Leben mit dem Tod: Personalmarketing in der Bestattungsbranche

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 8 Minuten.

Ja, ich weiß. Der Tod ist ein Thema, mit dem man sich nicht gerne auseinandersetzt. Zwangsläufig geht aber kein Weg an ihm vorbei. Auch ich musste das gerade wieder leidvoll erfahren. Und dies ist auch der Grund für ein paar Tage Abstinenz hier im Blog und anderswo. Sie mögen mir jetzt und hier Pietät- und Geschmacklosigkeit vorwerfen, dass ich das Ganze jetzt unter dem Personalmarketing-Aspekt beleuchte. Aber die Milliarden, die in diesem Markt gemacht werden und die Vielzahl von Jobs, die mit dem Tod verbunden sind, rechtfertigen sehr wohl eine Auseinandersetzung mit diesem Thema. Zudem passt es sehr gut zum grauen November und zur ARD Themenwoche „Leben mit dem Tod„.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich mich in meinem Leben nie auch nur ansatzweise mit dem Gedanken beschäftigt habe, eine Ausbildung im Bestattergewerbe oder als Friedhofsgärtner anzutreten. Nicht mal im Traum. Alleine der Gedanke an den Tod sorgt in der Regel nicht gerade für Freudensprünge (zumindest hier in Deutschland nicht, Ausnahmen gibt es sehr wohl, bspw. in Mexiko oder in Madagaskar, wo der Umgang mit dem Tod ein ganz anderer ist, ja sogar Partys mit den Toten gefeiert werden) und zumindest ich versuche ihn nach Möglichkeit zu verdrängen. Nichtsdestotrotz sei hier insbesondere meinen männlichen „45+“-Lesern der Gang zur Darmkrebs-Vorsorge empfohlen. Es lohnt sich.

Ich war doch sehr überrascht, als ich die Mitarbeiter vom Bestattungsinstitut gesehen habe. In meiner naiven Vorstellung waren das Herren mittleren Alters, mindestens Ende 40, aber weit gefehlt. Zwischen Anfang 20 und Anfang 30 hätte ich die beiden eingeschätzt, die die notwendigen Formalitäten abwickelten und in der Stunde des Todes herbei eilten. Wie aber kommt man auf die Idee, Bestatter zu werden? Nun, das ist eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Wie z. B. der junge Mann hier:

Man muss schon ein gewisses Faible für diesen Job haben. Ähnlich wie in der Pflege, muss man sich für diese Dinge berufen fühlen.

Die andere Frage, die mich natürlich wiederum nach Personalmarketing-Gesichtspunkten interessiert: Wie gehen eigentlich Bestattungsinstitute vor, wenn sie auf der Suche nach Nachwuchs sind? Auf welchem Wege nutzen sie das Internet – ihre Website, Youtube oder vielleicht sogar Facebook?

Ich persönlich war überrascht, dass sogar die Zeitarbeitsbranche auch vor diesen Berufen nicht halt macht. Eine Recherche auf der Plattform des Bundesverbandes Deutscher Bestatter bestatter.de förderte dies zu Tage. Hier gibt es eine Jobbörse für die Bestatterbranche. Von derzeit 33 eingestellten Angeboten entfallen immerhin zwei auf Personaldienstleister. Auch Stellen, die ich bei kimeta gefunden hatte, waren von Personaldienstleistern. Kann man von halten was man will, ich finde es suspekt. Aber das nur am Rande. Interessant, wenn auch nutzerorientiert eine Katastrophe, finde ich auch die Informationen zu den einzelnen Berufsbildern auf der Website: Bestattungsfachkraft, Geprüfter Bestatter, Bestattermeister, Bestatter im Notfalleinsatz, Geprüfter Thanatopraktiker (salopp gesagt sind das die, die einbalsamieren) und Geprüfter Kremationstechniker gibt es da. Aber schauen wir uns doch mal an, wie sich Deutschlands Bestatter abseits dieser Plattform im Web potenziellen Bewerbern präsentieren…

Als Basis für meine Recherche diente zum einen ein Bericht der Stiftung Warentest, die deutsche Bestatter unter die Lupe genommen hatte, sowie eine willkürliche Recherche nach Bestattungsunternehmen bei Google, zum einen einfach nur mit dem Searchstring „bestattungen“, zum anderen mit den Searchstrings „bestattungen + stellenangebote“ und „+ jobs“ sowie „+karriere“. Bei der Recherche kam im Übrigen sehr schön zu Tage, welch guten Job die SEO-Spezialisten von kimeta und kununu doch machen. Stets unter den Top 10-Suchergebnissen, alle Achtung!

Gerade einmal 45 Prozent der Bestattungsinstitute informieren über Jobs

Wie sich der geneigte Leser schon denken kann, ist das Ergebnis ähnlich ernüchternd wie bei den Lebkuchenbäckern. Von 20 Bestattern haben gerade einmal neun Informationen zu Job und Karriere auf Ihrer Website. Gerade einmal 45 Prozent nutzen ihre Website also, um auf aktuelle Vakanzen aufmerksam zu machen. Interessant dabei, dass darunter durchaus auch größere Unternehmen mit mehreren Filialen dabei sind sowie Unternehmen, die über kimeta oder über bestatter.de zu  finden sind. Interessant übrigens auch, dass die Jobs auf kimeta nahezu ausschließlich aus dem Eures-Portal – dem europäischen Portal für berufliche Mobilität – gezogen werden.

Abgesehen davon bin ich doch recht überrascht, dass bei einigen der „großen“ Bestatter keine Infos zu Jobs und Karriere zu finden sind – bspw. bei NOVIS oder bei ESF. Noch überraschter bin ich aber, dass tatsächlich bei einigen Websites die Hinweise zu den Rubriken Jobs und Karriere prominent in der Hauptnavigation platziert sind – nämlich bei Münzel Bestattungen:

Münzel Bestattungen als einziger mit Infos zum Arbeitgeber

Die Informationen sind unter dem Punkt „Karriere“ zu finden, darüber hinaus gibt es (wenn auch rudimentär) auch Infos zum Arbeitgeber. Ein Anfang ist also gemacht.

Deutschlands größter Bestatter, die Ahorn AG, enttäuscht da eher:

Personalmarketing bei der Ahorn AG - immerhin die Rubrik Stellenangebote gibt es

Denn hier finden sich die Jobs nur gut versteckt unter dem Menüpunkt „Die Ahorn AG“. Aktuell sind zwar keine Stellen zu finden, aber diese sollen sich ja auch unter den einzelnen Filialen finden. Dies ist aber in den meisten Fällen eher Wunschdenken. Schade, denn solche in die Irre leitenden Aussagen sorgen natürlich für wenig Begeisterung beim Bewerber. Mittlerweile gehört auch die Antea Gruppe zur Ahorn AG, auch hier findet sich eine Website mit Hinweisen zu Jobangeboten – wie es sich gehört ist auch hier der Link prominent platziert und damit schnell auffindbar.

Stellenangebote bei Antea Bestattungen

Nützt nur nicht ganz sooo viel, denn Hinweise zum Arbeitgeber selber finden sich eher nicht.

Arbeitgeber-Infos eher Mangelware

Diese finden sich auch nicht bei Trauerhilfe Denk aus Bayern. Allerdings jede Menge Stellenangebote. Die wiederum allerdings weniger prominent im Footer platziert:

Personalmarketing Trauerhilfe Denk - Stellenangebote ja, Infos zum Arbeitgeber nein

Auch in den Stellenangeboten selbst findet man keine Infos zum Arbeitgeber. Schade. Aber immerhin kann man sich online per E-Mail bewerben. Das ist nicht einmal bei Porsche möglich ;-).

Alles in allem bieten die Seiten noch Optimierungspotenzial. Und damit meine ich nicht die Architektur und das Layout der meisten Seiten, sondern was den Input an Bewerberinformationen angeht.

Absoluter Favorit in Sachen Karriere-Informationen ist übrigens ein Bestattungsinstitut aus dem Rhein-Main-Gebiet. Ich sage nicht, dass das perfekt ist, aber von der Informationsbereitung einfach die Website mit dem meisten Input. Und darüber hinaus sind die Informationen auch gut auffindbar. Das gelingt nicht einmal der Deutschen Bahn mit ihrer neuen Karriere-Website :-). Ich habe den Screenshot im Übrigen leicht modifiziert, damit Sie nicht unnötig scrollen müssen:

Infos zur Ausbildung und Jobs bei Heuse Bestattungen

Nett finde ich auch, dass man dort ein Bild eines Azubis integriert hat. Gibt ’nen Extrapunkt. Ohnehin setzt man bei Heuse auf echte Menschen und bildet bspw. das aktuelle Team ab. Gut gemacht!

Mit einer Rubrik Stellenangebote wartet auch das Bestattungsinstitut Hanrieder auf. Hier sucht man „Mitarbeiter“. Für was auch immer. So unspezifische Angebote findet man leider immer wieder. Etwas konkreter darf es schon sein. Dann findet Sie auch Google oder ein Jobspider ;-). Auch bei Schulz & Gwaltney findet sich eine „Karriere-Sektion“. Auch wenn der Link „Karriere – wir bilden aus“ viel verspricht, so sind die Infos leider nur rudimentär.

Was dieser kleine Querschnitt von Jobseiten deutscher Bestattungsinstitute eigentlich sehr schön zeigt: Man muss nicht groß sein, um sich als Arbeitgber zu positionieren und Jobs zu präsentieren. Und was für die Bestatterbranche gilt, gilt eigentlich für jedes Unternehmen (bis auf Ausnahme der Berufsbilder vielleicht). Nämlich, dass es sich vor dem Hintergrund eines zunehmenden Fachkräfte-Wettbewerbs auf jeden Fall auszahlt, die Potenziale der Website auszunutzen und sich auf eigenen Karriereseiten als Arbeitgeber zu präsentieren. Wie das geht, habe ich bspw. in Bezug auf Touristik-Websiten beschrieben. Und was da steht, trifft eigentlich für jede Branche und jedes Unternehmen zu.

Zwei Bestattungsinstitute präsentieren sich sogar auf Facebook. Was man dort zu sehen bekommt, bedarf aber keines weiteren Kommentars. Hier bewahrheitet sich einmal mehr die Devise, dass Unternehmen eben nicht um jeden Preis auf Facebook vertreten sein müssen.

Einen Blog, betrieben von Bestattungsinstituten, habe ich nicht gefunden. Wohl aber einen der meist gelesenen Blogs Deutschlands mit mehreren Tausend Zugriffen am Tag: Im Bestatter-Weblog findet man umfangreiche Infos zum Thema Tod und Bestattung und zu Ausbildung und Berufsbildern in der Bestattungsbranche. Dem Blog gilt meine klare Leseempfehlung, wenn es um das Thema geht!

Einsatz von Recruiting-Videos Fehlanzeige

Noch ein paar Sätze zum Einsatz von Videos: Die sucht man tatsächlich auf den untersuchten Websites vergeblich. Mit einer Ausnahme. Auf der Website des Großhamburger Bestattungsinstituts findet sich zwar eine Rubrik mit dem Thema „Ausbildung„. Hier sind die Infos aber rudimentär und das dort gezeigte Video ist ein 12 Minuten langer Film des Fachverlags des deutschen Bestattungsgewerbes. Ja, auch den gibt es.

Ein anderes Video gibt es vom Berufsausbildungszentrum der Bestatter, welches übrigens das einzige seiner Art in ganz Europa ist. Also nicht das Video, sondern das Ausbildungszentrum. Informativ ist das Video mit dem schönen Titel „Traumberuf Leichenbestatter“ auf jeden Fall. Gefunden habe ich es nur auf Youtube. Es ist aber m. E. durchaus eine Empfehlung wert, das Video in den genannten Websites einzubetten, um weitere Infos zum Ausbildungsberuf zu vermitteln:

Apropos Video: Hier könnten Unternehmen doch mal punkten: Wie wäre es mit einem Bestatter-Rap? Einen Rap hat das für seine peinlichen Azubimarketing-Bemühungen bekannte Handwerk nicht vorzuweisen, aber man versucht auf zielgruppengerechte Weise den Job des Bestatters zu verkaufen:

Das Handwerk informiert über den Job der Bestattungsfachkraft

 

Noch ein paar anknüpfende Punkte an meine Zeilen oben. Nicht nur in der Bestatter-Branche begegnet man dem Tod auf Augenhöhe. Auch so genannte Hospize bieten die Begleitung Sterbender. Oder Palliativ-Pflegedienste. Einen davon möchte ich hier – auch im Namen der besten Ehefrau von allen – namentlich nennen und meinen tief empfundenen Dank und Respekt ausdrücken, nämlich der Managementgesellschaft Halle der Katholischen Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth, genauer dem Elisabeth Mobil. Kurzer prägnanter Name, ich weiß. Aber die Damen und Herren haben einen tollen Job gemacht, der meinem Schwiegervater die letzten Stunden und Tage seines Lebens um einiges erleichtert hat.

Demnächst gibt es dann wieder leichtere Kost. Versprochen.

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