Dank Jobbörse.com Schluss mit der Arbeitslosigkeit?

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 6 Minuten.

Aktuell haben wir in Deutschland 2,7 Millionen Arbeitslose. Das sind 121.593 weniger als im Juni 2014. Uns geht’s richtig gut! Denn auch die „Kräftenachfrage“ ist weiterhin aufwärts gerichtet. Und, meine Prognose, bald werden es nur noch 200.000 Arbeitslose sein. Wie ich darauf komme? Na ganz einfach: auf Jobbörse.com finden Sie 2,5 Millionen Jobs. 2,5 Millionen Jobs vs. 2,7 Millionen Arbeitslose – da bleiben 200.000 übrig, ist doch klar, oder? Abgesehen davon bietet Jobbörse.com jetzt ein paar Neuerungen, so dass Bewerber es noch leichter haben, einen passenden Job zu finden. Ist damit ein Ende der Arbeitslosigkeit in Sicht?

Gerade bekam ich einen Anruf von einem Hamburger Personaldienstleister. Dessen Namen habe ich nicht verstanden, er tut aber auch nichts zur Sache. Ich wurde gefragt, an welche Adresse man denn seine Pressemitteilungen senden dürfe. Ich antwortete, dass Pressemitteilungen meistens direkt im Papierkorb landeten, verriet ihm aber trotzdem meine E-Mail-Adresse (die natürlich im Impressum des Blogs steht). Etwas entmutigt legte der junge Mann auf. Wenn er das hier liest, Kopf hoch, trotzdem weitermachen, Kaltakquise ist ein harter Job. Und ich war echt nett. Aber zurück im Text.

Arbeitslosigkeit im Juni 2015

Pressemitteilungen also. Diesmal kam sie von XING. Und es ging um die neuesten Neuerungen auf dem neuesten Neuzugang Jobbörse.com. Wer Jobbörse.com nicht kennt, die hießen lange Zeit icjobs und sind eine Jobsuchmaschine.

Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit

Jobbörse.com verbessert Jobsuche

Und mit 2,5 Millionen Jobs auf der Website ist Jobbörse.com die größte deutsche Jobsuchmaschine und „präsentiert seinen Nutzern mit Abstand die größte Auswahlmöglichkeit von allen Jobsuchmaschinen im deutschsprachigen Raum.“ So. Damit Bewerber künftig noch einfacher nach Jobs suchen können, setzt man dort ab sofort auf eine stark verbesserte Nutzerführung mit neuen Filtern. Und ist darüber hinaus (gegenüber XING) zudem auch noch mobiloptimiert unterwegs. Das klingt vielversprechend und schauen wir uns doch mal im Detail an.

Tatsächlich ist es nämlich nun mithilfe des neuen „Dynamischen Smartfilter“ möglich, die Suchergebnisse mit nur wenigen Klicks auf relevante Jobs einzugrenzen. „Dynamische Smartfilter zeigen dem Jobsuchenden in Echtzeit sein aktuelles Marktangebot an freien Stellen.“ Der Clou dabei: Der dynamische Smartfilter passt sich jeder Berufsbezeichnung individuell an. Direkt auf einen Blick sieht der Nutzer, welche Fähigkeiten am häufigsten von ihm erwartet werden. Im Handumdrehen kann der Jobinteressent die riesige Menge an Suchergebnissen auf die Stellen begrenzen, für die etwa SAP- oder Arbeitsrecht-Kenntnisse Voraussetzung sind. Zudem lassen sich im Gegenzug auch Anzeigen in der Ergebnisliste ausschließen, in denen bestimmte Anforderungen aufgeführt sind, die man nicht erfüllen kann oder will.

Suche nach Personalreferent bei Jobbörse.com mit Smartfilter zu Fähigkeiten und Benefits

Außerdem hat man (zumindest in Ansätzen) bei feelgood@work abgekupfert und hat nun die Möglichkeit, nach besonderen „Benefits“ zu filtern. So können die Suchergebnisse auf die Jobangebote eingekreist werden, die sich etwa durch „Firmenfahrzeug“, „flexible Arbeitszeiten“ oder „Mitarbeiterhandy“ auszeichnen.

Zu diesem Zweck werden die jeweiligen Stellenangebote einfach nach den entsprechenden Suchbegriffen abgescannt und die passenden Jobs angezeigt. So werden dann bspw. aus 4.567 Personalreferenten-Jobs (für den Begriff „HR Business Partner“ werden übrigens nur 1.651 Jobs angezeigt. Verstehen Sie jetzt die Problematik? Und da hilft dann auch die Semantik nicht weiter – oder ist bei Jobbörse.com noch nicht ausreichend berücksichtigt) mit den Filtern „Einarbeitungsphase“ und „Weihnachtsgeld“ auf einmal nur noch 25. Was im Übrigen ziemlich erschreckend ist. Entweder, weil so wenig Unternehmen eine Einarbeitungsphase und Weihnachtsgeld anbieten oder (was wohl wesentlich wahrscheinlicher ist) weil keiner drüber spricht. In der Tat halten sich Unternehmen bei der Kommunikation ihrer Benefits zurück, wie auch eine aktuelle Studie der Hochschule RheinMain zeigt (mehr dazu demnächst im Personalmagazin). Schreiben Sie doch bspw. mal, dass es in Ihrer Kantine auch vegane Speisen gibt. Oder dass die hausgemacht sind und nicht von einem der bekannten Caterer, die dafür sorgen, dass Ihre gesamte Belegschaft ausfällt, weil man im Nachtisch lieber Erdbeeren aus China statt vom Bauern vor der Tür verarbeitet.

Dank Redundanz 2,5 Millionen Jobs

25 Jobs von 4.567. Und hier kann man dann auch schon ganz gut erkennen, was es eigentlich mit den 2,5 Millionen Jobs von 1,3 Millionen Webseiten auf sich hat. In diesem Beispiel sehen wir drei Anzeigen für ein und dieselbe Stelle von ein und demselben Unternehmen, nämlich ALDI Süd.

Stellenübersicht auf Jobbörse.com zeigt Redundanzen

Und wenn wir uns nun diese Stellen einmal im Detail anschauen, erleben wir unser blaues Wunder. Jobbörse.com präsentiert uns zum einen die Stellenanzeigen, die auf XING und stellenanzeigen.de veröffentlicht wurden. Zudem aber auch die von jobmensa.de. Jobmensa wiederum ist selber eine Jobsuchmaschine. Allerdings ist die Technik hier offenbar noch etwas optimierungsbedürftig, diesen Eindruck hat man zumindest, wenn man das Stelleninserat so vor sich sieht. Und während das Lesen des Stellenangebots bei Jobmensa noch so richtig Spaß macht…

Aldi-Stellenanzeige bei Jobmensa

hat man beim Original irgendwie gar keine Herausforderung beim Lesen.

Aldi-Stellenanzeige im Original

Was wohl auch an der Austauschbarkeit des Bildmotivs liegt (immerhin kein Stock), der lieblosen Formulierung bei den Aufgaben (es lebe das Substantiv), dem fehlenden Ansprechpartner (nebst Anschrift) und dem unten rechts platzierten Logo, damit die Stelle auch garantiert erst einem Unternehmen zuordnen kann, wenn man ganz nach unten gescrollt hat. Immerhin aber wird im Einstiegssatz die Zielgruppe direkt adressiert. Menschen, die Leidenschaft für Human Ressources mitbringen. Endlich! Abgesehen davon reiht sich auch der „Mitarbeiter Human Resources“ nahtlos in die Riege der Stellenanzeigen ein, die die visierte Zielgruppe aufgrund von Austauschbarkeit garantiert nicht so einfach findet. Wie wäre es mit „Mitarbeiter Human Resources mit Schwerpunkt Personalmarketing“?

Schön fand ich übrigens auch noch, als ich die Ergebnisliste weiter eingeschränkt habe. Mitarbeiterhandy ist doch auch was Feines, habe ich mir gedacht. Und da wird mir dann ein Personalreferent (aber eigentlich doch eher ein Personaldienstleistungskaufmann bzw. Personaldisponent) in Mainz angezeigt. Das Interessante daran: Dort weiß man offenbar selber nicht ganz so genau, welches Mindestalter der Bewerber haben soll, ob man eine Anstellung in Vollzeit bieten soll, wie es um die Arbeitszeiten bestellt ist oder ob man es denn mit den Benefits wirklich ernst meint. Und mit dem AGG nimmt man es auch nicht so genau.

Bezüglich der Benefits und Anforderungen ist man sich bei dieser Stellenausschreibung wohl nicht ganz sicher

Grundsätzlich sind die Neuerungen von Jobbörse.com also wirklich eine sinnvolle Unterstützung für den Bewerber. Im genannten Fall sind die Smart Filter wohl eher mit Vorsicht zu genießen ;-) Jobbörse.com gelingt es zwar mit seiner neuen Technologie, Stellenanzeigen besser auffindbar zu machen. Zaubern kann man indes dort auch nicht: Und so kann der Bewerber natürlich nur auf die Informationen zugreifen, die auch in der Stellenanzeige enthalten sind. Und hier sitzt das Problem eben in den Personal- (und Fach)abteilungen selbst.

Noch ein letztes Wort zu den 2,5 Millionen Jobs. Wie die genannten Beispiele zeigen, greift Jobbörse.com auf eine Vielzahl von Websites zurück, deren Feed abgegriffen wird oder deren Inhalte gecrawlt werden. Das führt natürlich zu einer großen Anzahl von Redundanzen. Die Anzahl eindeutig zuzuordnender Stellen dürfte also deutlich unter einer Million liegen. Und so muss ich leider die oben geschürte Hoffnung, dass Deutschland demnächst nur noch 200.000 Arbeitslose haben wird, gleich wieder zerstören. Also, leider schlechte Nachrichten für all die, die dank Jobbörse.com auf ein Wunder und ein Ende ihrer Arbeitslosigkeit gehofft hatten. Tut mir leid!

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