Employer Branding: Mit Mitarbeiter-Blogs Gesicht als Arbeitgeber zeigen

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 9 Minuten.

Ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich hier jetzt schreibe, dass sich Social Media Personalmarketing nicht nur auf das Erstellen einer Facebook Karriere-Page beschränkt, oder? Eine weitere, sogar weitaus bessere Möglichkeit, sein Unternehmen im WWW zu präsentieren, sich ein Gesicht zu geben und auf sich als Arbeitgeber aufmerksam zu machen, bietet Ihnen nämlich ein Mitarbeiter-Blog. Was ein Blog ist,  muss ich Ihnen jetzt nicht erzählen, schließlich lesen Sie gerade eins. Wie Sie das Ganze aber für Ihr Employer Branding nutzen können, erzähle ich Ihnen gerne. Und eine Checkliste, die ich gemeinsam mit Jörg Buckmann (den man wohl getrost als den Novellisten der Personalblogger-Szene bezeichnen darf) erstellt habe und die Ihnen zeigt, warum Sie bloggen sollten und was Sie dabei beachten müssen, liefere ich gleich mit…

Dass man einen Blog wunderbar als authentischen Kommunikationskanal für die Mitarbeiter einsetzen kann, hat wohl als erstes deutsches Unternehmen der Tiefkühlkostanbieter Frosta erkannt. Beim Pionier in Sachen Mitarbeiterblogs bloggen bei Frosta bereits seit Juni 2005 die Mitarbeiter. Und das tun sie bis heute regelmäßig. Als erster  Azubi-Blog ging dann im Oktober 2005 der bezeichnenderweise auch „ausbildungsblog“ genannte Ausbildungsblog des Unternehmens Festo an den Start. Mittlerweile gibt es auch diverse Nachzügler, die dieses Medium fürs Ausbildungsmarketing entdecken. Zuletzt hatte ich hier an dieser Stelle vom ThyssenKrupp-Rasselstein-Azubiblog berichtet, der erfreulicherweise sogar für den HR Excellence Award nominiert wurde gerade den HR Excellence Award in der Kategorie Mitarbeiterblog erhalten hat. Meinen Glückwunsch!

Anzahl der Blogs weltweit in Mio - Quelle: statista/NM Incite

Der in der breiten Masse wohl bekannteste Unternehmensblog ist wahrscheinlich der von Daimler. Mehrere hundert Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Bereichen des Unternehmens beteiligen sich an dem Blog, der erst zwei Jahre später im Oktober 2007 live ging. Einige Autoren schreiben nur einen einzigen Artikel, andere wiederum prägen mit einer Vielzahl von Artikeln das Gesicht des Blogs. Natürlich ist Daimler nicht das einzige Unternehmen, das bloggt. Viele andere entdecken Blogs als Baustein Ihrer Employer Branding Strategie und ziehen nach, wie beispielsweise die Deutsche Telekom, das Telekommunikationsunternehmen QSC oder auch SMA Solar Technology.

Doch wie bei Facebook auch, missverstehen viele andere Unternehmen das Medium und posaunen ausschließlich gesichtslose selbstreferenzierende Marketing-Messages heraus. Als Beispiel hierfür mag der Vodafone-Blog dienen. Auch geht es – wie bei Facebook auch – nicht um einen super schick gestylten Blog mit ganz viel Blingbling, sondern primär um Content und Authentizität. Wenn Sie mehr über die größten Fehler lesen wollen, die bei der Umsetzung von Corporate Blogs gemacht werden, so empfehle ich Ihnen diesen Beitrag im PR-Blogger!

Generell gilt in Sachen Employer Branding mit Mitarbeiterblogs: Keiner kann ein Unternehmen so authentisch und überzeugend darstellen, wie die eigenen Mitarbeiter selbst. Und das zahlt dann im Umkehrschluss auch aufs Employee Branding ein: Denn im Falle eines richtig verstandenen Mitarbeiter-Blogs sorgt der Mitarbeiter ja nicht nur für eine bessere – oder sagen wir authentische und dem Gesamtbild förderliche  – Außenwahrnehmung, sondern auch dafür, dass er sich selbst besser positioniert.

Hier nun also KnabenManns ultimative Checkliste für alle, die sich mit dem Medium Mitarbeiterblog auseinandersetzen wollen.

Employer Branding mit Mitarbeiterblogs – die Checkliste

Wesentliche Bestandteile eines Blogs

  • Die Artikel selbst (Sie lesen gerade einen)
  • Kommentare (dürfen Sie gerne hinterlassen!) – Leser haben die Möglichkeit über Kommentare in den Dialog mit den Autoren zu treten. Dialog bedeutet im Übrigen, dass der Autor auf Kommentare eingeht und damit auch seine Wertschätzung ausdrückt.
  • Kategorien – jeder Blogartikel wird der besseren Auffindbarkeit wegen einer bestimmten Kategorie zugeordnet. Über diese lassen sich dann die Artikel innerhalb eines Blogs besser auffinden. Diesen Artikel werde ich bspw. den Kategorien Employer Branding, Ausbildungsmarketing und Personalmarketing zuordnen.
  • Schlagwörter, so genannte Tags – dem Artikel werden zwecks besserer Auffindbarkeit bestimmte Schlagwörter zugeordnet. Werden bestimmte Schlagwörter immer wieder verwendet, empfiehlt sich die Einrichtung einer entsprechenden Kategorie. Als Schlagwörter für diesen Artikel verwende ich bspw. Mitarbeiterblog, Corporate Blog, Ausbildungsmarketing, Personalmarketing, Social Media, Buckmann, Knabenmann, personalblogger, Personalmarketingblog, Google, Checkliste.
  • Permalinks – jeder Artikel bekommt seine eigene Seitenadresse, den so genannten Permalink, welcher idealerweise den Titel des Artikels im Namen trägt, z. B. personalmarketing2null.de/2012/12/02/employer-branding-mitarbeiterblogs-gesicht-arbeitgeber. Auf diese Weise gehen einmal geschriebene Artikel nicht verloren.

Wozu eigentlich bloggen?

Google liebt Blogs. Schreiben Sie regelmäßig und beachten einige wichtige Regeln, so wird man Ihren Blog und somit Ihre Botschaften leicht bei Google finden. So können Sie:

  • Reichweite aufbauen
  • Ihr Unternehmen und/oder sich selber als Experte etablieren
  • Eine (Arbeitgeber-) Marke aufbauen (Employer Branding)
  • Neue Kunden bzw. neue Bewerber erschließen
  • In den Dialog mit den Lesern treten

Darüber hinaus sind (zumindest selbst gehostete) Blogs im Gegensatz zu einer Facebook Karriereseite absolut unabhängig – d. h. Sie sind der Herr im Haus, wohingegen Sie bei Facebook nur zu Gast sind!

  • Auf Ihrem Blog können Sie jederzeit und topaktuell „richtige“, fundierte Artikel schreiben. Sie bieten eine hohe inhaltliche Tiefe, die Ihnen bspw. Facebook niemals bietet!
  • Ein Blog ist eine perfekte Informationsdrehscheibe – die Artikel können mit anderen Blogs vernetzt und einfach und schnell über Twitter, Facebook, Google+ und andere Social Media Plattformen weiter verbreitet werden.
  • Und vor allem: Sie geben Ihnen (oder Ihrem Unternehmen) ein Gesicht. Ihre Leser sehen, wer hinter den Beiträgen steht und können auf diese Weise eine Beziehung zum Autor aufbauen.

Themenwahl

  • Überlegen Sie sich die Ziele, die Sie mit einem Blog verfolgen wollen. Beachten Sie dabei: Ein Blog ist kein PR-Kanal. Weichgespülte und auf Gleichklang getrimmte Presseartikel haben dort nichts zu suchen!
  • Mit einem eigenen Blog beziehen Sie Stellung und besetzen Themen, statt sie nur weiter zu verbreiten (Räusper. So sollte es zumindest sein!)
  • Bei den Beiträgen ist erlaubt, was gefällt. Es sollte allerdings im Kontext zum Auftritt stehen
  • Es muss nicht immer ausschließlich um Neuigkeiten aus dem Unternehmen gehen. Auch „private“ Artikel sind durchaus erlaubt. Schließlich geht es darum, mit dem Blog authentisch aufzutreten und das Unternehmen und die Mitarbeiter vorzustellen. Das erlaubt auch einen Blick „hinter die Kulissen“.
  • Sind – wie das bei einem Mitarbeiterblog so üblich ist – mehrere Autoren beteiligt, so ist auf jeden Fall ein Redaktionsplan sinnvoll, der auflistet, wer wann über welches Thema schreibt und wann der Artikel veröffentlicht werden soll.

Technik / Software

Fürs Bloggen braucht es keine vertieften IT-Kenntnisse und passende Bloggersoftware gibt’s (praktisch) gratis:

  • WordPress. Die meist verbreitete Blogging-Software
  • WordPress.com: Auf der Blogplattform WordPress.com gehosteter Blog (z. B. mein „alter“ Blog lief darauf)
    Nachteil: Limitierte Gestaltungsmöglichkeiten, Abhängigkeit vom Anbieter, ggf. unerwünschte Werbe-Einblendungen
  • WordPress.org: Blogging-Software, die auf Ihrem eigenen Server läuft und individuell angepasst werden kann (der neue personalmarketing2null-Blog)
    Vorteil: Unlimitierte Gestaltungsmöglichkeit, absolute Unabhängigkeit, keine Werbung, tausende so genannter Plug-ins (die Ihrem Blog zu noch mehr Funktionalität verhelfen)
  • Andere Blogplattformen: z. B. Blogger.com (ehemals Blogspot)

Aufwand und Ressourcen

Grundsätzlich lebt ein Blog von Aktualität. Heißt im Klartext: Ein Artikel pro Woche ist das Minimum. Ein Blog, der nicht regelmäßig aktualisiert wird, verliert schnell das Interesse der Nutzer (und von Google) und verdient den Namen „Blog“ darüber hinaus nicht. Aber bei einem Blog, der aus den Fingern und Hirnen mehrerer Mitarbeiter gespeist wird, ist das eigentlich kein Thema.

  • Je nachdem, wie lang die Artikel sind, wie aufwendig Sie recherchieren oder nach passenden Bildern suchen, ist mit einem Zeitaufwand von einer bis zu fünf Stunden für einen Artikel zu rechnen (also gut, das mit den fünf Stunden soll Sie jetzt nicht abschrecken. Aber bei so langen Artikeln, die ich vorzugsweise schreibe, kann das durchaus schon mal vorkommen!)
  • Ein Unternehmensblog kann (und sollte) auf verschiedene Autorenschultern verteilt werden. Mithilfe des oben erwähnten Redaktionsplans relativieren sich dann die Ressourcenaufwände – auf der anderen Seite braucht es dazu aber auch Vertrauen untereinander, ein Minimalmaß an Disziplin und im Idealfall einen Seitenbetreuer, der den Hut auf hat.

Eine Leserschaft aufbauen

Eine nachhaltige Leserschaft aufzubauen, ist nicht von heute auf morgen zu schaffen. Sie benötigen viel Herzblut, Geduld, Leidenschaft und Hartnäckigkeit. Weisen Sie daher immer und überall bei allen sich bietenden Gelegenheiten auf Ihren Blog hin,

  • zum einen über „herkömmliche“ Wege (Verlinkung auf Website, E-Mail-Signatur, Geschäftskorrespondenz, Mundpropaganda etc.),
  • ggf. (wenn vorhanden) über eine eigene, passende Facebookseite oder Ihren Twitter- respektive Google+-Account,
  • über geschicktes Verlinken mit anderen Blogs und Online-Medien –
    im Artikel selbst, in Kommentaren anderer Blogs und
  • über die Blogroll (Liste von „befreundeten“ oder themenrelevanten Blogs – noch mal Räusper, die ist damals dem Relaunch zum Opfer gefallen, ist aber meine Hausaufgabe für über die Feiertage).
  • Darüber hinaus sollten Sie Ihren Lesern die Möglichkeit bieten, Ihren Blog per E-Mail oder RSS zu abonnieren (haben Sie eigentlich schon meinen Blog abonniert? :-))

Beispiele von Personalmarketing-, Mitarbeiter- und Azubiblogs

Übersicht deutschsprachiger Recruiting-/Personalmarketingblogs:

Empfehlenswerte deutsche Mitarbeiterblogs:

Azubiblogs:

Ein absolut hörenswertes Interview, welches Blogger-Kollege Jörn-Hendrik Ast mit Blogger-„Urgestein“ Daniel Rehn zum Thema Blogging geführt hat und viele weitere wertvollen Hinweise enthält, gibt’s hier, wenn Sie auf den Play-Button klicken:

Und hier noch einmal eine grafische Aufbereitung zum Thema, die das vorher gesagte wunderbar auf den Punkt bringt (mit Dank an Jo Diercks, aber vor allem Patricia Redsicker):

Facebook vs Blog 10 Reasons Business Blogging is Better than Facebook [Infographic]

Übrigens, wenn Sie sich nun mal ganz ungezwungen mit dem Thema Blog beschäftigen und sich unverbindlich als Blogger ausprobieren wollen, so sind Sie (vorausgesetzt, Sie sind Personaler oder mit Personalführungsaufgaben betraut – Dienstleister müssen leider draußen bleiben!) herzlich eingeladen, beim personalblogger – dem Blog von Personalern für Personaler – zu beteiligen. Dort dürfen Sie sich dann mit Themen Ihrer Wahl (Employer Branding und alles andere kann, nichts muss) an der Seite von Jörg Buckmann, Marcus K. Reif, Jürgen Sorg, Florian Schrodt, Alexandra Götze, Birger Meier, Florian Wurzer, Matthias Melcher, Lukas Zulehner, Ellen Nagel, Tim Verhoeven, Dominik A. Hahn, Sebastian Manhart, Robindro Ullah und anderen nach Herzenslust austoben und sich in der Blogosphäre verewigen. Neben dem Bloggen selber bietet personalblogger Ihnen auch den Vorteil, sich mit Kollegen aus unterschiedlichen Unternehmen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu vernetzen und sich ungezwungen auszutauschen.

Also auf, Blogger aller Länder, vereinigt euch! Macht mit, bloggt mit, vernetzt euch!

 

Suche

Keinen Artikel mehr verpassen?

Gib einfach hier deine E-Mail-Adresse ein und schon erhältst du die neuesten Artikel frisch in dein Postfach :-)

Schließe dich 599 anderen Abonnenten an

Azubi-Recruiting-Trends 2015

Folge mir auf Twitter

Kategorien

Archive