Milchmonster terrorisiert Privatmolkerei Bauer – Milchtechnologen greifen ein

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 6 Minuten.

Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, die letzten Tage des Jahres ganz entspannt ausklingen zu lassen. Aber so richtig. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Und eigentlich wollte ich heute nur mal kurz ins Büro, noch ein paar Mails checken und mich dann mental auf meinen dritten Hochzeitstag einstellen. Also ging ich ins Büro. Und checkte meine Mails. Und entdeckte eine Mail, eine leider etwas verspätet eingegangene Nominierung für die Goldene Runkelrübe. Wäre dieses Fundstück früher da gewesen, ich bin sicher, die Volksbank Franken hätte ein ernsthaftes Problem bekommen. Aber schauen Sie selbst, was die Privatmolkerei Bauer (Sie wissen schon: der große Bauuuuer…) uns – respektive potenziellen Auszubildenden – hier Feines kredenzt:

Das muss man erst mal sacken lassen…

Bauer Milchmonster - Quelle: spreadfilms

Worum also geht es in dem Video? Richtig, um ein Milchmonster, welches nicht nur die Privatmolkerei Bauer terrorisiert, sondern eine ganze Stadt. Oder sogar die Welt. Welches in Godzilla-Manier für Angst und Schrecken sorgt. So zumindest der erste Eindruck. Der zweite offenbart dann was anderes. Letztendlich geht es nämlich um eine Ausbildung bei Bauer. Stellt sich mir gleich zu Beginn die Frage (abgesehen von der Frage, was der ganze Sch… mit einer Ausbildung zu tun hat – dazu gleich mehr), wenn es sich doch um eine Ausbildung bei Bauer handelt, warum wird dann im Abspann anstatt bauer-milch.de nicht auf bauer-milch.de/ausbildung oder ausbildung-bei-bauer.de verwiesen? Wäre ja naheliegend.

Aber das schenken wir uns (vorerst). Vielmehr möchte ich mich der Fragen widmen, was das Ganze soll. Nun, eins muss man diesem Clip zugute halten: Immerhin wird nicht gerappt. Schade eigentlich. Irgendwie glaube ich, dass ein Milchtechnologen-Rap richtig zünden würde.

Mit Milchmonster gegen den Fachkräftemangel?

Ich habe mir also die Mühe gemacht und versucht, herauszufinden, was die Intention dieses Recruiting-Filmchens war. Und bin fündig geworden. Nämlich in Form einer Presseinformation. Hier heißt es:

„Wie erreicht man als Arbeitgeber junge Menschen und Schulabsolventen? Indem man sie dort abholt, wo sie anzutreffen sind –in ihrer Freizeit. Auch die Privatmolkerei  Bauer möchte im Bereich Berufsausbildung neue Pfade beschreiten und mit einer frischen, charmanten Art auf ihre Ausbildungsmöglichkeiten verweisen. Die Wahl fiel auf einen Kino-Spot. […] Schnell war […] klar, dass ein klassischer, didaktischer Film, der die Ausbildungsberufe bei Bauer erklärt, nicht die richtige Wahl ist. Charmant, witzig und sympathisch sollte er sein.“

Wir lernen also, dass die Zielgruppe dort abzuholen ist, wo sie anzutreffen ist. In ihrer Freizeit. Das wäre also dann das Kino. Interessanterweise spielen Kinobesuche bei Jugendlichen laut der aktuellen JIM-Studie eigentlich gar keine Rolle mehr. Dass die Zielgruppe eher eigentlich anderswo anzutreffen ist – wen interessiert’s?

Medienbeschäftigung in der Freizeit - Kino weit abgeschlagen - Quelle JIM Studie 2014

Auch die Äußerung, dass „auch die Privatmolkerei Bauer im Bereich Berufsausbildung neue Pfade beschreiten möchte“, wirft Fragen bei mir auf. Wieso auch? So wie auch die Polizei NRW? Oder die Spardabank Südwest? Oder EDEKA? Und was hat die frische und charmante Art, von der da die Rede ist, eigentlich mit dem Thema Ausbildung zu tun? Und was ist da überhaupt so frisch und charmant? Die sich knutschenden Protagonisten? Das lustige zottelige Milchmonster?

Vor allem, wenn es – wie der Presseinformation weiter zu entnehmen ist – heißt:

„Entstanden ist ein actionreicher Kino-Film im Hollywood-Stil, der einen äußerst aufregenden und spannenden Arbeitsalltag bei Bauer zeigt. In den Hauptrollen: Ein Monster, das eine Stadt bedroht und die Mitarbeiter von Bauer, die fieberhaft an einer Lösung zur Monsterabwehr arbeiten.“

Ich wiederhole – zum Mitschreiben – der Film stellt einen äußerst aufregenden und spannenden Arbeitsalltag bei Bauer dar. Bei Bauer arbeiten die Mitarbeiter also fieberhaft an Lösungen zur Monsterabwehr. Hm. Soso.

So sieht also der Ausbildungsalltag bei Bauer aus

Wie war das noch mit den falschen Erwartungshaltungen, die bei Schülern geweckt werden und dann zu Ausbildungsabbrüchen führen, wenn sie nicht das vorfinden, was suggeriert wurde? Nicht, dass das wichtig wäre. Und schon gar nicht jetzt, in dieser friedefreudeeierkuchenschwangeren Harmoniescheinwelt, die all über all und alle Jahre wieder auf uns zur Weihnachtszeit herab sinkt. Aber die Frage darf dennoch gestellt werden. Insbesondere, wenn Sie dann noch einen Blick auf die Karriere-Website werfen.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären die Zielgruppe dieses Films, also ein „junger Mensch“ respektive „Schulabsolvent“. Sie sehen also, dass Sie dort im Helikopter irgendwelche abstrusen Milchmonster bekämpfen. Und/oder mit attraktiven Mitarbeiterinnen rumknutschen. Keine schlechte Perspektive also bei Bauer. Begeistert und voller Erwartung gehen Sie nun auf die Karriere-Website und wollen sich über die Ausbildung bei Bauer informieren.

Milchtechnologen bekämpfen keine Monster

Z. B. als Milchtechnologe. Ich meine, hey, wer wollte nicht schon immer mal eine Ausbildung als Milchtechnologe machen. Ein Traumberuf, der bei den beliebtesten Ausbildungsberufen immerhin auf Platz 176 liegt (und damit gegenüber dem Vorjahr sogar sechs Plätze eingebüßt hat). Hand aufs Herz, wissen Sie, was ein Milchtechnologe macht? Meinen Sie, ein Ausbildungsberater im Arbeitsamt wüsste das? Meinen Sie, Milchtechnologen bekämpfen Monster? Wer also wäre nun gefordert, darzustellen, was man in diesem Job so macht? Sinnvollerweise wäre das Bauer. Also die Privatmolkerei versteht sich, nicht der gemeine Landwirt. Wobei der das im Zweifelsfall auch wüsste. Also fragen wir mal bei Bauer. Bzw. schauen auf die Karriere-Website.

Ausbildung als Milchtechnologe - Karriere-Website Privatmolkerei Bauer

Sind Sie nun schlauer? Nun gut immerhin erfahren Sie, dass Milchtechnologen das Herz der Privatmolkerei Bauer sind, dieser Beruf auf der Liebe zum Produkt basiert und hohe technische Anforderungen an den Azubi stellt. Und weiter: „Hier lernst du, wie du die elektronisch gesteuerten Anlagen bedienst, die aus frischer Rohmilch die leckeren Bauer Joghurt- und Käsespezialitäten herstellen. Du planst und überwachst alle Abläufe in der Milchverarbeitung bis hin zur Verpackung und Lagerung der Produkte, führst Qualitätskontrollen durch und lernst Hygiene- und Umweltschutzvorschriften kennen.“

Ich frage mich, wenn Milchtechnologen doch das Herz der Privatmolkerei Bauer sind, warum gewährt man ihnen dann nicht mehr Raum? Z. B. in Form eines Videos, welches einen Milchtechnologen-Azubi bei der Arbeit begleitet und in dem gezeigt wird, was ein Milchtechnologe eigentlich den ganzen Tag so macht. Viel schlauer bin ich nämlich immer noch nicht. Gut, dass es da Seiten wie ausbildung.de gibt, die das Berufsbild redaktionell so aufbereiten, dass man weiß, worum es in der Ausbildung geht. Sogar eine ganze Website widmet sich der Ausbildung als Milchtechnologe. Oder aber Videos wie diese, die unterhaltsam darstellen, was ein Milchtechnologe eigentlich so macht (wo wir wieder bei den Bauern, also den richtigen – s.. o., wären).

Aber eigentlich wäre das die Aufgabe von Bauer (also der Privatmolkerei) gewesen. Auch wenn man keinen didaktischen Film wollte, so wäre da doch mehr drin gewesen. Und selbst wenn es dann so ein Film mit viel Blingbling sein muss – was spräche gegen einen Film, der wirklich zeigt, wie es bei Bauer aussieht? Aber wie so oft, klaffen Realität und bunte Personalmarketing-Werbewelt auseinander. Schade nur, dass der Filmbeitrag so spät nominiert wurde. Das Video hätte definitiv Potenzial für die Goldene Runkelrübe gehabt!

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