Hau bloß ab! Wir brauchen dich hier nicht. Oder: So wird das nix mit dem Bewerber…

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 9 Minuten.

Heute morgen schrieb ich ja einen meiner kürzesten Blogartikel überhaupt (kürzer war nur „Was Arbeitgeber von Peer Steinbrück für Ihren Internetauftritt lernen können„). Naja, eigentlich zitierte ich nur und klaubte Links zusammen. Und trotzdem hatte der Artikel einige hundert Zugriffe. Ja, primitive Titel sprechen den Menschen eben doch am meisten an. Das beweist ja auch gerade EDEKA mit seinem „Supergeil-Clip“, der neueste „Clou“ aus den koksvernebelten Hirnen der JungvonMatten. Im Übrigen ist der Track im Original von Der Tourist und bereits ein Jahr alt. Aber wo wir gerade bei supergeil sind: Mir sind gerade zwei supergeile Aspiranten für die Goldene Runkelrübe nahe gebracht worden. So wird das nix mit dem Bewerber! Aber schauen wir uns das doch mal im Detail an…

Im ersten Fall sehen wir ein wunderbares Beispiel für Social Recruiting (zumindest wenn es nach der Auffassung so mancher Personalmarketiere geht – also was jetzt das Begriffsverständnis von „Social“ angeht). Hier zeigt einmal mehr ein mittelständischer Betrieb, dass er die Klaviatur der Kandidatenansprache perfekt beherrscht und Bewerber zu begeistern weiß – mit einer Facebook-Ad:

Gesucht wird IT- tech. -Assistent Administrator Windows basierten Systemen Info Bewerb.

„Gesucht wird IT- tech. -Assistent Administrator Windows basierten Systemen Info Bewerb.“ steht da. Ein Stockfoto gaukelt super Stimmung am Strand vor. Schon mal ein schöner Gegensatz von Bildmotiv zu Anzeigeninhalt. Aber meine Neugierde ist natürlich geweckt. Schon alleine die Überschrift „IT-technischer Assistent?“ gefällt gut. Der „IT-tech.-Assistent Administrator Windows basierten Systemen Info Bewerb.“ noch besser. „Windows basierten Systemen Info Bewerb.“? Ägypten? Das macht neugierig, da will man mehr und einmal mehr zeigt dieses Beispiel, dass Social Media Recruiting funktioniert. Ergo: der neugierige Benutzer klickt (apropos Ergo: dazu weiter unten gleich mehr ;-)).

Und gelangt auf eine Website von… ja, von wem eigentlich? Von der Stadt Berlin? Oder was soll uns das Bild des Brandenburger Tors suggerieren?

IT-technischer-Assistent_Administrator gesucht - Quelle ImVerbund

Ein Unternehmensname? Fehlanzeige. Informationen zum Unternehmen? Fehlanzeige. Informationen zum Arbeitgeber? Ich bitte Sie! Sie klicken sich also durch die Website, die sich als Art Branchenportal entpuppt, um weitergehende Informationen zum Arbeitgeber zu erhalten. Und dann wollen Sie zurück zum Stellenangebot, weil: Sie wollen sich natürlich bewerben. Schließlich sind Sie DER IT-technische-Assistent bzw. der Administrator. Was nun eigentlich? Und was ist eigentlich ein „IT-technischer-Assistent“? Das Berufsbild gibt es sogar: „Der Bildungsgang Informationstechnischer Assistent/Informationstechnische Assistentin (ITA) ist eine länderspezifisch geregelte schulische Vollzeitausbildung an einem Berufskolleg. Er orientiert sich an dem breiten Spektrum der angewandten Informationstechnik.“ Aha. Soweit, so gut. Also zurück zum Stellenangebot. Leichter gesagt, als getan. Denn: Sie finden es nicht. Nicht über Jobs, nicht über Karriere, nicht über Stellenangebote (es gibt nämlich nicht einen dieser Menüpunkte). Nicht mal irgendwo unter einem anderen Menüpunkt versteckt. Weg. Shit. Ich bin’s auch. Aber halt, ich will den Job! Ich gehe also über Los und nicht ins Gefängnis über den Back-Button und irgendwann stoße ich dann auch wieder auf dieses Stellenangebot.

Und reibe mir zum wiederholten Male die entzündeten Augen: Welcher Troll hat denn diese Anzeige verfasst? Klar, nicht jeder ist ein Rechtschreib-Profi und in Zeiten von Facebook und Whatsapp (demnächst „Whatsbook“ oder „Faceapp“, so richtig einig sind sich Herr Zuckerhut und seine Schergen noch nicht) werden kleinundgroßschreibung und Rächtschreibung sowiso überbew. Dennoch. Auch wenn nicht erkennbar ist, wer eigentlich hinter dieser Stellenanzeige steckt, so sollte man darauf achten, seine Reputation nicht durch mit Fehlern gespickte Stellenbeschreibungen bzw. Website-Texte aufs Spiel zu setzen. Ich meine ja nur… Aber lesen Sie selbst:

IT-technischer-Assistent/Administrator gesucht

Sie suchen einen Job in der IT ? Dann bewerben Sie sich doch bei uns! (ja klar, mache ich. Aber warum?) Unsere engagierten IT-Mitarbeiter und IT-Mitarbeiterinnen sorgen dafür, dass unsere Standort Limburg kontinuierlich betrieben und weiterentwickelt wird. Am Standort Limburg wollen wir uns verstärken, um unsere nationale Netzwerk-Infrastruktur professionell weiterzuentwickeln (toll, den kontinuierlich betriebenen und weiterentwickelten Standort Limburg professionell weiterentwickeln – das wollte ich schon immer. Moment- wieso Limburg? Das ist doch Berlin, das sehe ich sofort! Da ist ja sogar eine Berliner Postleitzahl voreingestellt. Muss ein Irrtum sein mit Limburg!)

Stellenbeschreibung:

IT- technischer Assistent / Administrator Anforderung: * Administration und Installation von windowsbasierten Systemen (Clint / Server) wünschenswert wären auch Kenntnisse auf linuxbasierten Systemen / jedoch nicht zwingend erforderlich (naja eben nur wünschenswert. Aber wenn doch vorhanden- ja das wäre watt schön…) * Systemverwaltung und Betrieb zentraler Serverinfrastrukturen (physikalisch und virtuell) * Betreuung von Anwedern im Umgang mit Client-Systemen (Windows) * Netzwerk-Kenntnisse (Router, Verkabelung, etc.) * Gute Kenntnisse in MS Office Anwendungen (auch MS Access Datenbanken) (MS Office-Kenntnisse hat ja nun wirklich nicht jeder. Gut, dass das da noch mal steht. Würde Access nicht reichen? Ich mein ja nur…) * Internet Kenntnisse (html, php) wünschenswert (wünschenswert, immer wieder wünschenswert – was ich mir wünschen würde: eine übersichtlichere Darstellung. Z. B. mit Spiegelstrichen. Aber warum soll man Bewerbern den Zugang zu Informationen auch erleichtern. Warum Wertschätzung ausdrücken? Das ist doch was für Weicheier! Der Sprung ins kalte Wasser zeigt gleich, wo der Hammer hängt!)

Das bieten wir Ihnen:

Ein wachsendes Unternehmen mit langfristiger Perspektive (super, um welches Unternehmen handelt es sich denn nun? Was genau sind die Perspektiven?)

Unser kollegiales Umfeld und flache Hierarchien vereinfachen Ihnen den Einstieg und helfen Ihnen, sich schnell zurechtzufinden (dieses kollegiale Umfeld – spiegelt sich das in dem Motiv der Facebook-Ad wider?)

Sie arbeiten in einer modernen, dynamischen Umgebung mit sehr guten Entwicklungsmöglichkeiten (was heißt „dynamische Umgebung“? Heißt das, dass die Fluktuation so hoch ist und meine Kollegen alle Nase lang wechseln? Das erklärt dann auch die sehr guten Entwicklungsmöglichkeiten: vom IT-technischen-Assistent zum IT-technischen-Oberguru!)

Umfangreiche betriebliche Sozialleistungen runden unser Angebot an Sie ab (die da wären?)

Konnten wir Sie begeistern? (Ganz ehrlich? Nein!)

Vorabinfo: Kontaktformular http://www.imverbund.de/kontakt.html (Warum zur Hölle soll ich für eine Vorabinfo auf die Seite gehen? Finde ich da Vorabinfos? Nee, oder?)

Dann freuen wir uns über Ihre aussagefähige Bewerbung und des möglichen Eintrittstermins per E-Mail an: info@bdvgmbh.de z. H. Herrn Melzer (Boah, Leute! Mal ganz ehrlich, ich hätte mich ja beworben. Wenn ich denn wüsste, wer ihr seid. Und wenn eure Stellenbeschreibung nicht vor reichlich Rechtschreibfehlern strotzen würde. Ah, hoppla, da in der E-Mail-Adresse steht ja der Unternehmensname: „BDV GmbH“. Gleich mal schauen, wer mein zukünftiger Arbeitgeber ist

Not Found...

DAS glaube ich jetzt nicht!)

Auf der Website finden Sie dann übrigens doch noch Informationen zum Unternehmen. „Die Seite ImVerbund.de ist eine moderne Plattform zur Stärkung von Unternehmen, sie dient dem Austausch von Informationen sowie der Herstellung neuer Kontakte. Imverbund.de steht für effektives und kundenorientiertes Marketing im Internet.“ Guckst du. Und: „Vor allem durch die Aktivwerbung über soziale Netzwerke ( z.B. Facebook, Google, wer kennt wen) haben wir schon jetzt einen hohen Bekanntheitsgrad und wachsen stetig weiter. Auch bei diesem Kundenstamm wollen wir unsere Kunden als eine ansässige Firma bekannt machen bzw. weiter empfehlen. Über aktive Anzeigen ihres Unternehmens in den genannten Netzwerken machen wir sie bei unseren Kontakten bekannt und sorgen dafür, dass sie ständig im Kopf der Leute über top-aktuelle Medien bleiben.“

Noch Fragen? Dass die Stellenanzeige abgesehen davon, dass Sie zum Davonlaufen ist, auch nicht AGG-konform getextet wurde, behalte ich jetzt mal für mich. So viel zum ersten Beispiel in Sachen „selbstverschuldeter Fachkräftemangel„.

Für eine optimale Darstellung wählen Sie den IE8

Das nächste Beispiel zeigt einen alten Bekannten. Erinnern Sie sich noch an den „Referent Reservierung Spezial„? Da suchten die ERGO Versicherungen seinerzeit einen Aktuar. Wusste nur keiner aus der Zielgruppe, weil das Stellenangebot nicht nur wegen des unglücklich gewählten Titels, sondern auch wegen des (Stock-)Bildmotivs eher wie eine Stellenanzeige für ein Hotel daher kam und darüber hinaus komplett falsch kategorisiert war. Was dazu führte, dass die Stellenanzeige bei Monster nicht zu finden war. Aber auch hier wird wieder alles vollkommen überbewertet, ich weiß.

Dieses Mal geht es nicht um eine Stellenanzeige, dieses Mal geht es um eine ganze Karriere-Website. Gut, ich will ehrlich sein und die ERGO nicht in den Schmutz ziehen, wir müssen schon differenzieren: Es geht um die Karriere-Website der ERGO Direkt. So viel Zeit muss sein. Versuchen Sie einmal, mit den gängigsten Browsern (Firefox, Google Chrome) das Stellenportal zu öffnen. Na?

Ergo Direkt - leider nur was für IE-Nutzer

Wird schwierig, gell? Aber bevor sich etwaige Bewerber jetzt beschweren – da steht’s doch schwarz auf weiß: „Für eine optimale Darstellung wählen Sie den IE8.“ Ja, der IE 8 war mal die meist eingesetzte Browserversion. Aber das war 2010! Wir schreiben – lassen Sie mich kurz nachschauen – das Jahr 2014!

Das hieße jetzt mal ganz auf die Spitze getrieben: Ein Besucher der Website, der sich mit dem Gedanken tragen WÜRDE, sich bei ERGO Direkt zu bewerben, MÜSSTE erst einmal den Internet Explorer installieren. Ja, hier kommt die gute Nachricht: Es muss nicht zwingend der IE8 sein, die aktuelle Version tut’s auch.

Müsste. Ob er es macht? Was glauben Sie? Und was glauben Sie, wie viele Bewerber ERGO Direkt durch eine solche zum Himmel schreiende Dummheit verprellt hat? Möglicherweise kann die oder der Personalmarketing-Verantwortliche gar nichts dafür. Wahrscheinlich sogar, dass man zu kniepig ist und nicht mal ein paar Peanuts investieren möchte, das Bewerberportal auf Vordermann zu bringen. Unfuckingfassbar, wenn Sie mich fragen. Oder was meinen Sie?

Aber leider ist dies ohnehin kein Einzelfall. Auch Beiersdorf war es egal, dass ihnen reihenweise Bewerber durch die Lappen gingen. Bereits 2011 schrieb Grandfather Kenk in seinem Artikel „Viele Falten und Furchen: Die Karrierewebseite von Beiersdorf“ über das Bewerberportal und bemängelte unter anderem (!) die Tatsache, dass man sich nicht per Google Chrome bewerben kann.

Bewerbungen bei Beiersdorf via Google Chrome nicht möglich

Es hat bis kurz vor die Vergabe der Goldenen Runkelrübe = zwei Jahre (!) gedauert, bis der Missstand beseitigt wurde (tatsächlich war auch die Karriere-Website von Beiersdorf nominiert!). Aber selbstverständlich hatte man bei Beiersdorf ein Einsehen und nun können auch Bewerber mit Google Chrome ihre Bewerbung absetzen. Schade nur um die, die sich in den Jahren zuvor immer bei anderen Kosmetik- und Chemiefirmen beworben haben.

Erschreckend, finden Sie nicht auch? Unternehmen agieren hier frei nach dem Motto:

Hau bloß ab - wir brauchen dich hier nicht!

Oder anders ausgedrückt: Verpiss dich!

Denn genau das ist die Botschaft, die Sie als Arbeitgeber vermitteln. Was bleibt mir zu sagen? Denken Sie mal drüber nach und zeigen Sie dem Fachkräftemangel den Mittelfinger! Sie haben es in der Hand! Und dann, aber auch erst dann dürfen Sie sich auf die Schultern klopfen und sagen: Geil, geiler am geilsten! Oder eben: supergeil!

Übrigens: Kommen Sie mir jetzt bloß nicht auf die Idee, das als Recruiting-Video zu verwursten!!

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