Weil einfach einfach einfach ist: Ausbildungs-Portal ausbildung.de startet in Kürze

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 3 Minuten.

Es ist manchmal schon irgendwie komisch. Nein, ich möchte sogar sagen: erschreckend. Dann nämlich, wenn davon zu lesen ist, dass mal wieder keine Ausbildungsplätze besetzt werden konnten, weil man nicht die passenden Bewerber gefunden hat. Oder Ausbildungen abgebrochen wurden, weil der Bewerber falsche Erwartungen hatte. In einem Seminar für die Immobilienwirtschaft erzählte mir ein Ausbilder, viele hätten die Vorstellung, der Ausbildungsalltag hätte etwas von dem, was man in “Mieten, Kaufen, Wohnen” auf Vox sieht. Naja, der Einfluss des (Prekariat-)Fernsehens auf den Berufswunsch der lieben Kleinen lässt sich nicht leugnen. Und so wollen immer mehr Kids entweder Bauer, Topmodel oder Superstar werden. Oder Hundetrainer. Oder so. Nein, mal ganz im Ernst und Schluss mit lustig:

Natürlich gibt es massive Probleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen (und umgekehrt bei der Ausbildungsplatzsuche). Woran liegt es? Ich behaupte ja immer wieder das Vieles von dem hausgemacht ist. Zwar heißt es im BiBB-Report mit dem schönen Titel “Unbesetzte Ausbildungsplätze – warum Betriebe erfolglos bleiben”, “Schuld sind die Jugendlichen. Sie sind nicht in der Lage, den notwendigen Leistungsanforderungen zu entsprechen”. Bzw. muss man das relativieren: Das ist die Aussage der Unternehmen, die der BiBB-Report hier zitiert. Vielmehr kommt das BiBB nämlich zu dem Schluss, dass “betriebliche Voraussetzungen und Strategien ebenso entscheidend sind für das Risiko, Ausbildungsstellen nicht besetzen zu können.” Und:

“Ein kurzfristiges, wenig planvolles und relativ einseitiges Anwerbeverhalten der Betriebe steht in signifikantem Zusammenhang mit unbesetzten Stellen.”

Tja. Und wenn man dann noch die DIHK Ausbildungsumfrage 2012 sieht, nach der mal gerade 56 Prozent der befragten Unternehmen das Internet nutzen, um auf sich als Ausbildungsbetrieb aufmerksam machen und von diesen 56 Prozent dann 90 Prozent wiederum ausschließlich Stellenanzeigen für Azubis auf ihrer Website ausschreiben (bspw. auf Online-Jobbörsen wie stepstone – Hallo, geht’s noch? Ausbildungsplätze auf stepstone?? (ich habe in jüngster Vergangenheit zweimal um Fassung ringen müssen, als ich von Ausbildungs- bzw. Personalverantwortlichen allen Ernstes gefragt wurde, was stepstone ist (kein Scherz))), dann wundern einen auch diese Zahlen nicht:

Welche Ausbildungshemmnisse wirken sich auf Betriebe aus -Mangelndes Ausbildungsmarketing und unklare Berufsvorstellungen - Quelle DIHK

Da haben wir es wieder einmal schwarz auf weiß: Unklare Berufsvorstellungen seitens der Bewerber führen zu Ausbildungsabbrüchen. Und zwar signifikant.

Woran liegt es? Weil Unternehmen nicht ausreichend über sich als Arbeitgeber bzw. Ausbildungsbetrieb informieren, weil Ausbildungsmarketing nicht existiert oder als “Employer Branding zweiter Klasse” behandelt wird.

Insofern bin ich gespannt, wie sich die Dinge entwickeln. Unternehmen wie ThyssenKrupp Rasselstein oder auch die DFS gehen da mit ihren Azubiblogs schon in eine sehr gute Richtung. Auch die Berufsrakete aus dem Hause Younect ist ein schöner Ansatz.

Ganz besonders gespannt aber bin ich auf das neueste Meisterstück aus dem Hause Employour. Richtig, das sind die mit DEM Praktikumsportal schlechthin. Ab April geht die neue Plattform online. Wie sie heißen wird? Hierzu hat man sich die Mühe gemacht und massive Feldforschung betrieben, die in diesem Video aufbereitet zu sehen ist:

Klar, naheliegend. Ein Portal zum Thema Ausbildung verdient eigentlich nur einen Namen: Ausbildung.de.

Und was erwartet uns da? Dazu Daniel Schütt, einer der Köpfe von Employour:

“Unser neues Portal soll Schülern Lust auf das Thema Ausbildung machen und vor allem umfassend informieren. Sozial, bunt und mit Spaß, ganz nach dem Motto „Durchstarten zum Traumjob“. Damit sich nicht nur Trendberufe („das, was alle machen wollen“) oder Elternratschläge („was Vernünftiges“) durchsetzen, haben wir einen neuartigen Berufstest entwickelt: Basierend auf psychologischen Verfahren können Schüler mit dem Beantworten von 11 Fragen, generiert aus einem Pool von hunderten, ihren Jobtyp ermitteln und so stimmige Berufsprofile durchstöbern: Weil zu James Bond und Mutter Theresa eben nicht derselbe Ausbildungsplatz passt. Immer verknüpft mit den ebenso zielgruppengerechten Unternehmensprofilen für authentisches Personalmarketing. Der Countdown für die Revolution des Ausbildungsmarkts hat begonnen!

Lassen wir uns also überraschen! Im April geht’s los.

Tja, und mal ganz ehrlich: Da sehen doch solche armseligen Versuche der Bundesregierung unter Frau von der Leyen ziemlich alt gegen aus und bringen in Summe eher wenig. Denn das Thema Ausbildungsmarketing hat man dort irgendwie gar nicht auf dem Schirm.

  1. Tobias sagt:

    “Ausbildung finden anhand von tausenden freien Ausbildungsplätzen. Mache jetzt den Berufstest und finde heraus, welcher Beruf zu dir passt.”

    Ausbildung.de wird also so einen Test haben. Bin gespannt, wie dieser konzipiert ist. Ansonsten wird die Seite wohl sehr ähnlich zu meinpraktikum.de

  2. Carl sagt:

    Sehr sinnvoll, keine Frage. Der Artikel hier ist mir aber zu einseitig / glorifizierend. Es gibt Plattformen wie http://www.azubister.net die schon seit einigen Jahren in diesem Segment große Feldarbeit leisten. Also nix neues, man darf aber gespannt sein!

    • personalmarketing2null sagt:

      Hallo Carl, jede Plattform, die sich überzeugend mit dieser Thematik auseinandersetzt und einen Mehrwert bietet, ist sinnvoll. Ob die nun azubister, azubiyo, aubi-plus, beroobi, shiftjobs oder wie auch immer heißen mag. Insofern lassen wir uns überraschen, welch neuartigen Ansatz ausbildung.de ins Feld führt. Und der ist definitiv vorhanden und unterscheidet die genannten. Schönen Sonntag!

    • Sascha sagt:

      @Carl: Das sehe ich ähnlich.

      Auf den neuartigen Ansatz bin ich auch sehr gespannt. Ein guter Berufstest respektive eine gelungene Potenzialanalyse wären jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Und bei der Fülle an Ausbildungsberufen auf der einen- und den mannigfaltigen Ansprüchen und Lebensentwürfen der heutigen Jugendlichen auf der anderen Seite, habe ich einen solchen bisher noch nie zu Gesicht bekommen.

      Grundsätzlich ist jede Aktivität im Hinblick auf ein gelungenes Azubimarketing im Social Web/Web 2.o oder schon 3.0/Social Media-Bereich zu begrüßen…Nur vermisse ich bei den großen Portalen oft die Nähe zu den Jugendlichen selbst. Denn nur Aufgrund von Studien (..und da gibt es ja bekanntlich zu jeder Ansicht eine ;) ) wird man den tatsächlichen Ansprüchen von “echten” jungen Menschen offline nicht gerecht. Nur weil junge Menschen heute nachgewiesenermaßen medienaffin sind-, heißt dies noch lange nicht, dass sie auch ausreichend medienkompetent sind um die verschiedenen Web 2.0 Angebote zielorientiert im Hinblick auf eine Ausbildungsplatzsuche/ einen Beruf/ gar ein “Karriere” eine zu nutzen. Man überschätzt Jugendliche da oft. Um Jugendliche zu überzeugen und ihnen bei der Nutzung zur seite zu stehen, bedarf es mindestens ebenso vieler Stunden offline Arbeit. Dies vergessen Unternehmen oder JungunternehmerInnen mit BWL/Marketing-Background, die hinter solchen Portalen stecken vielleicht eher öfters mal.

      Außer natürlich man möchte sich bewusst an jugendliche Eliten wenden (…was natürlich von Unternehmensseite her zu begrüßen wäre). Dies antikorreliert dann aber wiederum mit der Realität der Mehrheit junger Menschen wie sie heute überhaupt für eine duale Ausbildung zur Verfügung steht. (..und tut es auch schon seit langem – wurde aber von Unternehmen eher verdrängt. Mit ein Grund für die Situation auf dem Ausbildungsmarkt heute.)

      Eigentlich wollen wir doch alle mitnehmen und jeder/jedem eine Chance geben oder!? So wäre man ja zum Beispiel “im April 2013″ auch gerne “als Erste an Bord!”…

      • personalmarketing2null sagt:

        Hallo Sascha, wahre Worte! Ich bin recht zuversichtlich, dass der Ansatz dieses Portals in die richtige Richtung geht. Bisher konnte sich das, was von den Jungs und Mädels umgesetzt wurde, auf jeden Fall sehen lassen und hat mich in Gänze überzeugt. Es sollte mit dem Teufel zugehen…

      • Tobias sagt:

        @Sascha:
        Da stimme ich voll zu! Gerade die Unterscheidung zwischen medienaffin und medienkompetent finde ich aus pädagogischer Sicht sehr wichtig. Häufig fehlt es ziemlich stark an der Medienkomptenz und die persönliche Beziehung (die Schule ist hier auch gefragt) ist immer, aber besonders in diesem Alter, sehr entscheidend. Oft beobachte ich auch bei Jugendlichen in diesem Alter eine nicht immer schon ausgeprägte Motivation in Sachen beruflicher Zukunft.

        Ein Potenzialtest o.ä. wäre da sicherlich spannend. Gibt es nicht irgendwo bereits sowas? Dieser Test müsste allerdings auch gefunden werden. Plattformen wie azubister sind meiner Erfahrung nach nicht so bekannt, zumindest sind meine subjektiven Erfahrungen mit Ausbildungssuchenden so.

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