Referent/in Reservierung Spezial, AVB K – ja nee, is klar. Oder: Warum diese Stellenanzeige für die Goldene Runkelrübe nominiert wurde

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 7 Minuten.

Es ist wirklich unglaublich, was Jannis und mir da seit unserem Aufruf zur Goldenen Runkelrübe – dem Award für schlechte Personalkommunikation – regelmäßig ins Postfach geflattert kommt. Da darf man sich schon die Frage stellen, was da in den Köpfen von Verantwortlichen und Agenturen vorgeht. Meine Empfehlung lautet da immer vor dem Denken das Hirn einzuschalten (vorausgesetzt, es wird überhaupt nachgedacht). Ganz aktuell kam gestern in der Rubrik Stellenanzeigen eine Anzeige für einen „Referent/in Reservierung Spezial, AVB K“ herein. Wüssten Sie, was sich dahinter verbirgt?

Ich bin ehrlich, ich habe keine Ahnung von Versicherungen. Mit der Ausnahme, dass sie einen in den meisten Fällen ausnehmen bzw. großartig versprochene Leistungen nicht einhalten. Aber das soll jetzt nicht das Thema sein. Schauen wir uns doch gemeinsam mal die Anzeige „Referent Reservierung Spezial“ an:

Eine Stellenanzeige für HRS? - Ausschnitt aus der Anzeige Referent Reservierung Spezial der Ergo

Die erste Assoziation, die ich hatte, als ich den Titel „Referent Reservierung“ gelesen habe UND das Bild gesehen habe: Der Hotel Reservation Service (HRS) sucht Mitarbeiter für die Reservierung. Und zwar für die Spezialfälle. Was auch  immer die sein mögen – vielleicht diese hier

Steigenberger sucht ungewöhnliche Mitarbeiter - oder doch einen Referent Reservierung Spezial?

Das Bild zeigt im Übrigen den Ausschnitt eines Stellenangebotes der Steigenberger Gruppe. Komisch, dass die noch keiner nominiert hat. Wer hat noch nicht, wer will noch mal?

Erst, wenn man weiterliest erfährt man, dass es sich mit Nichten und Neffen um den HRS handelt, sondern vielmehr um den Versicherer Ergo (das sind die mit den Sexreisen).

Nicht HRS, sondern Ergo sucht den Referent Reservierung Spezial

Okay, das hätten wir schon mal. Nun kann man sich immer noch die Frage stellen (und das habe ich, glauben Sie mir!), was denn nun Ergo mit Hotelreservierungen zu tun hat. Vielleicht  betreibt Ergo auch Hotels, so spezielle Etablissements (ich will jetzt nicht Stundenhotels schreiben, würde im Kontext der Sexreisen zwar passen, wäre aber definitiv zu plump. Also schenke ich mir das.)? Was aber hat es dann mit dem AVB K zu tun? Allgemein verfügbare Betten vielleicht? Und das K? Sie sehen, ich finde keine Lösung. Und deswegen mache ich das, was ich in solchen Fällen immer tue: Ich frage die gute alte Tante Google. Frau Google ist aber relativ ratlos und spuckt mir überwiegend verschiedene Varianten von Jobbörsen aus, wo die Anzeige gepostet wurde. Erst die Suche über Autovervollständigen oder per „AND“-Operator führt einen auf die richtige Spur. AVB steht demnach für Allgemeine Versicherungsbedingungen, K für einen bestimmten Tarif. Soweit, so gut. Was aber ist mit dem Referent Reservierung? Offensichtlich geht es ja nicht um die Hotelbranche, sondern um Versicherungen. Auch hier bemühe ich Google. Auch hier: bis auf gaaanz wenige Ausnahmen (alle nicht im Kontext) nur die Stellenanzeige selbst.

Nun könnte man sagen, Bingo, da versteht jemand was von Suchmaschinenoptimierung. Denkste. Die Ergebnisse sind nur deshalb so „zielführend“, weil sonst niemand mit dieser Begriffskombination arbeitet. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Keine Sau verwendet diesen Suchterm. Insbesondere keiner der Bewerber. Immer noch ist also unklar, worum es eigentlich in der Stellenanzeige geht. Daher hier einmal das Ganze in seiner vollen Pracht:

Referent/in Reservierung Spezial, AVB K – oder doch ein Aktuar?

Referent Reservierung Spezial AVB K - nee, is klar

Schaut man sich die Anzeige nun etwas genauer an, so wird klar, worum es geht: Ergo sucht einen Aktuar. Das drücken die aber etwas verschwurbelter aus: „Ergo lädt Sie ein für unseren Bereich Aktuariat und Verantwortlicher Aktuar Gesundheit am Standort Köln dabei zu sein“. Da simma dabei, dat is prima. Klasse. Nun folgen 11 (in Worten elf) Punkte, die die Aufgabe beschreiben. Weniger ist manchmal mehr. Abgesehen davon – ich versuche immer noch eine Beziehung zum Jobtitel herzustellen. Was macht so ein Referent Reservierung Spezial eigentlich bzw. wie steht der Jobtitel im Kontext zu den Aufgaben? Einen einzigen Hinweis (innerhalb der 11 Aufgabenpunkte) finde ich: „Beratung von Tochtergesellschaften und anderen Gesellschaften des Segments in Reservierungsfragen und Prüfung der Angemessenheit der Reserven„. Und im Profil dann noch: „umfassende Kenntnisse der Methoden und Verfahren zur Reservierung in der Krankenversicherung„. Reservierung in der Krankenversicherung? Nun, wie gesagt, ich komme nicht aus der Versicherungsbranche. Mag sein, dass das ein geflügeltes Wort ist. Aber wenn dem so wäre, warum findet man es dann nicht bei Google?

Und was hat es mit diesem „Spezial“ auf sich? Kein Wort davon in der Stellenbeschreibung. Kein Wort im Stellentitel, dass ein Aktuar gesucht wird. Wer soll dann diesen Job finden? Gebe ich bei Google bspw. Stellenangebot (oder meinetwegen auch Job) + Aktuar + Köln ein, so finde ich einiges, aber nicht diesen Job. Die Stellenanzeige ist unter anderem bei der Allzweckjobbörse Monster geschaltet. Gebe ich „Aktuar“ und „Köln“ in die Suchfelder ein, so finde ich alles, nur nicht die Stellenanzeige von Ergo. Soll ich Ihnen verraten, wo die auftaucht? Unter „Referent Steuern“. Gut, den Schuh kann sich wahrscheinlich Monster anziehen. Der Suchalgorythmus ist dort ohnehin optimierungsbedürftig.

Monster - Der Aktuar wird unter den Steuerreferenten gelistet

Auch zeigt dieses Beispiel wieder einmal deutlich, dass Monster nicht die geeignete Stellenbörse ist. Aber das ist ein anderes Thema. Fassen wir also zusammen:

  • Der Stellentitel ist selten dämlich gewählt und führt dazu, dass die Stellenanzeige nicht von denen gefunden wird, für die sie gedacht ist. Nämlich Aktuare.
    Meine Empfehlung: Stellentitel ändern. Heute noch. Bspw. in „Aktuar für Krankenversicherung“. Auf jeden Fall: passend und mit dem Begriff Krankenversicherung!
  • Das Bild sagt nichts, aber auch gar nichts über die Stelle respektive den Arbeitgeber respektive die Branche aus. Es ist austauschbar. Aber so was von. Kein Wunder, handelt es sich doch um Stockmaterial der übelsten Sorte.
    Meine Empfehlung: Bild ändern und mit Motiven arbeiten, die den Arbeitgeber Ergo respektive Mitarbeiter im Arbeitsumfeld erkennen lassen.
  • Es ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen, welches Unternehmen dort sucht. HRS? Allianz? BP? McDonald’s?
    Meine Empfehlung: Ein Logo gehört nach oben. Das Logo respektive der Unternehmensname lassen einen ersten Rückschluss auf das Unternehmen zu, der Bewerber kann erste Assoziationen anstellen. Mehr dazu in meinem Artikel über Eyetracking und Gestaltung von Stellenanzeigen. Bitte lesen!
  • Die Aufgabenbeschreibung ist viel zu laaaaaaaaaang und kommt nicht auf den Punkt.
    Meine Empfehlung: Auf den Punkt kommen. Meist ist weniger mehr (mit Ausnahme der Länge meiner Blogartikel, das versteht sich doch wohl von selbst, oder?). Konzentration auf das Wesentliche. Hier führt nicht nur die Tatsache, dass kein Mensch irgendetwas mit einem „Referent Reservierung Spezial“ in Verbindung bringen kann, sondern auch die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau mit allergrößter Wahrscheinlichkeit in die Leere.
  • Das Gleiche gilt für das Profil.
  • Ein Hinweis, was Ergo als Arbeitgeber so bietet, fehlt vollständig.
    Meine Empfehlung: Bitte ergänzen. Bspw. um die oben bereits genannten Benefits (sofern noch im Angebot).

Alles in allem ist nun glaube ich allen klar, warum eine solche Stellenanzeige für die Goldene Runkelrübe nominiert wurde. Vielen Dank noch einmal für dieses wunderbare Beispiel. Mehr davon finden Sie auf der Website. Dort finden Sie auch weitere Informationen zum Award.

Die goldene Runkelrübe - Award für schlechte HR-Kommunikation

Goldene Runkelrübe – jetzt Jurymitglied werden!

Übrigens: Heute läuft die Einreichungsfrist ab. Also schnell noch ihr favorisiertes „Scheusal“ an Stellenanzeige, Karriere-Website, Arbeitgeber-Video oder Social Media-Präsenz einreichen. Abgesehen davon können Sie natürlich weiterhin aktiv werden. Nämlich als hoch qualifiziertes Jurymitglied. Wie das geht?

Als Jurymitglied haben sie gar nicht viel zu tun:

  1. Unter pfuipfuipfui@goldene-runkelruebe.de anmelden. Betreffzeile: Jury/Runkelrübe und dann schreiben Sie uns kurz zu welcher Kategorie Sie gehören: Unternehmensvertreter (z. B. Personalabteilung), Dienstleister (z. B. Headhunter oder Employer Branding Berater) oder Bewerber (Studenten, Azubis, Young Professional die auf der Suche sind).
  2. Auf www.goldene-runkelruebe.de gehen, sich köstlich über das Personalmarketing von verschiedenen Arbeitgebern amüsieren oder fremdschämen und die persönlichen Favoriten auswählen (merken oder notieren Sie sich einfach die entsprechende Nummer mit Kürzel).
  3. Sie bekommen dann am 25.11. einen LINK für die Online-Umfrage zugesandt und haben zwei Tage Zeit Ihren Favoriten auszuwählen (die vier Klicks die Sie machen müssen dauern etwa 4 Minuten).

Die Gewinner werden im Rahmen einer würdigen Gala am 4. Dezember bekannt gegeben und ausgezeichnet. Ideal also für all die, die ohnehin schon wegen des HR Excellence Awards in Berlin sind. Wer weiß, vielleicht kann der ein oder andere ja sogar am gleichen Abend gleich zwei Awards mit nach Hause bringen ;-)

 

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