Ausbildungsmarketing bei EDEKA: 1a (ein)gelocht oder am Bewerber vorbei?

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

In Deutschland sind letztes Jahr 551.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden. Klingt viel, oder? Letztendlich sind das aber so wenig Ausbildungsverträge wie seit acht Jahren nicht mehr! Und sogar 6.111 unbesetzte Ausbildungsplätze mehr gegenüber 2011. Was ist die logische Konsequenz? Klar, wir holen die spanischen Jugendlichen von der Straße. Da gibt’s ja genug! Tolle Idee, Frau von der Leyen. Unfuckingfassbar so was! Viel sinnvoller wäre es doch, vor der eigenen Tür zu kehren und sich die Möglichkeiten des Ausbildungsmarketing-Instrumentariums zu Nutze zu machen. Oder?

Klar, keine Frage. Macht erst einmal eure Hausaufgaben, bevor ihr über den viel beschworenen Fachkräftemangel jammert. Die werden beileibe aber noch nicht gemacht. Wesentliche Ausbildungshemmnisse sind nach der aktuellen Ausbildungsumfrage des DIHK die unklaren Vorstellungen vieler Schulabgänger. Dies zumindest geben die Befragten an. Erschreckend: Diese Zahl nimmt von Jahr zu Jahr zu. Waren es 2011 noch 49 %, die dieses als Grund angaben, hatten wir 2012 schon 51 %. Und mittlerweile sind es 53 % der Unternehmen, die dieses als Grund angeben.

Ausbildungsabbrüche wegen falscher Vorstellungen vom Beruf

Ausbildungen werden also zunehmend abgebrochen, weil die Jugendlichen eine falsche Vorstellung vom gewählten Beruf haben (Klammer auf: und weil sie eine falsche Erwartungshaltung haben – was nicht verwundert angesichts rappender Azubis, die entweder halbnackt mit Hawaii-Hemd den Beruf des Bankers präsentieren, durch eine McDonalds-Filiale tanzen oder auf Kassenfließbändern breakdancen – Klammer zu).

Was also liegt näher, unserem „Nachwuchs“ Unternehmen und Ausbildungsberuf möglichst plastisch und realitätsnah zu schildern – bspw. über Online-Medien. Während zwar im Verhältnis zum Vorjahr dieses immerhin 4 % mehr der Unternehmen tun (laut DIHK nutzen immerhin 60 % der Unternehmen das Internet fürs Ausbildungsmarketing), gibt es immer noch 40 % die es nicht nutzen. Weder in Form von Website, von Stellenanzeigen, von Social Media, von was auch immer. Sie nutzen es gar nicht. Und wundern sich dann, warum es mit dem Nachwuchs nicht klappt? Fachkräftemangel hausgemacht, kann ich da nur sagen.

Fachkräftemangel hausgemacht

Nun gut. Aber was machen nun diese 60 %, die das Internet nutzen?

  • 86 % schalten Stellenanzeigen auf ihrer Unternehmenshomepage (schon mal ein Anfang – umso erschreckender, dass es im Vergleich zum Vorjahr 4 % weniger sind!),
  • 51 % schalten in der IHK-Stellenbörse (nutzerfreundlich geht anders, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein)
  • 25 % schalten in anderen Online-Börsen (das sind ebenfalls 4 % weniger als im Vorjahr. Hier will ich Gnade vor Recht ergehen lassen. Denn wenn bisher tatsächlich auf Stepstone und Monster geschaltet wurde, ist das ein konsequenter Schritt. Mal ganz ehrlich: wer sucht auf den klassischen Stellenbörsen nach Ausbildungsstellen? Wer???)
  • 20 % nutzen sonstige Websites. Was auch immer darunter zu verstehen ist. Wenn es Plattformen wie Azubister sind, ist ein Anstieg von 5 % durchaus okay.
  • 23 % nutzen Soziale Medien. Z. B. Facebook. Das sind 4 % mehr. Das, lieber Leser, macht mir große Sorgen. Denn wenn es sich bei diesen 4 % um die handelt, die jetzt keine Stellenanzeigen mehr auf der Unternehmenshomepage schalten, so tun die mir schon ziemlich Leid. Für die meisten ist und bleibt Facebook ein privates soziales Netzwerk. Darüber hinaus spielt es in Sachen Berufsorientierung eine so marginale Rolle, dass es den Aufwand einfach nicht wert ist.

 

Ausbildungsmarketing - Nutzung des Internet zur Gewinnung von Auszubildenden - Quelle Ausbildungsumfrage DIHK

 

Was die Umfrage leider nicht erfasst, ist die Nutzung von Videos zur Berufsorientierung. Denn gerade das bewegte Bild bietet unglaublich viele Potenziale, sich seiner Zielgruppe zu präsentieren und zu zeigen, wie man als Arbeitgeber tickt und wie Arbeitsabläufe oder einzelne Arbeitsschritte aussehen. Wie das Büro ausschaut, die Werkbank, der Zahnarztstuhl, die Kantine usw. usw. Leider werden diese Potenziale aber nicht ausreichend genutzt. Mehr dazu finden Sie in meinem Blogartikel zum Einsatz von Vimeo und Youtube. Und apropos Youtube. Hier habe ich ein wunderschönes Fundstück für Sie. Ich find’s großartig!

Wenn ich sage, ich finde es großartig, so heißt das, ich habe viel gelacht. Erinnert mich zwar alles sehr an Stromberg, aber egal. Witzig ist es. Ohne Frage. Ich sage nur „Bäääm!“. Nur: Was sagt dieses Video einem Azubi, der sich über den Arbeitgeber – in diesem Falle Edeka – informieren will? Genau: Nichts. Bis auf die Tatsache, dass eine Ausbildung bei EDEKA so natürlich nicht aussieht. Nun ja. Stichwort „Erwartungshaltung„. Ergo ist dafür zu sorgen, dass die Ausbildung tatsächlich nicht so aussieht (abgesehen davon, dass eine solche Situation wie im Video gezeigt, wohl kaum der Regelfall sein wird). Wie die Ausbildung bei EDEKA aber nun im Einzelnen aussieht, erfährt der geneigte Betrachter im Übrigen nicht. Schade. Wie war das noch mit den Ausbildungen, die abgebrochen werden, weil der Bewerber eine falsche Vorstellung vom gewählten Beruf hatte? :-)

Und noch etwas.

Wie gesagt, ich habe sehr geschmunzelt über das Video. Nein, ich habe sogar lauthals gelacht. Ehrlich! Aber: Dieses Video findet sich nur auf der Azubi-Website von EDEKA „Edekaner“ (hier übrigens mit Endlosschleife). Das Video selbst ist auf Youtube zwar zu finden, aber nur eingestellt von der ausführenden Agentur – nicht von EDEKA. Schade. Denn wenn dieses Video geschickt verschlagwortet wäre, würde es ein unbedarfter Surfer (also durchaus auch ein potenzieller Azubi) via Google oder Youtube finden. Es ließen sich weiterführende Infos zur Ausbildung bei EDEKA sowie ein Link zur Ausbildungs-Website unterbringen. Und somit würde Aufmerksamkeit und Traffic für die Website generiert. Und vielleicht auch ein neuer Bewerber. Wer weiß.

So aber führt all das wohl eher dazu, dass das Ganze an der Zielgruppe vorbei geht. Und so haben wir dann nächstes Jahr wohl 55 %, bei denen es heißt, die Ausbildung wurde abgebrochen, weil die Azubis eine falsche Vorstellung vom gewählten Beruf hatten. Ich sage nur: Bääm!

Und: Machen Sie was draus, jetzt sind Sie am Zug!

 

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