Stellenanzeige „Qualitätsmanager“ sorgt für Aufregung

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 10 Minuten.

Aktuell geistert eine Stellenanzeige durchs Netz, die im wahrsten Sinne des Wortes „heiß“ diskutiert wird. Eine Stelle als Qualitätsmanager ist da ausgeschrieben. Nun, was ist so schlimm daran, werden Sie fragen. Stellenanzeigen für Qualitätsmanager gibt’s wie Sand am Meer. kimeta bspw. bietet gleich 1.215 Treffer. Diese Anzeige listet kimeta aber nicht. Wie sieht es aus mit Deutschlands größter Jobbörse, jobbörse.com? Die listet immerhin über 8.000 Treffer für den Begriff „Qualitätsmanager“. Bingo, da haben wir sie ja. An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass der folgende Text für Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet ist. Und durchaus auch beim gesetzteren Publikum für Irritation sorgen kann. Sagen Sie also nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt!

Was kann so schlimm an einer Stellenanzeige für einen Qualitätsmanager sein, werden Sie fragen. Nun, ob sie wirklich so schlimm ist, liegt ganz im Auge des Betrachters. Denn es handelt sich nicht um einen Feld-, Wald- und Wiesen-Qualitätsmanager. Sondern um einen für Bordelle. Ja, Sie haben ganz richtig gelesen. Ein Tester/Qualitätsmanager für Bordelle wird gesucht. Schon lange juckt es mich in den Fingern, einen Artikel über den Fachkräftemangel in der Erotikbranche zu schreiben. Als das überaus beliebte Portal Pornhub (es ist hier so wie mit der Bildzeitung: Millionen Leser, aber keiner kauft sie) seinerzeit einen Creative Director suchte, war ich leider zu langsam und der Wettbewerb schneller zu Ende, als es meine Ressourcen zuließen. Tja, und aus dem Artikel, wie ein Personaldienstleister eine Thekenfachkraft für einen Swinger-Club sucht, wurde auch nichts, weil das Mandat nicht angenommen wurde.

Aus diesem Grunde also heute der nicht ganz jugendfreie Artikel. Aber passt ja ganz gut zum Frühlingsanfang und den supergeilen Jobs. Insofern…

Qualitätsmanager für Bordelle gesucht

Also, zurück im Text. Das Portal kaufmich.com sucht also einen Qualitätsmanager für Bordelle. Wer sich hier nun verwundert die Augen reibt, was ein Shoppingportal nun mit Bordellen zu tun hat, bekommt ein wenig Aufklärung. Was ja auch wieder gut in den Kontext passt. Denn kaufmich.com ist, auch wenn es der Name suggerieren mag, kein Shoppingportal. Zumindest nicht im klassischen Sinne.

„Kaufmich.com ist ein kostenloses soziales Netzwerk für Dienstleister und Kunden aus der Escort-Branche. […] Ziel dieser Community ist es, das älteste Gewerbe der Welt ins 21.Jahrhundert zu bringen.“

Soweit die Website, auf der ich mit hochrotem Kopf extra für Sie diesen Artikel recherchiert habe. Und auch gleich noch die Candidate Experience einer eingehenden Prüfung unterzogen habe.

Im Übrigen gehört kaufmich.com zu PlayaMedia, zu dem auch so illustre Portale wie poppen.de, fetisch.de oder gays.com gehören. Anhand dieser Portalsbetreiber (die im Übrigen aus einer der schönsten Städte der Welt, Bielefeld, also meiner Heimatstadt) kommen, kann man mal wieder sehen: Sex sells. Denn was als kleine Idee begann, scheffelt nun Millionen von Euro. Website für Website, Portal für Portal. Und das führt zum nächsten Punkt. Auch solche Anbieter, mögen sie als noch so schlüpfrig empfunden und tabuisiert werden, benötigen qualifizierte Fachkräfte. Was glauben Sie, wer bspw. die ganzen Websites programmiert oder dafür sorgt, dass solche Portale auch mobil einen schlanken Fuß machen?

Nun, zugegeben, in diesem Falle ist der Job schon ein recht spezieller, wie Sie hier zweifelsohne erkennen können:

Job als Tester_Qualitätsmanager Bordelle bei kaufmich.com

Zur breiten Aufmerksamkeit verholfen hat diesem Stellenangebot im Übrigen ein Eintrag im Jobmarkt von deutsche-startups.de bzw. der dazugehörige Facebook-Post. Von hier aus entspann sich dann über die Kommentare die weitere Berichterstattung in Medien und auf Blogs (bspw. hier, hier und hier). Aber auch in der auf den Mittelstand fokussierten Jobbörse yourfirm findet der geneigte Interessant das Inserat. Auf jobbörse.com ist kaufmich.com sogar als Premium-Unternehmen gekennzeichnet. Andere Jobbörsen wiederum haben die Anzeige direkt gelöscht – aus Angst vor Repressalien, Gesichtsverlust oder möglichen AGG-Verstößen oder anderem.

kaufmich.com-Stelleninserat auf jobbörse

Für einen Personalmarketing-Blog, noch dazu den besten HR-Blog des Jahres, ist es natürlich eine Pflicht und Verantwortung, auch solch eine Stellenanzeige auf Herz und Nieren zu prüfen und die Candidate Experience einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Here we go:

Die Stellenanzeige im Candidate Experience Check

Auffindbarkeit

Sucht ein an einem spannenden Internet-Startup interessierter Bewerber auf der Website kaufmich.com nach für ihn passenden Jobs, so wird das für ihn zu einer harten Bewährungsprobe. Erst im Footer der Seite findet er in der Rubrik „Über kaufmich.com“ einen gut versteckten Link mit der Bezeichnung „Unsere Mission, Historie, Publikationen und die Team-Vorstellung – hier erfährst Du alles über Kaufmich!„. Auf dieser Seite gibt es dann auch einen Hinweis auf die Jobs. Fazit: Potenzial ganz klar verschenkt. Eine Karriere-Rubrik gehört definitiv mindestens in den Kopfbereich, also quasi neben die Rubriken Escort Liste, Community, Erfahrungsberichte und Magazin. Alternativ natürlich als großflächiger Teaser.

Weiß ein Bewerber, dass er Qualitätsmanager werden will und das auch in Berlin, so wird er auf der Jobbörse jobbörse.com unter den ersten 10 Treffern fündig. Weiß er darüber hinaus, dass er Qualitätsmanager für Bordelle werden will, so gibt’s in Sachen Auffindbarkeit garantiert nichts zu meckern.

Jobtitel

Nur ein Titel wie „Qualitätsmanager“ oder „Tester“ würde kaum die passenden Bewerber anziehen (siehe analog dazu den Artikel zu Referenten). Die Kombination mit dem Begriff „für Bordelle“ passt wie die Faust aufs Auge und erhöht die Auffindbarkeit signifikant. Auch weiß ein Bewerber, der eigentlich Qualitätsmanager für was anderes werden will, dass er bei dem angezeigten Treffer garantiert falsch ist. Vielleicht wird aber auch die Neugier geweckt, wer weiß….

Unternehmensbeschreibung

Mustergültig auch, dass kaufmich.com nicht versäumt, sich als Unternehmen vorzustellen. Leider ist solch eine Unternehmensvorstellung keine Selbstverständlichkeit. „Durch ein junges Team (ca. 25 Personen) und eine flache Hierarchie sind die Arbeitsbedingungen sehr angenehm und vom Lebensgefühl eines Start-Ups geprägt. Kaufmich.com gehört zu einer internationalen Firmengruppe mit mehr als 120 Mitarbeitern in Deutschland, China und Spanien und bietet somit realistische Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.“ So bekommt der Bewerber gleich einen ersten Eindruck von dem, was ihn im Unternehmen erwartet. Flache Hierarchien und realistische Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten klingt doch schon mal ganz gut, oder?

Aufgabenprofil

Hier kann man sich als Bewerber schon ein recht gutes Bild machen: „Sie testen Bordelle nach Service, Sauberkeit und Einhaltung von Safer-Sex-Praktiken„. Die detaillierte Aufgabenbeschreibung rundet das Bild ab, wobei die Begriffe „Spezifkationen“ und „Protokollieren“ schon nicht gerade sexy klingen. Aber hey, hier geht es um eine Rolle als Qualitätsmanager, und nicht darum, sich die Eier zu schaukeln. Allenfalls sie schaukeln zu lassen. Diese Anforderungen als Qualitätsmanager werden durch das Anforderungsprofil noch mal sehr gut untermauert.

Anforderungsprofil

Auch hier wird der Bewerber mit ganz klaren Fakten konfrontiert und es wird sofort klar, dass man es mit dieser Stelle und den Anforderungskriterien an die Qualitätsstandards von kaufmich.com ernst meint (ob man es wirklich ernst meint oder das Ganze doch ein geschickt eingefädelter viraler Schachzug ist, versuche ich herauszubekommen. Bisher habe ich aber keine Rückmeldung erhalten. Ein Blick in den Blog von kaufmich scheint aber die Ernsthaftigkeit des Anliegens zu unterstreichen. Hier schreibt Benjamin Visser, Produktmanager bei kaufmich.com: „Kosten [für die Bordellbesuche; Anmerk. des Verfassers] werden uebernommen, Gehalt nach Erfahrung, es ist ein Vollzeitjob. Wir freuen uns auf Eure Bewerbungen!“ Und „Leider verbieten uns Zeitungen etc. die Stellenanzeige zu veroeffentlichen weshalb wir auf eure Hilfe angewiesen sind!„).

Arbeitgeber-Benefits

Wunderbar und auf den Punkt. So relativ zumindest. Die Verkehrsanbindung bspw. ist für viele Bewerber wichtig. Und in einer Stadt wie Berlin sowieso. Der Hinweis auf das Familienunternehmen belegt dann auch die Relevanz, auf dem Portal youfirm schalten zu dürfen.

Ansprechpartner

Hier hapert es. Und zwar reichlich. Offenbar ist man hier dann nicht mutig genug. Denn es werden weder Ansprechpartner noch eine Telefonnummer für evtl. Rückfragen genannt. Im Jobmarkt von deutsche-startups wird immerhin ein „Herr Maier“ genannt. Ob der aber Jürgen oder Siegfried heißt, ist ebenso wenig bekannt, wie unter welcher Telefonnummer der Gute zu erreichen ist. Die ursprünglich angegebene Telefonnummer „12345“ wurde entfernt, nachdem sich die Meinungen daran entzündeten, ob es sich bei der Stellenanzeige um ein Fake handelt oder nicht. Und eben diese Telefonnummer als Indiz gewertet wurde, dass dem so sei. Auch mich hat interessiert, ob es sich um ein Fake bzw. verfrühten Aprilscherz handelt und – nein, keine Bewerbung abgeschickt – aber eine Nachricht an die genannte E-Mail-Adresse geschickt. Folgendes geschah.

Bewerbungsprozess

Zwar kann man sich auf der Website per E-Mail bewerben – und folgt damit den Wünschen/Erwartungen/Forderungen der Mehrheit der Bewerber, die sich von einem Online-Formular mitunter von einer Bewerbung abhalten und eine Bewerbung per E-Mail bevorzugen -, was aber dann passiert.. Nun ja, ich hab’s dokumentiert. Der geneigte Bewerber erhält eine Benachrichtigung per E-Mail. Das an sich ist positiv, erhält man doch schon mal eine erste Rückmeldung (was leider keine Selbstverständlichkeit ist, siehe dazu auch am Ende des Artikels). Allerdings hält man bei kaufmich.com weder etwas von persönlicher Anrede, noch von eingehaltenen Versprechungen.

Bad Candidate Experience bei kaufmich

Henner Knabenreich,

vielen Dank für deine Anfrage. Ein Mitarbeiter wird sich zeitnah um Dein Anliegen kümmern und du bekommst in Kürze eine Antwort auf das Ticket.
Die Details Deiner Anfrage kannst Du unten noch einmal sehen. Wenn Du noch etwas hinzufügen möchtest, antworte bitte auf diese E-Mail-Adresse und stelle sicher, dass die Ticket ID im Betreff bleibt.

Ticket ID: WQN-319-27105
Betreff: Qualitätsmanager für Bordelle
Abteilung: Jobs
Type: Issue
Status: Offen
Priorität: Normal

Du kannst den Staus deines Tickets unter folgender Adresse einsehen:http://servicecenter.de/index.php?/Kaufmich/Tickets/Ticket/View/WQN-319-27105

Mit freundlichen Grüßen,

Kaufmich.com

Denn abgesehen davon, dass man ein Ticket zugewiesen bekommt, was schon etwas komisch anmutet, kann man den „Staus“ (soll wohl Status heißen), nämlich mitnichtenundneffen abrufen. Ich zumindest bekomme nur das angezeigt:

Eine Statusabfrage der Bewerbung ist nicht möglich

Eine Möglichkeit, mich einzuloggen, habe ich nicht. Ergo kann ich auch meinen Bewerbungsstatus nicht tracken. Schade.

AGG-Konformität

In Sachen AGG kann man schon mal auf die Schnauze fallen. Schnell wird da mal am Gesetz vorbei formuliert und sorgt für Unmut unter Bewerbern oder Prozesse vor Gericht. Und hier so? Nun, ich bin kein Rechtsexperte. Da gibt es andere. Auf den ersten Blick scheint mir alles in Ordnung. Zwar ist von einem jungen Team die Rede, aber wenn dem nun mal so ist, dann ist dem wohl so. Der Jobtitel adressiert sowohl Männlein als auch Weiblein. Wobei ich ja neuerdings ein Freund der geschlechtsneutralen Stellenausschreibung bin. Qualitätsmanagx klingt doch auch gleich viel runder, oder? Etwas Probleme könnte die Aufgabenbeschreibung bedeuten. Mögliche Indizien wie „Dabei haben Sie Spaß am Sex mit den verschiedenen Damen“ oder „Praktische Erfahrung aus mehrjährigen Bordellbesuchen“ lassen konkludent darauf schließen, dass wohl eher Männer als Frauen gesucht werden.

Wobei, so klar ist das nun doch wiederum nicht, wie nachfolgendes Beispiel eindrucksvoll belegt:

Empfangsdame m_w gesucht - Screenshot Ludwig & Paehlke Website

Übrigens versendet dieses Unternehmen „aus administrativen Gründen“ keine Absagen. Candidate Experience, ick hör dir trapsen… Dafür gibt’s aber eine Begrüßungsprämie von 200 Euro.

Und wenn dann doch der Qualitätsmanager für Bordelle ihr Ding ist, bewerben können Sie sich noch bis zum 31. März.

Eine etwas längere Bewerbungsfrist gibt’s im Übrigen für die supergeilen Jobs für supergeile Personalx. Also, worauf warten Sie?

Dass sowohl kaufmich.com als auch die Kollegen von Ludwig & Pählke heiße Kandidaten für die goldene Runkelrübe sind, liegt klar auf der Hand. Apropos Goldene Runkelrübe: Einreichungen für 2015 sind natürlich herzlich willkommen. Aktuell bekommt die Rüber aber ein neues, wohnlicheres Zuhause, daher noch etwas Geduld, bis diese zu sehen sind.

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