Candidate Experience: Die barrierefreie Bewerbung, die keine ist

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

Candidate Experience, also die Erfahrungen, die ein Bewerber an sämtlichen Punkten im Kontext seines Bewerbungsprozesses sammelt, sollte immer positiv sein. So ein Candy Date zahlt nämlich auf die Arbeitgebermarke ein. Sagen Studien. Sagt der gesunde Menschenverstand. Wenn Sie so wollen, beruht ein positives Bewerbungserlebnis auch auf Barrierefreiheit. Je weniger Hürden, desto positiver auch das Bewerber-Erlebnis. Das hat auch die Telekom erkannt und wirbt nun in ihren Stellenanzeigen mit einer barrierefreien Bewerbung. Grund genug, sich das Ganze mal aus nächster Nähe anzuschauen.

Wir erinnern uns gerne an die Telekom, ist das doch der Arbeitgeber, der eigentlich gar nicht existiert. Zumindest nicht online auf der millionenfach (!) frequentierten Website (mehrere Millionen Zugriffe/Monat, versteht sich). Das ist besonders fatal, ist doch jeder Besucher (auch Ihrer Website!) ein potenzieller Bewerber. Unglaublich, was der magentafarbene Riese da an Potenzial verschenkt. Ich würde mal jede Wette eingehen, dass die Telekom ihren Bewerbereingang drastisch erhöhen würde, wenn bereits auf der Startseite telekom.de ein auffälliger Hinweis auf Karriere-Perspektiven oder konkret gesuchte Positionen platziert würde. Aber wahrscheinlich kämpft die Personalabteilung genau um diesen seit Jahren (hoffe ich zumindest), nur die Unternehmenskommunikation weiß es mal wieder besser.

Nun, egal. Also. Irgendwie hat es ein potenzieller Bewerber dann doch geschafft und ein Stellenangebot der Telekom entdeckt. Bspw. auf Monster. Bspw. als „Verkaufsgebietsleiter/in Telekom Shops VKG Kassel„. Also ein Verkaufsgebietsleiter in Telekom Shops. Soweit schon mal gut. Was aber ist ein oder eine VKG? Da hilft Google. Da haben wirs: VKG = Vereinigte Kirche Gottes. Was aber hat die Vereinigte Kirche Gottes mit der Stelle als Verkaufsgebietsleiter zu tun? Nur Gott weiß dies. Oder der Verfasser der Stellenanzeige. Und eben zurück zu dieser.

Barrierefreie Stellenanzeige mit barrierefreier Bewerbung?

Stellenangebot Verkaufsgebietsleiter Telekom Shops mit barrierefreier Bewerbung

Schön ist ja, dass man z. B. sieht, wer denn der Ansprechpartner für eventuelle Rückfragen ist. Und sogar Telefon und E-Mail-Adresse werden genannt. Klasse! So weiß der Bewerber, mit wem er es zu tun hat. Das schafft Vertrauen! Blöd nur, dass keine Bewerbungsadresse genannt wird. An wen also adressiere ich die Bewerbung? Oder bin nur ich so old school, dass ich eine Bewerbung gemäß DIN 5008 erstelle? Wohl nicht, wenn man Bewerbungsratgebern im Netz glauben schenken darf :-) Was also macht der gemeine Bewerber? Er sucht die Anschrift. Zum Beispiel im Impressum. Ist so was barrierefrei? Definitiv nicht, nein.

Aber barrierefrei ist ja auch nicht, dass man den Stellentitel selbst (weiße Schrift auf unruhigem Bildhintergrund) nur schlecht lesen kann. Ebenso wenig barrierefrei sind die 12 (!) Aufzählungspunkte unter „Ihre Aufgaben“. Wer soll das alles lesen? Bereits nach drei Aufzählungspunkten neigt das Auge dazu, abzuschweifen. Als Empfehlung gelten fünf. Aber 12? Weniger ist mehr. Klar, es ist immer einfacher eine ganze Latte von Anforderungen zu benennen, als sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Heißt ja schon bei Goethe, Marc Twain, Voltaire oder Blaise Pascal (suchen Sie sich einen aus, es wird mehreren zugeschrieben): „Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen einen langen Brief schreibe, für einen kurzen habe ich keine Zeit.“ Das ist aber fatal und wird im Zweifelsfall dazu führen, dass Sie deutlich mehr Bewerbungen (von unpassenden Bewerbern) sichten müssen, weil sich eben ganz viele in diesem Profil wiedererkennen. Oder zumindest in einem der 12 Punkte… Wäre es also nicht sinnvoller, nur die zu benennen, die am wichtigsten sind?

Die Leistungen im Überblick - Torte, Schreibtischlampe...

Dann haben wir noch „Unsere Leistungen im Überblick„. Also sagen wir so – wir sehen dort ein Tortenstück, eine Tischlampe, Pokerchips, Prozentzeichen und einen Erste-Hilfe-Koffer. Wofür mag das stehen? Kaffee & Kuchen, Hausbibliothek, Pokerturniere, Mitarbeiterrabatte und Erste-Hilfe-Kurse? Oder ist es gar kein Erste-Hilfe-Koffer, sondern ein Geldkoffer, der symbolisieren soll, dass man bei der Telekom so viel Geld verdient, dass man die Kohle besser in die Schweiz schafft? Merke: Icons sind gut, aber nur wenn sie selbsterklärend sind oder zumindest im Kontext zu einem klärenden Text stehen. Barrierefreiheit? Auch hier Fehlanzeige! Ich bin aber auch so unfair, schließlich erscheint da doch bei Mouseover ein erklärender Text… So? Na dann versuchen Sie das mal auf Ihrem Smartphone!

Ebenso wenig barrierefrei ist im Übrigen der Schriftschnitt bei „Über uns“, da online eher schlecht lesbar. Egal, ich moniere hier die Dinge, um die es ja eigentlich gar nicht. Es wird ja die barrierefreie Bewerbung versprochen. Denn: „Schwerbehinderte Bewerber werden bei gleicher Eignung bevorzugt behandelt.

Haben Sie sich auch schon die ganze Zeit gefragt, was denn nun die barrierefreie Bewerbung eigentlich ist? Ich mich auch. Und ich habe keine Kosten und Mühen gescheut und meine Frustrationsschwelle vorher noch ganz schnell nach oben geschraubt, um das für Sie, liebx Lesx, am ohnehin schon geschundenen Leib zu testen!

So sieht sie aus, die barrierefreie Bewerbung!

Barrierefrei Bewerben bei der Telekom

Was würden Sie erwarten, wenn Sie auf einen Button „Jetzt Bewerben“ (unter dem unmissverständlich „Barrierefrei Bewerben“ steht) klicken? Ich kann Ihnen sagen, was ich erwartet hatte: Eine barrierefreie Bewerbung. Ein simples Formular, wo ich meinen CV hochladen kann. Vielleicht noch ergänzt um die Kontaktdaten, fertig. Und/oder: Bewerbung via XING oder LinkedIn. Zack bumm. Rubbeldikatz barrierefrei beworben. Wobei ich schon stutzig hätte werden müssen: One-Klick in 5 Minuten? Das hätte mir ein Warnsignal sein müssen. Und tatsächlich versteht die Telekom unter einer barrrierefreien Bewerbung offensichtlich etwas anderes.

Zunächst einmal muss man sich nämlich anmelden, um sich überhaupt bewerben zu können. „Richten Sie sich ein Benutzerkonto ein, um sich auf unsere Stellenangebote zu bewerben.

Bewerben bei der Telekom - eine positive Candidate Experience sieht anders aus

Ich hatte ja oben geschrieben, dass ich vorsorglich meine Frustrationsschwelle bewusst nach oben gesetzt hatte. Eine weise Entscheidung.

Bewerben bei der Telekom - Konto anlegen

Die Telekom bzw. deren Anbieter des Bewerbermanagement-Systems (sollte das etwa SAP sein?) hat sich dazu ein lustiges Gimmick einfallen lassen. Wer das Konto anlegen möchte, muss nämlich eine weitere Hürde meistern (von wegen barrierefrei!). Sie müssen nämlich erst einmal die Datenschutzerklärung lesen und akzeptieren. Bis Sie das aber gemerkt haben, haben Sie schon mehrfach den „Konto anlegen“-Button angeklickt und sich gewundert, dass nichts passiert. Bzw. sind wahrscheinlich schon weitergezogen, denn Sie wissen ja:

Und damit garantiert noch eine Hürde genommen wird, muss das Formular erst einmal bis zum Ende gescrollt werden.

Bewerben bei der Telekom - Einverständniserklärung nicht vergessen

DAS nenne ich mal barrierefrei! Danach wird es auch nicht barrierefreier. Eine Möglichkeit, sich via CV-Parsing oder XING/LinkedIn-Profil gibt’s dann immer noch nicht. Im Gegenteil. Die meisten Angaben in dem Online-Formular sind obligatorisch, sprich Pflichtangaben! Von wegen „in fünf Minuten schnell und einfach zum Traumjob„!

Vielmehr wird man dann nach einiger Zeit Inaktivität einfach aus dem System gekickt.

Bewerben bei der Telekom - Ihre Sitzung läuft nach 8 Minuten ab

Immerhin wird man freundlich darauf hingewiesen. Ist doch auch was. Aber mal ganz ehrlich: Warum muss ich mich anmelden, um mich bewerben zu können? Warum biete ich eine Anmeldung nicht optional an? So wie in vielen anderen Online-Portalen? Hotel buchen oder Klamotten kaufen geht doch auch OHNE Anmeldung. Klar, derjenige welche wo sich dann seinen Bewerbungsstand übers System anschauen möchte, soll das tun und sich für diesen Service anmelden. Aber der dies nicht möchte, dem sollte es freigestellt sein und dem sollte der Bewerbungsprozess möglichst einfach gemacht werden. Barrierefrei sozusagen. Denn:

Übrigens: Die beschriebene Stelle des Verkaufsgebietsleiters finden Sie nicht in der Stellenbörse auf der Karriere-Website der Telekom – weder über die Suche nach Jobtitel, noch über den Ort.

Die Suche nach Verkaufsgebietsleiter liefert 0 Treffer

Ein weiterer grob fahrlässiger Fehler. Denn in vielen Fällen geht man als Bewerber direkt auf die Karriere-Website, um nach weiteren Informationen über den Arbeitgeber zu suchen. Und nach der Stelle, die ja anderswo ausgeschrieben ist. Findet man die Stelle dann nicht, ist die Verwirrung groß. Ist die Stelle nicht mehr ausgeschrieben, fragt sich da der ein oder andere. Warum erscheint die Stelle auf Monster, aber nicht auf der Telekom-Seite selber, der nächste. Zu Recht.

Barrierefrei geht definitiv anders. Aber ein Gutes hat das Ganze auf jeden Fall: Mal wieder ein wunderbares Beispiel, welches der Nominierung für die Goldene Runkelrübe mehr als würdig ist.

Übrigens: Wollen Sie wissen, wie es um Ihre eigene Candidate Experience bestellt ist? Dann melden Sie sich an für den Candidate Experience Awards!

 

  1. Andre Stark sagt:

    Hallo Henner,
    danke für den erheiternden Beitrag. Ich habe in der Bahn selten so gelacht, vor allem nicht morgens wenn man im Berufsverkehr steckt. Ich finde, dass du mit der Ansicht recht hast, Barrierefreiheit sieht wirklich anders aus. Mich wundert vor allem, dass ein modernes Telekommunikationsunternehmen es nicht schafft seine Systeme benutzerfreundlich zu gestalten. Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, ist es mir aber doch eingefallen. Denn der komplizierte Bewerbungsprozess scheint einen tieferen Sinn zu haben:
    Die Telekom will damit die Ausdauer und Belastbarkeit der Bewerber testen. D.h. man nimmt quasi unwissentlich an einem Online Assessment teil, bei dem nur die Stressresistentensten bestehen und es schaffen Ihre Bewerbung abzugeben.

    Liebe Grüße Andre
    HRM Blog http://www.andrestark.com
    Titter https://twitter.com/Andre_St123

  2. Claudia sagt:

    Hallo Henner,
    ich habe letzte Woche zufällig (nein es war kein Zufall, ich habe an einem Webinar teilgenommen, wo die Frank Staffler die Telekom als Beispiel für „Die Zukunft der Online Stellenanzeigen“ präsentiert hat) auch die Karriereseite und die Stellenanzeigen angesehen, allerdings nicht so detailliert. Frank Staffler hat hier sehr kurzweilig über den Successfactor Stellenanzeige und das Projekt „Relaunch“ berichtet. Und soweit ich es in Erinnerung habe, gibt es in der Telekom 10 unterschiedliche Bewerbermanagementsysteme. Vorgelagert seit kurzem anscheinend solique (http://www.solique.ch/deutsch/aktuell/use-case-praesentation-am-sap-forum-in-stuttgart/).
    Ein wunderbares Beispiel für die Komplexität der aktuellen Aufgabengestellungen im Recruiting und dafür, dass selbst die beste Absicht manchmal nur zu gut gemeinten Ergebnissen führt.
    Herzliche Grüße aus Wien Claudia

    • personalmarketing2null sagt:

      Hallo Claudia,

      bei der ganzen Geschichte gibt es (mindestens) zwei Baustellen.
      1. SAP. Das wohl abschreckendste E-Recruiting-Tool aller Zeiten, dass schon den ein oder anderen Bewerber erfolgreich in die Flucht geschlagen hat.
      2. Eine Online-Stellenanzeige kann konzeptionell noch so durchdacht sein, wie sonst was – Ansätze gab es schon verschiedene – lernt man nicht den Inhalt anzupassen und wesentliche Aspekte zu berücksichtigen, bringt auch die neueste und innovativste Errungenschaft nichts.

      Es muss eben in die Köpfe, dass beides entsprechend angepasst werden muss. Wobei all diese ganze Getue um „Online-Stellenanzeige der Zukunft“ gar nicht nötig wäre, wenn man es denn mal endlich schaffen würde, eine vernünftige Stellenanzeige sowohl textlich, als auch grafisch und nutzerorientiert, zu gestalten :-)

      Viele Grüße
      Henner

      • Claudia sagt:

        Da bin ich ganz deiner Meinung!
        Ich rede mir ja auch immer den Mund fusslig, dass man eben ein bißchen Zeit investieren sollte bevor man die Anzeige (wurscht ob Online oder Print oder von mir aus auch ein Video) schaltet und vor allem zielgruppengerecht aufbereitet … dann spart man nachher entweder das mühsame „managen“ von unzähligen „falschen“ Bewerbungen oder kann damit viel besser gezielt auf die richtigen Kandidatinnen zugehen … und was krieg ich als Antwort: dafür hab ich ja keine Zeit, das Inserat muss schnell raus! Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf, wenn dann noch SAP oder ein anderes System dafür sorgt, dass die Bewerberinnen den Prozess entnervt abbrechen wird das halt nix! Und dann geht das Jammern los …
        Vielleicht hört ja doch noch wer auf uns ;-)
        Grüße Claudia

  3. Ute sagt:

    Lieber Henner, ich hätte da auch ganz fantastische Beispiele beizusteuern. Schön sind auch die Online-Bewerbungsformulare von Unternehmen, in denen Du Dich ungefähr durch 10 zwingend auszufüllende Seiten klicken musst, um dann auf der letzten Seite zu erfahren, dass Deine Anhänge nicht mobil eingegeben werden können…auf der 10.Seite…nachdem Du alles, was sowieso im Lebenslauf steht (den Du anhängen sollst), in gefühlten Stunden, akribisch eingegeben hast. Und JETZT musst Du auf Seite 10 die Entscheidung treffen, selbiges noch einmal voll motiviert auf Deinem Laptop oder Rechner einzugeben (falls Du gerade einen hast). Das könnte man vielleicht auch gleich am Anfang auf der ersten Seite mit angeben: ACHTUNG: Das Online-Formular ist nicht für mobile Nutzung optimiert…oder NOCH NICHT…! Nein, macht keiner…weil es vielleicht einen schlechten Eindruck hinterlassen könnte? Oder gehört dies zur ersten Stressprüfung des folgenden Recruitingprozesses? Wer bei uns arbeiten will muss sich erst einmal durch unsere alte software quälen…die war teuer genug! ODER
    sollen Bewerber die Message verstehen: SIE wollen ja schließlich BEI UNS anfangen, also strengen Sie sich gefälligst ein bisschen mehr an und lassen Sie sich nicht gleich von solchen Hürden entmutigen…ich kann nur empfehlen: Wenn mit Candidate Experience ein nicht zu vergessendes Erlebnis bei der Bewerbung gemeint ist, dann macht weiter so, aber wundert Euch nicht, wenn es den HighPotentials einfach nur zu blöd ist, wie sie behandelt werden…in diesem Sinne noch viele HR-Barcamps, HR-Barcafés etc. oder einfach mal auf das Feedback der Bewerber hören? Natürlich nur, wenn es irgendwen interessiert! Ach ja, auf der 10.Seite angekommen, konnte man dann auch nichts abspeichern, um am Rechner weiter zu machen…man flog einfach mit einem error raus. Danke für das Gespräch! Es war nicht die Deutsche Telekom, aber auch einer der vielen Global Player auf dem deutschen Markt, der selbstverständlich innovativer Marktführer ist…nur leider nicht innovativ genug im Recruiting-Prozess.

    Viele Grüße ins HR-Ländle, Ute

  4. Jo Diercks sagt:

    Moin Henner, so sehr ich deine Meinung hinsichtlich der Bewerberfreundlichkeit (oder nicht…) der diversen Barrieren teile, ist hier mit „barrierefrei“ ein Terminus Technische gemeint iSd. BITV. Es werden gewisse Konventionen hinsichtlich Schriftskalierbarkeit oder Screenreader-Taauglichkeit befolgt. Das heißt hier „Barrierefreheit“. Das der Prozess dadurch ‚bewerberfreundlich‘ wird, ist nicht gemeint. Das sollte man der Vollständigkeit halber dazu sagen. VLG Jo

    • personalmarketing2null sagt:

      Moin Jo,

      erlaube mir, dass ich dir nur in Teilen zustimme. Klar, geht es (auch) um die „technische Barrierefreiheit“. Entscheidend bei allen Web-Angeboten ist, dass diese für jedermann zugänglich sind, jeder sie nutzen und lesen kann. Für alle, die nicht wissen, worum es geht, einfach mal hier gucken.

      So. Nun sind wir genau an dem Punkt. Dass es sich nämlich bspw. bei dem „BARRIEREFREI BEWERBEN“ um einen Link handelt, ist absolut nicht zu erkennen (das habe ich tatsächlich erst festgestellt, nachdem ich deinen Kommentar gelesen habe und mir dann noch mal die Stellenanzeige angeschaut. Und du kannst mir glauben, die habe ich mir sehr intensiv angeschaut). Ein barrierefreier Zugang sieht also definitiv anders aus. Auch ist eins der Kriterien die Lesbarkeit der Inhalte. Schau dir an, wie du den Stellentitel wahr nimmst. Schau dir an, wie es um die Lesbarkeit der „Schreibschriften“ bestellt ist. Schau dir an, wie gut weiße Schrift auf magentafarbenem Hintergrund lesbar ist. Barrierefrei? Nada!

      Die Telekom selbst schreibt auf Ihrer Website, was es mit der Barrierefreiheit auf sich hat:

      Deshalb gibt es für jeden Artikel auf unseren Karriereseiten eine Vorlesefunktion. Sie liest zum einen die Texte vor und beschreibt darüber hinaus auch die eingebetteten Bilder. So erhalten auch Menschen mit Leseschwäche oder Sehbehinderung alle Informationen zum Arbeitgeber Telekom – und bekommen dank der Bildbeschreibungen einen noch besseren Einblick in den Konzern und seine Mitarbeiter.“

      Trifft da irgendwas auf die „Barrierefreie Bewerbung“ zu? Ich glaube, wir sind uns einig, dass dem nicht so ist. Zudem du, wenn du auf „Barrierefrei bewerben“ klickst, nicht auf einem (barrierefreien) Bewerbungsformular landest, sondern eben auf der „Erklärseite“. Und wenn du dann auf „Jetzt bewerben“ klickst, landest du auch nicht auf dem Online-Bewerbungsformular, sondern auf der (wenig barrierefreien) Stellenbörse der Telekom Karriere-Website.

      Und ob nun die technische Barrierefreiheit gemeint ist, oder nicht, spielt letztendlich gar keine Rolle. Nicht die geringste. Folgendes: Bist du Bewerber. Siehst du „JETZT BEWERBEN“. Liest du „BARRIEREFREI BEWERBEN“ und, in diesem Kontext: „Schnell und einfach in nur fünf Minuten zum Traumjob“ (wenn du es denn lesen kannst, ist die Schrift schon sehr schlecht lesbar). Denkst du: Krass, da kann ich mich schnell und unkompliziert bewerben. Denkst du so lange, bis du „JETZT BEWERBEN“ klickst. Spätestens dann denkst du „WOLLEN DIE MICH VERARSCHEN???“ Genau das ist der Punkt. Hier werden Erwartungshaltungen geweckt, die alles andere als erfüllt werden. Was zum einen negativ auf die Arbeitgebermarke einzahlt, zum anderen auf die Anzahl an Bewerbungen.

      Auch wenn der „eigentliche“ Bewerbungsprozess nicht gemeint sein sollte, so lässt sich das für Ottonormalbewerber nicht nachvollziehen. Der fühlt sich verarscht und trollt sich von dannen. Denn: Der nächste Arbeitgeber ist nur einen Mausklick entfernt. So sieht’s aus :-)

      Lieben Gruß nach Hamburg,
      Henner

  5. Stefan Nette sagt:

    Lieber Henner,

    was soll ich sagen, ich habe schon nach dem Clicken auf den barrierefrei bewerben Button den FU Modus an, anmelden also? Serious? F*** U und F*** Off waren meine beiden Reaktionen, keinen Schritt gehe ich da weiter und wenn mich die Stelle noch so reizen würde. Warum muss man sich anmelden um sich zu bewerben? So ein Humbug! Aber hauptsache mal werbewirksam platziert, gibt ja keine schlechte PR.

    Also ich war ab diesem Punkt bedient und ich wollte mir das restliche Drama auch ersparen, es zeigt sich nur mal wieder wie schlecht wir das Internetrecruiting derzeit noch betreiben. Diese ganzen Bewerbungsformulare müssen sowieso weg, umständlich ohne Ende..

    Ein schönes Wochenende

    Stefan Nette

    • personalmarketing2null sagt:

      Lieber Stefan,

      was soll ich da noch hinzufügen? Im Grunde kann ich nur jeden Satz unterstreichen und noch ein fettes Ausrufezeichen dahinter setzen. Aber ich wollte es eben genau wissen – nicht ahnend, dass es so schlimm werden würde ;-)

      Dir auch ein schönes Wochenende!
      Henner

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