Personalwerbung mit Sex und Zombies

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Gleich zu Anfang sei gesagt, dass dieser Artikel nichts für zart besaitete Gemüter ist. Denn wieder einmal geht es unter die Gürtellinie oder um es mit anderen Worten zu sagen: Es sinkt für Sie – das Niveau! und wir tauchen ab in fragwürdige Untiefen schmuddeliger Personalwerbung. Was ich Ihnen hier im Nachfolgenden präsentiere, ist im Übrigen ein „Remix“ meines Vortrags anlässlich einer kleinen Roadshow von Employour und Top Employers (zu Deutsch: Top Arbeitgeber) in Frankfurt, Stuttgart und Hamburg. Für Hamburg hatte ich übrigens eine „Special Reeperbahn Edition“ im Gepäck und das hatte seinen guten Grund :-)

Wie weit darf Personalwerbung eigentlich gehen? Im Grunde genommen ist eigentlich alles erlaubt, wenn es denn zum Job und zum Arbeitgeber respektive seiner Unternehmenskultur passt. Ist es bei Ihnen z. B. Gang und Gäbe, dass man Ihre Angestellten „Schlampen“ nennt oder während des Bewerbunggesprächs zu masturbieren, so dürfen Sie dies ruhig im Rahmen der Arbeitgebermarkekommunizieren (ich hoffe allerdings, dass das bei Ihnen nicht der Fall ist!). Suchen Sie Verkäuferinnen für Erwachsenenspielzeug oder –magazine, dürfen Sie gerne barbusige Models (besser aber: echte Mitarbeiter, schließlich geht es um Authentizität!) einsetzen. Schließlich ist Bewerbern dann sofort klar, worum es im Job bzw. im Business geht. So weit, so gut. Fragwürdig wird es, wenn eine Dachdeckerinnung mit einem Pornoclip für Nachwuchs wirbt. Oder sich eine komplette Landespolizei über die Grenzen hinweg mit Kinderlied singenden Polizisten zum Deppen macht. Oder LKW-Fahrer auf einmal unter die Breakdancer gehen (hier wurde, ich zitiere: „ein auf jugendliche Sehgewohnheiten abgestellter, unterhaltsamer Kurzfilm“ erstellt, den Sie hier bewundern dürfen).

Welche Motive in der Personalwerbung eher fehl am Platz sind, mögen folgende Beispiele belegen. Viel Spaß (die Auflösung finden Sie unten am Ende Artikels)!

Amazonen beim Liebesspiel

Amazonen beim Liebesspiel

Hier räkeln sich zwei charmante, durchaus nicht unattraktive Damen in leichter Fell- bzw. Lederbekleidung. Da werden Assoziationen an Xena, die Kriegerprinzessin wach. Oder an zärtliche respektive homoerotische Liebesspiele. Oder an beides. Wenn Sie erfahren, worum es tatsächlich geht, werden Sie wahrscheinlich mit dem Kopf schütteln. Das tat übrigens auch die Jury der Goldenen Runkelrübe 2013 und wählte das Video zu seinen Favoriten. Was dem Unternehmen übrigens scheinbar nicht verborgen blieb, denn auf Youtube ist es nicht mehr zu finden. Aber wie wir alle wissen: Das Internet vergisst nichts. Bzw. findet ein Artikel, Video, Bild oder was auch immer mal schnell den Weg in verschiedene Kanäle. Ob das dann immer alles so legal ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

So, weiter geht’s. Wir tasten uns langsam vor und befreien die jungen Amazonen einmal von einem Großteil der störenden Bekleidung.

Voller Körpereinsatz

Was mag sich hinter dieser Stellenanzeige verbergen

Hier haben wir eine herzige junge Blondine, die mehr zeigt, als sie versteckt. Was glauben Sie, worum es bei diesem Motiv geht? Ich verrate Ihnen so viel: Es handelt sich, genau wie im nachfolgenden Beispiel um eine Stellenanzeige.

Schoko-Schleckermäulchen

Stellt sich die Frage, für was eigentlich? Werden hier Pornodarstellerinnen gesucht? Oder Reinigungskräfte für eine deutsche Bank (das Outfit der jungen Damen würde passen, schließlich sucht die Deutsche Bundesbank für ihr privates Schwimmbad ja Reinigungskräfte mit Rettungsschwimmerschein. Was also wäre naheliegender, als die Bekleidung auf ein Minimum zu reduzieren? So macht man als „Davida Hasselhoff“ nicht nur die perfekte Figur im Schwimmbad, auch beim Putzen verhindert störende Kleidung, dass man schnell ins Schwitzen kommt)? Die Antwort verrate ich Ihnen im Übrigen am Ende des Artikels.

Noch mehr Körpereinsatz zeigen übrigens die Mitarbeiter von American Apparel. Wie die (halbnackt) als Markenbotschafter agieren, schenke ich mir an dieser Stelle mal. Mag im Übrigen durchaus das Resultat des oben bereits verlinkten Gründerverhaltens sein (Stichwort „Angestellte als Schlampe“).

Auch das nachfolgende Beispiel hatte ich vor einiger Zeit bei mir im Blog. Aus aktuellem Anlass aber (die Location für das Event war nur wenige hundert Meter vom Hamburger Kultlokal „Zur Ritze“ entfernt) und weil es wirklich unglaubliche Parallelen zwischen den Motiven gibt, musste ich das Ganze noch mal hervor kramen. Außerdem ist das Ganze von der „Reise“ über/durch den (weiblichen) Körper nun die logische Konsequenz.

Zur Ritze - Kultlokal auf der Reeperbahn

Was mag sich hinter diesem Kampagnenmotiv verbergen

Wenn Sie das Motiv so sehen – gar nicht mal zwingend im Kontext zur „Ritze“ – was ist Ihre Assoziation? Was glauben Sie, worum es hier geht? Kleiner Tipp: Es ist ein Motiv, welches für Ausbildungsmarketing (!) eingesetzt wurde (mal ganz am Rande: Dem Unternehmen, welches diese Art von Personalwerbung an den jungen Menschen brachte, liegt momentan mal wieder schwer angeschlagen am Boden. Ob das wohl auch an Auswirkungen solcher und anderer Maßnahmen liegt?).

So. Nun entledigen wir uns noch des lästigen Slips

In welchem Kontext steht dieser Slip

finden eine interessante Stelle,

Stellenanzeige, die tief unter die Gürtellinie geht

vollziehen rasch den Akt:

und hoffen, dass nicht solche Zombies bei heraus kommen.

Bluttriefende Zombies

Werde Bürozombie

Man beachte, dass es für diese Kampagne sogar eine Nominierung bzw. den zweiten Platz in der Kategorie Hochschulmarketing beim letztjährigen HR Excellence Awards gab. Da kann man mal sehen, wie weltfremd zumindest Teile der Jury sind. Apropos: dieser Blogartikel von Sandra Gausmann untermauert diesen Eindruck wunderbar

Wie ich eingangs schon schrieb: Im Grunde genommen können Sie als Arbeitgeber jede x-beliebige Kampagne – egal ob schlüpfrig, peinlich, sexistisch, ekelerregend oder was auch immer – an die potenziellen Kandidaten herantragen. Im Grunde genommen. Allerdings sollten Sie eins unbedingt beachten: Egal, ob Messe, Stellenanzeige, Recruiting-Video oder Karriere-Website: Ihr Auftritt schafft die Grundlage für die Erwartungshaltung des Bewerbers an den zukünftigen Arbeitgeber! Auch wenn man mit Personalmarketing-Kampagnen durchaus auffallen und vielleicht ab und an etwas provozieren darf – wie Jörg Buckmann zu Recht in seinem Personalmanagement-Bestseller „Personalgewinnung mit Frechmut und Können schreibt – das Ganze sollte aber mit Stil und einem Augenzwinkern erfolgen (wobei man natürlich trefflich über die Grenzen von Stil und Augenzwinkern diskutieren kann). Vor allem sollten keine Tatsachen oder Werte vorgespiegelt werden, die nicht der Realität entsprechen! Demzufolge muss Arbeitgeber-Kommunikation nicht auf Krampf originell und anbiedernd, sondern in erster Linie glaubhaft sein. Aufmerksamkeit um jeden Preis ist Fehl am Platz, wenn Sie sich zum Gespött der Leute machen und Ihre Reputation als Arbeitgeber aufs Spiel setzen. Eins dürfen Sie bei all dem nicht vergessen: Das Internet vergisst nichts. Auch nicht Ihre sexistische Stellenanzeige oder Ihr peinliches Recruiting-Video ;-)

Jobangebote mit Herzblut

Kehren wir noch mal ganz schnell auf den Kiez zurück. Denn im Rahmen meiner Recherchen für meinen „Reeperbahn-Vortrag“ bin ich auf die Jobangebote der Bar „Herzblut St. Pauli“ aufmerksam geworden. Hier werden regelmäßig Servicekräfte und Barpersonal gesucht. Das Ganze macht man dort wirklich mit Herzblut und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Jobangebot Herzblut St. Pauli

Hier gibt’s kein Chichi und plumpe Worthülsen, sondern es wird Tacheles geredet und der Bewerber, weiß, was ihn erwartet. So muss das! Schließlich geht es ja immer um die passenden und nicht um möglichst viele Bewerber!

Hätten Sie’s gewusst?

Bild 1 ist ein Screenshot des – Achtung! – Karrierevideos des Landmaschinenherstellers Amazone. Klar, wenn man so heißt, wie die jungen Damen suggerieren, muss man mit solchen Motiven werben. Das Ganze dann als Karriere-Video zu deklarieren, ist allerdings mehr als fragwürdig.

Stellenangebot Verkäuferin Wels1

Mit dieser jungen Blondine ging das österreichische Online-Magazin Wels 1 auf die Suche nach Verkäufern. Bzw. Verkäuferinnen. In welchem Kontext Motiv und Tätigkeit zueinander stehen, weiß wohl selbst der findige Kreative, der hinter die Anzeige steht, nicht. Übrigens wurde diese Kampagne in unserem Nachbarland mit der Zitrone für schlechte Werbung ausgezeichnet.

Café Maelu in München sucht Mitarbeiter für Service und Verkauf

Mit der Schokodame warb das Münchener Café Maelu für Servicekräfte.

Profilbild Karstadt Ausbildungsseite auf Facebook

Die junge Dame, die ihre Scham so schamhaft hinter einer Tasche versteckt, war Teil des Profilbildes der Facebook-Ausbildungsseite des Warenhauskonzerns Karstast, hoppla, Karstadt.

Kampagnenmotiv Facility Management - Die Möglichmacher

Der Slip, der sich womöglich hinter der Tasche verbirgt, ist eins von mehreren Motiven, mit dem der Branchenverband Facility Management für seine Ausbildungsberufe wirbt. In welchem Kontext die Ausbildung und die Motive stehen? Ich weiß es nicht. Wie Kreative immer zu sagen pflegen, löst das dann der Text auf, in diesem Fall:

„Lust auf Karriere? Als Azubi im Facility Management bist du heiß begehrt. Dir winken interessante Aufgaben. Attraktive Aufstiegschancen. Und ein sicherer Arbeitsplatz ist auch nicht unsexy. Wenn du jetzt ein Prickeln spürst, ist es Zeit ein Auge auf uns zu werfen.“

Hm. Ist das die richtige Ansprache von Azubis für Berufe in der Facility Management-Branche? Das fragte sich übrigens auch schon Jannis Tsalikis und wir sind dankbar für diese Nominierung für die Goldene Runkelrübe in der Kategorie Stellenanzeige.

DocCheck sucht Bürozombies - Quelle antwerpes AG

Mit dem überaus geschmacklosen und blutrünstigen Motiv der Bürozombies wirbt das Unternehmen DocCheck auf Broschüren und Messeständen für Nachwuchskräfte. Sogar leckere, zum Verzehr geeignete, „Augen“ (links vorn im Bild) gibt es dort als Give-away. Na, wohl bekomm’s! Welche Message dahinter steckt? Nun, das so genannte Bürozombies eben dort fehl am Platz sind. Und stimmt, sucht man in der Jobbörse der Karrierewebsite nach „Bürozombie“, so gibt es dort null Treffer….

Hätten Sie’s gewusst? Und haben Sie ähnliche Beispiele? Dann immer her damit! Auch für die Goldene Runkelrübe dürfen Sie gerne Ihre Favoriten nominieren!

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