 50 Prozent des mühseligen Bewerbungsweges hinter sich gelegt. Freundlicherweise wird man ja über den Formularausfüllstatus bestens informiert – ein Hoch auf die Candidate Experience! und so weiß unser armer Bewerber, dass ihm noch 56 Prozent mühselige Kleinstarbeit bevorstehen, bis er seine Bewerbung endlich absenden kann… (wenn er dieses Spiel denn so lange mitspielt, denn siehe oben: 58 Prozent haben ihre Bewerbung aufgrund solcher Formulare abgebrochen!))
    Online-Bewerbung bei Siemens - Daten vervollständigen 2
    Und da muss er schon verdammt viel Ausdauer und eine sehr hohe Frustrationstoleranz mitbringen, denn es gibt insgesamt sechs solcher Formulare, bis man nach den „letzten Details“ gefragt wird und dort aus mehr als 20 Kriterien auch noch wählen muss (ja, es ist ein Pflichtfeld), über welche Quelle man denn auf den Job aufmerksam wurde. Und das im Zeitalter von Zählpixeln und modernster Trackingsysteme…
    Online-Bewerbung bei Siemens - Daten vervollständigen - letzte Details
  14. Ja, und was soll ich sagen, gerade wo man so im Flow ist und noch stundenlang die lustigen Formularfelder ausfüllen könnte, ist auf einmal Schicht im Schacht, Ende Gelände, aus die Maus. 100 Prozent sind erreicht, die Bewerbung wurde eingereicht!

Bleibt mir abschließend zu sagen, dass das Unternehmen in Sachen Candidate Experience ganz neue Maßstäbe setzt, die mit Sicherheit wohlwollend vom Bewerber angenommen werden. Allerdings darf sich Siemens hier gönnerhaft auf die Schultern klopfen, ist es doch nicht das erste Mal, dass man dort seinen Online-Bewerbungsprozess bis zur Perfektion optimiert hat. Die Einführung seinerzeit hat viele Bewerber gekostet. Offenbar waren das noch nicht genug.


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