Kennen Sie Pfedelbach? Standort-Marketing auf Karriere-Websites

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 8 Minuten.

Kennen Sie Pfedelbach? Sehen Sie, ich auch nicht. Auch die Tatsache, dass Pfedelbach bei Öhringen liegt, hilft mir nicht wirklich weiter. Denn das kenne ich genau so wenig. Und selbst die Tatsache, dass das so zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall liegt, macht’s nicht einfacher. Oder kennen Sie als Münchner, Mainzer, Bielefelder, Berliner oder Stuttgarter Heilbronn. Mit Schwäbisch Hall sieht das anders aus. Da kommt ja dieser komische Fuchs her, den kennen wir wirklich. Was aber macht ein „Hidden Champion“, wenn er Nachwuchs aus den großen Städten an sich binden will? Er sollte Standort-Marketing auf seiner Karriere-Website betreiben. Unbedingt!

Der letzte Job, den ich in meinem Leben als Angestellter angetreten habe, war in Wiesbaden (gut, wenn ich ehrlich bin, war der in Gummersbach. Aber ganz ehrlich, da wollten Sie nicht mal tot überm Zaun hängen!). Damals lebte ich in Bielefeld. Gut 40 Jahre, um genau zu sein. Dann rief mich ein supergeiler Job in die Hessische Landeshauptstadt. Wiesbaden? Was ist das, wo liegt das? Tatsächlich kannte ich Wiesbaden, waren doch seinerzeit im zarten Alter von 20 Jahren ein Klassenkamerad und ich angetreten, die Spielbank zu stürmen. Scheiterte nur leider daran, dass wir nicht ins Casino kamen. Was dann dazu führte, dass wir Mainz unsicher machten. Was für jemanden aus Hamburg oder München oder Leipzig oder Osnabrück genauso ein Buch mit sieben Siegeln ist, wie damals dieses Wiesbaden.

Pfedelbach - Zahlen Daten Fakten

Auch der Standort hat Einfluss auf die Arbeitgeberwahl

In der Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch machte ich das, was ein gemeiner Bewerber heute auch tut: Er geht auf die (hoffentlich vorhandene) Karriere-Website und informiert sich über den zukünftigen potenziellen Arbeitgeber. Ein guter Arbeitgeber (oder guter Personalmarketer oder beides) bietet diesem Mitarbeiter in Spe selbstverständlich auch Informationen zum Standort. Und damit meine ich jetzt nicht, wie groß das Firmengelände ist und wie viel Mitarbeiter da im Schweiße ihres Angesichts ihr Geld verdienen und wie die Produktpalette aussieht, sondern was die Stadt so zu bieten hat. Kulturell. Infrastrukturell. Freizeittechnisch. Und so weiter. Dieser tat es nicht. So suchte ich mir die Informationen auf Wikipedia und auf dem Stadtportal von Wiesbaden und über Google zusammen. Außerdem buchte ich seinerzeit eine Übernachtung, um einen Eindruck vom Lebensgefühl in Wiesbaden zu bekommen. Der Rest ist Geschichte. Ich bekam den Job und lebe seit dem hier. Warum ich Ihnen das erzähle?

Weil es für einen Bewerber sehr ausschlaggebend bei der Wahl des Arbeitgebers ist, wohin er seinen Lebensmittelpunkt verlegt. Denn warum auch immer, viele der wirklich spannenden Unternehmen und Hidden Champions liegen nicht in den großen Traumstädten, sondern oft jwd, „janz weit draußen“ – oder krasser ausgedrückt: Am Arsch der Welt (deswegen ja auch „hidden“ ;-)).

Und das ist dann oftmals ein Problem für die suchenden Unternehmen. Wie ein Damoklesschwert hängt es dann wieder über den Köpfen der Personaler, das böse F-Wort. Muss aber nicht sein. Klar, wenn ich auf die Karriere-Website eines Unternehmens in Hintertupfingen, oder um im obigen Beispiel von Pfedelbach zu bleiben, kein Wort darüber verliere, wie lebens- und liebenswert der neue Arbeitsort doch ist, dann ist der Bewerber schneller weg, als Sie bis drei zählen können. Warum nach Marburg, wenn doch Frankfurt (die vermeintlich) attraktivere Stadt ist? Warum nach Bielefeld, wenn man doch auch in Köln einen tollen Job bekommen kann? Die Kette ließe sich beliebig fortführen.

Nun können Sie natürlich das tun, was Sie immer tun, wenn es darum geht, neue Wege zu gehen bzw. den Weg des Altbekannten zu verlassen, nämlich nichts. Sie könnten sich bequem zurück lehnen und der Meinung sein, dass es nicht Ihre Aufgabe sei, neben dem eigentlichen Arbeitsplatz auch noch den Standort schmackhaft zu machen. Soll sich der Bewerber doch die Informationen selber suchen, damit seine Selbstständigkeit beweisen und so gleich einmal die erste Hürde fürs Vorstellungsgespräch nehmen. So könnten Sie denken.

Weil, Sie haben ja eine megakreative Employer Brand. Zum Beispiel die hier.

Still - Employer Brand mit nix dahinter

Die holt die Mitarbeiter quasi von selbst in Ihr Unternehmen. Ist natürlich Blödsinn. Diese Kampagne zeigt (wie so viele da draußen) eigentlich nix, was auf den Arbeitgeber einzahlt. Und ist darüber hinaus auch ansonsten eher suboptimal, ist doch die EM bald vorbei. Aber bevor ich abschweife, zurück im Text.

Standort-Marketing als Bestandteil der Candidate Experience

Klar können Sie auf die Selbstständigkeit Ihrer Bewerber bauen. Allerdings sind die auch so selbstständig, dass die beim wilden Herumsurfen, was denn dieses Pfedelbach oder welcher Ort auch immer zu bieten hat, durchaus auch auf einen Arbeitgeber stoßen, der nicht nur spannende Jobs im Porfolio hat, sondern auch seinen Unternehmens-Standort mit all seinen Vorteilen anpreist. Sie wissen, ja: Der nächste Arbeitgeber ist nur einen Mausklick entfernt! Also ist es SELBSTVERSTÄNDLICH Ihre gottverdammte Pflicht, als Arbeitgeber auch den Standort schmackhaft zu machen! So was nannte sich seinerzeit mal Bewerberservice (der ist es immer noch), zeigt Wertschätzung und ist ein wichtiger Bestandteil dessen, was heute auf den so hübsch klingenden Begriff „Candidate Experience“ hört.

Bisher haben nur wenige Unternehmen erkannt, wie wichtig es ist, den Standort ins rechte Licht zu rücken. Dass das sogar bei einer vermeintlichen Top-Metropole wie Hamburg sinnvoll ist, zeigte seinerzeit auch die dpa-Tochter news aktuell. Leider ist diese für mich mustergültige Best Practice in Sachen „Standortmarketing“ auf Karriere-Websites dem Relaunch zum Opfer gefallen. Hier war nicht nur eine Google Map mit der näheren Umgebung des Unternehmens-Standorts und dort in der Nähe befindlichen Bäckern, Restaurants, Kitas, Shopping-Möglichkeiten, Haltestellen des ÖPNV etc. eingebettet, es gab umfangreiche Infos über das Sport- und Freizeitangebot (zum Beispiel Hamburgs schönste Laufstrecke), über Kitas und Schulen sowie eine Auflistung der unterschiedlichen Stadtteile nebst Mietkosten und Klientel. Klasse gemacht, habe ich seit dem nicht wieder gesehen und hat für mich nach wie vor Vorbildcharakter. Ich würde ja gerne auf die Seite verlinken, aber siehe oben. Glücklicherweise hatte ich seinerzeit schon mal einen Artikel drüber geschrieben und Screenshots gemacht.

Umfangreiche Informationen über den Standort bei news aktuell

Wohlgemerkt, das Ganze für HAMBURG! Nicht für Pfedelbach. Oder nehmen wir das Beispiel Bruchsal. Kennen Sie Bruchsal? Bruchsal liegt in der Technologieregion Karlsruhe – und damit eben nur wenige Kilometer von der Fächerstadt oder auch von Mannheim entfernt. Und dass Bruchsal Deutschlands größten Spargelmarkt hat, wusste ich bis zum wunderbaren Projekt auch nicht.

Standort-Informationen über Bruchsal auf der Karriere-Website von SEW-EURODRIVE

Auf der Unterseite „Unser Standort“ innerhalb der Karriere-Website von SEW-EURODRIVE gibt’s alles Wissenswerte rund um den Standort und die Region. So hat der Bewerber im Vorfeld die Möglichkeit, Standort und Region auszuchecken und für sich zu entscheiden, ob er seinen Lebensmittelpunkt zukünftig dort aufschlagen will, wo Wohnraum und Bauplätze noch bezahlbar sind und man eine sehr hohe Lebensqualität hat.

Ein anderes Beispiel: Die Aareal Bank aus Wiesbaden lässt in einem Video ihre Mitarbeiter zu Wort kommen und sehenswerte Ecken oder Orte der Stadt vorstellen:

Das Unternehmen mit den drei Streifen, Adidas, widmet seinem Standort Herzogenaurach sogar eine komplette Microsite. Herzo-what? Sehr schön gemacht, leider leidet die Seite an der (optimierungsbedürftigen) Navigation. Was uns an dieser Stelle nicht stören soll.

Adidas widmet seinem Standort Herzogenaurach eine ganze Microsite

Adidas lockt mit seiner Marke Mitarbeiter aus aller Herren Länder (Damen natürlich auch!) ins verschlafene Örtchen irgendwo in the middle of nowhere zwischen Würzburg und Nürnberg (apropos: Kennen Sie die Städte? Würden Sie Ihren Job aufgeben, wenn Sie keinerlei Infos über sie hätten?). Natürlich zählt die Marke. Aber Marke ist eben nicht alles, glauben Sie mir!

Sie als Mittelständler müssen sich nicht verstecken! Im Gegenteil, Sie haben Pfunde, mit denen kein Konzern wuchern kann. Sie müssen sie nur auf die Goldwaage legen!

Tipps für Ihre Karriere-Website

Wie schreibt Martin Gaedt in seinem Bestseller „Mythos Fachkräftemangel“ doch so treffend:

„Jedes Unternehmen ist hinter stabilen Mauern versteckt, damit Wind und Wetter draußen bleiben. Aber diese Fassaden, Mauern, Büro- und Fabrikgebäude haben ungewollt auch eine andere Wirkung: Sie machen Unternehmen unsichtbar mit allem, was sie Tolles leisten.“

Und dieses Zitat können wir ausweiten: „Viele Unternehmen sind auf der Landkarte versteckt und werden von Bewerbern kaum gefunden. Aber diese unbekannten Orte haben ungewollt auch eine andere Wirkung: Sie wirken auf Bewerber nicht attraktiv, obwohl sie liebens- und lebenswert sind.

Ihre Aufgabe ist es, das zu ändern. Und das haben Sie in der Hand. Was Sie tun sollten?

  • Räumen Sie Ihrem Standort eine Unterseite ein, wo Sie den Unternehmensstandort in Wort und Bild vorstellen
  • Stellen Sie das Sport-, Freizeit- und Kulturprogramm an Ihrem Standort vor
  • Gehen Sie auf die Lebenshaltungskosten und Immobilienpreise ein
  • Weisen Sie auf Kitas und Schulen hin, die im Einzugsgebiet Ihres Unternehmens liegen
  • Bieten Sie Informationen bezüglich ÖPNV, auch die S-Bahn-Anbindung und Parkplatz-Situation sind spannende Aspekte
  • Liegt Ihr Unternehmen in der Nähe einer größeren (bekannteren) Stadt, weisen Sie darauf hin, preisen Sie die Vorzüge der Nähe und verweisen Sie auf die im Verhältnis günstigen Lebenshaltungskosten
  • Binden Sie eine Google Map ein und zeichnen Sie dort relevante Punkte wie ÖPNV, Kita, Schulen, Einkaufsgelegenheiten, Restaurants, Sport-Möglichkeiten etc. ein
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiter selbst zu Wort kommen und ihre „Hot Spots“ vorstellen
  • Binden Sie zudem wichtige Servicelinks zu den genannten Aspekten ein

Und was hat Pfedelbach nun so Spezielles zu bieten? Aktuell werfe ich da einen Blick auf das Gemeindeportal (so wie ich das seinerzeit bei meinem Ex-Arbeitgeber tat) und zitiere:

Zum Beispiel bildet der Weinbau-Ort das nördliche Tor zum Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Auf 164 Hektar Rebfläche werden beste Rot- und Weißweine angebaut. […] Das mediterrane Ambiente von Schloss Pfedelbach wird regelmäßig für Konzerte des Hohenloher Kultursommer genutzt. Das Steinbacher Tal ist ein besonders schöner Landesteil, der mit unberührter Natur und touristischen Einrichtungen die Gäste in seinen Bann zieht. Im Pfedelbacher Weinbaumuseum steht mit einem Fassungsvermögen von 64.664 Litern das drittgrößte Weinfass Deutschlands. Das Pfedelbacher Bierdorf und das über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Schlossfest werden alle drei Jahre ausgerichtet. Erleben und genießen Sie in diesem geschützten Lebensraum im Frühjahr die herrlich blühenden Streuobstwiesen und im Herbst die Lese- und Erntezeit in unseren Weinbergen und Obstkulturen.“

Zukünftig erwarte ich dann ähnliche Informationen bei Ihnen auf der Karriere-Website. Ergänzt um Service-Links und Bilder, versteht sich.


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