Dicke Hupen, lange Schläuche – frechmutige Personalwerbung der Feuerwehr Dormagen

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Stellen Sie sich mal vor, Sie wären auf der Suche nach Nachwuchs. Z. B. Dachdecker. Da könnte man doch ein Video in Anlehnung an einen Pornoclip drehen. Das kommt BESTIMMT an bei der Zielgruppe. Oder Polizisten. Wie wäre es da mit einem superlustigen Rap- oder Kinderlied-Video? Oder Feuerwehrleute. Was liegt da näher, als die Pfunde, mit denen Sie als Feuerwehr wuchern können – also dicke Hupen, lange Schläuche – in den Mittelpunkt einer Personalwerbung zu stellen? Genau das tut derzeit die Feuerwehr Dormagen. Und sorgt damit für mächtig Gesprächsstoff. Grund genug, sich das einmal aus der Nähe anzuschauen.

„Wir haben die dicksten Hupen… die längsten Schläuche…und wollen mehr als nur ein kurzes Abenteuer“

Oder

„Du magst es heiß? Du willst schöne Mädels retten?“

Mit dieser doch recht anzüglichen Ansprache geht die Feuerwehr Dormagen derzeit auf die Suche nach ihrem dringend gesuchten Nachwuchs (es werden 75 haupt- und 280 ehrenamtliche Kräfte gesucht) und verschickt die unten gezeigten Motive per Post an alle 16- bis 30-jährigen Dormagener.

Feuerwehr Dormagen - dicke Hupen, lange Schläuche - frechmutige Personalwerbung - Quelle Feuerwehr Dormagen

Wer nun denkt, dass diese Kampagne einem hormongeschüttelten (oder koksverseuchtem) Männer-Chauvi-Hirn entsprungen ist, liegt falsch. Schuld an dieser Kampagne ist auch noch eine Frau. Genauer die Leiterin der Feuerwehr Dormagen selbst. So wird in der Bild Sabine Voss zitiert, dass überall die Freiwilligen Feuerwehren über fehlenden Nachwuchs klagen und nichts hilft. Da habe man sich dann einfach in einer kreativen Runde zusammen gesetzt und die neuen Slogans ausgeknobelt.

Frechmutige Personalwerbung der Feuerwehr Dormagen - du magst es heiß, willst schöne Mädels retten

Im ersten Moment kam mir dieses Motiv doch recht bekannt vor :-)…

Controller die durchs Feuer gehen

 

Man könnte nun vielleicht übermäßigen Alkoholkonsum als Schuldigen identifizieren, aber wer bei der sensationellen, improvisierten aber dennoch (oder gerade deswegen) ergiebigen total verrückten HR-Taxi-Session beim diesjährigen HR Barcamp in Berlin mit dabei war weiß, dass eine Idee gar nicht verrückt genug sein kann, um sie nicht umsetzen zu können. Oder anders und mit den Worten Jörg Buckmanns gesagt:

Man muss die Lust haben aufzufallen, ja vielleicht ab und an etwas zu provozieren. Aber mit Stil und mit einem Augenzwinkern.“

Nun kann man sich wahrlich darüber streiten, ob es wirklich so plump sein muss (und das wird fleißig getan, die Werbung polarisiert sehr stark). Die Meinung geht von „großartig“, „witzig“, „toll“, „klasse“, „cool“, „zeitgemäß“, „lustig“, „spitze“ bis hin zu „niveaulos“, „sexistisch“, „peinlich“, „geschmacklos“ oder „dämlich“. Allerdings ist die Mehrheit der Kommentare auf Facebook und in den Foren positiv. Wie auch immer, eins bekommt die Kampagne der Feuerwehr: Aufmerksamkeit. Gut, die bekam die Polizei NRW seinerzeit auch. Es gibt hier aber einen großen Unterschied. Die Maßnahme wirkt und kommt bei der Zielgruppe an.

It’s the Zielgruppe, stupid!

So haben sich innerhalb weniger Tage bereits 15 Interessierte bei der Dormagener Feuerwehr angemeldet. Laut Feuerwehrleiterin Voss gab’s das bis dato noch nie. Jetzt könnte man natürlich mal hinterfragen, welche Maßnahmen denn bisher ergriffen wurden. Denn immerhin wurden da in der Vergangenheit laut Express sechsstellige Summen für Anzeigen (Anzeigen also…) ausgegeben (sechsstellige Summen? Für die Dormagener Feuerwehr??). Die Kampagne geht durch die Medien, alle Welt spricht darüber.

Ich kann nicht anders, ich muss in diesem Zusammenhang noch einmal Jörg Buckmann zitieren, der seinerzeit „auf der Jagd nach Busfahrern in Dresden“ ebenfalls für fette Schlagzeilen sorgte. Hier bezifferte die unabhängige Medienagentur Argus seinerzeit den Anzeigenäquivalenzwert – also den Wert der unbezahlten medialen Berichterstattung – auf 216.800 Fränkli (na, da haben wir ja den sechsstelligen Betrag ;-)).

Davon kann so manch anderes Unternehmen nur von träumen, welches auf die klassischen Methoden setzt und sich nicht nur aus der Deckung wagt. Apropos davon träumende Unternehmen: Auch die Karriere-Website der Feuerwehr kann sich sehen lassen und gibt Interessenten schöne Einblicke in den Feuerwehralltag. Auf der Seite „Ich werd‘ Feuerwehrmann“ findet der Nutzer jede Menge Infos und diverse Testimonials von Feuerwehrleuten. Bei anderen Unternehmen gibt es nicht einmal einen Karrierebutton

Ich persönlich bin hin und her gerissen zwischen einer Nominierung für die Goldene Runkelrübe 2014 und Anerkennung dieser frechmutigen Idee. Denn Frechmut gehört ohne jeden Zweifel dazu, solch eine Maßnahme gegen den Unmut vieler durchzusetzen. Auch wenn die Kampagne viel Zuspruch erntet.

Reaktionen im Feuerwehrmagazin

Der Zweck heiligt mit Sicherheit nicht alle Mittel, das stimmt. Wer aber an alten Mustern festhält, wird sehen, dass er in Sachen Personalmarketing nicht weiterkommt. Wie war das? Und täglich grüßt der Fachkräftemangel? Also, um mal wieder aus einem meiner derzeitigen Lieblingsbücher zu zitieren:

„Just do it. Machen Sie einfach mal, experimentieren Sie und versuchen Sie sich als Musterbrecher. Neue Wege zu beschreiten macht Spaß.“

Natürlich ist es ein Risiko, etwas zu tun. Langfristig ist es aber ein viel größeres Risiko, etwas nicht zu tun – auch wenn einem dabei mal eine steife Brise ins Gesicht weht.

In diesem Sinne, Respekt an die Feuerwehr Dormagen, Sabine Voss und den Bürgermeister, der diese Aktion mitgetragen hat. Ihnen ein schönes Wochenende!

 

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