Neulich, bei Nintendo. Personalmarketing zum Abgewöhnen.

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Eigentlich habe ich gerade irgendwie gar keine Zeit zum Bloggen, was einerseits sehr schade ist, andererseits wiederum erfreulich, weil von Luft und Liebe kann der Mensch bekanntlich (leider) nicht leben. Insofern freue ich mich also riesig über die laufenden Projekte. Aber im Zuge dessen bin ich gerade auf ein schönes (Personalmarketing-)Fundstück aus der Rubrik „Wie Sie es garantiert schaffen, Bewerber zu verprellen“ gestoßen. Und das liebe Leser, will ich Ihnen nicht vorenthalten. Schließlich sollen Sie doch die Gelegenheit haben, aus den Fehlern anderer zu lernen :-)…

Zunächst muss ich sagen, war ich angenehm überrascht. Denn nur durch die Eingabe von „Jobs“ ins Suchfeld bei Google (nein, nicht beim Facebook Graph Search :-)) bin ich tatsächlich auf eine (Karriere-)Website gestoßen und nicht auf die unter dem Suchbegriff allgegenwärtigen Jobsuchmaschinen bzw. Stellenbörsen. Prompt war natürlich meine Neugierde geweckt, als ich direkt unterhalb von Links zu den Karriereseiten von RuV und Schott den Link „Job-MicroSite“ und den Hinweis auf Nintendo fand. Und natürlich war im nächsten Moment der Link geklickt. Was ich dann vorfand, war folgendes:

Job Microsite Nintendo

Hübsch, endlich mal wieder eine Scrollwüste, dachte ich mir so. Aber – und das sollten Sie nun wirklich ein für alle mal wissen – wenn ich eins nicht bin, dann ist es oberflächlich. Natürlich darf man sich niemals von Äußerlichkeiten täuschen oder blenden lassen. Das gilt für Personalmarketing-Instrumente wie Karriere-Websites, Facebook Karriereseiten oder Mitarbeiterblogs genau wie für Frauen. Was doch letztendlich immer wieder zählt, sind doch die inneren Werte, oder? Sehen Sie. Ich denke das zumindest immer. Nun sagen wir meistens. Denn zugegebenermaßen habe ich meine Ehefrau, die immerhin  die beste von allen ist, doch schon nach ihrem Äußeren ausgewählt. Ehrlich gesagt, war ich hin und weg, als ich sie sah. Aber das gehört jetzt nicht hierher. Wobei bei ihr nicht nur das Äußere, sondern auch die inneren Werte stimmen. Doch die, und das wissen Sie sehr wohl, entdeckt man erst bei genauerer Betrachtung. Und genau so einer unterzog ich die Nintendo Karriere-Microsite.

Employer Branding? Fehlanzeige.

Und so begab ich mich auf die Suche nach Informationen, die Bewerber dazu motivieren könnten, sich im Unternehmen zu bewerben. Und siehe da, ich wurde fündig. Man kann sagen, die Informationen die dort knallhart und emotional ansprechend präsentiert werden, haben es durchaus in sich und ich war tatsächlich versucht, mich zu bewerben. Gut, wenn ich ehrlich bin, ist mir die Position als Geschäftsführer meines Unternehmens dann doch lieber. Aber vielleicht ist das ja was für Sie. Schauen Sie doch mal:

„Als ein erfolgreiches und expandierendes internationales Hardware und Software Unternehmen in der Videospieleindustrie“,steht da geschrieben (immerhin sind das erste Hinweise auf eine mögliche internationale Karriere), „bieten wir ständig interessante Karrierechancen (wow, das klingt interessant: interessante Karrierechancen! Treffender und plastischer kann man es kaum auf den Punkt bringen!) in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen an (oh, kann man doch! Unterschiedlichste Arbeitsbereiche – das heißt also vom Hausmeister bis zum CIO ist da alles drin?).“ Und wenn dann zu lesen ist, dass Nintendo „ein außergewöhnliches Unternehmen“ ist, gibt es beim Bewerber kein Halten mehr. Und da sich die „aktuellen Stellenausschreibungen in der angefügten Jobliste“ befinden, wird er sich sofort bewerben. Schließlich kann er sich „dann im Anschluss mittels unseres Bewerbungsformulars online bei uns bewerben“. Yippie yippie yeah! Und sogar per Post! Das kann man sonst auf jeden Fall bei den Öffentlich-Rechtlichen sehr gut.

Also auf, schauen wir nach den Jobs. Gut, sicher. Nintendo ist ein international aufgestelltes Unternehmen. Ich verstehe durchaus, dann dort englischsprachige Stellenanzeigen präsentiert werden. Mit englischen Titeln. Das ist naheliegend. Aber warum dann neben Positionen wie (Assistant) Localisation Producer, (Junior) Translator English – Dutch, (Junior) Translator Japanese – French,  Application Developer, Electronic Manual Programmer, Financial Analyst,  Japanese – English Translator (Communication Coordinator), Reporting Specialist – IT Expert, Team Assistant, Translator Japanese – Spanish, Translator Japanese – UK English für den Standort Frankfurt bzw. ehrlicherweise Großostheim ein Accounting Specialist oder ein Credit Control Specialist (WTF???) gesucht wird, kann ich nicht nachvollziehen. Mal ehrlich, was sollen das für Jobs sein? Und vor allem: Welcher mit halbwegs gesundem Menschenverstand ausgestattete Mensch, der in Deutschland auf Jobsuche ist, sucht nach solchen Titeln? Wer?

Aber gut, ich will nicht nachtragend sein. Ich bin die Zielgruppe. Ich bin Super-Mario. Ich will den Job! Und schließlich ist immerhin die Ausschreibung auf Deutsch. Jawoll! Also bewerbe ich mich (auch wenn mir Nintendo selbst in der Stellenbeschreibung schuldig bleibt, was die denn nun als Arbeitgeber ausmachen. Ah, ich hab’s! Ich schau mal bei kununu und siehe da, eine Bewertung gibt’s auch schon :-) (und immerhin wurde das Profil auch schon seit Erstellen im Februar 2011 1.721 mal angeklickt. Bin ich wohl nicht der einzige, der Angaben zum Arbeitgeber vermisst).

Bewertung von Nintendo auf kununu

Wie Nintendo es garantiert schafft, Bewerber zu verprellen

Was also soll mich nun endgültig von einer Bewerbung abhalten? Nun,ich verrate es Ihnen:

Personalmarketing zum Abgewöhnen: Bewerbungsformular bei Nintendo

In diesem Sinne, schönen Tag und bis bald mal wieder!

 

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