Show me the Headers, show me the Jobs. Alternative Wege im Recruiting von Web-Entwicklern

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Ja, ich gebe es zu. Ruhig geworden hier. Aber ich führte die letzten Tage ein nahezu analoges Leben. Und es war herrlich :-). Da ich aber nicht nur analog lebe, sondern auch quotengeil bin („Analog und quotengeil“ lautet übrigens mein Beitrag in der Rubrik „Meine digitale Welt“ in der neuesten Ausgabe des Human Resources Managers), wird es mal wieder Zeit für einen Quickie, will sagen für einen schnellen Blogartikel. Wobei das ja immer relativ ist. In meinem 391. Artikel geht es um eine – wie ich finde – recht originelle Kandidatenansprache von Web-Entwicklern.

Auch wenn ich in den letzten Tagen wenig bzw. gar nicht (blog)-aktiv war, so sind es meine Leser. Und so werden neben viel Spam auch nette E-Mails in mein Postfach gespült. Diesmal machte mich ein Leser auf den Quellcode der trivago-Website aufmerksam. Wenn ich mir im Rahmen meiner Karriere-Website-Analysen auch immer die Quellcodes der Websites und Jobportale anschaue, so hatte ich Trivago noch gar nicht auf den Schirm. Machen Sie sich doch einmal den Spaß, Sie werden eine kleine Überraschung erleben.

Recruiting via Quellcode

Hier hat man nämlich mehr oder minder geschickt einen Hinweis versteckt, der auf Jobs bei trivago aufmerksam macht. Das Ganze sieht dann so aus:

Bewerbungsaufforderung im Quellcode der trivago-Website

Auf gut Deutsch steht da in etwa: „Willst du bezahlt werden, um unseren Code zu analysieren – Wir stellen Entwickler ein.“ Folgt man dem Link, so findet man dann tatsächlich diverse Jobs für Entwickler. Und trivago hat einiges zu bieten. So unter anderem

„Regelmäßige Teamevents, ein vielseitiges Sportangebot, ein gefüllter Bierkühlschrank, aber auch alkoholfreie Getränke und täglich frisches Obst.“

Abgesehen von der leichten Rechtschreibschwäche (eigentlich zu vernachlässigen, wären Rechtschreibfehler nicht Bewerbungskiller Nummer eins), hat man bei trivago erkannt, was Bewerber wirklich wollen: Einen (!) gefüllten Bierkühlschrank und täglich frisches Obst. Über die Bedeutung von Obst bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels hatte ich ja seinerzeit schon einmal gebloggt. Hier für alle noch mal die Grafik:

Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel - Quelle meinestadt.de

Dennoch fand ich die Idee charmant und habe eine Schnellrecherche gestartet, wer denn noch so umtriebig ist und auf diese Weise auf seine Jobs aufmerksam macht. Hier habe ich ein paar Fundstücke für Sie:

Flickr

Bei Flickr findet man im Quellcode zunächst eine putzige Grafik, die mich an diese nervigen Bildchen aus längst vergangenen Flirtportalen erinnern (Sie wissen schon, die aus ASCII-Zeichen: Herz aus ASCII-Code

– dann aber findet sich auch hier ein Hinweis auf Jobs (aufmerksam darauf wurde ich in dem Beitrag von elektroelch).

Bewerbersuche per Quellcode - Beispiel flickr

JvM

Auch die heiteren und von mir innig geliebten Kokskreativen von JvM sorgen mit Trojaner-„Stellenanzeigen“ für Aufmerksamkeit:

Entwickleransprache per Quellcode bei JvM

Natürlich ist man auch in der Ansprache etwas kreativer und so heißt es dort im Quellcode:

Wenn Du unseren Quelltext langweilig findest,  schreib doch Deinen eigenen. Als Entwickler für Frontend- oder Backend-Lösungen bzw. für Mobile- oder Social-Media-Applikationen bei Jung von Matt/Neckar.

Xing

Ja, und wer hätte das gedacht: Selbst Xing war mal kreativ und lockte mit Code, der über das Firefox-Addin Firebug sichtbar wurde, Entwickler nach Hamburg:

Web-Entwickler-Ansprache bei Firebug per Xing

Bei genauerer Betrachtung ließen sich dann noch Job-Beschreibungen, eine Kontakt-Email-Adresse und der Link zur Website finden. Wohl gemerkt, ließen. Denn das war 2009.

Recruiting via HTTP-Response

Nun ist so offensichtlicher Code ja das eine. Den findet Otto-Normal-User auch. Aber es gibt ja auch noch die so genannten HTTP-Response-Header. Und die lassen sich auch wunderbar nutzen. Und wer diese versteckten Botschaften findet, hat in der Regel schon mal mehr drauf. Insofern eine charmante Möglichkeit, hier seine Message loszuwerden. Besonders charmant machte das seinerzeit bspw. WordPress bzw. Automattic (die Erfinder von WordPress), die sich mit einer Botschaft an Hacker wandten:

«If you read it you should go on automattic.com/jobs and to fill the questionnaire».

Ein anderes, aktuelles Beispiel gibt es von Gigaom.

Rekrutierung von Entwicklern mittels HTTP-Request bei Gigaom

Ähnliches von TechCrunch:

Techcrunch - Bewerberansprache per HTTP Header

Nun sind das ja alles recht bekannte Unternehmen. Bietet diese Form der Ansprache nicht auch Potenzial für andere? Aber klar doch. Ein Unternehmen aus Wiesbaden geht hier (wieder einmal) mit gutem Beispiel voran:

Entwickleransprache per HTTP-Request bei Seibert Media

Oh, look, you know HTTP! That’s a good start. Looking for more challenges?„, heißt es da – nicht ohne auf die Jobs-Seite mit eben diesen Challenges zu verlinken. Im Übrigen sitzt im gleichen Gebäude ebenfalls ein Unternehmen, welches am wachsen ist und Web-Entwickler sucht. Diese sympathische Idee der Bewerberansprache hat man dort aber noch nicht auf dem Schirm. Sollte man sich aber vielleicht mal überlegen. Denn das Ganze kommt tatsächlich gut bei den Bewerbern an, wie mir Alina Büttner von Seibert Media bestätigt hat. Besonders auf Veranstaltungen wie bspw. dem „Firmenkontakttag Informatik“ an der Hochschule RheinMain, bei denen das Unternehmen Studierende der Fachrichtungen Informatik und Medieninformatik (also die Entwickler von morgen) anspricht, kommt man dank dieser „hidden Job-Ads“ schnell ins Gespräch mit den Bewerbern.

Wem langweilig ist und wer selber auf die Suche nach versteckten Botschaften im Header gehen will, dem sei im Übrigen die Website showmetheheaders.com empfohlen!

Alles in allem zeigen die Beispiele: es gibt viele Wege zum Bewerber. Wie immer gilt es, da Flagge zu zeigen, wo sich die Zielgruppe tummelt. Und das ist eben nicht Facebook. Das ist im Falle eines Web-Entwicklers auch die Website respektive der Quellcode selbst. Den IT-Nerd können Sie also auf diese Weise erreichen. Und wenn das nicht klappt, gibt es ja immer noch die nerdfarm als Wunderwaffe im Kampf gegen den IT-Fachkräftemangel!

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