Das Umweltbundesamt und die Sache mit der Papierbewerbung

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Und immer wieder poppt die Papierbewerbung auf. Nachdem es das ZDF und ich mit der Geschichte um die ausschließliche Bewerbung per Post für die Stelle des Social Media Managers sogar auf Focus online geschafft haben, möchte ich diesen Artikel heute einmal dem Umweltbundesamt widmen. Denn auch die warten mit einem ganz besonderen Schmankerl auf. Das machen die zwar schon seit ein paar Jahren, aber dennoch, das ist so eine hübsche Geschichte, die durchaus etwas mehr Aufmerksamkeit (oder, je nachdem, Auffrischung) verträgt…

An die ZDF-Geschichte erinnern Sie sich, oder? Die suchten einen Corporate (!) Social Media Manager (zuvor noch getarnt als Sachbearbeiter), der sich aber nur per Post bewerben durfte. Das fand nicht nur ich sehr zeitgemäß, das sorgte seinerzeit sogar für den höchsten Zugriff auf meinen Blog an einem Tag. Dafür schulde ich dem ZDF noch meinen Dank. Hole ich hiermit nach, liebes ZDF! Die Stelle ist übrigens immer noch ausgeschrieben, dabei ist die Bewerbungsfrist (15. Mai 2015) lange überschritten. Ist wohl aber eher ein Versehen, denke ich…

Bewerbung per Post sehr beliebt

Nun ist das mit der Papierbewerbung ja so eine Sache. Geht man nämlich nach aktuellen Studien, so hat die durchaus ihre Berechtigung:

So stellt beispielsweise gemäß der Studie Azubi Recruiting-Trends 2015 die Papierbewerbung nach wie vor bei Schülern die bevorzugte Bewerbungsform dar: 71 Prozent der insgesamt 1.428 Befragten favorisieren die Bewerbung mittels der guten alten Schneckenpost.

Die beliebtesten Bewerbungsformen bei Azubis - Quelle - Azubi-Recruiting Trends 2015

Nun könnten Sie natürlich gegenhalten und sagen, „Hey, was interessieren mich die Azubis, mir geht’s um gestandene Fachkräfte.“ Doch selbst in dieser Zielgruppe geben gemäß der Studie Bewerbungspraxis 2015, die das Jobportal Monster und die Uni Bamberg unter rund 7.000 Bewerbern durchgeführt haben, immerhin neun Prozent der Befragten der Bewerbungsmappe den Vorzug. Gleichauf liegt übrigens die Bewerbung per Online-Formular. Die Bewerbung per E-Mail ist demnach mit 79,5 (Vorjahr: 72) Prozent die bevorzugte Bewerbungsform.

Präferierte Bewerbungsverfahren bei Bewerbern - Quelle Bewerbungspraxis 2015

Meines Erachtens handeln Unternehmen, die eine Bewerbung per Post strikt untersagen, grob fahrlässig. Ein Kandidat entscheidet sich aus gutem Grund für eine Bewerbungsform. Wenn er meint, sich per Bewerbungsmappe besser präsentieren zu können oder Vorbehalte gegenüber Online-Bewerbungen hat oder auch keine (schnelle) Internetverbindung hat – auch das soll’s geben –, wird er sich so bewerben.
Solche Kandidaten investieren viel Zeit und Nerven (und Geld) in ihre Bewerbung und sind vielleicht die lang gesuchten Experten für die ausgeschriebene Position. Und Sie brüskieren solche Kandidaten, indem Sie die Unterlagen zurückschicken mit der Aufforderung sich gefälligst online zu bewerben? Bewerber, die sich ihres Marktwertes bewusst sind, werden einen Teufel tun. Im Gegenteil: Sie werden sich garantiert nicht mehr bei Ihnen bewerben.

Internetzugang in Deutschland 2014 - Quelle Nonliner Atlas

Umweltbundesamt begrüßt Bewerbungen auf umweltfreundlichem Papier

Insofern macht es das Bundesumweltamt also richtig. Die Behörde fordert die Bewerber nämlich nicht nur auf, die Bewerbung per Post zu versenden. Nein, es kommt noch viel besser: Man möge doch bitte umweltfreundliches Papier nehmen:

„Das UBA begrüßt Bewerbungen auf umweltfreundlichem Papier. Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen (ein Hinweis auf die Personalakte genügt nicht) schicken Sie bitte ausschließlich in schriftlicher Form (keine E-Mail) unter Angabe der Kenn.-Nr. an die Bewerberbetreuung des UBA.“

Klar, so Umweltpapier ist ja auch viel umweltfreundlicher, als wenn ich die Bewerbung per Mail schicke und die dann dort im Amt von den Schreibtischhengsten ausgedruckt wird. Mal überlegen…

  • Ich schreibe die Bewerbung auf Umweltpapier (mindestens ein Blatt für das Anschreiben),
  • dann noch meinen Lebenslauf (mindestens zwei Blatt)
  • sowie noch ein paar Zeugnisse etc. (rechnen wir mal großzügig mit sechs Blatt) –
  • macht in Summe neun Blätter.
  • Gut, wir bedrucken (da wir als Umweltfreund beim Bundesumweltamt punkten und die Stelle haben wollen) die Blätter beidseitig. Dann sind es nur noch 5. Sehr gut!
  • Nun muss das Ganze noch in einen Briefumschlag (Umweltpapier natürlich)
  • und eine Briefmarke drauf (gibt es die eigentlich auch aus Umweltpapier?).
  • Dann ab zum Briefkasten. Den Briefumschlag und das Briefpapier habe ich mir natürlich im Vorfeld besorgt. Natürlich zu Fuß aus dem nächst gelegenen Schreibwarenladen. Nicht mit dem Auto, klar. Dennoch.
  • Nun gelangt meine Bewerbung per Post quer durch die Republik von einem Verteilzentrum zum nächsten (per Postauto). Und dann irgendwann zum Bundesumweltamt. Mein Gott, wenn ich bedenke, was ich da schon für einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen habe…

Aber das Spiel geht ja weiter.

  • Beim Bundesumweltamt wertet man die Bewerbung aus. Im Idealfall bekomme ich jetzt einen Zwischenbescheid (natürlich auf Umweltpapier),
  • der in einen Briefumschlag (dito) und mit Briefmarke frankiert wird.
  • Dann wieder das Spiel mit der Post, bis das Schreiben bei mir ankommt.
  • Abgesehen davon, dass der ökologische Fußabdruck immens angeschwollen ist,
  • verursacht das Ganze auch noch unnötige Kosten. Bei mir UND beim Umweltbundesamt. Es ist somit nicht nur absolut umweltunfreundlich, sondern auch noch kostenintensiv für die Behörde.

Wie viel einfacher wäre es doch, die Bewerbung per Mail zu versenden. Und das Ganze wäre auch noch wesentlich umweltfreundlicher. Klar, Serverfarmen ziehen auch Energie. Aber es gibt ja auch welche, die mit Ökostrom arbeiten. Und eine Mail kann ja durchaus auch in elektronischer Form bestehen bleiben, die muss man nicht ausdrucken. Man kann sie dann weiterleiten innerhalb der Behörde. Dem Bewerber wird dann per E-Mail ein Zwischenbescheid, eine Einladung oder meinetwegen auch eine Absage geschickt. Aber alles viel umweltfreundlicher, als alles per Umweltpapier zu erledigen, liebes Umweltbundesamt.

Und ihr spart nicht nur Kosten, sondern würdet auch noch beim Bewerber punkten. Denn die Bewerbung per Mail ist nun mal die beliebteste Form beim Bewerber. Immerhin 79,5 Prozent (siehe oben) präferieren diese Form der Bewerbung, liebes Umweltbundesamt.

Das schert das UBA aber herzlich wenig und hat folgende Antwort parat:

„Dies hat folgenden Hintergrund: E-Mails mit persönlichen Daten, wie sie Bewerbungen enthalten, dürfen innerhalb unseres Hauses nicht per E-Mail hin- und hergesandt werden, sondern nur in verschlossenen Mappen, die nur von bestimmten Personen geöffnet werden. E-Mail-Bewerbungen müssten deshalb ausgedruckt werden. Dann gäbe es doch wieder Papierverbrauch und zusätzlich eine Ungleichbehandlung der Bewerbungen, weil bei uns ausgedruckte und zusammengeheftete Bewerbungen optisch natürlich nicht so gut aussehen wie die, die uns in Mappen von Bewerbern per Post geschickt werden.“

Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Abgesehen davon, dass das UBA da mehr als anachronistisch vorgeht… So ist es nicht nur grob fahrlässig, wenn ein Unternehmen Postbewerbungen per se ausschließt, das Ganze gilt natürlich auch umgekehrt!

Auch wenn ich mir die „Karriere-Website“ (oder das, was dafür zu halten ist – oder auch nicht) bzw. die Stellenanzeigen anschaue, läuft mir ein eisiger Schauer über den Rücken:

Die Karriere-Website des Bundesumweltamts

Abgesehen davon, dass der Hinweis auf den Arbeitgeber Umweltbundesamt gut im Footer versteckt ist, weisen die Stellentitel eine unglaubliche Vielfalt vor. So zählen Sie aktuell bspw. 14 verschiedene Stellen als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Klar, so ein wissenschaftlicher Mitarbeiter weiß eben, was seine Aufgaben sind. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter ist eben ein wissenschaftlicher Mitarbeiter. So wie ein Referent ein Referent ist eben.

Nun denn, immerhin ist die Seite mobil optimiert. Und man setzt auf Social Media und neueste Web-Technologie. Allerdings offenbar nicht auf Suchmaschinenoptimierung. Wozu auch? Warum sollen potenzielle außerbundesumweltamtliche Bewerber auf die Stellen aufmerksam werden? Offensichtlich setzt man dort nämlich ohnehin nur auf interne Bewerbungen (warum sonst der Hinweis, dass ein Hinweis auf die Personalakte nicht genügt)…?

In diesem Sinne, genießen Sie den Sommer!

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