Ich glaub, es hackt! – Fleischbeschau im Azubimarketing, die Zweite

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 6 Minuten.

Herr, lass Hirn vom Himmel regnen! Bereits zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit macht ein Fleischereifachbetrieb Schlagzeilen mit einer außergewöhnlichen Azubi- respektive Personalmarketing-Kampagne. Auch hier muss der Fachkräftemangel wieder her halten. Und auch hier wurde wieder vergessen, das Hirn einzuschalten, respektive das Ganze mal zu Ende zu denken. Und wenn es dann heißt „pm2null walte deines Amtes“, kann ich mich dem Ganzen wohl kaum entziehen.

Zunächst hielt ich es wirklich für einen verspäteten Aprilscherz, als ich las, was mir da in meine Twitter-Timeline gespült wurde:

Da sucht also ernsthaft eine Metzgerei Hack nach Azubis. Und das auf eine mal wieder despektierliche Weise, in der Hoffnung auf diesem Weg die zu  finden, die man sonst nicht erreicht: Azubis fürs Metzger-Handwerk. Natürlich mit attraktiven Mädels, weil die findet man ja im Fleischerei-Handwerk und die sehen so aus, wie wir uns erinnern:

Sex im Personalmarketing - Bikinimädchen als Fleischfachverkäuferin

Und mal ehrlich: Eine Fleischerei, die Hack heißt. Das KANN einfach nicht ernst gemeint sein. Leider doch. Die Fleischerei Hack gibt’s wirklich und sitzt in Freising. Und da ist man höchst kreativ und lässt sich allerhand einfallen, um aufzufallen. So denn neben dem Weißwurst-Burger auch die peinliche Azubi-Kampagne, die verschiedene Motive umfasst:

Schöne und das Beef - peinliches Azubimarketing bei der Fleischerei Hack aus Freising

Hey, das kennen wir doch!

Sparda Movie Stars auf Youtube

Irgendwas mit Tieren - peinliche Personalwerbung der Fleischerei Hack aus Freising Auch Abiturierenten - peinliche Personalwerbung bei Fleischerei Hack Highway to Hack - peinliche Personalwerbung bei Fleischerei Hack Fleischprinzessin - peinliche Personalwerbung bei Fleischerei Hack

Natürlich nimmt man auch Jungs, auch wenn die Bildsprache etwas anderes vermitteln mag.

Gleichberechtigung - peinliche Personalwerbung bei der Fleischerei Hack aus Freising

An sich ist es ja nicht unbedingt verkehrt, Aufmerksamkeit zu erzeugen und damit auf sich aufmerksam zu machen (Stichwort AIDA). Das ist definitiv gelungen. Und so profitiert der findige Fleischergeselle aus Freising genau wie seine Kollegin aus dem Schwabenländle von bundesweiter medialer Aufmerksamkeit (inklusive HR-Blogs wie diesem hier oder auch von Recrutainment-Joe). Ja, die Fleischerei Hack wird mit ihrer Kampagne sogar als Social Media-Star gefeiert. Also alles super, oder?

Der Punkt ist der, dass der findige Unternehmer ja so handelt (wie seine Kollegin), weil sich niemand findet, der diesen schmutzigen Job machen will. Was so verwunderlich nicht ist. Findet man Fleisch doch fein säuberlich abgepackt im Supermarkt. Dass das vorher mal ein Tier war – who cares. Genau wie überall im Laufe der Zeit gibt es auch bei den Berufen einen Strukturwandel. Berufe sterben aus, verlieren an Attraktivität und man kehrt ihnen den Rücken. Irgendwas mit Medien ist ja auch irgendwie cooler als irgendwas mit Tieren…. Das muss man so akzeptieren, das ist der Lauf der Dinge. Das ist ein Grund dafür, warum sich das Fleischer-Handwerk schwer tut, Nachwuchs zu finden. Gammelfleisch-Skandale sind (hoffentlich) ein weiterer Aspekt.

Aber bei aller Originalität (die ich jetzt einfach mit Wohlwollen für diese verkorkste Kampagne) unterstelle, was läuft hier (abgesehen von den Bildmotiven und Sprüchen) falsch?

Punkt 1: Fleischerei oder Metzgerei Hack lanciert die Kampagne ausschließlich da, wo sich der findige Metzgersunternehmer Steffen Schütze tummelt, nämlich auf Facebook (und schließt damit diejenigen aus, die nicht bei Facebook sind oder Fan seiner Seite). So zumindest wird es in der Süddeutschen kolportiert: „Schütze fing damit an, dort um die Gunst des Nachwuchses zu werben, wo dieser bevorzugt seine Lebenszeit verbringt: auf Facebook „.  In dem Artikel heißt es weiter, „weil aber Steffen Schütze nicht nur verstanden hat, wie das Internet funktioniert, sondern auch noch weiß, wie die junge Generation tickt, umgarnt er potenziellen Azubis mit mehr als nur netten Bildern.“  Und da kommen wir direkt zu

Punkt 2: Wenn er verstanden hätte, wie das Internet funktioniert, würde er seine Website, die es tatsächlich gibt (was für Handwerksbetriebe nicht selbstverständlich ist) um Informationen zur Ausbildung ergänzen. Dort findet sich aber in punkto Ausbildung respektive Arbeitgeber Metzgerei Hack nullkommanichts. Infos über die Produkte, den Imbiss, das Team, den Partyservice sowie zur Kontaktaufnahme und das Impressum, ja, die gibt’s. Und sonst? Nichts. Keine Infos zur Ausbildung, keine Stellenangebote. Nada.

Blöd. Könnte ja sein, dass man sich als Jugendlicher tatsächlich von dieser Kampagne angesprochen fühlen würde. Und dann gerne weitere Infos hätte.

Eigentlich schade, macht Schütze doch durchaus auch was richtig, in den Posts, die die Stelle beschreiben (und er macht schon alleine etwas richtig, dass er überhaupt Informationen zur Stelle bringt, die über ein „Freude, Begeisterung und Engagement“ hinaus gehen), auch wenn die Bildsprache eindeutig etwas anderes sagt und man offensichtlich ausschließlich weibliches Publikum adressiert:

Bist Du unser/e neue/r Auszubildende/r im Verkauf?

Warum solltest Du Dich bei der Metzgerei Hack als Auszubildende/r bewerben?

Dieser Beruf ist anders, als die meisten denken – abwechslungsreich und kreativ: Verkauf, Partyservice, Beratung und Planung von privaten Festen & Firmenfeiern, Platten legen, Dekoration vom Laden, Präsentation der Waren und vieles mehr.

Wir sind ein sehr freundliches Team und haben auch freundliche Kunden. Die Chancen, das Du nach der Ausbildung übernommen wirst, stehen auf jeden Fall gut. Wir sehen uns als junges und innovatives Unternehmen und sind auch immer für neue Ideen offen. So hat unser Chef Steffen Schütze die „Schlemmerbox“ (ein Fleisch- und Wurstautomat für spontane Griller) und den „Weisswurstburger“ erfunden. Seit letztem Jahr bedienen wir auch die Dry Age-Schiene (eine besondere Art der Fleischreifung). Kreativität ist also herzlich Willkommen!

Bewerber/innen sollten folgende Voraussetzungen erfüllen:
Grundsätzlich sind ist bei uns Zielstrebigkeit, Freundlichkeit, Teamfähigkeit, Einsatz- und Lernwille wichtiger als lauter Einser im Zeugnis. Du kannst Dich mit Hauptschulabschluss genauso bewerben wie mit Abitur. Wichtig wäre zudem Spaß am Umgang mit Lebensmitteln und Sinn für Sauberkeit und Ordnung.

Die Ausbildung als Fleischereifachverkäufer/in dauert in der Regel 3 Jahre. Bei sehr guten Leistungen oder mit einem Realschulabschluss bzw. Abitur kann sie dementsprechend verkürzt werden. (Stefan Raab hat z.B. eine Metzgerlehre gemacht…).

Wir bieten folgende Zusatzleistungen:
• ein iPhone 6 inklusive Flatrate während der ganzen Lehrzeit
• Jedem unserer Auszubildenden stehen jährlich 400 € Fortbildungsbudget zur freien Verfügung. Du möchtest z. B. einen Kochkurs bei einem Spitzenkoch machen oder eine Sprache lernen? Super, wir unterstützen Dich hierbei gerne!
• Essen und trinken wird während der Arbeitszeit gestellt.

Bewirb dich jetzt
Die vollständigen Bewerbungsunterlagen einfach per Post oder per e-Mail an uns senden. Bewerber/innen aus Freising und Umgebung können die Bewerbungsunterlagen auch gerne persönlich bei uns vorbei bringen.

Abgesehen von ein, zwei Rechtschreibfehlern und einer etwas uneinheitlichen Groß- und Kleinschreibung (was natürlich bei Bewerbern Boogie ist, weil es ja nicht um Rechtschreibung geht, sondern um die Persönlichkeit  – und wir wissen ja dank Wolfgang Goebel „Potenzial ist mehr als Noten„!), werden wichtige Aspekte wie z. B. Benefits benannt. Stefan Raab als Vorbild zu nennen, halte ich allerdings für falsch. Schließlich hat der ja seinen Metzgersjob an den Nagel gehängt. Und genau das will man ja eigentlich bei der Fleischerei Hack nicht.

Metzgerei Hack - Mediale Aufmerksamkeit ja, aber keine Bewerber

Und so bekommen Unternehmen und Kampagne zwar bundesweite Aufmerksamkeit, aber eins nicht: Bewerber.


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