Personalgewinnung in der Pflege – mit eierlegender Wollmilchsau und Berufsberatung per Whatsapp

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 6 Minuten.

Geht es um Personalgewinnung in der Pflege, so müssen sich Arbeitgeber wirklich was einfallen lassen. Und so gibt es selbstverständlich auch hier den passenden „Recruiting-Rap„. Auch an online geht kein Weg vorbei und so bin ich sehr auf den Relaunch der Karriere-Website einer großen deutschen Pflegeeinrichtung gespannt, an deren Erstellung ich in beratender Funktion beteiligt bin. Natürlich spielt die von vielen lange tot gesagte, von anderen als Wunderwaffe im Employer Branding gepriesene, gute alte Zeitung ebenso eine Rolle bei Ihrer Zielgruppe. Man muss nur wissen, wie :-)

Mit der Zeitung bei der Zielgruppe punkten??? Wie kann das sein, wird sich der ein oder andere nun fragen – vor allem, wenn er a) entweder die FAZ am Samstag aufgeschlagen, b) den Tweet von Marcus K. Reif gesehen oder c) beides hat. Denn was stellte Marcus da – ich möchte sagen, nahezu Erschütterndes – fest?

Irgendwie krass, oder? Ich kann mich noch daran erinnern, da bestand die FAZ überspitzt gesprochen quasi nur aus Stellenanzeigen. Gefühlt wog die Zeitung da ein ganzes Kilo. Aber die Zeiten sind lange vorbei. Und trotzdem: Print ist noch lange nicht tot. Und auch die Stellenanzeige hat noch längst nicht ihren Zenith erreicht. Es kommt eben immer darauf an, wo man wie welche Zielgruppe sucht.

Stellenanzeigen in Zeitungen liegen in der Gunst von Bewerbern ganz weit vorne - Quelle ZMG

Und so geistert nun schon seit einigen Tagen ein Paradebeispiel einer solchen Stellenanzeige durch die Presse. Bereits am 3. Januar wurde das Fundstück bei Facebook gepostet und trat dann dank Twitter seinen bundesweiten Siegeszug durch nahezu alle Medien an.

Eierlegende Wollmilchsau

Eierlegende Wollmilchsau - Stellenanzeige mit viralem Potenzial

Eine Stellenanzeige, die auf den ersten Blick eine Nominierung für die Goldene Runkelrübe verdient hätte. Aber eben nur auf den ersten. Denn das ausschreibende Unternehmen beweist einfach nur Humor und zieht die Inhalte eines Großteils beliebiger und realitätsfremder Inhalte von Stellenanzeigen auf wunderbare Weise durch den Kakao. Und sorgt damit für eine Aufmerksamkeit, die nicht nur das Herz vieler Bewerber, sondern auch die der Medien trifft.

Schon allein die Aufforderung „Sie können alles und erwarten nichts?“ bringt die klassischen Floskelschlachten, die in vielen Stellenanzeigen ausgetragen werden, wunderbar auf den Punkt. Wem sich nicht erschließt, dass der Inhalt eine Verhohnepipelung darstellt, wird – sofern er denn die Anzeige bis zum Ende liest – spätestens an selbigem mit der Nase drauf gestoßen: „Nee, jetzt mal ernsthaft, richtig gute Stellen für Alten- und Krankenpflegefachkräfte gibt’s bei uns!

Stellenanzeige trifft Nerv der Bewerber

Eine Anzeige, die tatsächlich den Nerv der Leute trifft. „Beste Stellenanzeige ever.“ Oder „Na endlich sagt einer die Wahrheit und schwafelt nicht!„, „Wie geil!“ und „Sensationell“ sind nur einige der Zitate aus den sozialen Medien.

Tatsächlich war Norbert Buchholz, Betreiber der „Häusliche Krankenpflege Christiane Kolf & Norbert Buchholz GbR“ etwas überrascht von dem medialen Echo, welches die Anzeige in den letzten Wochen erfahren hat. Aber mediales Echo ist das eine, Erfolg in Form von Bewerbungen und letztendlich die Besetzung der vakanten Stelle, das andere. So hat mir Norbert Buchholz verraten, dass es in den letzten Jahren bei den bisherigen „klassischen“ Stellenanzeigen keine oder nur ganz vereinzelt Rückmeldungen kamen, die wenn überhaupt nur in den seltensten Fällen zu einem Vorstellungsgespräch geführt haben. Durch eine andere, ähnlich aufgemachte Stellenanzeige ließ er sich dann zur „Wollmilchsau“ inspirieren. Die Eier legende Wollmilchsau schaltete er dann das erste Mal bereits letztes Jahres in einer Zeitung, die kostenlos als Wurfsendung verteilt wird (vorausgesetzt, Sie haben nicht wie ich ein „Bitte keine Werbung“-Schild am Briefkasten). Bereits damals meldeten sich ungewöhnlich viele Interessenten, von denen er dann auch zwei Mitarbeiter zum 1. November einstellen konnte (einer davon berichtet über seinen Job als eierlegende Wollmilchsau auf bild.de).

Während bereits damals schon der Kölner Stadtanzeiger über die außergewöhnlichen Stellenanzeige berichtete,  konnte er diesmal noch einen drauf setzen: Begründet in der Macht der sozialen Netzwerke meldeten sich nach einer erneuten Schaltung Anfang Januar vor allem „Medienvertreter aller Couleur und aus allen Regionen Deutschlands“. Was natürlich für eine größere Reichweite und damit bundesweite Aufmerksamkeit nach sich zog. Lohn des Ganzen: In der letzten Woche konnte er zwei weitere Vorstellungsgespräche mit Bewerbern führen, die durch die Art der Anzeige aufmerksam wurden. Hoffentlich hatten die auch wie in der Anzeige gefordert, hübsche Fotos der letzten Familienfeier mit im Gepäck :-).

Neben diesen kleinen Erfolgen für die betriebliche Personalsituation wertet Norbert Buchholz auch andere Reaktionen auf die Anzeige, wie z. B. Anrufe, Briefe und Mails (u. a. lästiger Blogger :-)) als Interesse vieler Menschen an der Situation und den Folgen des Fachkräftemangels im Bereich der Kranken- und Altenpflege, der zuweilen seltsamen Blüten treibt.

Eine schöne und inspirierende Aktion, die für mich nur einen Wermutstropfen bereit hält. Denn geht man auf die Website der Einrichtung, so findet man dort keine Informationen über den Arbeitgeber bzw. die Stelle selbst. Norbert Buchholz ist aber bewusst, dass der Internetauftritt in der Vergangenheit eher „stiefmütterlich“  behandelt wurde. Lediglich dieser Hinweis findet sich dort:

„Liebe Leserin, lieber Leser !

bei dauerhaft steigendem Kundenaufkommen sucht unser Unternehmen engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Pflegeteam.
Wenn sie examinierte Pflegefachkraft, medizinische Fachangestellte, oder einjährig examinierte Alten- oder Krankenpflegehelferin sind können wir Ihnen einen krisensichern, attraktiven Arbeitsplatz anbieten.“

Nun gut. Immerhin ist dies mehr, als so manch anderes Unternehmen dieser Größenordnung in der Regel von sich preis gibt. Dennoch will man das Thema angehen. Gut so!

Daumen hoch von mir für eine schöne Aktion, die zeigt, dass man mit Witz, Frechmut und kleinem Budget beim Bewerber punkten kann. Mit Sicherheit hätte das Ganze auch Einzug in das Buch „Personalgewinnung in der Pflege“ gehalten. Leider war das Buch aber bereits vor Veröffentlichung der Anzeige auf dem Markt. Dennoch, das Buch wartet mit hilfreichen Tipps und Praxisbeispielen auf und zeigt (nicht nur für die Pflege), dass man auch mit einfachen Mitteln dem Fachkräftemangel ein Schnippchen schlagen kann. Warum man das Buch unbedingt im Bücherregal stehen haben sollte, habe ich die Autorin des Buchs, Maja Roedenbeck Schäfer, gefragt:

Das Buch enthält Erfahrungswerte aus drei Jahren „SOZIALE BERUFE kann nicht jeder“, die Tipps sind also auf Herz und Nieren getestet und aus dem großen Netzwerk der Wohlfahrtsverbände zusammengetragen. Es ist speziell auf die Bedürfnisse und Probleme kleiner und mittlerer Sozial- und Pflegeeinrichtungen zugeschnitten, die die ersten Schritte Richtung zeitgemäßes Personalmarketing wagen wollen, keinen ausufernden Etat dafür zur Verfügung haben und erst mal einiges Basiswissen und Inspiration brauchen, bevor sie loslegen können. Es begleitet auf dem Weg von der Stellenanzeige auf den letzten Drücker zu einem vorausschauenden, nachhaltig angelegten Personalmarketing.

Fazit: Der Pflegenotstand wird immer spürbarer. Nichtsdestotrotz gibt es Mittel und Wege, die man – auch wenn sie manchmal auf den ersten Blick unkonventionell sein mögen – einschlagen sollte. So kann man nun bspw. auf der Website von „Soziale Berufe kann nicht jeder“ an einer Berufsberatung per Whatsapp teilnehmen.

Berufsberatung per Whatsapp - bei Soziale Berufe kann nicht jeder ist das möglich

Coole Sache das! Auch die eierlegende Wollmilchsau zeigt, dass es nicht unbedingt die fetten Budgets sein müssen, um sich dem Fachkräftemangel entgegen zu stemmen. Das geht durchaus (oder auch gerade) mit kleinen Budgets und Witz! Aber, wie heißt es so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

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