Reißen Sie die Mauern ein! Von Arbeitgebermarketing, Singlebörsen und Partnersuche

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 19 Minuten.

Ich könnte heute mal wieder zu etwas Aktuellem Stellung beziehen. Etwa zum Relaunch von kununu. Oder zum Skandal umwitterten Focus Arbeitgebersiegel. Aber das hat mein Bloggerkollege persoblogger aka Stefan Scheller schon getan. Ich werde heute vielmehr ein Thema an Sie herantragen, dass in der Vergangenheit aktuell war und in den nächsten Jahren aktueller denn je sein wird. Es geht um Arbeitgebermarketing. Und um Partnersuche und Singlebörsen. Das alles hat nämlich eine ganze Menge miteinander gemeinsam. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie weiter…

Ich weiß gar nicht so genau, was der Auslöser für meine Gedanken war, der mir heute morgen beim Laufen kam. Ein Teil beruht auf jeden Fall auf der Lektüre DER Buchempfehlung des Jahres – Mythos Fachkräftemangel – müssen Sie unbedingt lesen! Martin Gaedt von Younect – aka Mr. Mythos – hat dort nieder geschrieben, was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schief läuft. Und das ist eine ganze Menge, glauben Sie mir. Das Buch sollte Pflichtlektüre für jeden Personaler, Unternehmenschef und Politiker sein. Wie ich auf die Geschichte mit der Partnersuche kam, weiß ich auch nicht mehr. Schließlich bin ich glücklich verheiratet. Und das mit der besten Ehefrau von allen. Aber wie ich sie kennen gelernt habe, das wird interessant. Dazu aber später.

Zunächst einmal zurück zum Buch. Hier schreibt Martin von dem Problem der Unternehmen, die keiner kennt.

„Jedes Unternehmen ist hinter stabilen Mauern versteckt, damit Wind und Wetter draußen bleiben. Aber diese Fassaden, Mauern, Büro- und Fabrikgebäude haben ungewollt auch eine andere Wirkung: Sie machen Unternehmen unsichtbar mit allem, was sie Tolles leisten. Versteckt für die Nachbarschaft sowie für 80,5 Millionen Deutsche.“

Und damit auch für Bewerber. Kein Mensch kann ahnen, was Firmen hinter Mauern treiben. Welche Jobs sie bieten. Was sie an Leistungen für ihre Mitarbeiter bieten. Welche Produkte sie herstellen. Denn: „Wir können nur wahrnehmen, was mit unseren Sinnen wahrnehmbar ist.“ Können wir das Arbeitsklima hinter den geschlossenen Mauern wahrnehmen? Wissen die Bewerber, wie die Mitarbeiter im Unternehmen ticken? Eher nicht. Die Geschäftsführer, Mitarbeiter und Personalverantwortlichen im Unternehmen, ja, die erleben ihren Arbeitsplatz intensiver als jeder andere. Dass dieser dann für fast 100 Prozent der Bevölkerung unsichtbar ist, klingt für die Beteiligten absurd. Und sie wundern sich dann, dass sie enorme Schwierigkeiten haben, Fachkräfte zu finden. Soweit Martin Gaedt.

Von Partnersuche und Singlebörsen

Was also ist zu tun, damit sich das ändert? Na, man muss grob übertragen das tun, was man tut, wenn man aus dem Singledasein ausbrechen möchte. Man muss sich dem Markt da draußen präsentieren. Kann man das, wenn man sich hinter Mauern verschanzt? Nein. Man muss unter Leute gehen. Man muss sich zeigen. Natürlich natürlich und unverfälscht. Aber von seiner besten Seite. Möglichkeiten, den Partner fürs Leben zu finden sind:

  • Sportverein oder Fitness-Studio: Da kann man dann auch gleich testen, was der Partner sportlich so drauf hat und wie er gebaut ist (ausgenommen sind hier vielleicht der Schach-oder auch Skatclub. Auch Kegeln und Eisstockschießen eignen sich vielleicht nicht so gut – das bezieht sich auf den Körperbau, nicht auf die Chance, den Partner fürs Leben zu finden. Wobei – hier fehlt mir jetzt die Erfahrung – wie ist das so in Schach- und Skatclubs mit der geschlechtlichen Ausgewogenheit. Hat da jemand Erfahrungen? Kann man in solchen Vereinen den Partner fürs Leben finden? Und bevor hier eine Homophobie-Debatte entbrennt: natürlich gilt das auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften)).
  • Veranstaltungen (Konzerte, Theater…): Auch eine hervorragende Möglichkeit, seinen zukünftigen Partner kennen zu lernen. Dabei gibt es hier durchaus auch Chancen für Kulturbanausen. Möglicherweise sind sie beide total gelangweilt von einer Theatervorstellung oder einem Kinofilm und Amors Pfeil trifft Sie dann an der Theaterbar. Wer weiß.
  • Supermarkt: Das kann durchaus auch der Supermarkt sein. Geheimtipp: Fahren Sie dem Objekt Ihrer Begierde einfach mit dem Einkaufswagen in die Hacken und schenken Sie dem/der Angebeteten ein entschuldigendes Lächeln. Das kommt an. Oder vertauschen Sie „aus Versehen“ die Einkäufe.
  • Arbeitsplatz: Auch der Arbeitsplatz wird gerne zum Anbändeln genutzt. Dabei sollte allerdings gelten: Never fuck the Company. Zumindest nicht, wenn es nicht ernst gemeint ist. Alles andere könnte Probleme in der Belegschaft geben. Andererseits kenne ich diverse Pärchen, die sich im Job kennen gelernt haben. Und die sind da ganz offenbar nicht allein…partnerboerse-arbeitsplatz
  • Kontaktanzeige: Die gute alte Kontaktanzeige. Kennen wahrscheinlich nur noch die älteren Semester unter meinen Lesern. Aber dazu zähle ich ja auch. Ich weiß noch, die Kontaktanzeigen zählten damals immer zu meiner bevorzugten Lektüre. Sie müssen wissen, ich bin sehr schüchtern, die Nummern im Supermarkt oder im Theater würden bei mir nicht funktionieren. Da schon eher eine anonyme Kontaktanzeige. Lesen natürlich nur. Niemals selber aufgeben. Nachteil: Die wenigen Zeilen, die man dort zur Verfügung hat, reichen kaum aus, den/die potenziell Anzubetende zu beschreiben. Sinnvolle Messages mit wenigen Zeichen zu verbreiten ist also nicht erst seit Twitter ein Problem, das war es damals auch schon. Da fällt mir in dem Zusammenhang ein: Wie wäre es eigentlich mal mit einer Kontaktmesse auf Twitter? Über den Hashtag #hastebock würden dann Partnersuchende Rede und Antwort stehen. In einem festen Zeitfenster natürlich. Das wäre mal was…
  • Singlepartys: Auf so eine Singleparty gehen meist die, die es wirklich nötig haben, also die, die einander suchen. Gut, schwierig ist das nicht. Je nach Party bekommt man da so Bapperl, wo dann unschwer zu erkennen ist, hey ich bin Single, du auch? Der Besuch lohnt auf jeden Fall, man(n) kann (Frau natürlich auch) auf jeden Fall seinen Spaß haben. Und sei es nur, um sich die Bemühungen der anderen anzuschauen. Wobei wir so etwas natürlich nicht tun.
  • Facebook & Co.: Mittlerweile hat Facebook vielen Singlebörsen den Rang abgelaufen. Oder sollte ich sagen: Facebook ist eine reine Singlebörse? Ich für meinen Teil kann auf jeden Fall sagen, dass ich ohne Facebook meine Frau nicht kennen gelernt hätte. Für irgend etwas war dieser Zeitfresser also doch mal gut.
  • Singlebörsen: Und klar, wo wir gerade dabei sind: Parship, eDarling und Friendscout sind natürlich auch tolle Möglichkeiten, den Partner fürs Leben kennen zu lernen.

Eins gilt aber im Grunde für alle der genannten Wege: Je mehr Infos Sie über sich preis geben, umso besser kann man sich Ihr potenzieller Partner ein Bild von Ihnen machen und entscheiden, passen er und Sie zusammen oder eben nicht. Reicht es wenigstens für einen One-Night-Stand oder sogar für eine lange Beziehung, gar das Eheleben? Hier gilt es also, die oben genannten Mauern niederzureißen und transparent zu zeigen, wofür man steht – und das mit Ecken und Kanten. Dann stehen die Chancen für eine erfüllte Beziehung nicht schlecht. Aber vermeiden Sie um Gottes Willen blöde Anmachsprüche, das kann zu unangenehmen Situationen führen:

Von Bewerbersuche und Jobbörsen

Nun werden Sie vielleicht fragen, was das denn bitteschön mit Arbeitgebermarketing zu tun hat. Eine ganze Menge kann ich Ihnen sagen. Und das fiel mir eben heute morgen beim Laufen wie Schuppen aus den Haaren. Auch Sie als Arbeitgeber müssen sich auf „Partnersuche“ begeben. Und zwar – Achtung! – proaktiv. Denn nicht Sie müssen warten, bis man Sie anspricht (warum sollte man? Ich kann mich noch an meinen Tanzkurs erinnern, das ist nun nahezu 30 Jahre her, ich war schüchtern und verklemmt und hätte niemals ein Mädel angesprochen. Umgekehrt hatten die keinen Grund mich anzuquatschen – ich lief rum wie ein Horst. Und da half es auch nicht wirklich, dass ich angefangen hatte zu rauchen. Naja, es war eher ein Paffen, aber ich dachte,  hey du bist cool (Räusper), die Mädels werden dich ansprechen und zack! geht da was. Ja, in der Tat, sie sprachen mich an. Wegen der Zigarette. Aber ich war zu dumm, mehr draus zu machen und nun schauen Sie sich an, was aus mir geworden ist), vielmehr müssen Sie auf sich aufmerksam machen und „proaktiv“ auf die Bewerber zugehen. Dabei meine ich jetzt nicht das gerade sehr populäre und für meinen Geschmack zu sehr gehypte Active Sourcing in virtuellen sozialen Netzwerken, da hätten wir dann diverse Zwischenschritte ausgelassen, damit meine ich, dass Sie an allen erdenklichen Punkten Flagge zeigen müssen. Woher soll ein Bewerber sonst wissen, dass es Sie gibt und wer Sie sind – wenn Sie nicht gerade BMW, Lufthansa oder Tchibo heißen.

Dabei gibt es im Übrigen diverse Schnittmengen zur Partnersuche, sprich viele ähnliche Plattformen oder Orte, auf denen Sie sich tummeln können.

  • Sportverein oder Fitness-Studio: Je nachdem, wen Sie so suchen – nehmen wir mal an Azubis – so kann es durchaus lohnen, hier Flagge zu zeigen. Bspw. durch Sponsoring. Oder durch Bandenwerbung.
  • Veranstaltungen (Konzerte, Theater…): Im Grunde gilt hier das oben Gesagte. Wer bitteschön sagt denn eigentlich, dass Werbung im Kino nicht auch für Arbeitgeber funktioniert. Ein (wirklich gut gemachtes) Beispiel gefällig? Bitte sehr:
  • Supermarkt: Gut, zugegeben, der Supermarkt ist jetzt vielleicht nicht sooo geeignet. Es sei denn, Sie suchen für Ihren Supermarkt selbst. Das kann funktionieren. Muss aber nicht.
  • Arbeitsplatz: Wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so einleuchtend. Aber nur auf den ersten Blick. Letztendlich schaffen Sie es mit einem guten Betriebsklima, dem richtigen Führungsstil, erfüllenden Jobs und dem ein oder anderen Benefit, Ihre Mitarbeiter bei Laune zu halten. Bzw., dass diese nicht in eine innere Kündigungshaltung verfallen (das ist allerdings auch nur bei wenigen Arbeitnehmern wirklich der Fall). Mit diesem „internen Personalmarketing“ gelingt es Ihnen nicht nur, die Mitarbeiter zu halten, nein, es führt auch dazu, dass Ihre Mitarbeiter nach draußen (!) kommunizieren, was für ein toller Arbeitgeber Sie doch sind. Und das ist dann Ihre Chance: Mitarbeiterempfehlungsprogramme sind so mit das effizienteste Recruitingtool überhaupt.Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme als RecruitingkanalDa stimmt nicht nur die Qualität, da stimmt auch das „Preis-/Leistungsverhältnis“.
  • KontaktStellenanzeige: Die gute alte KontaktStellenanzeige. Auch die bietet gute Chancen, sich als Arbeitgeber zu positionieren. Das funktioniert natürlich nicht beim Dreizeiler aus dem Kleinanzeigenteil, aber selbst bei großformatigen Stellenanzeigen nutzen nur wenig Unternehmen diese Chancen, wie eindrucksvoll die Nominierungen für die Goldene Runkelrübe 2013 bewiesen. Und ich hab’s im Urin, das wird 2014 nicht wirklich besser. Gaaaanz frische Kostprobe gefällig? Kein Problem!Burger King TraineeprogramMit Stockmaterial machen Sie sich kaum als Arbeitgeber erlebbar, ob Sie es glauben oder nicht. Da muss schon mehr passieren.
  • Facebook & Co.: Dass Facebook von vielen unseriösen Social-Media-„Beratern“ auch als unbedingtes Muss für Arbeitgeber angepriesen wurde, ist kein Geheimnis. Dass Nutzen und Aufwand in keinem Verhältnis zueinander stehen, auch nicht. Ich will nicht sagen, dass Facebook für Arbeitgeber per se eine Totgeburt ist. Die Deutsche Flugsicherung beweist eindrucksvoll das Gegenteil. Letztendlich hängt das aber auch immer mit den Menschen zusammen, die hinter solchen Präsenzen stehen. Wer keine Leidenschaft, kein Herzblut, keine Empathie und keine Ressourcen mitbringt (wie die meisten), sollte allerdings die Finger davon lassen.
  • SingleJobbörsen: Was die wenigsten da draußen wissen: Es gibt nicht nur Monster, Stepstone und die Stellenbörse der Arbeitsagentur (das sind die drei, die ich in Seminaren immer zuerst und zumeist auch als einzige Jobbörsen genannt bekomme). Die Plattform „Jobbörsenfinder“ des Anzeigendienstleisters 1000jobboersen.de zählt derzeit ganze 1.583 Jobbörsen mehr als die drei. In Worten: Eintausendfünfhundertdreiundachtzig. Merken Sie was? Schalten Sie also nicht in den Jobbörsen, die Sie kennen (oder bei denen Sie der aufdringlichste Vertriebler Ihnen irgendwelche Pakete aufschwätzt), sondern in denen sich die Zielgruppe tummelt. Suchen Sie bspw. einen „Content Manager“, nutzen Sie die Plattform Content Marketing Manager. Nutzen Sie Jobbörsen, die Ihnen umfangreiche Kooperationspartner und damit eine signifikant höhere Reichweite bieten, wie bspw. Jobware. Auch hier im Blog werden die Stellenangebote von Jobware gespiegelt. Klar, hier tummelt sich ja auch die Zielgruppe. Und wenn Sie nicht wissen, welches die richtige Jobbörse ist, dann lassen Sie sich entweder von professionellen Personalmarketing-Agenturen beraten (1000jobboersen, Königsteiner, Mediaintown, um nur einige zu nennen) oder nutzen Sie das Tool von Grandmaster Kenk.

Kommen wir nun noch zu einigen Tummelplätzen, bei denen Sie als Arbeitgeber definitiv nicht fehlen sollten, die aber für Singles eher ungeeignet sind (kommt natürlich immer drauf an :-)):

  • Schulen: Wenn es darum geht, Azubis zu rekrutieren, geht eigentlich kein Weg daran, den direkten Kontakt zur Zielgruppe zu suchen. Stichwort „proaktiv“. Gehen Sie in Schulen, suchen Sie den Schulterschluss und präsentieren Sie sich dort im direkten Dialog Ihren Zielgruppen. Hier können Sie gleich drei Fliegen mit einer Klappe schlagen. 1. Sie erreichen die Schüler selbst, 2. die Eltern und 3. die Lehrer, die letzten beiden sehr wichtige Multiplikatoren, die oftmals unter den Tisch fallen. Denn nach wie vor sind es die Eltern, die einen großen Einfluss auf die Berufswahl haben. Hier können Sie bspw. Elternabende oder Berufsinformationsabende nutzen.
    Was die Schüler angeht: Selbst wenn Sie ein cooler und hipper Ausbilder sind – der beste Beweis dafür, dass Sie ein toller Ausbildungsbetrieb sind, sind ihre Azubis selbst. Also nehmen Sie diese mit und lassen sie diese auf Tuchfühlung mit den Azubis von morgen gehen!
    Natürlich können Sie als Arbeitgeber auch Flagge zeigen, in dem Sie als Sponsor auftreten – sei es bspw. in Form von Labor- oder IT-Ausstattung oder Ähnlichem. Lassen Sie sich was einfallen, suchen Sie den Schulterschluss!
  • Hochschulen/Universitäten: Im Grunde gilt hier mehr oder weniger das Gleiche wie oben. Suchen Sie die Kooperation mit Hochschulen. Wie so oft gilt auch hier: Weniger ist mehr. Suchen Sie sich einige wenige Partnerhochschulen, intensivieren Sie den Kontakt in persönlichen Gesprächen (damit meine ich zum einen den Austausch mit den Ansprechpartnern an den Hochschulen selbst als auch natürlich mit den Studierenden) und unterstützen Sie diese mit entsprechenden Mitteln. Und diese gehen weit über eine Stellenanzeige am schwarzen Brett oder meinetwegen auch am Internetportal der Hochschule hinaus.
  • Jobmessen: Ähnlich wie die Singlepartys. Hier treffen Gleichgesinnte auf Gleichgesinnte. Die einen wollen Mitarbeiter, die anderen einen Job. Auch hier gilt: Präsentieren Sie sich authentisch. Zeigen Sie sich nach außen, wie Sie als Arbeitgeber wirklich ticken. Und bringen Sie die mit, die den gesuchten Zielgruppen entsprechen. Will sagen, lassen Sie nicht nur die Personaler auf die Bewerber los, sondern die Zielgruppe auf die Zielgruppe. Denn das ist – apropos „Ziel“ – wesentlich zielführender. Und apropos zielführend. Vergessen Sie Jobmessen auf Twitter. Die sind letzteres nämlich nicht.
  • Exkursionen/Tage der offenen Tür/Nächte der Ausbildung: Laden Sie darüber hinaus die Interessenten in Ihr Unternehmen ein, so dass man direkt vor Ort spannende Einblicke gewinnen kann. Und auch hier: ermöglichen Sie den Dialog zwischen Interessenten und Mitarbeitern. Kurz: „Reißen“ Sie die „Mauern“ ein, die Ihr Unternehmen umgeben.
  • Presse: Natürlich sollten Sie solche Ereignisse in der lokalen oder regionalen Presse kommunizieren. Berichten Sie dort auch über Jahrgangsbeste in der Ausbildung, neue Personalentwicklungskonzepte, den neuen Werkskindergarten etc. pp. Entscheidend dabei ist auch hier, einen langfristigen, persönlichen Kontakt zu Pressevertretern aufzubauen.
  • Website: Auch wenn man es sich kaum vorstellen kann, so gibt es immer noch Unternehmen ohne jegliche Webpräsenz. Wir schreiben das Jahr 2014 und immer noch ist das Internet für viele Neuland. Aber nur, weil ein Unternehmen eine Website hat, heißt das leider noch lange nicht, dass man dort auch Informationen zum Arbeitgeber findet. Ein Beispiel gefällig? Ich habe es wirklich ganz zufällig ausgewählt, hier könnte auch ein anderes x-beliebiges Unternehmen gezeigt werden, denn das, was Sie hier sehen, ist gängiger Standard. Leider.Website eines mittelständischen UnternehmensSehen Sie irgendwo einen Link, der zu Informationen über den Arbeitgeber führt? Lassen Sie uns gemeinsam schauen: NZR, Dienstleistungen, Produkte, Referenzen, Downloads, Aktuelles, Kontakt, Support & FAQ lesen wir. Und im Footer: Sitemap, Impressum, Einkaufsbedingungen, Lieferbedingungen, Datenschutz, AGB, Seite drucken. In der Metanavigation gibt’s immerhin Links zu Facebook (!), Xing, Twitter (!!), Flickr, Google+ (!!!!). Karriere? Fehlanzeige. Bei genauerem Hinsehen finden Sie den dann innerhalb des Menüpunktes NZR. Wenn Sie nun erwarten, dass dort Informationen zum Arbeitgeber zu finden sind, so muss ich Sie – leider – enttäuschen. Lediglich Stellenanzeigen in Form von PDF sind da zu finden. Hier Informationen zum Arbeitgeber? Fehlanzeige. Abgesehen davon ist das PDF offenbar als Bild abgespeichert worden, die Datei trägt nur einen kryptischen Namen mit null Hinweisen auf den Stellentitel. Eine „tote“ Stellenanzeige also. Tot insofern, da Google nicht mal den Hauch einer Information diesem Dokument entnehmen kann. D. h. diese Stellenanzeige ist für nichts und niemanden auffindbar.

Wie ich schon sagte, ist dies kein Einzelfall. Es ist gängiger Standard. Standard, den sich Arbeitgeber erlauben dürfen? Nein, nein und nochmals nein. Bevor ich nun ein weiteres Beispiel bringe, möchte ich noch einmal auf das Buch „Mythos Fachkräftemangel“ von Martin Gaedt zurück kommen. Fast scheint es mir, als hätte ich es geschrieben, denn was er da beschreibt ist vieles von dem, was ich hier im Blog nun schon seit nahezu vier Jahren predige. Aber er hat diese Informationen um viele Infos mehr verdichtet und stellt die Zusammenhänge dar, wie ich es gar nicht könnte. Genug geschwafelt, zurück zum Inhalt. Martin schildert sehr plastisch das Beispiel eines Unternehmens, das der Isabellenhütte. Nie was von gehört? Macht gar nix. Ist zwar ein Weltmarktführer in seinem Bereich mit einer jahrhundertealten Tradition, aber kennen tun es trotzdem die wenigsten. Dumm nur, wenn dies auch bei der Zielgruppe so ist. „Ein Unternehmen von Weltrang, das viele Jobs in der Region bietet und einen so einprägsamen Namen hat, ist trotz räumlicher Nähe und langer Tradition vor Ort ein No-Name.“ Und das, obwohl es sich sogar mit einem Top-Job-Siegel schmücken darf und damit einer der besten Arbeitgeber Deutschlands ist (Hüstel). Denn, so schreibt Martin, „nützt nur nichts, solange weder Absolventen noch ihre ortskundigen Dozenten die Isabellenhütte wahrnehmen. Wenn zukünftige Mitarbeiter den attraktiven Arbeitgeber gar nicht kennen, kann das Unternehmen auch nicht in die engere Wahl der Bewerber kommen.“ Punkt. Was soll man da noch zu sagen?

Vielleicht schafft ein Blick auf die Website ja Klarheit…

Auch hier wieder das gleiche Bild. Einen Link mit der Bezeichnung „Karriere“ findet man in der Hauptnavigation vergeblich. Ich will nicht sagen, dass er nicht da ist. Im Verhältnis zum ersten Beispiel ist er sogar omnipräsent. Leider führt ein Klick auf „Karriere“ nicht unmittelbar auf die Karriereseite. Doof. Aber immerhin werden sogar aktuell zu besetzende Jobs in einer Art Newsticker gezeigt. An sich gar nicht sooo dumm, dumm nur, dass die wirklich im Newsticker und das unter der Überschrift „News“ angezeigt werden. Auch in diesem Beispiel muss ich mich über die Unternehmens-Navigation auf die Karriereseite entlang hangeln. Und was finde ich dann? Außer einer meiner Lieblingsworthülsen „Denn jedes Unternehmen ist nur so gut wie seine Mitarbeiter“ nicht wirklich viel. Das setzt sich auch auf den Unterseiten fort. Schauen Sie sich selbst einmal um. Auch das schönste Arbeitgebersiegel nützt nichts, wenn man sich in Schweigen hüllt, warum man denn nun der Top-Arbeitgeber schlechthin geworden ist. Nun gut, immerhin können  Sie die Urkunde herunterladen. Das ist doch mal was!

Arbeiten bei der Isabellenhütte - Infos gleich null

Ach ja, apropos Mitarbeiter im Mittelpunkt und so: Suchen Sie mal welche auf der Karriere-Website. Viel Spaß!

Reißen Sie die Mauern ein!

Was lehrt uns das also? Verfügen Sie über eine Internetpräsenz, so veröffentlichen Sie nicht nur Ihre Stellenangebote (diese idealerweise pro Stelle als HTML-Seite; wenn’s denn gar nicht anders geht auch als PDF, aber so, dass sie für Google indizierbar sind), sondern informieren Sie über sich als Arbeitgeber. Lassen Sie Worthülsen zuhause, illustrieren Sie Ihr Unternehmen zielgruppengerecht (Schüler benötigen eine andere Ansprache und Inhaltstiefe als Berufserfahrene et vice versa) mit authentischen (Bewegt-)bildern und geben Sie sämtlichen Bilddatenbanken dieser Welt einen Korb. Bedenken Sie, dass „die Mauern, die unsichtbar machen, zunächst bei allen gleich hoch sind.“ Reißen Sie sie also ein (bildlich gesprochen bitte) und präsentieren Sie sich Ihrer Außenwelt. Transparenz und Authentizität sind die Stichworte. Nicht nur für dieses oder letztes Jahr, sondern immer. Dabei gilt das bereits unter Singlebörsen erwähnte: Je mehr Informationen Sie über sich preis geben, umso besser kann sich ein Bewerber ein Bild von Ihnen als Arbeitgeber machen und für sich entscheiden, ob er und das Unternehmen zusammen passen. Denn, auch das muss scheinbar gesagt werden: Es geht nicht um möglichst viele, es geht um die passenden Bewerber (eins dürfen Sie dabei nicht außer Acht lassen: Manchmal muss das, was nicht passt, eben passend gemacht werden. Also schauen Sie, wo Sie Ihre Anforderungen herunterschrauben können. Oder anders gesagt: Sie brauchen nicht die besten, sondern die geeignetsten).

Eines müssen Sie noch bedenken:

  • SEO: Sie können eine noch so toll gestaltete Website haben, mit noch so tollen Inhalten. Wenn die nicht gefunden wird, war alles für die Katz. Zwar erfreut sich „Cat Content“ einer ungemeinen Beliebtheit, jedoch bringt Sie das in diesem Fall nicht weiter. Sie müssen immer bedenken, dass ein Bewerber nicht nur auf einem Weg auf Ihre Website gelangen kann, sondern auf vielen. Oder anders gesagt: Kennt der Kandidat Sie nicht als Unternehmen, so wird er auch nicht Ihre Website ansteuern. Insofern ist’s dann auch wurscht, wenn Sie den Karriere-Link gut versteckt im womöglich noch aufklappbaren (!) Footer (jüngst wirklich gesehen) verstecken. Also, setzen Sie sich mit dem Thema SEO oder auch CSO (Career Site Optimization) auseinander. Brauchen Sie da Hilfe, fragen Sie mich einfach :-)
  • Bewerbung: Eine Sache noch. Ihnen hilft weder die schönste, beste und sogar mit dem Potentialparkquark-Siegel ausgezeichnete Karriere-Website, wenn der Recruitingprozess zum Weglaufen ist. Ich spreche jetzt gar nicht mal zwingend vom SAP-Recruitingtool. Nein, ich meine die Tatsache, wenn Sie sich auf eine eingehende Bewerbung gar nicht melden. Oder erst nach Wochen. Oder per unpersönlichem Standardschreiben. Dann vergraulen Sie Ihren Bewerber noch auf den letzten Metern. Und das ist dann wieder wie bei der Partnersuche:

Also: Lernen Sie jemanden kennen und meinen das wirklich ernst, dann sollten Sie alles daran tun, das Eisen zu schmieden, so lange es noch heiß ist. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo ich eine Telefonnummer zugesteckt bekam und wenn ich dann voller Hoffnung anrief, die Person entweder verleugnet wurde oder erst gar niemand ans Telefon ging. Oder aber, die andere Variante, man extra ein paar Tage verstreichen ließ, bis man anrief. Man wollte sich begehrlich machen. Tja, das kann schon mal in die Hose gehen.

Insofern, öffnen Sie sich, gehen Sie raus, hübschen Sie sich auf, gehen Sie auf Brautschau, zeigen Sie sich von der besten Seite und bleiben Sie authentisch. Und gehen Sie ans Telefon. Bzw. signalisieren Sie ernstes Interesse und Wertschätzung. Dann klappt’s auch mit dem Bewerber!

Denn eins dürfen Sie nicht vergessen: Der Schaden für die Volkswirtschaft, wenn Jobs nicht besetzt werden, geht ins Unermessliche. Zu schildern, warum das so ist, erspare ich mir an dieser Stelle. Ich habe Ihnen ohnehin schon wieder gut 20. Minuten Ihrer kostbaren Zeit gestohlen. Daher erteile ich Ihnen den uneingeschränkten Lesebefehl für „Mythos Fachkräftemangel„. Es lohnt sich!

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