Back‘ der Stadt das Brot – Ausbildungsmarketing im Bäckerhandwerk

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Man hat eigentlich (fast) tagtäglich mit ihnen zu tun – vorausgesetzt, man gehört nicht zur Gruppe derer, die ihr Brot abgepackt im Supermarkt oder in so genannten „Zurück- (alternativ auch „Rücken“-)Fabriken einkaufen. Die Rede ist von Bäckern. Echte kleine Handwerksbäcker sind ja (unter anderem auch bedingt durch die „Geiz-ist-geil“-Mentalität vieler und durch die zunehmende Industrialisierung und Globalisierung – Stichwort „Teiglinge aus China“ (da wird mir schon beim Gedanken übel!)) leider vom Aussterben bedroht. So stirbt in Deutschland jeden Tag eine Bäckerei. Zudem hat auch das Bäckerhandwerk mit dem zunehmenden Fachkräftemangel zu kämpfen. Das führt dann bspw. zu solchen Ausbildungsmarketing-Kampagnen wie „Back‘ dir deine Zukunft“ oder Videoclips à la Rammstein:

Oder aber zu sehr sympathischen Aktivitäten, über die ich jüngst gestolpert bin und die durchaus zur Nachahmung anregen mögen…Auf der Suche nach Beispielen für in den Google-Suchergebnissen ausgewiesenen mobilen Karriere-Websites bin ich unter anderem über die einer Bäckerei gestolpert. Genauer der Bäckerei Göing. Die werden Sie wahrscheinlich nicht kennen, es sei denn, Sie kommen aus Hannover. Hier unterhält das Unternehmen nämlich 31 Filialen. Gut, zugegeben, ein kleiner Handwerksbetrieb ist was anderes. Aber mit 260 Mitarbeitern und 21 Azubis zählt man denn definitiv auch nicht zu den Großen der Branche (abgesehen davon, dass es sich hier um ein inhabergeführtes Familienunternehmen in dritter Generation handelt). Ganz groß finde ich aber, wie sich das Unternehmen als Ausbildungsbetrieb im Internet präsentiert. Wer hier keine Lust hat, sich mit dem Beruf auseinanderzusetzen und sich zu bewerben, ist selber schuld :-).

Sympathisch und emotional aufgeladen – Die Karriere-Website

Die Website ist so sympathisch und emotional aufgeladen, da macht es einfach Spaß sich durchzuklicken und zu informieren. Wem das jetzt (für meine Verhältnisse) zu viel Lobudelei ist, zur Kritik komme ich später. Jetzt aber lassen Sie uns gemeinsam einen Blick auf die Website werfen. Gleich zu Beginn wird man von sympathischen, echten (!) Mitarbeitern respektive Azubis abgeholt. Die jeweils verwendeten Hintergrundbilder für die Bereiche Ausbildung bei Göing, Ausbildungsberufe und Stellenmarkt zeigen typische Produkte aus dem Hause und machen Lust auf mehr.

Ausbildungsmarketing im Handwerk - Willkommen bei Bäcker Göing

Ein Bewegtbild sagt mehr als 1000 Worte

Weitere Highlights der Website sind ohne Frage die vier „Recruiting“-Videos. Eins allgemein zur Ausbildung bei Göing, die weiteren drei zu den konkreten Ausbildungsberufen. Abgesehen davon, dass mich persönlich die Omni-Präsenz des Herrn Göing ein wenig stört, sind die Videos ein echter Hingucker. Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Azubis mehr Redeanteil haben. Natürlich ist ein Herr Göing wesentlich eloquenter und kann mehr Infos aus dem Ärmel schütteln (und das macht er sogar recht gut – viele dieser Videos, wo Firmenchef oder Personalleiter zu sehen sind, die einen endlosen Monolog führen, führen eher zu Brechreiz oder aber Verleiten zum Abschalten), mehr Infos aus erster Hand der Auszubildenden hätte ich dennoch schöner gefunden. Aber immerhin lässt man die Azubis ja zu Wort kommen. Hier wurde eine schöne Auswahl der Protagonisten vorgenommen, ganz unterschiedliche Charaktere kommen da zu Wort und erzählen aus ihrer Ausbildung. Und das Ganze sehr emotional und stimmungsvoll in Szene gesetzt. Auch hier gibt’s die volle Punktzahl. Das sind Videos, die überzeugen, die Atmosphäre einfangen und Lust auf eine Ausbildung in dem Unternehmen machen.

Ganz nebenbei – wenn Sie Negativbeispiele kennen, dürfen Sie die gerne für die Goldene Runkelrübe – dem Award für schlechte Personalkommunikation – nominieren. Kurze Mail mit Begründung, warum gerade das Video, die Stellenanzeige oder die Karriere-Website dabei sein sollen, reicht!

Die Videos auf der Website selber sind via Vimeo eingebunden, aber auch auf Youtube findet man die Filmclips. Die Zugriffszahlen selbst sind nicht so prall, was aber wahrscheinlich der Tatsache zuzuschreiben ist, dass die Videos per Vimeo eingebunden sind und über die Website die meisten Zugriffe erfolgen. Im Zusammenhang Youtube folgt jetzt auch meine erste Kritik. Leider versäumt man es hier, weitere Infos bereitzustellen und auf die Website zu verlinken.

Ausbildungsmarketing auf Youtube - Mehr Infos und Verlinkung darf schon sein

Der Wille ist zwar da, aber das ginge besser. Damit Sie wirklich auf die Ziel-Website verlinken können, darf das „http“ nicht fehlen. Nun, wie auch immer, hier eins der Videos:

Karriere bei Göing mit Optimierungspotenzial

Kommen wir zurück zur Website und endlich zum Eingemachten. Zunächst einmal – es ist klasse, dass ein mittelständischer Handwerksbetrieb über eine solche klar strukturierte, informative und emotional ansprechende (Karriere-)Website verfügt. Positiv ist ebenfalls hervorzuheben, dass die Rubrik selbst für einen sehfehlergeplagten Menschen wie mich auf einen Blick über den prominent platzierten Link „Karriere“ aufzufinden ist. Eine 1 mit Sternchen gibt es für die Videos und die Tatsache, dass die Website mobil optimiert ist.

Ausbildungsmarketing im Bäckerhandwerk - Die mobil optimierte Website der Bäckerei Göing

Das gibt nicht nur von mir, sondern auch von Google Pluspunkte!

Folgende Punkte sorgen jedoch für Missstimmung bzw. offenbaren Optimierungspotenzial:

  • Unter der Rubrik „Karriere“ finden sich ausschließlich weiterführende Infos für Azubis, Infos über Perspektiven/Berufseinstieg für Fachkräfte fehlen leider
  • Weiterführende Infos zu Perspektiven nach der Ausbildung finden sich zwar in den Videos, aber nicht auf den Texten der Website
  • Es gibt zwar einen Link zu den Stellenangeboten, hier findet der Nutzer aber nur Informationen über die ausgeschriebenen (Ausbildungs-)Stellen, jedoch keine echten Stellenbeschreibungen mit Anforderungs- und Aufgabenprofil. Das führt im Zweifelsfall nicht nur zu Frustration bei den Nutzern und zu unqualifizierten Bewerbungen. Auch ließe sich die Sichtbarkeit bei Google durch separate Seiten für die einzelnen Stellenangebote erhöhen
  • Informationen über die Stelle als Filialleiter, die unmittelbar auf der Homepage ausgeschrieben ist, fehlen auf der Karriereseite vollständig (abgesehen davon ließe sich das PDF noch etwas optimieren. Alleine das Dokument anstatt „BäckerGöing-FM-Anzeige“ bspw. „Bäcker Göing Stellenanzeige Filialleiter Hannover“ zu nennen, sorgt für mehr Klarheit beim Leser und kann auch die Auffindbarkeit in Suchmaschinen erhöhen. Abgesehen davon erweckt die Tatsache, dass nur diese Stelle mit einer „echten“ Stellenanzeige angepriesen wird, in mir das Gefühl einer „Zweiklassen-Gesellschaft“. Für die Filialleiter gibt’s also die Infos, für Azubis nicht? Schade.

Dennoch, trotz all meiner Kritik (die ungewöhnlich milde ausfällt, finden Sie nicht?): Ein tolles Beispiel, welches zeigt, dass man nicht „groß“ sein muss, um eine emotional ansprechende Karriere-Website auf die Beine zu stellen. Auch der Mittelstand respektive ein Handwerksbetrieb kann mit an der Zielgruppe orientiertem Ausbildungsmarketing punkten. Nicht zuletzt durch die emotional ansprechenden, ästhetisch und sympathisch in Szene gesetzten Recruiting-Videos. Ich wünsche mir mehr davon!

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