Employer Branding im Hotel: Die Markenbotschafter vom Motel One

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 8 Minuten.

Neulich war ich mal wieder als Hotelgast in einem Motel One. Ich bin hier gerne Gast, da man hier keine unangenehmen Überraschungen erlebt. Zudem sind die Hotels modern, die Zimmer sauber und insgesamt wird ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis geboten. Und noch etwas zeichnet ein Motel One aus: Die Freundlichkeit der Mitarbeiter. Von diesen „Mitarbeitern als Markenbotschafter“ erzählt dieser Artikel.

Egal, in welcher Stadt, als Gast wird man im Motel One stets freundlich und zuvorkommend behandelt. Und auch wenn dies eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, so ist es das in der Dienstleistungswüste Deutschland eben nicht. Insofern ist es also schon erwähnenswert. So eine gleich bleibende Freundlichkeit der Mitarbeiter kann natürlich nur gewährleistet werden, wenn das Klima entsprechend ist. Insofern zeigt sich, dass gute Mitarbeiterführung und eine fundierte Personalentwicklung essentiell sind fürs Employer Branding.

Oder anderes gesagt: Der Fisch stinkt vom Kopfe. Im Idealfall ist er aber frisch und stinkt gar nicht. Sprich: es nützt Ihnen die schrillste und/oder emotionalste Employer-Branding-„Kampagne“ nichts, wenn die internen Rahmenbedingungen nicht stimmen. Umgekehrt können Sie sich im Zweifelsfall die teuren Employer Branding Kampagnen sparen, wenn Ihre Mitarbeiter das nach außen ausstrahlen, was Sie als guter (!) Arbeitgeber vermitteln. Denn sie als (freiwillige) Markenbotschafter sind es, die des „Arbeitgebers Wort“ verkünden. Weil Sie den Spirit leben. Aber ich schweife ab, bevor ich auch nur ansatzweise auf den Punkt komme. Also. Da komme ich also im Motel One am Kölner Mediapark an und werde – wie immer – überaus freundlich empfangen. Auf meinem Zimmer angekommen entdecke ich dann das „One Mag“, ein sehr hochwertiges Hochglanz-Magazin im A5-Format, welches es hier im übrigen zum Download gibt (Achtung, nahezu 50 MB!). In diesem Magazin werden diverse Hotels vorgestellt und ein wenig „aus dem Nähkästchen geplaudert“. Ein Blick lohnt in jedem Fall. Tja, und nach ein wenig Blättern stieß ich dann auf Seite 14 auf den Auslöser dieses Artikels.

Immer mal wieder werde ich gefragt, woher ich die Inspiration für meine Blogartikel nehme. Zuletzt bspw. im Sommerinterview auf HR Today (wer bisher glaubte, Sommerinterviews seien Politikern im ZDF vorbehalten, irrt – auch das Schweizer Personalmagazin befragt illustre Persönlichkeiten. In diesem Falle eben Blogger. Aber die haben im Zweifelsfall eh mehr Fundiertes zu erzählen, als unsere Politiker). Meine Antwort lautete hier: „Inspiration finde ich, wo ich gehe und stehe. Sei es, wenn ich wartend am Bahnhof stehe und eine Imagekampagne eines Arbeitgebers entdecke, durch Zeitungen blättere und auf Stellenanzeigen stoße, bei der Recherche im Rahmen eines Vortrags, durch Kundenprojekte, bei einer Wanderung in den Alpen etc. pp. Die Themen liegen quasi auf der Straße. Man muss sie nur erkennen und «aufheben».“

Mitarbeiter als Markenbotschafter

Und genau so ist es in diesem Fall. Ich blätterte also total unvoreingenommen in dem oben genannten One Mag. Auf Seite 14 dann das:

Employer Branding bei Motel One - Mitarbeiter als Markenbotschafter im One Mag

Unter dem Motto „Warum Motel One“ präsentieren sich hier Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen nicht anonym, sondern mit vollem Namen und lobpreisen den Herrn ihren Arbeitgeber. Ein paar Statements gefällig?

„Weil wir ein supercooles Unternehmen sind, das nicht nur an seine Gäste, sondern auch an seine Mitarbeiter denkt.“

„Weil ich mich bei der Arbeit nicht verstellen muss und so sein kann, wie  ich wirklich bin. Wo gibt’s das noch?“

„Weil wir einen super Spirit in der Belegschaft haben. Da macht das Arbeiten vor allem eins: Spaß!“

Das Schöne daran: Man nimmt den Mitarbeitern das Gesagte sofort ab. Der Spirit dieser Aussagen spiegelt sich im Umgang mit den Gästen nämlich 1:1 wider und kommt authentisch rüber. Insofern ist es nicht nur eine per Copy & Paste platt wiederholte Floskel, wenn CEO Dieter Müller im Vorwort des One Mag davon spricht, dass der Mensch bei Motel One im Mittelpunkt steht.

Schon mehrfach hatte ich davon berichtet, wie naheliegend es doch ist, Kundenmagazine auch dazu zu nutzen, sich als Arbeitgeber zu präsentieren (siehe die Beispiele IKEA und Runners Point). Näher kommen Sie kaum an Ihre Zielgruppe heran. Denn natürlich ist jeder Hotelgast auch potenzieller Mitarbeiter. Und weil das so ist, habe ich nach meiner anfänglichen Begeisterung natürlich erwartet, dass auch das Motel One die Potenziale seines Imagemagazins noch besser nutzt. Bspw. in Form einer Aufforderung, sich auf der Karriere-Website über Jobs zu informieren. Leider fehlt ein Hinweis – wenigstens in Form einer URL wie motelone.de/karriere – aber vollständig. Vertane Chance. Schade. Dabei findet sich in dem Magazin noch das ein oder andere Bild, was wirklich Lust auf Motel One macht. Nicht nur, um als Gast dort zu verweilen. Nein, auch um diesen Spirit als Mitarbeiter zu spüren.

Motel One ist stark am expandieren. Das wiederum bedeutet: Motel One braucht Personal. Wir alle wissen: Gutes Personal ist schwierig zu finden. Wir alle wissen auch: Insbesondere das Hotel- und Gaststättengewerbe tut sich da schwer. Insbesondere wenn es um Azubis geht, sieht es gemäß Infografik schlecht um den Nachwuchs bestellt aus:

Azubimangel in der Hotellerie - Quelle lusini.de

Potenziale in der Bewerberkommunikation verschenkt

Nun bildet Motel One zwar (noch) nicht (mit Ausnahme eines dualen Studiengangs) aus. Nichtsdestotrotz klagt die Branche über Fachkräftemangel. Auch wenn (oder gerade weil) bei Motel One mit Sicherheit andere Umstände herrschen, als bei so vielen anderen DEHOGA-Mitgliedern, wäre es umso naheliegender, das One Mag auch dazu zu nutzen, um potenzielle Bewerbern einen Impuls zu geben. Nun gut, ich werde gnädig drüber hinweg sehen. Denn wie schon gesagt, der Spirit steckt an. Und so geht man also als Noch-Gast, aber als potenzieller Bewerber direkt noch im Hotelzimmer online (im Gegensatz zu so manchem 5-Sterne-Hotel zahlt man hier fürs W-Lan keinen Cent) und surft auf die Motel One-Homepage. Bei einem so stark wachsenden Unternehmen findet man da bestimmt jede Menge Jobs auf der Website. Oder existiert der Arbeitgeber Motel One – so wie bspw. die Telekom – gar nicht?

Motel One Homepage - Karriere-Button gut versteckt

Nun, nicht existieren würde ich nicht sagen. Aber der Hinweis zu den Karriere-Möglichkeiten fällt schon sehr unbedeutend aus. Aktuell hat das Unternehmen ca. 50 Stellen ausgeschrieben. Und man expandiert weiter. „Die weitere Entwicklung auf 72 Hotels mit rund 18.000 Zimmern bis 2016 ist bereits gesichert„, lässt sich auf der Hotel-Website nachlesen. Trifft das auch auf die Mitarbeiter zu? Sprich: Ist die Entwicklung auch in Bezug auf die Mitarbeiter gesichert?

Genau das ist der Punkt. Was also spricht dagegen, den Karriere-Button prominenter zu platzieren? Auch hier werden also Potenziale in der Bewerberkommunikation verschenkt. Woran das liegt? Wahrscheinlich war hier mal wieder ein findiger Marketingleiter am Drücker, der Ahnung von so was hat und weiß, dass es ja gängiger Standard ist, wenn so ein Karriere-Button auf einer Hotel-Website im Footer versteckt wird. Und natürlich würde so ein Hinweis auf tolle Karriere-Perspektiven ja auch das Layout der Website verschandeln. Nicht auszudenken, wenn da bspw. statt des Hinweises auf den Newsletter ein prominenter platzierter Karriere-Button zu sehen wäre. Oder gar einer der Markenbotschafter mit einem der Slogans abgebildet würde. Nein, so etwas fangen wir gar nicht erst an. Über den Einfluss des Marketings auf den „Fachkräftemangel“ hatte ich ja unlängst eine launige Kolumne verfasst.

Aber ich will nicht unfair sein. Denn klickt ein findiger potenzieller Bewerber, der durchaus ein vom Service und Spirit begeisterter Hotelgast sein könnte (so etwas soll es ja geben) auf den Career-Button (denn natürlich spricht man bei einem Unternehmen, welches langsam aber sicher die Welt, zumindest aber Europa, erobern möchte nicht von „Karriere“, sondern von „Career“), so findet man da tatsächlich mehr, als ich mir in meinen kühnsten Träumen vorgestellt hätte. Allerdings ist es nicht gerade Liebe auf den ersten Blick. Denn unter der Rubrik „Arbeiten“ findet man vor allem eins: Blabla. Wenn auch der Mensch bei Motel One im Mittelpunkt stehen soll (ist ein Mensch eigentlich auch ein Mitarbeiter oder doch nur Hotelgast?), so ist dies auf den ersten Blick nicht unbedingt ersichtlich. Denn der Erfolg von Motel One liegt demnach mit Nichten und Neffen in den Mitarbeitern, sondern „maßgeblich im Konzept „viel Design für wenig Geld“, das an erstklassigen innerstädtischen Standorten geboten wird„. Hm. Sehe ich nicht so. Klar, ohne Frage spielt das Konzept eine Rolle. Was aber wäre das Konzept ohne die Mitarbeiter, die dieses Konzept zum Leben erwecken?

Gut, ich will nicht kleinlich sein. Selbstverständlich ist Motel One ein toller Arbeitgeber! Das beweisen ja auch die Einträge auf kununu, die mit überdimensionierten Buttons (als Top- und als Open Company) angeteasert (aber leider nicht verlinkt) werden. 17 Bewertungen gibt es derzeit, das Profil wurde bereits über 7.800 mal aufgerufen. Und, was mich besonders freut: Die Bewertungen werden auch kommentiert. Und da man Negativbewertungen mit der Lupe suchen muss, werden eben die positiven Bewertungen kommentiert. Gut gemacht! So funktioniert Wertschätzung – in guten, wie in schlechten Zeiten!

Womit die Website aber definitiv wieder punkten kann, sind 11 Testimonial-Videos, in denen Mitarbeiter von Motel One zu Wort kommen, warum sie sich für das Unternehmen entschieden haben und was Motel One ausmacht. Einfach mal reinschauen, lohnt sich. Als kleiner Appetithappen hier mal der Imagefilm:

Fazit: Als Unternehmen kann man nicht nicht Employer Branding betreiben (mehr dazu Mittwoch in meiner Kolumne Recruiting auf haufe.de). Die „Markenbotschafter“ (was hier im Grunde genommen jeder Mitarbeiter ist) zeigen bei jedem Besuch wie internes Employer Branding nach außen getragen und gelebt wird (auch wenn man sich dessen dort vielleicht nicht bewusst ist). Was die Personalkommunikation angeht, so werden noch nicht alle Register gezogen. So kann man sich schon fragen (also ich zumindest tue das), warum ein solches Magazin, welches Tausende von Bewerbern erreichen könnte, nicht intensiver genutzt wird. Und, naja, die Sache mit dem Karriere-Button beschäftigt mich ja schon länger. Aber das ist glaube ich eine Neverending Story… Apropos:

Sorry, der musste jetzt einfach sein :-)

Ich für meinen Teil freue mich auf meinen nächsten Motel One-Besuch und auf Menschen, die zeigen, dass sie ihren Job lieben.

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