Das Flash-Desaster auf der Decathlon Karriere-Website und andere Peinlichkeiten

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Ich weiß ja nicht, ob es Deutschlands Burgerbrater Nummer 1 wirklich gelingt, mit seinem Top-of-the-Pops-Recruiting-Fremdschäm-Video Schüler für eine Lehre als Systemgastronom respektive Bulettenschieber zu gewinnen. Aber was ich mit Sicherheit weiß: McDonalds ist es zu meinem Leidwesen gelungen, mit seinem Song einen Ohrwurm bei mir zu platzieren und damit „Is this the Way to Amarillo“ abzulösen. Bei jeder Gelegenheit höre ich nun dieses „Hey! hier zählt nur dein Talent! Es geht schneller als du denkst, dein Aufstieg in deiner Hand, wo ist dein Tellerrand?“ Ob beim Joggen oder unter der Dusche, ja bis in den Schlaf verfolgt mich der Gassenhauer. Ich erwäge allen Ernstes eine Schmerzensgeldklage.

Aber McDonalds sind ja nicht die einzigen, denen es gelingt, auf clevere Art und Weise Bewerber erfolgreich zu verprellen. Und während ich gerade einen Workshop zum Thema Karriere-Website vorbereite, ist mir doch ein wunderbares Beispiel über den Weg gelaufen, dass ich Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten möchte…

Es geht um die neue Karriere-Website des Sportartikelanbieters Decathlon. Im Mutterland Frankreich gerade zu einem der Top-Arbeitgeber gekürt, sind die Märkte in Deutschland nicht ganz sooo bekannt. Was natürlich nicht ausschließt, trotzdem auf die Suche nach Top-Talenten im Einzelhandel zu gehen. Und das natürlich auch online. Und wie! Gleich auf drei Kanälen geht man auf Bewerberjagd:

Mit der neuen Karriere-Website, mit einem Karrieretab auf Facebook und einem Youtube-Video. Aber eins nach dem anderen.

Die Karriere-Website mit dem höchsten Fremdschämpotenzial 2012 - Decathlon Karriere

Flash-Desaster und andere Peinlichkeiten

Manchmal muss man sich wirklich fragen – ich zumindest frage mich das immer wieder – auf welcher Droge Personaler gerade sind, wenn sie bestimmte Projekte freigeben oder Agenturen beauftragen. So auch in diesem Beispiel. Denn die Karriere-Website von Decathlon zeigt auf wunderbare Weise, wie man seine Personalmarketing-Aktivitäten im Web definitiv nicht angehen sollte. Warum?

  1. Die Website ist komplett flashbasiert. Ein Betrachten der Website ohne Flash-Player ist nicht möglich. Eine Bewerbung natürlich auch nicht. Abgesehen davon, dass nicht jeder die aktuellste Version des Flashplayers auf seinem Rechner installiert hat und dieses auch nicht vorgeschrieben bekommen möchte, scheidet aber eine ganz wesentliche, immer größer werdende Gruppe als Bewerber aus. Nämlich die Nutzer mobiler Endgeräte wie iPad & Co. Die schauen nämlich in die Röhre. Für einen solchen Fall sollte man immer eine „Fallback“-Variante anbieten, also eine Website, die einem die Inhalte in HTML anzeigt. Das wäre zumindest meine Empfehlung. Aber nicht nur bei Decathlon sucht man diese vergebens, auch auf vielen anderen Websites herrscht da Flaute.
  2. Informationen für gesuchte Zielgruppen sucht man mit der Lupe. Wird dann nach einigem hin und her suchen unten links unter dem Punkt „Karrierechancen“ fündig. Und findet was? Eine Textwüste, in der man sich die Infos mit Mühe heraussuchen kann. Das Ganze darüber hinaus in weißer Schrift auf blauem Hintergrund (!). Aber was zählen schon Usability und Lesbarkeit…
  3. Stattdessen finden sich prominent in der Mitte der Seite die Punkte „Film“, „Bewerbung“ und „Jobs“. Das Ganze lustig animiert und von einer feschen Blondine mit Mountainbike, einer „linken Zecke“ (zumindest entspricht die Person optisch diesem Klischee) mit Skatboard und einem leicht beleibten älteren Herrn im Fußballtrikot vor der Kulisse eines Decathlon-Marktes in Szene gesetzt. Gut, klar, die drei repräsentieren ganz gut die Sportlichkeit von Decathlon und sind wahrscheinlich Mitarbeiter von Decathlon (denen ich übrigens nicht zu nahe treten will, sollten sie diese Zeilen lesen). WTF, was soll das?
  4. Auch bei Decathlon erwäge ich eine Schmerzensgeldklage. Rufen Sie nämlich die Website auf, erschallt sofort nach Laden der Seite (wir erinnern uns: Flash!) eine nervende Melodei. Wer nun so naiv ist wie ich und meint, er könne den Ton über den Lautsprecherbutton unten rechts auf der Seite zum Verstummen bringen, der irrt. Anstatt die Seite stumm zu schalten, ertönt nämlich auf einmal so etwas wie Vogelgezwitscher und Hintergrundgeräusche des Videoshootings. Hilft also nur, den Ton am Rechner direkt auszuschalten. Auch diese nervige Geräuschkulisse dürfte den einen oder anderen Bewerber kosten.

Weil das Ganze so schön ist und Sie den Blog ja vielleicht via Smartphone oder iPad aufrufen, habe ich einmal einen kleinen Screencast erstellt, so dass Sie einen wunderbaren Eindruck von der dummdebilen Machart der Website bekommen. Seien Sie im Übrigen froh, dass im Video kein Ton zu hören ist. Ich meine es eben wirklich nur gut mit Ihnen.

Ach ja, apropos Film. Hier gibt’s noch ein tolles „Recruiting-Video“ zu sehen. Das hat zwar nicht unmittelbar Fremdschämcharakter, aber nach dem Mehrwert darf man schon fragen, oder?

Infos zum Arbeitgeber sucht man vergeblich. Na gut, ich bin ehrlich. Zum Schluss sehen Sie immerhin, wie sich unsere drei Grinsegesichter im Job selbst machen.

Wie schon oben erwähnt, besteht die „Recruiting-Kampagne“ von Decathlon aus drei Elementen. Karriere-Website und Video hatten wir nun schon, bliebe noch der Tab auf der Facebookseite (im Übrigen ist die Decathlon Facebookseite noch lange keine Karriereseite, nur weil sie einen Karrieretab hat. Das wäre weiß Gott zu kurz gefasst :-)).  Immerhin ist das Ganze schon mal nicht flashbasiert. Wenn ich mich also über Jobs bei Decathlon informieren wollte, könnte ich das auch da. Theoretisch zumindest. Praktisch gibt es da nämlich ein Problem. Leider lassen sich die Jobs nämlich nicht in Gänze anzeigen. Im Chrome und im Internet Explorer werden sie sogar gar nicht angezeigt.

Anzeige der Jobs auf der Decathlon Facebookseite? Fehlanzeige!

Gut, dass es da die Karriere-Website gibt. Zwar nur flashbasiert, aber immerhin :-).

Aber vielleicht irre ich mich ja auch und alles ist super. Immerhin wird die Karriere-Website von Decathlon im Schnitt 5.000 mal im Monat aufgerufen. Und monatlich trudeln ca. 230 Bewerbungen ein.

Die Frage sei aber erlaubt, ob die Anzahl der Bewerbungen höher und die Qualität besser wäre, wenn die Seite für jedermann  und -frau erreichbar wäre und die Informationen so aufbereitet wären, dass ich für mich als Bewerber entscheiden kann, ob ich und das Unternehmen zusammenpassen oder nicht – Stichwort Selbstselektion.

Aber letztendlich wird so etwas ja ohnehin überbewertet und jeder Recruiter ist froh um jede Bewerbung, die er sichten kann

 

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