Rückblick(ch) aufs erste HR Barcamp Zürich

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

HR Barcamp in Zürich? Das ist doch in Berlin! Ja und nein. Die Mutter aller HR Barcamps – also DAS HR Barcamp – findet natürlich in Berlin statt. Und das nun mehr seit vier Jahren. Aber dank Bloggerei, anderer Social Media-Kanäle, Kultschweizerpersonaler und anderen Umständen bekommt solch ein Event dann mit etwas Verzögerung auch Nachwuchs. Was in anderen Fällen im Schnitt neun Monate dauert, dauert in der Schweizer HR-Szene eben vier Jahre. Aber man soll ja nichts übers Knie stürzen und ohnehin abwarten und einen Apéro trinken. Das Warten hat sich gelohnt. Denn die Premiere war echt vielversprechend!

Ich muss sagen, ich war sehr gespannt auf die erste Ausgabe des Schweizer Ablegers der deutschen HR-In-Veranstaltung. Würden die als doch eher als verhalten und besonnen reagierend geltenden Schweizer überhaupt ein solches Format annehmen? Gäbe es genug Stoff für Sessions? Würde dann in diesen Session diskutiert und interagiert? Wäre man aufgeschlossen für dieses innovative Format? Oder würde man sich eher zurückhalten, auf Patentlösungen hoffen und sich berieseln lassen – was so viele deutsche Personaler gerne tun. Fragen über Fragen. Der gestrige Tag sollte Antworten liefern. Überraschende?

Ehrlich gesagt war ich voller Hoffnung, dass dieses Barcamp ein Gutes werden würde. Irgendwie hatte ich das im Urin. Es lag nicht zuletzt auch an den Organisatoren des Camps: Jennifer Delorme, die mit diesem Event quasi ihrer Abschlussarbeit die Krone auf- und Theorie in Praxis umsetzte, Matthias Mäder, umtriebiger Jobboostpassionate (beide von Prospective Media) und eben jenem Kultschweizerpersonaler Jörg Buckmann, ohne den die Aktivitäten der Schweizer Personaler wahrscheinlich nie nach Deutschland geschwappt werden. Oder kennen Sie irgendeinen Personaler – egal welcher Nationalität – der so dermaßen im Rampenlicht steht und immer wieder mit überzeugenden, frechmutigen und preisgekrönten Personalmarketingmaßnahmen glänzt?

Es lag aber vor allem an den Teilnehmern selbst. Rund 90 HR-Vertreter und Dienstleister aus der Schweiz, aus Österreich und aus Deutschland waren vertreten (49 standen sogar noch auf der Warteliste). Wer wer bzw. was war, ließ sich übrigens nicht auf den ersten Blick erkennen. Denn auf die Unternehmensnamen wurde bei den Namensschildern verzichtet. Ebenso auf die Nachnamen. Das war nicht etwa Platzgründen geschuldet, sondern dem recht „intimen“ Charakter der Veranstaltung. Auf einem Barcamp wird geduzt. Wozu braucht es also einen Nachnamen? Blöd nur, wenn gefühlt die Hälfte der Anwesenden Christoph heißen. In solchen Momenten freue ich mich dann doch, dass ich einen fast einzigartigen Namen trage. Auch die Location war mit „Karl der Grosse“ im Schatten des Großmünsters sehr gut gewählt. Sofort fühlte ich mich wohl.

Große Session-Vielfalt

Und die Sessions? Matthias hat mir verraten, dass er so viel Engagement nicht erwartet hätte. Und ebenso positiv überrascht und begeistert war, wie ich. Denn entgegen vieler Befürchtungen sprudelten die Anwesenden nur so über vor Sessionvorschlägen. Und das nicht nur zu Recruiting- und Personalmarketingthemen (Candidate Experience durfte natürlich auch hier nicht fehlen), sondern auch zu „allgemeinen“ HR-Themen oder zu Themen wie Führung und Frauenquote.

Weit über 16 Vorschläge wurden eingereicht, einige themenverwandte Sessions wurden daher zusammengelegt.

Blöd bei so einer Veranstaltung ist ja, dass man immer nur eine Session je Stunde wahrnehmen kann. [Apropos Stunde: Eine Stunde je Session wäre glaube ich das richtige Maß. Anderthalb, wie in Berlin, finde ich persönlich zu lang. 45 Minuten, wie jetzt in Zürich, fast zu kurz. Wobei man das auch nicht pauschalisieren kann, ist immer abhängig vom Thema und der Anzahl der Leute, die an einer solchen Session teilnehmen.] Das führt dann nämlich dazu, dass man von 16 großartigen Sessions nur vier mitnehmen kann. Und wenn man dann selbst noch eine (mit)-moderieren muss, sind es eigentlich nur noch drei. Wie gerne wäre ich bei Etienne Bessons Session „Personaler sollten nicht rekrutieren“ dabei gewesen. Oder bei „Frauen an die Macht“. Ganz zu schweigen von WhatsApp im Recruiting.

Stattdessen habe ich mich mit Liebesbeziehungen, Candidate Experience (mal wieder, ja ich weiß: selber schuld!), Stellenanzeigen Bordell und Mitarbeitern als Markchenbotschaftern auseinandergesetzt. Highlight aus der ersten Session, welches für Heiterkeit sorgte, aber auch nachdenklich stimmt. Weil leider viel Wahres dran ist:

Was wäre eigentlich, wenn Sie keine Stellenanzeige schalten dürften?

Wo wir ja weiter oben schon beim „intimen“ Charakter der Veranstaltung waren: In unserer Session wurde es ziemlich intim. Die Aufgabe, die ich mir gemeinsam mit Marcus Fischer und Christoph Athanas überlegt hatte: Was wäre eigentlich, wenn man eine Stellenanzeige weder in der Zeitung noch in einer Online-Jobbörse veröffentlichen dürfte? Bei der Sessionvorstellung wollte ich die vielleicht prüden Anwesenden nicht mit „nackten“ Tatsachen verschrecken, deswegen blieb ich an dieser Stelle bewusst schwammig. Ich wurde aber von den Organisatoren genötigt, das Ganze an einem Praxisbeispiel festzumachen. Und so musste ich mit dem „Qualitätsmanager Bordelle“ herausrücken, der derzeit tatsächlich von der Erotik-Community kaufmich.com gesucht wird. Und tatsächlich hat man dort eben genau die Schwierigkeit, die Anzeige in den eingängigen Medien nicht veröffentlichen zu dürfen. Zeitungen verbieten das veröffentlichen der Stellenanzeige - kaufmich

Mir ging es eigentlich nur darum, die Anwesenden zum „um-die-Ecke-denken“ anzuregen. Das hatte sich ja bei der „Total verrückten HR-Taxi-Session“ in Berlin schon wunderbar bewährt. Insofern hätte es den Bordell-Aufhänger gar nicht gebraucht. Aber wie sich dann während der gut besuchten Session zeigte, waren meine Bedenken gar nicht nötig gewesen.

Die meisten Teilnehmer näherten sich dem Thema sehr direkt und nahmen auch kein Blatt vor den Mund, wie Sie anhand der Ergebnisse unschwer erkennen können.

Qualitätsmanager Bordelle - Alternative Suchwege beim HR Barcamp

Neben „Klassikern“ wie Flyern in entsprechenden Etablissements oder Radiowerbung etc., gab es noch die Empfehlungen der Direktansprache von Freiern oder QR-Codes auf Kondomverpackungen. Meine Favoriten aber waren ein Inserat/Plakat „Looking for Tiger Woods“ oder aber eine Weiterqualifizierung von Prostituierten zum Qualitätsmanager selbst.

Übrigens auch die Initiierung eines „(S)hitstorms“ wurde vorgeschlagen. Tatsächlich ist kaufmich sogar diese Richtung gegangen. Sogar aufs HR Barcamp hat man es dort nun geschafft :-)

Hier sollte doch bestimmt was für das Erotikportal dabei sein, denke ich…

Eine gelungene Premiere

Alles in allem war das HR Barcamp Zürich eine gelungene Premiere. Jenny, Jörg und Mathias dürfen sich getrost auf die Schultern klopfen. Das Publikum war sehr engagiert und diskussionsfreudig. Zumindest in den Sessions, die ich besucht habe, war das Verhältnis von Teilnehmern zur aktiven Teilnahme höher als zuletzt in Berlin. Und was die Innovationsfreudigkeit angeht, haben die Schweizer ebenfalls die Nase vorn. Das Thema WhatsApp bspw. hatte in Berlin keiner auf dem Schirm. Auch in Sachen Net(t)working ist die Teilnahme unbedingt zu empfehlen.

Mit meiner Meinung bin ich ganz offensichtlich nicht allein…

 

Gespannt bin ich dann auf das HR Barcamp in Wien. Aber das ist noch lange hin, erst im Herbst spielen die Jungs und Mädels von whatchado den Gastgeber.

Nach #hrbcz15 ist vor #pm20af

Wem das zu lange ist, dem sei das nächste HR-Net(t)working-Event wärmstens ans Herz gelegt: personalmarketing2null & friends reloaded. Oder aber „Supergeile Jobs für supergeile Personalx„. Seien Sie dabei, wenn sich weltoffene und aufgeschlossene Recruiting- und Personalmarketing-Geeks in entspannter Atmosphäre in Wiesbaden treffen und sich bei „Food & Drinks for Brain & Mood“ und souligen Live-Klängen austauschen. Schnell sein und anmelden, noch gibt’s Tickets!

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