Personalmarketing to go

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Heute ist ja irgendwie alles „to go“. Also quasi „für auf die Hand“. Oder eben „zum Mitnehmen“. Früher waren es Pommes. Oder das Eis aus der Eisdiele. Heute ist es eben Kaffee. Oder sogar das Auto. Ob Starbucks oder im Kiosk nebenan. Kaffee zum Mitnehmen für auf die Hand zum unterwegs aus dem Einwegbecher trinken liegt voll im Trend (was wir der Umwelt damit antun, interessiert mal wieder keine Sau. Wussten Sie, dass pro Stunde 320.000 Kaffeebecher weg geschmissen werden?). Klar, die Welt wird eben immer mobiler. Und damit auch die Bewerber. Ergo das Personalmarketing der Unternehmen. Grund genug für ein Buch zum Thema. Und für Beispiele, die mir jüngst dazu über den Weg liefen. Die allerdings eher not ganz so to go.

Personalmarketing to go – Das Buch

Fangen wir an mit dem Buch zum Thema. „Personalmarketing to go“ ist das neueste Werk aus der Feder von Mr. Frechmut Jörg Buckmann. Einst für das wundergute und zauberschöne Personalmarketing der VBZ verantwortlich, wandelt der charmante Schweizer nun auf Beraterfüßen und folgt zudem seiner Leidenschaft, dem Schreiben. Heraus gekommen ist ein überaus lesenswertes „Handbuch“ mit „frechmutigen Inspirationen für Recruiting und Employer Branding„. Ganz im Sinne der „zum-Mitnehmen-Mentalität“ handelt es sich hierbei um „kurze und budgetfreundliche Tipps zum Mitnehmen und umsetzen„. Sie sind die Essenz aus zehn frechmutigen Personalmarketingideen, die unternehmensübergreifend – ob Klein- oder Mittelstand oder Großkonzern – umsetzbar sind. To go eben.

Das Vernissägeli für das Buch fand letzten Donnerstag vor auserlesenen Gästen und Wegbegleitern im Café Che in Zürich statt. Der perfekte Rahmen für eine frechmutige Buchvorstellung.

Personalmarketing to Go - Bild: Der Fotomacher - Thomas Aebischer

Wie nicht anders zu erwarten, schießt Jörg mit diesem Buch mal wieder den Vogel ab. Das Buch ist kurzweilig geschrieben, beinhaltet tolle Beispiele mit Augenzwinkern und sollte neben seinem Erstlingswerk „Einstellungssache – Personalgewinnung mit Frechmut und Können“ in keinem Personalerbücherschrank fehlen. Also, worauf warten Sie noch? Bestellen Sie den Personalmanagement-Bestseller von morgen noch heute!

Nach einem stärkenden Frühstück ging es dann Freitag früh zurück nach Wiesbaden. Und wie es der Zufall so wollte, ist mir auf der Rückreise das ein oder andere Personalmarketing-to-Go-Beispiel über den Weg gelaufen. Nur, dass die eben nicht so ganz „to go“ waren.

Personalmarketing mit Wasserflaschen

Erst nach einiger Zeit und nachdem ich das Objekt schon mehrfach in der Hand gehalten hatte, fiel mir auf, dass die vor Reiseantritt erworbene Wasserflasche eine Personalmarketing-Botschaft enthielt. Und zwar für das Bäckerhandwerk. Brötchentüten im Personalmarketing einzusetzen (insbesondere, wenn es sich um die Nachwuchssuche im Bäckerhandwerk handelt) ist naheliegend. Aber eine Wasserflasche als Medium fürs Personalmarketing zu verwenden, kannte ich noch nicht. An sich ist das ja eine wirklich gute (und auch naheliegende) Idee (warum machen das andere Anbieter nicht – z. B. AB Inbev für seinen Field Execution Specialist ;-) ?). Allerdings sollte dem Betrachter sofort klar sein, dass es sich um gezielte Bewerberansprache handelt. Und das gelingt hier meiner Meinung nach nicht wirklich optimal.

Personalmarketing to Go - Wasserflasche mit Lehrlingswerbung

Wir sehen ein großformatiges Bild: Ein Teller mit einem Stück Torte, davor (auf dem Teller) hockend ein junges Mädel mit Rührschüssel zwischen den Schenkeln, hinter ihr ein junger Mann, der das Werk begutachtet, ganz im Hintergrund ein freudig strahlender junger Mann à la Kinderschokolade. Dann einen Störer mit dem Slogan „Forme deine Zukunft“ (für die Westschweiz das Ganze als „Forme ton Avenir“, was französisch ist und natürlich das Gleiche bedeutet), einen QR-Code und zur Sicherheit noch einmal die Webadresse www.forme-deine-zukunft.ch. Sie ahnen, was ich als nächstes gemacht habe, oder? Schließlich hatte ich noch gut drei Stunden Zugfahrt vor mir. Was ich dann aber zu sehen bekommen habe, hat mich nicht wirklich weitergebracht.

Ich habe es mobil versucht, ich habe es über Desktop über drei verschiedene Browser versucht, ja sogar über den TOR-Browser habe ich es versucht. Ich habe gegoogelt und versucht über andere Websites auf die Kampagnenseite zu gelangen. Und natürlich die Browsereinstellungen angepasst. Es hat alles nichts genutzt. Alles, was ich zu sehen bekam, war Folgendes:

Weiterleitung auf Google.ch

Eine Weiterleitung auf google.ch. Offenbar ist es deutschen Nutzern nicht vergönnt, die Kampagnenseite des Schweizer Bäckerhandwerks aufzurufen. Befremdlich, aber so ist es nun mal. Insofern konnte ich also leider keine weiterführende Analyse vornehmen. Schade eigentlich.

Gut, dass wenigstens der Clip des Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verbandes funktioniert. Denn auch da heißt es „Forme deine Zukunft!“

Warum die Polizei Basel keine Bewerber bekommt

Um mich über das närrische Treiben in Wiesbaden zu informieren (ja, so etwas gibt es hier, schließlich sind wir ja nur durch den Rhein von Mainz getrennt, da schwappt also durchaus was von deren Frohnatur auf die ebbsch Seit‘), rief ich dann leicht frustriert die (mehr oder weniger) mobil optimierte Seite des Wiesbadener Kuriers auf. Also unserer Lokalzeitung. Und auch hier hatte der Zufall (oder war es der Gott Jokus – nicht zu verwechseln mit Lokus) wieder seine Hände im Spiel. Und die Schweiz im Fokus. Genauer eine Google AdSense-Anzeige der Polizei Basel. Ob ich nicht Polizist in Basel werden wolle. Klar, warum nicht.

Polizist in Basel werden - Google Anzeige im WK

Apropos warum nicht: Warum nicht mal in anderen Gefilden stochern? So war Mr. Frechmut seinerzeit im Einsatz ihrer Majestät der VBZ unterwegs im tiefsten Osten, um dort äußerst erfolgreich Busfahrer für das schöne Zürich zu rekrutieren.

Frechmutige Personalwerbung mit Queen Mum und Prince Charles bei den VBZ

Warum also nicht Polizisten für Basel in Wiesbaden rekrutieren.

Aber irgendwie… Also irgendwie liegt da zwischen Deutschland und der Schweiz was im Argen. Denn zum wiederholten Mal schaute ich in die Röhre. Im übertragenen Sinne zumindest. Denn als ich mich bewerben wollte, was man mir angetragen hatte, geschah Folgendes:

Polizist in Basel werden klappt leider nicht

Zur Ehre der Kantonspolizei muss gesagt werden, dass es sehr wohl eine Seite mit Informationen gibt. Leider ist sie aber nicht richtig verlinkt. Schade, denn so muss die Kantonspolizei Basel auf einen äußerst scharfsinnigen und engagierten Polizeischüler verzichten.

IT-Spezialisten anziehen und gleich wieder verprellen

Blieb noch als Trost der Tweet der REWE-Group, der auf Jobs im IT-Bereich aufmerksam macht. Sie wissen ja, IT-Fachkräfte werden händeringend gesucht. Was also liegt näher, als sie mit pfiffigen und aufmerksamkeitsstarken Motiven und markigen Sprüchen („Du bewegst IT-Systeme und hältst SUSE, DEBIAN und TIZEN nicht für die Nachbarskinder?“) auf sich aufmerksam zu machen….

und sie dann mit SAP-E-Recruiting-Lösungen gleich wieder zu verprellen. Besonders gut gelingt das dann, wenn man das Ganze mobil aufrufen will. Was wir natürlich tun. Denn wir sind ja immer noch bei „Personalmarketing to go“.

Personalmarketing to Go im Sinne von geh weg, Bewerber!

Immerhin startet der Download sofort (zur Erklärung: Beim SAP E-Recruiting werden die Stellenanzeigen als PDF dargestellt. Bei der Nutzung von mobilen Endgeräten muss ein PDF-Dokument erst einmal herunter geladen werden. Und hoffentlich haben Sie eine App installiert, mit der man PDF lesen kann). Fairerweise sei erwähnt, dass durch „Klick“ auf den ersten Button rechts oben in der Ecke sogar der Bewerbungsvorgang gestartet werden kann. Theoretisch zumindest. Denn wer will sich da schon bewerben?

Von wegen Personalmarketing to go. Wie schreibt Jörg Buckmann so schön?

„Wenn selbst LKW to go sind, warum kann dann nicht auch Personalmarketing to go sein? Eben!“

In den gezeigten Beispielen könnte man das „to go“ wohl eher anders interpretieren. Nämlich im Sinne von „geh weg, Bewerber“.

Zum Glück präsentiert uns der Autor in seinem Buch jede Menge positive Praxisbeispiele, die dem geneigten Bewerber im Gegensatz zu den hier gezeigten Beispielen wohl eher ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

  1. […] Ach übrigens, weitere tolle Formate für „Personalmarketing to go“ gibt´s im neuen Buch vom Kollegen Buckmann. Noch nicht gelesen? Dann aber schnell! -> Personalmarketing go to. […]

  2. Nico sagt:

    Da mir Amazon vorgaukelte, dass nur noch ein Exemplar des Buches verfügbar sei, bin ich der Annahme erlegen, es sei bereits maßlos ausverkauft. Also schnell bestellt und nach Abschluss des Vorgangs stelle ich fest: Die haben gelogen! Plötzlich waren wieder vier vorhanden. Das ist ja ein freches Marketing.

    Vielleicht sollte ich das mit meinen Stellen auch mal so versuchen. :)

    Der Buchinhalt ist gleichermaßen amüsant wie (in dem einen oder anderen Fall auch zu meiner Schande) erhellend. Man steckt halt manchmal zu oft ich seiner Betriebsblindheit.

    VG

    Nico

    • personalmarketing2null sagt:

      Das versuch doch mal, Nico! Ich bin gespannt, ob es wirkt! ;-)

    • Dagmar sagt:

      forme-deine-zukunft.ch funktioniert übrigens auch in der Schweiz nur mobil…und verweist dann übrigens zur Seite swissbaker.ch, auf der ich das Bild von der Wasserflasche wiederentdeckt habe.

      Danke für den Beitrag :)

  3. Lydia sagt:

    Immer wieder toll, diese Beispiele. Und Wahnsinn, wie egal es vielen Arbeitgebern zu sein scheint, wie sie auf Bewerber wirken. Bzw. wie sie nicht wirken. ;)

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