HR Barcamp Wien 2016: Disruptiv und agil

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 11 Minuten.

Ich habe mal gezählt. Mittlerweile habe ich nun tatsächlich das achte HR Barcamp hinter mich gebracht – fünf in Berlin (ich habe nur das erste ausgelassen), eins in Zürich und nun das zweite in Wien. Nun könnte man denken, dass da irgendwann mal die Luft raus ist, so viel Neues im Personalmanagement gibt’s ja nicht und die ewig gleichen Gesichter sieht man auch, warum also tue ich mir das alles an? Ganz einfach: Weil die Luft noch lange nicht raus ist, weil es immer wieder neue Themen gibt oder aber alte neu beleuchtet werden, weil es einfach großartig ist, Personaler mit Leidenschaft zu treffen und zu sehen, wie sich die Community verändert. Ein HR Barcamp ist und bleibt eine Pflichtveranstaltung für Leute aus dem HR. Basta.

Der Nepp mit dem CAT

So auch das HR Barcamp in Wien, zu dem ich per Flieger und CAT angereist bin. Die Schilder für den CAT (City Airport Train) suggerieren einem, dass man vom Flughafen nonstop in sechzehn Minuten in der City ist. Ein cleverer Marketing-Gag, der verschweigt, dass man nur bis Wien-Mitte fährt und im Zweifelsfall bis zu seinem Ziel sogar länger unterwegs ist, als wenn man direkt fährt. Möchte man also zum Hauptbahnhof, ist man noch mal zehn Minuten länger unterwegs. Man kann (und sollte) vom Airport Wien direkt den „normalen“ Zug nehmen. Der ist nicht nur genau so schnell (oder sogar schneller), das Ticket kostet auch nur einen Bruchteil des CAT-Tickets (3,90 vs. 11,00 Euro). Abgesehen davon fährt der CAT nur alle halbe Stunde. So viel dazu, zurück zum Barcamp.

Es ist schon faszinierend, was Jannis Tsalikis und Christoph Athanas da mit ihrem Format aus der Taufe gehoben haben, dachte ich, als Master of Ceremonies Jannis Tsalikis die neugierige Menge mal wieder mit einem neuen Move auf zwei Tage Barcamp einstimmte (da lässt sich Jannis wirklich nicht lumpen und immer wieder was Neues einfallen).

Die HR Barcamp-Gemeinde wächst

Wahnsinn, wie sich das Barcamp mittlerweile zu einer „Bewegung“ entwickelt hat. Toll, wie die HR-Szene vom Barcamp-Virus angesteckt wird. Und sagenhaft, dass das bereits das zweite Mal in Wien so gut über die Bühne ging. Da haben nicht nur die Mädels und Jungs von whatchado, die Gastgeber der alpenrepublikanischen Variante sind, mal wieder alles gegeben, da hat auch die Österreichische Personalisten-Szene (so heißen die Damen und Herren aus den Personalabteilungen dort) dafür gesorgt, dass die zwei Tage nicht langweilig wurden. Insgesamt kamen so 37 (!) Session-Vorschläge zustande, von denen 28 abgehalten wurden.

Das Tolle daran: Es war eine sehr große Bandbreite an Themen vertreten. Da gab es Sessions zu Alumni-Netzwerken, zu Burnout Prävention, zum Lernen 2.0, zu Teambuilding, zu Onboarding, zu Outplacement, Sessions für Personaler, die zum Lachen in den Keller gehen und vieles mehr! Auch wenn natürlich Themen wie Employer Branding, Active Sourcing und Recruiting auf der Agenda standen, man hatte den Eindruck, das Wiener Barcamp ist eher kulturell geprägt und das ist auch gut so. Die meist gevotete Session hatte 47 orangene Klebepunkte und ging der Frage nach, was es mit HR Buzzwords eigentlich auf sich hat und ob man die braucht.

Zuhören. Verstehen. Mitreden. Vernetzen.

Treffender als das Motto „Zuhören. Verstehen. Mitreden. Vernetzen.“ kann man den Gedanken des HR-Barcamps wahrscheinlich kaum auf den Punkt bringen. Insbesondere der Netzwerk-Gedanke liegt mir persönlich ja sehr am Herzen, was auch der Auslöser für die Personaler Late Night Show bzw. die HR-NIGHT war. Auch bei diesen Veranstaltungsformaten (so manch einer spricht von Personaler-Klassentreffen oder -Familientreffen) kommen Personaler mit Leidenschaft zusammen, um sich in entspannter Atmosphäre auszutauschen und sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Ich selber habe dieses Jahr keine Session eingereicht, was nicht so besonders klug war. Denn so ein HR Barcamp bietet meines Erachtens erst dann den vollen Vorteil, wenn man selbst einen Beitrag einbringt, der dann diskutiert bzw. zu dem dann etwas erarbeitet wird. Immerhin konnte ich aber die Rolle als Türsteher übernehmen ;-)

Ich hatte darüber hinaus dieses Jahr etwas Pech, denn von fünf der von mir favorisierten Sessions fielen drei in einen Session-Slot. Und dann fiel meine Entscheidung zwar auf den für mich am vielversprechendsten Sessiontitel „Bewerben anno 2020“, aber leider auch auf eine sehr zähe und träge Veranstaltung. Was daran gelegen haben mag, dass man dort zu Beginn verkündete, man wolle nur Wissen saugen.

Eine fragwürdige Einstellung, aber sei es drum, es gilt das Gesetz der zwei Füße, keiner zwingt einen, bis zum Schluss auszuharren und kann eine der anderen der parallel laufenden Sessions aufsuchen.

#Agil. #Disruptiv. #VUCA. Das HR Bullshit Bingo

Auch in der nächsten Runde hatte ich die Qual der Wahl, sie fiel dann auf „HR-Buzzwords: disruptiv, Active Sourcing etc. – muss man da mitmachen?“

Mit von der Partie waren „agile HR“, „disruptiv“, „Arbeiten 4.0“ (hier war zu recht die Frage, wo denn eigentlich Arbeiten 1.0 – 3.0 abgeblieben sind), „Digitalisierung“, „Fachkräftemangel“ (dank Martin Gaedt wissen wir alle, dass der nur ein Mythos ist), „Cultural Fit“ (wozu es ungeachtet des HR Buzzword Bullshit Bingos gleich mehrere Sessions gab), „Active Sourcing“ (dito) und Employer Branding (was eigentlich ohnehin jeder macht, weil man es ja nicht nicht machen kann).

In dem Zusammenhang spannend, diese Erkenntnis stammt aber aus einer anderen Session:

Bei den HR-Buzzwords mit dabei war auch VUCA, ein Begriff, von dem ich als Digitalisierungsverweigerer noch nie etwas gehört habe und der für volatility, uncertainty, complexity, ambiguity steht. Aha.

Eine interessante und amüsante Session, dessen Ergebnisse sich durch den Rest des Barcamps zogen.

Parallel lief übrigens die Session „Was schreckt Bewerber ab?“, an der ich zwar nicht teilnehmen konnte, dessen Ergebnisse ich Ihnen aber nicht vorenthalten will:

Wer diesen Blog kennt, weiß, dass ich seit nunmehr fast sechseinhalb Jahren über nichts anderes schreibe.

Fazit: Auf jeden Fall ein gelungener erster Tag, der mit Straßenbahnfahrt und Networking in der Luftburg einen mehr als würdigen Ausklang fand.

Auch der zweite Tag hielt spannende Sessions bereit. Klar, dass meine Wahl auf die Session zu gutem und kreativem Personalmarketing fiel.

Was ist gutes und kreatives Personalmarketing?

Fragte Jannis in seiner Session und holte einige alte Bekannte aus dem Runkelrüben-Schlaf. Mit dabei natürlich die Kreissparkasse Birkenfeld und das Europäische Patentamt, die auch dieses Jahr ein würdiger Kandidat für die Goldene Runkelrübe wären, würde diese nicht gerade eine Kreativpause einlegen.

Stellenangebot Change Communication Specialist - Europaeisches Patentamt

Was macht denn nun gutes Personalmarketing aus? Jannis‘ Ausführungen zufolge muss gutes Personalmarketing zunächst einmal überraschend sein. Einzigartig. Kreativ. Wobei kreativ nicht unbedingt gut bedeutet. Es muss neu sein. Anders. Provozierend. Und dann muss es überzeugen. Die Zielgruppe (die Frage ist, wer sich denn eigentlich mit dieser auseinander setzt, also so richtig wirklich). Natürlich muss es auf die Werte des Unternehmens einzahlen. Man sollte nie eine Erwartungshaltung wecken, die dann nicht eingehalten werden kann. Am besten, man ist authentisch (Achtung, Buzzword!). Und messbar sollte es auch sein. Irgendwie. Ganz einfach, oder?

Ob nachfolgendes Beispiel gutes Personalmarketing ist? Urteilen Sie selbst.

Singende, rappende und/oder tanzende Mitarbeiter – hier scheiden sich die Geister. Zum Beispiel am Video von Bosch Österreich. Sicher, das Unternehmen hat ja einiges zu bieten – aber kann man das nicht anders präsentieren? Und hält der Betrachter wirklich so lange durch (das Video geht über 5 Minuten). An dieser Stelle empfehle ich einfach mal das Kapitel Personalmarketingstadl aus Jörg Buckmanns Buch „Personalmarketing to Go„.

Auch bei der Fleischbeschau im Personalmarketing schieden sich die Geister. Ist Personalmarketing gut, wenn es die Zielgruppe erreicht, man aber die Reputation aufs Spiel setzt?

Recruiter machen den Arschloch-Check

Nach so viel kreativem Personalmarketing ging es dann für mich für wenige Minuten in den HR-Keller, eine Session, die ich recht schnell wechselte, weil ich etwas irritiert war, dort aus einem (englischsprachigen) Blog vorgelesen zu bekommen. Die Session soll sich dann aber doch noch gemausert haben, wie hier nachzulesen ist. Stattdessen machte ich also das Gesetz der zwei Füße wahr und nahm an der Diskussion teil, ob dank Big Data und Robots, Chatbots und Digitalisierung der Arbeitswelt der Recruiter überflüssig werden wird. Nicht wirklich natürlich. Spannende Erkenntnis: So richtig diskutieren über Robots und Digitalisierung des Recruiter-Jobs wollte irgendwie keiner so richtig, das Ganze schlug schnell in Richtung „Mensch“ um. Vielleicht eine unterbewusste Angst oder Verdrängung? Wer weiß…

Letztendlich bringt es aber die #hrbc16-Power-Twitterin Eva auf den Punkt.

Im Recall: Outplacement mit Herz

Was in Casting Shows gang und gäbe ist, ist natürlich auch aus einem richtig guten Barcamp nicht wegzudenken. Und so gab es dann auch hier wie bereits in Berlin einen Recall und damit noch einmal die Gelegenheit, an den beliebtesten Sessions teilzunehmen. Und damit für mich die Chance, sich mit einer Thematik auseinanderzusetzen, die nur auf den ersten Blick nichts mit Arbeitgebermarketing zu tun hat: Outplacement. Wie man so etwas machen kann, erzählte Manuela Vorwerk in ihrer Session. Ich kann mich noch an einen Arbeitgeber erinnern, wo die Mitarbeiter zusammengerufen wurden und man ihnen vor versammelter Mannschaft erzählte, dass sie am nächsten Tag nicht wieder zu kommen brauchen. Das lief bei Manuela definitiv anders ab und so war ihre Session „Outplacement mit Herz“ zu recht die beeindruckendste des gesamten HR Barcamps Wien 2016.

Personaler müssen twittern

Während des Barcamps wurde nahezu 1.800-mal gezwitschert, was das Zeug hält. Dass der Hashtag #hrbc16 so ins Glühen kam, ist wohl vor allem der online-extrovertierten Eva zu verdanken, die dank unglaublicher Fingerfertigkeit Tweets in Sekunden absetzen kann (ja, zugegeben, ein bisschen Neid ist dabei).

Aber auch wie bei den HR Barcamps in Berlin schon zu sehen war, melden sich während der Veranstaltung jede Menge „Newbies“ an und twittern einfach mit. Ein starker Nebeneffekt, der zeigt, welchen Einfluss doch das HR Barcamp auf die Personalisten-Szene hat. Großartig, wenn Personaler twittern, so lange nicht so was wie Recruiting 69.0 oder unnütze Jobmessen auf Twitter dabei raus kommen.

Cool und leiwand

Bleibt mir abschließend nur zu sagen, dass es wieder ein großartiges – oder wie der Österreicher zu sagen pflegt: leiwandes – HR Barcamp war. Ich freue mich auf die nächsten Termine (Berlin 16./17. März 2017) und kann nur jedem Personaler mit Leidenschaft und Herzblut empfehlen, dieses großartige Format zu nutzen und sich inspirieren zu lassen. Und wer so lange nicht warten will, sollte auf keinen Fall die HR-NIGHT in Köln verpassen!

Mehr zum HR Barcamp Wien gibt’s auch hier zu lesen

HR BarCamp 2016 | Ein Stimmungs-Bericht: viel bunt. #hrbc16
HR Barcamp Wien: Coding, Tracking und viele Buzzwords – aber mit Herz!
HR am Weg ins Jahr 2030
Wie weit geht die Digitalisierung der Arbeitswelt und wo endet sie
Das war das zweite HR Barcamp in Wien
#HRBC16 – Die Top-5-Momente des ersten Tages
#HRBC16 – Tag 2 Ein kurzer Überblick


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