Von schlechtem Essen und Personalmarketing.

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Neulich, bei diesem wunderbaren Sommerwetter war ich mal wieder im Grünen, die Seele baumeln lassen und die Beine vertreten. Auf ging’s ins schöne Goldsteintal, ein – wenn man so will – Naherholungsgebiet in Wiesbaden. Anschließend ging es dann in die Hubertushütte, angeblich eins der schönsten Ausflugslokale Wiesbadens. Das Lokal an sich ist es in der Tat, das Essen und der Service sind eine Katastrophe. Und was hat das jetzt Bitteschön mit Personalmarketing zu tun, werden Sie sich fragen. Ob Sie es glauben, oder nicht: eine ganze Menge!

Neulich in der Hubertushütte

Damit Sie sich einen Eindruck von der Hubertushütte oder dem, was sie vorgibt zu sein, verschaffen können, hier zunächst einmal ein kleines Video.

Das mit der Lage stimmt, das mit dem Ambiente auch, was die Qualität angeht, nun darüber lässt sich trefflich streiten :-)

Stellen Sie sich einmal vor, Sie kommen hungrig und mit knurrendem Magen nach einer Wanderung in solch ein Lokal und freuen sich auf kulinarische Genüsse, die Ihnen ja auf der Website versprochen worden. Nun gut, kulinarische Genüsse ist von der Erwartungshaltung vielleicht ein wenig hochgeschraubt, aber wenn es auf der Website heißt „von gut bürgerlich bis mediterran bleibt kein Wunsch an die Küche unerhört“, dann könnte man davon ausgehen, dass dem wirklich so ist. Nun gut. Aber wie das so ist, so wird auf solchen Websites eben gerne etwas angepriesen, was in der Wirklichkeit gar nicht so ist. Das kennt man durchaus auch von Arbeitgebern, die auf Ihrer Karriere-Website das Blaue vom Himmel herunter versprechen, man in der Realität aber leider etwas anderes erleben muss. Oder die auf Ihrer Karriere-Websites oder Imagebroschüre ausschließlich Stockmaterial einsetzen und keinerlei echte Einblicke ins Unternehmen vermitteln. Oder aber auf Ihrer Karriere-Website mit einem überdimensionalen Top-Arbeitgeber-Siegel werben, ohne irgend welche oder nur floskelgespickte Hintergrundinfos dazu zu geben.

Top Arbeitgeber - na und?

Warum auch, es zählt doch alleine die Auszeichnung. Diesen Eindruck könnte man in solchen Fällen zumindest gewinnen.

Grundsätzlich gilt: Ihre Unternehmens- respektive Karriere-Website schafft die Erwartungshaltung bei Ihren Bewerbern. Also bleiben Sie bei der Wahrheit und geben Sie ihnen möglichst Ihnen im Sinne von „Realistic Job Previews“ viel Informationen mit auf den Weg, so dass sie für sich entscheiden können, passen der Arbeitgeber und ich eigentlich zusammen (nein, es geht nicht darum möglichst viele Bewerbungen zu bekommen. Es geht darum, die PASSENDEN zu bekommen!).

Ja, und dann der Arbeitgeber selber. Es gibt Unternehmen, die bilden sich so viel auf ihren Namen bzw. ihren Ruf als Arbeitgeber ein (der in fragwürdigen Rankings noch gefestigt wird), dass sie meinen, sie müssten sich nicht um ihre Bewerber bemühen. So gibt es dann unzureichende Informationen für die Zielgruppe oder über den Arbeitgeber und im schlimmsten Falle muss sich der Bewerber mit einem Bewerbermanagement-System à la SAP herumschlagen, was ihn eher von einer Bewerbung abhält als ihn dazu animiert. Oder aber es gibt eine „Bewerber-Hotline“, die ihn ins Nimmerland, sprich unfähiges Call Center, führt. Auch möglich, dass der Eingang einer Bewerbung nie bestätigt wird. Oder aber, was noch viel schlimmer ist, der Bewerber bei Nachfrage am Telefon unwirsch abgekanzelt wird.

Aber kommen wir zurück zur Hubertushütte. Auch hier scheint man sich auf in der Vergangenheit eingeheimsten Lorbeeren auszuruhen. Man muss der Hubertushütte hier zu Gute halten, dass sie nicht die einzigen sind, die sich so verhalten. Man meint, etwas besseres zu sein und sich auf seinem Image ausruhen zu können. Service? Wozu? Ich bin der King, ich bin toll. Wenn die anderen mich nicht so akzeptieren, wie ich bin, dann haben sie halt Pech gehabt. So scheinen viele Arbeitgeber zu denken und haben immer noch nicht realisiert, dass wir einen Bewerbermarkt haben. Der mündige Bewerber also entscheiden wird, wo er sich bewerben wird. Und hat er ein paar Unternehmen zur Auswahl, so wird er sich eben dort bewerben, wo er die für ihn passendsten Informationen und/oder nutzerfreundlichsten Bewerbungsprozess geboten bekommt (ganz zu schweigen natürlich davon, dass man Unternehmen, bei denen man schlechte Erfahrungen sammelt, natürlich meidet und sie mit Sicherheit nicht im Bekanntenkreis weiter empfiehlt. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die Hubertushütte :-)). Man kann aber auch auf das Feedback und die Verbesserungsvorschläge seiner Bewerber eingehen, wie dieses Beispiel sehr schön zeigt:

Wir haben verstanden - EADS geht auf Verbesserungswünsche und Feedback von Bewerbern ein

Stellt euch auf die Vegetarier und Veganer unter den Bewerbern ein!

So verlangte es uns als Vegetarier nach etwas Fleischlosem. Ein Wunsch nach etwas außerhalb der Karte wird aber dort eher ungern angenommen. Auch wenn angeblich „kein Wunsch an die Küche ungehört bleibt“, in der Realität sieht das leider anders aus. Ein Bewerber, der sich eben nicht über das umständliche, den Nutzer zur Verzweiflung treibende Online-Tool bewerben will, sondern seine Bewerbung lieber per E-Mail verschickt, wird ebenfalls eher mit Missachtung gestraft. Wenn man so will, ist er der „Vegetarier“. Kommt man dann vielleicht noch mit dem Wunsch, seine Bewerbung per Post verschicken zu wollen, so lässt sich das leicht mit dem Gast, den es nach veganem Essen dünkt, vergleichen. Vegan? Was ist das eigentlich? Bewerbung per Post? Ich bitte Sie. Das kostet uns zu viel Porto und liegt außerhalb unseres Standard-Bewerbungsprozesses. Wenn man so will, stehen also bei vielen Unternehmen Fleischgerichte auf der Karte. Alles, was davon abweicht, versucht man nach Möglichkeit zu ignorieren.

Und schafft man es dann doch, ein vegetarisches Gericht zu bestellen (in unserem Fall Bratkartoffeln mit Pfifferlingen), so ist dieses dann im Zweifelsfall minderer Qualität. Gut, ganz im Ernst, wer zu dieser Jahreszeit Pfiferlinge bestellt, hat es eigentlich nicht besser verdient. Aber Bratkartoffeln heißen ja deswegen Bratkartoffeln, weil sie gebraten, weil sie kross sind. Was wir da in der Hubertushütte aufgetischt bekommen haben, waren aber Fettkartoffeln. In einer Öllache schwimmende Kartoffelscheiben, die labbrig wie nur was waren und von echten Bratkartoffeln so weit entfernt wie die Annahme eines Asylantrags Edward Snowdens durch die Bundesrepublik.

Nun ja. Was soll man machen? Reklamieren? Klar, haben wir. Das wurde nur mit einem Schulterzucken und dem Spruch „ich werde in der Küche Bescheid geben“ quittiert. Obwohl das Essen aufgrund Ungenießbarkeit nicht angerührt wurde, wurden dann noch 12 Euro für die Fettkartoffeln-mit-Pfifferlingen-Pampe fällig. Echte Touriabzocke so was. Aber ähnliche Situationen kennt ein Bewerber auch. Man wird in Hochglanz-Personalmarketingbroschüren und in Vorstellungsgesprächen mit den besten Arbeitsbedingungen geködert (schließlich ist da ja vom Top-Arbeitgeber die Rede) und erlebt dann eine Wirklichkeit, die der geschilderten in keinster Weise entspricht. Oder aber man bekommt zwar noch einen Eingangsbescheid („ich sage mal in der Küche Bescheid“), hört dann aber bis zum Sanktnimmerleinstag nie wieder etwas vom Unternehmen (zahlt also die Zeche und bekommt keine weitere Rückmeldung).

Was also tut man, wenn man auf- und abgeklärt ist? Wenn man direkt vor Ort nicht gehört wird, sucht man sich einen Platz, wo man seinem Ärger Luft machen und andere Bewerber respektive Gäste „warnen“ kann. Gut, dass es Portale wie Qype und kununu gibt. Und so finden da potenzielle Mitarbeiter oder aber Gäste auf solchen Bewertungsportalen im Zweifel Informationen darüber, wie es wirklich im entsprechenden Etablissement aussieht. Wobei man hier nicht davor gefeit ist, überwiegend geschönte oder aber negative Kommentare zu lesen. Aber so ist der Mensch: Negatives tut man gerne kund, man will jemandem ans Bein pinkeln. Gutes nimmt man als selbstverständlich wahr und erzählt es maximal seinen Freunden, vertraut sich aber nicht zwingend einer Bewertungsplattform an. Wobei sich dieses durchaus steuern lässt. Bspw. durch Aufforderungen in Form von Aufklebern oder Flyern, Aushängen oder Ähnlichem, wie man das bspw. bei Hotels öfter mal findet.

Aufforderung zur Bewertung bei Holidaycheck

Und auch wenn Sie einmal negativ bewertet werden, ist das kein Grund zum Kopf-in-den-Sand-stecken. Nehmen Sie es als Chance wahr und hinterfragen Sie die Kritik. Sowohl intern als auch beim Bewertenden. Beziehen Sie Stellung. Abgesehen davon, dass Sie damit gegenüber Kunden bzw. Bewerbern Ihre Wertschätzung ausdrücken, hat das Ganze auch eine beträchtliche Außenwirkung. Eine ganze Menge können Sie bspw. von meinem Friseur lernen.

Mein Appell an alle Arbeitgeber: Stellt euch im Personalmarketing auf die Vegetarier und Veganer unter den Bewerbern ein. Oder lasst großspurige Ankündigungen à la „kein Wunsch an die Küche bleibt unerhört“. Sie werden bei der Zielgruppe punkten, glauben Sie mir.

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