Herzerkrankt und liebestoll – Xavier Naidoo und die Jobtitel in Stellenanzeigen

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 3 Minuten.

Kennen Sie eigentlich den aktuellen Song von Xavier Naidoo? „Bei meiner Seele“ heißt der. Endlich mal ein Song von Herrn Naidoo, der wirklich Spaß macht. Finde ich persönlich sehr groovy und schwungvoll. Aber verstehen Sie auch den Refrain? Mag ja sein, dass es an meinem fortgeschrittenen Alter liegt, dass ich den Refrain nicht verstehe. Sie werden sich jetzt wahrscheinlich fragen, was das Ganze denn bitteschön mit Stellenanzeigen oder verwendeten Stellenbezeichnungen zu tun hat. Dann lesen Sie doch einfach weiter…

Und kommen wir zurück zu dem, was ich so höre. Nein, nicht die Spatzen auf den Dächern. Auch nicht den in der Hand. Ich höre respektive verstehe immer:

„Bei meiner Seele, ich bin herzerkrankt und liebestoll“.

Das singt er aber gar nicht. Vielmehr singt er:

„Bei meiner Seele du bist herzergreifend liebevoll.“

Ein geringfügiger Unterschied. Aber passen tut’s trotzdem. Googelt man nun „herzerkrankt und liebestoll“ findet man tatsächlich Einträge, die sich mit dem Song von Herrn Naidoo beschäftigen. Bspw. auf der Facebook-Seite von Katinka Buddenkotte. Keine Ahnung, wer das ist. Ist auch egal. Entscheidend ist, dass ich den Eintrag finde.

Stellenanzeigen mit englischen Bezeichnungen verunsichern Bewerber

Was aber tut jemand, der nicht auf der Suche nach dem (vermeintlichen) Titel, den er gerade im Radio gehört hat ist, sondern auf Jobsuche. Richtig, auch der googelt. Und zwar nach konkreten Stellenbezeichnungen. Vielleicht auch noch mit dem Zusatz „Job“. Wird wohl jemand nach einem Systems Developer suchen? Nach einem Senior Development Engineer? Nach einem Spezialist Process Simulate (gut gefällt mir hier die Verwendung von Deutsch und Englisch. Übrigens, selbst wenn Sie nach dieser konkreten Stellenbezeichnung googeln würden, kämen Sie nicht unmittelbar auf das Jobportal des Unternehmens. Unfuckingfassbar. Leute, SEO ist auch absolut notwendig fürs Personalmarketing!!!)? Nach einem Manager Oil & Gas? Nach einem Struktur-/Layout-/Einrichtungsplaner (ja was denn jetzt?)?

Wohl eher nicht. Er wird nach dem suchen, was er konkret machen möchte. Also bspw. Software-Entwickler. Oder Software-Ingenieur. Oder was auch immer. Er wird nach deutschen Titeln suchen, die im Titel das beschreiben, was die Tätigkeit ausmacht bzw. die im deutschen Sprachraum gängig ist. Warum aber meinen immer noch so viele Unternehmen, dass sie ihren Stellen irgendwelche Fantasiebezeichnungen geben müssen, die dann kein Bewerber findet?

Hierzu habe ich eine schöne Studie gefunden. Die ist aus dem Jahr 2011, hat aber nichts an Aktualität eingebüßt, wie ein rascher Blick in die Stellenanzeigen deutscher Unternehmen schnell bestätigt. Welche Art von Jobs sich genau mit englischen Titeln schmücken, hat seinerzeit nämlich das Karriereportal für Quereinsteiger TalentFrogs untersucht. Insgesamt wurden 865 Stellenanzeigen der größten deutschen Online-Jobbörsen untersucht. Die Ergebnisse sind verheerend. Wenn auch bei Positionen der oberen Führungsebene englische Jobtitel noch ansatzweise nachvollziehbar sind, so sind sie es bei „niederem Fußvolk“ eher nicht. Aber genau das zeigt die Untersuchung. Englische Jobtitel finden sich bei:

  • 34 % Positionen im unteren Gehaltsbereich oder vornehmlich auf Provisionsbasis
  • 28 % Führungspositionen (vornehmlich in Deutschland)
  • 26 % Expertenpositionen (primär für Hochschulabsolventen)
  • 12 % Sonstige Positionen (Fachkräfte)

Eine Trendstudie der Endmark GmbH zeigt dann nämlich auch sehr schön, dass viele Deutsche den Inhalt solcher Stellenbezeichnungen gar nicht verstehen. Oder wissen Sie, was ein „Shift Leader“ ist? Oder welche Aufgaben ein „Front Desk Manager“ hat? Sehen Sie, da geht es Ihnen wie diesen Leuten hier:

Und um wieder die Brücke zu „Herzerkrankt und liebestoll“ zu schlagen – Xavier Naidoo findet man wenigstens bei Google. Fantasiestellenbezeichnungen nicht. Weil keiner danach sucht.

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