BKA Wiesbaden – Von Berufsperspektive und Online-Bewerbung mit Medienbrüchen

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 9 Minuten.

Jede Menge Einsendungen haben wir im Rahmen der Nominierung für die Goldene Runkelrübe bekommen. Genau waren es 68, davon 16 alleine für Karriere-Websites. Wenn man mich nach meinen Favoriten fragen würde, so wäre Decathlon an erster Stelle, dicht gefolgt von der Deutschen Bahn. Wobei durchaus auch die „Karriere-Website“ des BKA in Wiesbaden ihren Charme hat. Und das gleich aus mehreren Gründen. Welche das sind, verrate ich Ihnen gerne.

Zunächst einmal aber muss ich dem BKA ein großes Lob aussprechen. Denn während bei vielen Unternehmen der „Karriere“-Bereich auf der Unternehmenshomepage ein echtes Mauerblümchendasein fristet (wie fristet eigentlich ein Mauerblümchen sein Dasein?) und gut versteckt entweder in der Meta- oder aber Footer-Navigation darauf wartet, entdeckt zu werden (oder aber unter Menüpunkten wie „Unternehmen“; „Über uns“, „Aktuelles“ oder „Kontakt“), so ist der Link beim BKA sehr prominent in der Hauptnavigation platziert. Dafür ziehe ich meinen imaginären Hut.

BKA - Beim Bundeskriminalamt heißt Karriere Berufsperspektive

Allerdings setze ich ihn sofort wieder auf, weil eben dieser „Karriere“-Bereich nicht unmittelbar als solcher zu erkennen ist. Dass sich dieser unter „Berufsperspektiven“ verbirgt, ist nämlich nicht zwingend klar. Sie dürfen nie vergessen, dass sich beim Webnutzer im Laufe der Jahre bei der Nutzung von Websites gewisse Erwartungshaltungen aufgebaut haben. Dazu gehört dann unter anderem, dass ein (potenzieller) Bewerber erwartet, Informationen über Jobs & Karriere auch über die Links „Jobs“, „Karriere“ oder „Jobs & Karriere“ aufzufinden. Und nicht über einen so verschwurbelten Begriff wie „Berufsperspektive“. Immerhin – und das muss ich dem BKA wiederum zugutehalten – gibt es dann in der linken Spalte wiederum einen Schnellzugriff zu den Stellenangeboten. Das war’s dann aber auch schon, was man bzw. ich positiv hervorheben kann.

Stopp, ich will nicht unerwähnt lassen, dass das BKA nicht mit seinen Leistungen für Mitarbeiter hinterm Berg hält. So erfahre ich bspw., dass Mitarbeiter im mittleren nichttechnischen Dienst „neben den im öffentlichen Dienst üblichen Leistungen eine steuerpflichtige Zulage in Höhe von 46,02 Euro erhalten.“ Sa-gen-haft. Und Mitarbeiter im gehobenen Dienst bringen sogar jeden Monat 61,36 Euro Zulage im Monat mit nach Hause. Mal ganz ehrlich – wer ist als Arbeitgeber schon so transparent und vor allem: Wer kann bei diesen Benefits schon nein sagen? Natürlich informiert das BKA ausführlich über Einstiegsvoraussetzungen. Vielleicht etwas zu ausführlich. Und zu verwirrend. Auch die Vielzahl von als PDF aufzurufenden Informationen machen es dem Nutzer nicht unbedingt leichter.

Und wenn wir uns nun den Punkt „Berufsperspektive“ etwas genauer anschauen, so finden wir da insbesondere viel Text, aber vor allem eine verwirrende Navigationsstruktur. Bei alleine 15 Menüpunkten in der linken Subnavi hat der Nutzer die Qual der Wahl. Eine der goldenen Usability-Regeln empfiehlt maximal 7 bis 9 Menüpunkte. Selbst wenn wir darüber hinweg sehen würden, eines sollte man auf jeden Fall vermeiden: Links, die auf ein und dieselbe Seite führen, unterschiedlich zu benennen. Oder würden Sie erwarten, dass Sie über den Link „Allgemeine Hinweise“ und „Allgemeine Hinweise für eine Bewerbung“ auf die gleiche Seite geführt werden? Oder dass, wenn Sie auf der Startseite sind und auf „Ausbildungsmöglichkeiten“ klicken, Sie auf der Startseite bleiben, ja, die Seite nicht einmal neu geladen wird? Oder dass sich unter „Ausbildungsberufe beim BKA“ und „Ausbildungsmöglichkeiten“ vollkommen unterschiedliche Inhalte verbergen? Das alles sind Spitzfindigkeiten, ich weiß. Deswegen will ich das jetzt nicht vertiefen (auch wenn ich empfehlen würde, hier mal gründlich aufzuräumen bzw. neu zu strukturieren). Und mich dem Punkt widmen, weshalb das Ganz eigentlich für die Goldene Runkelrübe nominiert wurde. Das ist nämlich der Bewerbungsprozess an sich.

Infos zu Ausbildungsberufen? Völlig überbewertet!

Obwohl, eins kann ich mir nicht verkneifen. Bevor ich zum Thema Stellenangebote und Online-Bewerbung komme, dann doch noch ein, zwei Sätze zum Thema Ausbildung. Denn natürlich bietet das BKA auch verschiedene Ausbildungsberufe. Ganze 11 Berufe sind es, in denen das BKA an seinen Standorten ausbildet. Nun raten Sie mal, wie viel Informationen das BKA zu diesen Berufen bereit stellt? Na?

Ausbildung beim BKA ist möglich, Infos gibts keine

Wenn Sie jetzt „gar keine“ geantwortet haben, so liegen Sie gar nicht so falsch. Aber „gar keine“ ist nicht ganz richtig. Denn immerhin erfahren Sie, wo die Ausbildung stattfindet und wie lange sie dauert. Infos zum Ausbildungsberuf an sich sind aber auch völlig überbewertet, viel wichtiger ist doch, dass kryptische Abkürzungen, von denen man als mündiger Bürger vorher nie gehört hat, per Mouseover erklärt werden.

BKA Ausbildung - keine Infos, aber für ganz Dumme Erläuterung von gängigen Begriffen

Aus diesem Grunde erfährt man dann, dass „PKW“ für Personenkraftwagen steht (ei der Daus!),“ IT“ für “Abteilung: Informationstechnik“ (gut, dass das erläutert wird, ich hätte jetzt auf die Abkürzung von Informationstechnologie getippt und prompt daneben gelegen!) und „bzw.“ für beziehungsweise (Sag nicht so was!).

Soviel also zum Thema Ausbildung. Sollte ich jetzt irgendwas übersehen haben, so bitte ich das BKA um Entschuldigung. Wenn dem so sein sollte, so sei aber die Frage erlaubt, warum denn diese Infos nicht mit einem Blick zu erfassen sind. Nun also der lang ersehnte Blick auf den Bewerbungsprozess. Und der hat es wirklich in sich. Sollte das BKA auch nicht die Goldene Runkelrübe verliehen bekommen, ein Preis wäre der Behörde in Wiesbaden auf jeden Fall sicher: Nämlich der des „Meisters im perfekten Medienbruch bei Online-Bewerbungsprozessen“. Gut, vielleicht etwas sperrig, der Award-Titel, aber das ist ja auch erst mal nur ein erster Entwurf. Warum aber dieser Titel?

Ganz einfach. Wir gehen zurück auf Los, sprich in diesem Fall auf die Seite „Berufsperspektive“. Hier klicken wir auf Stellenangebote. Unseren mittlerweile so einiges an Schreckensszenarien gewöhnten Augen offenbart sich folgendes Bild:

Bewerbungsprozess mit Medienbrüchen

BKA - Stellenangebote zum Abgewöhnen

Schön, dass man zunächst einmal mit einem freundlichen Hinweis, wie diesem empfangen wird: „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass eine Bewerbung auf die Stellenangebote per E-Mail nicht möglich ist!“ Das lässt Böses ahnen. Aber dazu später. Im weiteren Verlauf sieht es erst einmal so aus, als hätte das BKA eine Fülle von Stellenanzeigen zu bieten. Zählt man einmal durch, so kommt man (Stand heute) auf 13 verschiedene Offerten. Wie aber schafft es das BKA, diese doch verhältnismäßig überschaubare Anzahl an Stellenangeboten so dermaßen aufzublasen? Warum macht man das überhaupt?

Die erste Frage beantwortet sich von selbst, wenn Sie sich die einzelnen Ausschreibungen einmal anschauen. Überall steht zu lesen „Das Bundeskriminalamt sucht…“. Vor jedem einzelnen Stellentitel. Was soll so was? Ist doch klar, dass da nicht der Schlachthof von nebenan sucht. Oder die Bundespolizei. Oder der Zoll. Denn – Obacht! – wir sind auf der Seite des BKA. Spannend auch, welche blumige Umschreibungen man sich in Wiesbaden für einzelne Positionen überlegt hat. So ist da die Rede von „IT-Multiplikatoren im ServiceDesk aus dem Bereich des Überhangpersonals der Bundeswehr, der deutschen Bahn, und anderer Behörden“, „Techniker der Bürokommunikation im Bereich Endsysteme“ oder einem „Sprachmittler“. Interessant auch, die Stellen überwiegend für Leute „aus dem Bereich Überhangpersonal der Bundeswehr, der deutschen Bahn und anderer Behörden“ gesucht wird. Hier haben wir es schwarz auf weiß: Die Bahn ist und bleibt eine Behörde. Die aber nur am Rande. Es ist tatsächlich keine einzige Ausschreibung dabei, die unter drei Zeilen Umfang hat. Teilweise verteilen sich damit die Offerten auf sieben (in Worten sieben!) Zeilen. Willkommen beim BKA. Da bekommt man ja schon einen schönen ersten Eindruck von der Behörde… Tja, und auf die zweite Frage habe ich keine Antwort parat. Vielleicht, weil man es nicht besser weiß? Vielleicht, weil man irgendwelchen Zwängen unterliegt? Vielleicht, weil man es immer schon so gemacht hat? Und das ist ja bekanntlich die Antwort, die immer Gültigkeit hat und durch nichts zu entkräften ist.

Bevor ich noch weiter abschweife, schauen wir uns jetzt mal den weiteren Bewerbungsprozess an. Dafür habe ich weder Kosten, noch Mühe, noch Nerven gespart und den einmal für Sie, liebe Leser, durchgespielt. Das Ganze am Beispiel „Sachbearbeiter Projektadministration – zunächst befristet für 1 Jahr“. Ich klicke also den Link an. Es öffnet sich – ein PDF.

Karriere beim BKA - Von HTML zu PDF zu Online...

Dieses hier hat einen Umfang von zwei Seiten, aber auch Stellenangebote mit mehr Umfang sind dabei. Klicken Sie sich unbedingt mal durch, es lohnt sich. Allein die Stellenangebote wären eine Nominierung wert gewesen. Aber zurück im Text. Sie sind noch bei mir? Wie erwähnt, öffnete sich ein PDF. In diesem PDF erfahre ich dann, dass ich mich bitte bis 2.12. (!, die Stelle ist seit dem 7.11. ausgeschrieben) „über das im Internet eingestellte Online-System BKA-25-2013 unter https://onlinebewerbung.dienstleistungszentrum.de/BaSys2Webapp/BKA-25-2013/index.html bewerben soll. Ich gelange also von einer HTML-Seite auf ein PDF-Dokument, welches mich wiederum wieder auf ein Online-Portal leitet? Ich muss sagen, das BKA beherrscht Medienbrüche im Bewerbungsprozess wirklich sehr gut. Auch die freundlich, aber bestimmt gehaltene Ansage, man möge seine „Bewerbungsunterlagen (z.B. Zeugnisse, Referenzen, Beschäftigungsnachweise) erst nach Aufforderung durch das Servicezentrum Personalgewinnung“ zusenden, ist nicht unbedingt ein Zeichen von Wertschätzung bzw. bringt klar zum Ausdruck, dass der Bewerber hier vor allem als lästiger Bittsteller betrachtet wird.

Wenn Sie nun glauben, das sei es nun gewesen, dann irren Sie. Denn es geht heiter weiter. Klicken Sie auf den angegebenen Link, so müssen Sie sich erst einmal anmelden, um überhaupt in den Genuss einer Bewerbung zu kommen. Haben Sie sich angemeldet, so erhalten Sie eine ebenso freundlich, aber bestimmte E-Mail folgenden Wortlauts: “Das Hochladen von Bewerbungsunterlagen ist im Online-Verfahren nicht moeglich und wird auch nicht erwartet.“ Ein Online-Bewerbungsverfahren, in dem das Hochladen von Bewerbungsunterlagen nicht „moeglich“ ist? Bzw. wo man nicht erwartet, dass man seine Unterlagen hochlädt? Wiederum ähne ich Böses und erklimme – auch für Sie, lieber Leser und im Kampf für besseres Personalmarketing – diese Stufe des aberwitzigen Bewerbungsprozesses. Eins ist klar: Das BKA ist offenbar noch meilenweit entfernt von effizienten Recruitingprozessen -und hat wohl auch von CV-Parsing und vom Bewerbermarkt noch nichts gehört. Anders ließen sich solche Formularwüsten wie nachfolgende nicht erklären. Ich erspare Ihnen jetzt alle Details, aber beachten Sie bitte einmal nur die nachfolgenden Felder:

Bewerben beim BKA - definitiv kein Vergnügen

Die Frage ist schon erlaubt, warum man eine Frage, die man bereits beantwortet hat, noch einmal beantworten muss. Und es geht auch kein Weg daran vorbei, weil es sich um ein Pflichtfeld handelt. Wenn ich also bspw. anklicke, dass ich keinerlei Erfahrungen in der Anwendung von EU-Recht habe, was soll ich da noch erläutern? Und so zieht sich nicht nur das Ausfüllen unnötig in die Länge, auch die Nerven werden gedehnt wie Gummibänder. Warum man es dem Bewerber nicht ermöglicht, hier seine Unterlagen hochzuladen, ist mir schleierhaft. Gut, es handelt sich beim BKA um eine Behörde. Und Behörden sind nicht unbedingt dafür bekannt, effizient zu arbeiten (oder kennen Sie vielleicht ein Positivbeispiel?). Nichtsdestotrotz klopft auch beim BKA der Fachkräftemangel unerbittlich an die Tür. Insofern können sich weder Unternehmen noch Behörden solche Recruitingprozesse erlauben. Wie auch immer. Probieren Sie es selbst einmal aus! Die dunkle Jahreszeit und langweilige Adventsnachmittage sind ein perfekter Anlass, diesen Bewerbungs-Spießrutenlauf einmal durchzuspielen. Dabei wünsche ich Ihnen viel Spaß! Eine Notiz am Rande möchte ich mir noch erlauben: Vielleicht sehe ich das auch alles wieder einmal viel zu eng und Bewerber nehmen solche Websites und Bewerbungsprozesse mit Kusshand in Kauf (und haben sich darüber hinaus auch über Jahre beim BKA bewährt). Aber mal ganz unter uns: das kann ich mir kaum vorstellen.

Wie auch immer – wer nun tatsächlich die Goldene Runkelrübe in der Kategorie Karriere-Website erhält, erfahren Sie entweder am Mittwochabend live vor Ort in Berlin oder aber nach der Verleihung hier im Blog. Bis dahin noch eine gute Zeit!

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