Social Media Recruiting mit Öffnungszeiten – Jobmesse auf Twitter, die Zweite

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Sie haben es wirklich wieder getan. Diesmal nur einen Tag, dafür aber waren die Twitter-Counter statt nur einer Stunde bei #deinjob bei #jobtrail von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Und so standen – wie das bei Social Media (und der nine-to-five-Mentalität vieler Beteiligter) eben so üblich ist – die Unternehmen in dieser Zeit den Teilnehmern während der zweiten Jobmesse auf Twitter Rede und Antwort. Eine Jobmesse auf Twitter, werden Sie jetzt zur Recht fragen. Wer braucht denn so was?

Zunächst einmal kann man sich generell fragen, warum Unternehmen eigentlich Social Media Recruiting betreiben. Gerade haben wir doch gelernt, dass Print die Nummer 1 bei der Jobsuche ist (was natürlich viele auf die Barrikaden gebracht hat und die Studie – zu Recht – hinterfragt wurde. Was mich etwas irritiert ist die Schärfe, in der das passiert. Und warum gerade in diesem Fall? So viele Studienergebnisse sind zu hinterfragen. Wenn sie aber gerade zufällig in die Karten spielen, werden sie von allen in den Himmel gelobt, für bare Münze genommen und nicht hinterfragt. Und kaum kommt da eine Studie, die mit absolut konträren Ergebnissen aufwartet, laufen die Leute Amok. Putzig.) und da präsentieren sich da im Ernst Unternehmen auf Twitter? Und dann auch noch mit Öffnungszeiten? 9 to 5 auf Twitter?

Social Media Recruiting auch keine Lösung

Daher rasch noch eine weitere (fragwürdige) Studie, die gerade wild diskutiert wird. Die sagt nämlich das absolute Gegenteil, nämlich:

„Die Stellenanzeige im Web 2.0 erreicht mehr Menschen als die Zeitungsannonce.“

Guckst du. Von wegen Print ist Nummer eins bei den Jobsuchern. Alles Bullshit. Denn:

„Wer seine Bewerber erreichen will, kommt um soziale Netzwerke also gar nicht herum. Nur Erfolg haben die Unternehmen damit keinen.“

Was jetzt? Also soll ich mich nun im Social Web tummeln oder nicht? Ich komme um soziale Netzwerke nicht herum, habe aber keinen Erfolg damit? Wo ist die versteckte Kamera? Oder was habe ich da nicht verstanden, Robert Half? Vor allem, wenn ich dann Folgendes lese, schaltet mein Verstand endgültig ab:

„Denn auch, wenn ein Unternehmen seine neuen Mitarbeiter im Netz sucht und findet, könnten Xing, Facebook, LinkedIn und Co. nicht den letztlich wichtigsten Entscheidungsfaktor im Rekrutierungsprozess ersetzen: den persönlichen Handschlag. „Hier stößt das Social Media Recruiting an seine Grenzen und hat ganz klar einen Nachteil gegenüber herkömmlichen Rekrutierungswegen“.

Also, Finger weg von Social Media Recruiting! Da gibt es nämlich keinen persönlichen Handschlag. Aber das ist eben der Nachteil am Social Web. Alle sind mit liken, faven, tweeten, chatten, bloggen und was weiß ich nicht beschäftigt und haben einfach keine Zeit mehr für den echten menschlichen Kontakt. Welch erhellende Worte. Blöd nur, dass die für die Unternehmen, die an Jobtrail teilgenommen haben, zu spät kamen. Da lag der Hase nämlich schon im Brunnen. Der Drops war gelutscht. Der Sack zu. Insofern wollen wir doch mal schauen, ob Robert Half doch recht hat. Ein bisschen zumindest.

#deinjob = #einflop. #jobtrail = #jobfail?

Aber zurück auf Anfang. Wer oder was ist eigentlich dieses Jobtrail? Jobtrail ist eine Jobmesse auf Twitter. Wie bei einer echten Jobmesse auch, haben Bewerber die Möglichkeit in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern zu treten. Bloß in 140 Zeichen, wobei 9 schon für #jobtrail abzuziehen sind. Bleiben 131. Während das letztjährige #deinjob-Event (die weltweit erste Jobmesse auf Twitter) seinerzeit noch von Twitter Deutschland eingetütet wurde, hatte diesmal der Queb die glorreiche Idee (Queb steht nicht etwa für Quell eigenartigen Blödsinns sondern für Quality Employer Branding).

Was letztes Jahr schon ein Reinfall war, würde dieses Mal bestimmt auch floppen, dachte man sich offenbar. Ich weiß, ich weiß, der ein oder andere Lesex wird jetzt Schnappatmung bekommen. NATÜRLICH war #deinjob ein voller Erfolg. Gemessen an den bisherigen Aktivitäten, ja. Schließlich war dieser denkwürdige Tag der ereignisreichste im Leben der meisten beteiligten Twitter-Accounts. Und vor genau diesem Hintergrund war NATÜRLICH auch Jobtrail ein VOLLER ERFOLG. Es war bei vielen sogar das erfolgreichste Social Media Engagement überhaupt in der Geschichte der an Jobtrail beteiligten Unternehmen.

Der nachfolgende Screenshot zeigt ganz gut, was ich meine (wobei in diesem Falle sogar #deinjob das erfolgreichere Event war. Wohlgemerkt, #deinjob lief über eine Stunde. #jobtrail über acht).

jobtrailfail

Aber eins nach dem anderen. Folgende Unternehmen konnte der Queb für dieses einmalige Recruiting-Event gewinnen: Allianz (gleich mit zwei Accounts), Bayer, Comdirect (kein Karriere-Channel; hier durften sich die Kollegen aus dem Personalmarketing auch mal austoben), Deloitte, Deutsche Bahn, EnBW (ebenfalls kein Karriere-Channel), Fresenius, Infineon, Intel, Osram (kein Karriere-Channel), Philips und Telekom. Bei allen hatte man vom „Jahr des Kandidaten“ gehört und sich gedacht, gute Sache, da machen wir mit, bringen uns ins Gespräch, betreiben mal wieder ein wenig Alibi-Social-Media-Employer-Branding (zur Ehrenrettung muss gesagt werden, dass sich tatsächlich das ein oder andere Unternehmen wacker im manchmal etwas unruhigen Social Media-Fahrwasser schlägt. Aber Twitter gehört eben nicht unbedingt zu deren Königsdisziplin. Warum also jetzt?) und tun ganz nebenbei noch was für ein echtes Candy Date. Chakka!

In der Tat haben die Unternehmen vom #deinjob-Flop (ein wenig) gelernt und so gab es als Start-Tweet brav eine Vorstellung der einzelnen jobtrail-Teams, wie z. B. hier im Falle von Bayer.

Fein, so weiß man wenigstens mit wem man es zu tun hat. Denn das verschweigen die Unternehmen ganz gerne und der Bewerber stochert im Trüben, wer denn da wohl seine Ansprechpartner sind.

Tatsächlich haben es die Unternehmen sogar ganz gut hingekriegt, die Handvoll von Interessenten (okay, es waren mehrere Handvoll) zu bespaßen bzw. Dialog zu erzeugen und sinnvolle Inhalte bereit zu stellen. Und natürlich klopfen sich die Unternehmen jetzt stolz auf die Schultern (das tun sie allerdings auch, wenn sie an 806. Stelle im Top-Arbeitgeber-Ranking vom Focus auftauchen) und beglückwünschen sich zu dieser Aktion. Weil es ja tatsächlich gelungen ist, in den Dialog mit Bewerbern zu treten (dass meistenteils immer wieder die gleichen Namen auftauchten und ihre Fragen in die Runde stellten und sich teilweise extra nur für diese Aktion einen Account bei Twitter zugelegt haben – geschenkt) und Aufmerksamkeit zu generieren.

Wobei ich mich schon frage, was es einem Bewerber bringt, der gezielt nach bestimmten Jobs fragt und dann lapidar per Link auf die Stellenangebote verwiesen wird. Stellen Sie sich mal vor, Sie gingen auf eine Jobmesse – also so eine richtige, so in echt in Fleisch und Blut mit echten Menschen mit persönlichem Handschlag und so – und fragten das Standpersonal, welches Ihnen in diesem Moment vielleicht gerade nicht gelangweilt das Hinterteil zudreht oder Gedanken verloren in seinem Designer-Latte-Macchiatto-Glas rumrührt – nach bestimmten Jobs und dieser Mensch würde Ihnen dann lustlos einen Zettel mit dem Link zur Stellenbörse überreichen. Wäre Ihnen da geholfen? Und vor allem: Da präsentieren sich wahrhaft an Ihrem Unternehmen interessierte Menschen, es braucht nur wenige Klicks bzw. ein paar nette Worte und man könnte echten Dialog mit dem vielleicht so lange händeringend gesuchten Kandidaten führen und dann serviert man die so ab?

Es gab aber durchaus auch Lichtblicke, wo dann zu sehen war, dass die Interaktion über Twitter hinaus ging und ein echtes Telefonat angebahnt wurde. Na also, geht doch!

Was mir dennoch partout nicht in den Kopf will: Warum schaffen es diese Unternehmen, die teilweise bereits seit 2008 oder 2009 auf Twitter unterwegs sind, in der restlichen Zeit nicht, mit Inhalten zu glänzen und einen Dialog aufzubauen? Wieso sieht es bei all den teilnehmenden Unternehmen im Wesentlichen so aus wie hier?

Bayer KarBayer Karriere - Ernsthaftes Engagement nur bei deinjob und jobtrail

Die Zeit der Experimente sollte nun wirklich vorbei sein. Engagement auf Twitter sollte sich nicht nur auf ein einmaliges Event im Jahr beschränken. Die Unternehmen haben noch viel Hausaufgaben zu machen. Eines aber haben sie allerdings geschafft: Nämlich die höchste Aktivität auf Twitter seit Bestehen ihres Profils. Ist doch auch was. Und auch wenn die Fragenden im Wesentlichen die gleichen Nutzer waren, auch da gab es zufriedene Gesichter.

Übrigens, für alle ewig Unverbesserlichen gibt es jetzt eine weitere Chance:

Am 24. Februar gibt’s zum zweiten Mal #deinjob, diesmal INTERNATIONAL. Und das ist kein Scherz!

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