Recruiting: Software-Entwickler schreiben lieber Codes

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 5 Minuten.

Zu wissen, wer die gesuchte Zielgruppe für einen Arbeitgeber darstellt, ist eine wesentliche Grundvoraussetzung für Erfolg im Recruiting. Denn nur wer weiß, wer seine Zielgruppe ist (und was diese will), kann zielgerichtet den Köder auswerfen, damit der Fisch auch anbeißt. Eine dieser heiß begehrten Zielgruppen sind ja Software-Entwickler. Die weltweit größte Umfrage unter Software-Entwicklern mit dem wohl klingenden Namen „Die Software-Entwickler Fachkräfte-Landschaft 2015“ liefert interessante Erkenntnisse auch für das Recruiting deutscher Arbeitgeber.

Durchgeführt wurde diese Studie von Stack Overflow Careers in 157 Ländern, 26.000 Teilnehmer haben bereitwillig die Fragen beantwortet. Allein in Deutschland waren es an die 2.000. Die Ergebnisse liefern spannende Erkenntnisse:

Keine formale Ausbildung

Zum Beispiel haben 48 Prozent der Entwickler keine formale Ausbildung mit regulärem Abschluss. Wie heißt es so schön? Potenzial ist mehr als Noten. Arbeitgeber, die bei ihren Kandidaten auf anspruchsvolle und umfangreiche akademische Qualifikationen bestehen, werden also zunehmend das Nachsehen haben. Dieser starre Ansatz bei der Personalbeschaffung minimiert den Bewerber-Pool um fast die Hälfte. Leider haben viele Unternehmen das aber noch nicht verstanden (also die richtig weltfremden zumindest) und rekrutieren weiter nach Schema F. Dazu gehört dann auch, Bewerbungen auszusortieren, die einen Rechtschreibfehler haben (nach wie vor, man mag es kaum glauben, Bewerbungskiller Nummer 1. Vergessen wird schnell, dass man keinen Deutschlehrer sucht, sondern jemand mit den entsprechenden Fähigkeiten. Also z. B. Programmierung). Der Mann beherrscht nicht mal die deutsche Rechtschreibung? Wie soll der dann fehlerfreie Codes schreiben können? Blöd nur, dass viele Personalbeschaffer oftmals selber mit einer Rechtschreibschwäche zu kämpfen haben (ein Blick in das ein oder andere Stelleninserat oder auf die ein oder andere Karriere-Website spricht Bände), aber vor allem selber keine Ahnung von Programmierung haben.

Software-Entwickler - Traditionelle Ausbildung eher rückläufig - Quelle Stack Overflow

Entwickler schreiben lieber Codes

Aus diesem Grunde sollte auch der Auswahlprozess angepasst werden. So würden Entwickler viel lieber die Möglichkeit haben, Codes zu schreiben. Schließlich fühlen sich diese deutlich wohler, wenn sie vor einem Bildschirm sitzen, als vor einer Gruppe von HR-Managern (die, wie oben geschrieben, im Zweifelsfall nicht wirklich das erforderliche Know-how besitzen). Zudem macht die Stack Overflow Careers Umfrage auch deutlich, dass die Arbeitgeber mögliche Kandidaten nicht nur aufgrund des Vorstellungsgesprächs einstellen sollten.

Wie Arbeitgeber den Recruitingprozess für Software-Entwickler verbessern können - Quelle Stack Overflow

Vielmehr möchten sich die Kandidaten in der realen Arbeitsumgebung und mit dem Schreiben von Codes beweisen. Im Idealfall bindet der Arbeitgeber seine Entwickler-Teams in den Bewerbungsprozess ein, so dass die praktischen Fähigkeiten zum Einsatz kommen und so letztendlich der richtige Kandidat für den Job eingestellt wird, so die Studie.

Entwickler offen für Jobwechsel

Geht es um das, was wir als Fachkräftemangel empfinden, stößt dem ein oder anderen Personaler mit Sicherheit auch übelst auf, dass deutsche Entwickler nicht nur hierzulande, sondern sogar weltweit sehr begehrt sind. Was wiederum dazu führt, dass viele lieber einen gut dotierten Job im Ausland annehmen, als einen schlecht dotierten hierzulande. Zum Vergleich: Durchschnittlich verdienen Entwickler in Deutschland 47.431 Euro, im Gegensatz zu 61.245 Euro in Großbritannien und 64.153 Euro in Dänemark. US-Entwickler führen die Gehaltsskala mit durchschnittlich 79.717 Euro Jahresgehalt an.

Und der anhaltende Boom im deutschen IT-Arbeitsmarkt sorgt dann dafür, dass unter den „echten Talenten“ so gut wie keine qualifizierten Entwickler arbeitslos sind. Was es dann so schwierig macht für die Unternehmen. Und was dann wiederum zu den üblichen Fachkräftemangel!-Rufen führt. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Zum einen sind immerhin 7 Prozent der Befragten auf Jobsuche. Vor allem aber sind 55  Prozent offen für einen Job-Wechsel. Sind also doch eine ganze Menge, die man ins Visier nehmen kann. Nun liegt es an Ihnen, diesen Jobwechsel mit attraktiven Angeboten schmackhaft zu machen ;-). Hier zitiere ich mal aus der Studie:

„Das bedeutet, dass Personalverantwortlichen ein großer Pool an Talenten zur Verfügung steht, sofern sie die potentiellen Kandidaten wirklich geeignet ansprechen.“

Stellenanzeige: Produktdetails wichtig

Und das ist eine echte Herausforderung. Denn Entwickler tun sich schwer, interessante Jobs zu finden. Zu diesem Schluss zumindest kommt Stack Overflow. Zwar ist es für Entwickler relativ einfach, einen Job zu finden. Viel größer aber ist die Herausforderung, eine Arbeit zu finden, die wirklich interessant ist und die zum eigenen Lebensentwurf und den persönlichen Präferenzen passt. Problem: Das, was in den Stellenanzeigen interessant klingt, wird leider nicht ausreichend beschrieben. Die Empfehlung von Stack Overflow, der ich mich gerne anschließe: „Um Ihre Stellenanzeige interessanter zu machen, sollten Sie Ihr Produkt möglichst anschaulich darstellen. 63,9 Prozent der deutschen Entwickler halten Produktdetails für die wichtigsten Aspekte einer Stellenbeschreibung, während 33,3 Prozent der Entwickler eine interessante Software-Technologie als wichtigstes Kriterium priorisieren.“

Weibliche Entwickler Entwicklerinnen fördern

Und wenn ich hier die ganze Zeit von Entwicklern schreibe, dann heißt das auch Entwickler. Denn Entwicklerinnen sind in Deutschland Mangelware. Nicht nur in Deutschland, aber hier eben ganz extrem. In Deutschland sind nämlich nur 3 Prozent der Entwickler Entwicklerinnen.

Weibliche Software-Entwickler eher Mangelware - Quelle Stack Overflow

8 Prozent haben weniger als zwei Jahre Berufserfahrung, deutlich weniger als der globale Durchschnitt, der bei 16% liegt. IT-Macht Indien sorgt übrigens ordentlich dafür, den Schnitt nach oben anzuheben: Dort sind 15 Prozent der Software-Entwickler Entwicklerinnen. Arbeitgeber sollten hierzulande also deutlich mehr dafür tun, um weibliche Entwickler zu fördern. Ob planlos gestartete MINT-Initiativen da eine Lösung sind? Ist Ihnen schon mal eine gezielte Ansprache von weiblichen IT-Fachkräften aufgefallen? Ich fänds ja mal spannend, die Damen und Herren der Schöpfung mit jeweils geschlechtergerechten Anzeigen anzusprechen. Müsste doch dann eigentlich auch AGG-konform sein, wenn ich sowohl als auch mache, oder? Immerhin gibt es ja Studien, die auf der einen Seite sagen, dass sich Frauen von „männlich gestalteten“ Stellenanzeigen eher abgeschreckt fühlen. Und auf der anderen Seite, dass Frauen Stellenanzeigen anders lesen. Haben sich die deutschen Arbeitgeber darauf eingestellt? Der ein oder andere, vielleicht. Die Masse: nein. Also los, marschieren Sie mutig voran und wagen Sie was Neues!

Die Studie „Die Software-Entwickler Fachkräfte-Landschaft 2015“ mit weiteren interessanten Ergebnissen erhalten Sie auf der Website von Stack Overflow Careers.

 

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