Tantalor - Mit Kinderarbeit gegen den Fachkräftemangel

Mit Kinderarbeit gegen den Fachkräftemangel

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Kinderarbeit ist schon lange verboten in Deutschland. Die Frage ist, wie lange noch. Schließlich gilt es in Zeiten des gern kolportierten Fachkräftemangels die Potenziale aller Zielgruppen auszunutzen. Nachdem das mit der Frauenquote nicht so richtig klappen will, ausländische Fachkräfte ein mangelndes Interesse an der Einwanderung zeigen und die Rentner so langsam alle den Weg des Zeitlichen segnen werden, stellen Kinder eine segensreiche Quelle dar, um die Fachkräfte-Lücke zu schließen. Genau das dachte sich wohl das Bergbauunternehmen Tantalor in Hamburg. Die suchen nämlich genau diese für ihre Minen im Kongo.

Nachdem nun wohl im Kongo und in Südafrika aufgrund der für Leib und Leben nicht ganz ungefährlichen Arbeitsbedingungen die Ressourcen immer knapper werden und der Fachkräftemangel auch in diesen Ländern spürbar wird, rekrutiert das Bergbauunternehmen Tantalor mit Sitz in Hamburg nun auch in Deutschland. Gesucht werden sehr spezielle Fachkräfte, nämlich Kinder mit einem Höchstalter von 12 Jahren und einer Körpergröße von maximal 1,40 Metern.

Junior-Praktikum im Bergbau

Klar, schließlich haben die Bergbaustollen, in denen das Coltan unter unmenschlichen Bedingungen gefördert wird (frei nach Deichkind: „Kleine Kinderhände schürfen Coltan, scheiß was auf die Umwelt, mein neues Smartphone ist leider geil„) nur eine recht geringe Höhe, ein Erwachsener könnte dort nicht stehen. Sport­lich, aus­dau­ernd und hand­werk­li­cher Arbeit sollte es zudem zuge­tan sein. Klar ist, dass bei der spannenden und herausfordernden Aufgabe auch große kör­per­li­che und see­li­sche Fle­xi­bi­li­tät und Belast­bar­keit von Vor­teil sind.

Stellenanzeige - Tantalor sucht Junior-Praktikant Bergbau bis 12 Jahre

Unter dem Motto „Ab in die Höhle“ wirbt Tantalor damit, aus afrikanischen Erz-Minen einen Abenteuer-Spielplatz zu machen. In der Tat eine tolle Möglichkeit, die Sie Ihrem Sprössling mit einem solchen Höllen- Höhlen-Praktikum bieten können. Sie fördern nicht nur die persönliche und körperliche Entwicklung der Kleinen, Sie fördern auch noch auf andere Weise die Entwicklungshilfe für das arme von Krisen gebeutelte Land. Das sollte Ihnen dann ein doppelt gutes Gefühl geben. Nicht zu verachten die Aussicht auf ein paar Monate Ruhe, die zu Hause einkehrt, während der Nachwuchs im Kongo das Coltan für Ihr nächstes Handy schürft. Ist das nicht ein tolles Gefühl, wenn Sie später einmal sagen können, dass das Coltan, welches in dem neuesten Smartphone verarbeitet wurde, von den Händen und mit dem Blut und Schweiß Ihres eigenen Kindes geschürft wurde? Welcher Vater, welche Mutter kann so etwas schon mit stolzgeschwellter Brust von seinem Kind behaupten?

Eltern und Schulen wichtige Multiplikatoren im Personalmarketing

Apropos Vater und Mutter: Die beiden (auch Eltern genannt) stellen die wesentliche Kernzielgruppe der Personalmarketing-Maßnahmen von Tantalor dar. Multiplikatoren sind ein ganz wichtiger Aspekt bei der Ansprache von Bewerbern, der leider oft sträflich vernachlässigt wird. Nicht so Tantalor. Das Unternehmen weiß, dass eine informative, emotional ansprechende und selbstverständlich mobil optimierte Website zwar der Dreh- und Angelpunkt der Recruiting-Aktivitäten ist. Aber natürlich muss man erst einmal die Aufmerksamkeit für diese Website wecken. Und so verschickt das Unternehmen Briefe und Flyer an Schulen und lädt zu Informationsabenden ein, um diese auf die hervorragenden Karriere-Möglichkeiten für ihre Kleinsten aufmerksam zu machen.

Tantalor -  Schulen als Multiplikator gegen den Fachkräftemangel

So geht gutes Personalmarketing heute! Denn wir alle wissen, dass um dem Informationsmismatch zu begegnen, die Kontakte und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft ausgebaut werden müssen.

Tantalor - Dieser Flyer wird an Schulen verschickt

Tantalor hat das verstanden. Und so kann man das Unternehmen nur zu diesem Schachzug beglückwünschen, Eltern dazu aufzufordern, ihre Sprösslinge in diese vertrauenswürdigen Hände zu geben und damit die Entwicklung zu fördern. Die Politik letztendlich ist gefordert, endlich dieses unsinnige Verbot der Kinderarbeit aufzugeben (in anderen Ländern ist das auch erlaubt und früh übt sich, was ein Meister werden will) und damit endlich dem Fachkräftemangel ein Schnippchen zu schlagen. Jawoll!

Die Wahrheit über Tantalor

Anmerkung: Nein, der Knabenreich ist jetzt nicht endgültig übergeschnappt. Natürlich fordere ich keine Kinderarbeit für die Lösung des Fachkräftemangels. Der wird so nämlich gar nicht stattfinden. Und bevor Sie jetzt Schnappatmung bekommen, wie ein Unternehmen so verantwortungslos sein und eine solche Kampagne lancieren kann: Hierbei handelt es sich wohl um eine wirklich clever und mit viel Aufwand initiierte Initiative einer sozialkritischen NGO, die auf diese sehr sarkastische und verstörende Weise auf die Missstände im Kongo hinweisen möchte. Denn ein Unternehmen namens Tantalor gibt es nicht. Weder die Handelsregisternummer noch die Steuernummer stimmen. Der Name Tantalor setzt sich zusammen aus den Begriffen Tantal (ein seltenes Mineral, besser bekannt als Coltan) und „Or“, französisch für Gold. Coltan wird unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut. Im Rahmen der Förderung von Coltan treten neben dem Bürgerkrieg auch andere Begleiterscheinungen auf. Zwangsarbeit, Landraub und Kinderarbeit sind Themen, die im Zusammenhang mit dem Coltanabbau im Kongo zu nennen sind. Sie als Apple-Jünger tragen beispielsweise Mitschuld an den Umständen (aber, wie ich oben schon schrieb: neues Smartphone, leider geil). Auch europäische Unternehmen wie bspw. Glencore profitieren vom Abbau dieses seltenen Erzes.

Auch wenn die Website noch so echt aussieht: Sämtliche auf der Website zu findenden Bilder (auch die Mitarbeiterbilder) sind Stockmaterial. Was allerdings echt ist, sind die Umstände, unter denen dieses Erz gefördert wird. Schauen Sie sich dieses Video an und Sie sehen, welchen Bedingungen Ihr Sprössling ausgesetzt wäre, wenn Sie es denn dem oben genannten Spaß-Praktikum aussetzen wollten.

  1. Michael S. sagt:

    Ich schnappatme nur bei Stockmaterial, wenn das englische „Stock“ und das deutsche „Material“ einfach zusammengeschrieben werden. Ist es das englische „stock material“, müsste man das in Anführungszeichen und getrennt schreiben, damit ein fremdsprachlicher Term kenntlich gemacht wird. Im Deutschen wäre das ja immer noch Stock-Material zu schreiben, wobei mit dem Bindestrich das englische „stock“ vom deutschen „Material“ abgetrennt wird. Das wäre aber trotzdem missverständlich, weil es Deutschen ja auch einen Stock gibt, nämlich den Bienen- und den Gehstock. Stockmaterial wäre dann Wachs, Holz oder ggfs. beim Nordic Walking auch Kunststoff. „Stock-Material“ könnte man aber auch gleich mit Archivmaterial übersetzen. Das wäre unmissverständlicher. Und um Missverständnisse zu vermeiden: Ich LIEBE die englische Sprache. Darum missbraucht sie doch bitte nicht ständig und benutzt Eure eigene!

  2. […] Tantalor ist ein Bergbauunternehmen mit Sitz in Hamburg. Es hat, wie viele grossen Unternehmen Fachkräftemangel. Doch Tantalar hat eine Lösung gefunden. Und die Blogger von personallmarketing2null stehen voll dahinter. Wir natürlich auch. mehr Tantalor… […]

  3. Jürgen Albers sagt:

    Moin zusammen,
    ja, sehr geil und sehr verstörend. Erinnert mich an die Troy-Book-burning-Party.
    Aber bei Tantalor habe ich eher an Tantalus und tantalusische Qualen gedacht, als an das Mineral
    Gruss, J.A.

    • personalmarketing2null sagt:

      Tantalus ist gut. Wer weiß, vielleicht heißt Tantal ja deswegen Tantal, weil das Erz unter Höllenqualen abgebaut werden muss?

    • personalmarketing2null sagt:

      Stimmt. Hatte ich auch schon gedacht. Aber während dort der Leser über die Hintergründe der Kampagne aufgeklärt wird, tappt er bei Tantalor im Dunkeln.

  4. Lars Hahn sagt:

    Ich schnappatmete tatsächlich.

    Suche ich doch grad nach entsprechenden Schülerpraktika. Und das Angebot ist – sagen wir mal – befremdlich.

    Ich muss zugeben:
    Die Aktion ist „leider geil!“

    • personalmarketing2null sagt:

      Ja, in der Tat. Das ist so genial gemacht, dass du es auf den ersten Blick nicht durchschaust. Und ich wette mit dir, dass sich da so einige bewerben. Und das Ganze auch wirklich als tolle Chance für ihre Kids sehen. Ich habe es auch mal versucht und bin gespannt auf die Reaktion!

Was meinen Sie? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

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