Die Sache mit Bettina Wulff und wie Google bei der Bewerbung hilft

Die Sache mit Bettina Wulff und wie Google bei der Bewerbung hilft

von personalmarketing2null. Lesezeit: fast 4 Minuten.

Ach ja, es ist schon traurig… Da schreibt man mal einen ernsten Artikel, der ja irgendwo uns alle angeht, und nur wenig Hähne krähen danach. Schreibt man hingegen über Muschis im Personalmarketing schießen die Zugriffszahlen wie blöde nach oben. Der Artikel über die geniale Stellenanzeige von Muschi Kreuzberg ist jetzt schon der Artikel, der am dritthäufigsten in diesem Jahr aufgerufen wurde (wohlgemerkt: übers ganze Jahr verteilt. Und es ist mal gerade ein paar Wochen her, dass der Artikel online ging). Nun ja, was macht man nicht alles für die Quote und auch Jörg Buckmann bloggte schon über Sex im Personalmarketing.

Nun denn, ich bekenne: Auch ich bin eine Quotenhure. Nicht umsonst nennt man mich den Thomas Gottschalk des Personalmarketings :-). Womit wir auch schon beim Thema wären…

Also beim Thema Hure. Bzw. Prostituierte. Da gibt es nämlich eine Dame, ihres Zeichens Ehefrau eines der in Sachen Geldscheffeln auf die schnelle, krumme Tour erfolgreichsten Deutschen Bundespräsidenten, die über ihre Vergangenheit stolperte (die es natürlich in der Form gar nicht gibt, das Aufbauschen durch die Presse und das Verklagen von Google ihr aber sehr viel PR für ihr Buch brachte und gleich die beste Referenz für ihre neu gegründete PR-Agentur (ein Schelm, wer Böses dabei denkt) und Dank Google bzw. der Summe der Suchanfragen sämtlicher Nutzer ihr Name nun mit sehr – sagen wir mal nicht-ganz-jugendfreien  Ergebnissen angezeigt wird (und wenn Sie es geschafft haben, bei diesem Satz nicht den Zusammenhang zu verlieren, herzlichen Glückwunsch. Das fällt selbst mir schwer :-)). Hierbei werden dank ausgeklügeltester Suchalgorithmen schon alleine während der Eingabe des Namens Bettina (!) folgende Ergebnisse angezeigt:

Bettina Wulff bei Google

Frau Wulff fand das natürlich gar nicht lustig und hat Google verklagt. Und nicht nur Google, sondern auch Deutschlands zweitgrößte Quotenhure Günter Jauch (oder ist das Pilawa?) Google hat sich dann erst etwas scheinheilig herausgeredet, Frau Ex-Bundespräsidentin konnte dann wohl in erster Instanz einen ersten Erfolg erzielen und ein Teil der automatisch vervollständigten Begriffe wurde gelöscht. Ich will das jetzt auch gar nicht weiter vertiefen. Schließlich dient das Ganze hier nur als Aufhänger und der Suchmaschinenoptimierung :-).

Interessant bei Google ist ja auch, dass man unterhalb der Suchergebnisse angezeigt bekommt, wonach andere Nutzer gegoogelt haben. Aufgrund der oben erwähnten Medienmaschinerie kommen bei Frau Wulff folgende verwandte Suchanfragen heraus:

Verwandte Suchanfragen zu Bettina bei Google

So. Und jetzt wird es interessant, liebe Leser. Das was hier zu sehen ist, hat nämlich einen nicht unerheblichen Einfluss auf Ihr Personalmarketing bzw. um Ihr Buhlen um Bewerber. Ich möchte sogar fast davon sprechen, dass Ihre Personalmarketing-Bemühungen hier mit Füßen getreten, gar konterkariert werden.

Google torpediert Personalmarketing

Warum? Nun, schauen Sie sich mal an, wenn ein Bewerber bspw. Deutsche Bank und Karriere eingibt? Was passiert da? Beim Autovervollständigen noch nicht viel. Da wird der Bewerber im Zweifelsfall auf Ihre Karriere-Website gelenkt (vorausgesetzt, Sie verfügen über eine. Und wenn ja, haben Sie hoffentlich Ihre Suchmaschinenoptimierungshausaufgaben gemacht).

Aber bei den verwandten Suchanfragen, da wird’s interessant. Hier bekommt der Bewerber, der sich vielleicht primär für den Einstieg bei der Deutschen Bank interessierte, frei Haus andere Optionen mitgeliefert. Ta da!

Konterkarierte Personalmarketingbemühungen - eine Suche nach Deutsche Bank Karriere ergibt verwandte Suchanfragen zu Commerzbank Allianz PWC

Deutsche Bank. Hm, vielleicht doch nicht so die gute Wahl. Die haben diese peinlichen, umständlichen Stellenanzeigen. Da doch lieber zur Commerzbank. Oder zur Allianz. Oder zur Deutschen Post. Oder zur Hypovereinsbank? PwC soll ja auch nicht so schlecht sein…

Konterkarierte Personalmarketingbemühungen - eine Suche nach pwc Karriere ergibt verwandte Suchanfragen zu KPMG Deloitte Accenture

Wie man schon sieht, funktioniert das bei sehr vielen Unternehmen.Bei einer Suche nach BMW Stellenangeboten wird dem Suchenden (= potenziellem Bewerber) z. B. die ganze Riege der deutschen Autobauer nebst Siemens angezeigt:

Konterkarierte Personalmarketingbemühungen - eine Suche nach BMW Stellenangebote ergibt verwandte Suchanfragen zu AUDI VW Mercedes, Porsche und Siemens

Und bei Siemens im Umkehrschluss die Riege der deutschen Autobauer nebst Bosch und MAN…

Konterkariertes Personalmarketing - eine Suche nach Siemens Karriere ergibt verwandte Suchanfragen zu AUDI VW Daimler MAN Bosch

Ja, so nahe liegen bei Google die Unternehmen beieinander. Ein klitzekleiner Klick und weg isser, der Bewerber. Insofern achten Sie immer schön darauf, dass bei der Konzeption Ihrer Karriere-Website die Suchmaschinenoptimierung nicht zu kurz kommt. Und sorgen Sie bitte, bitte, bitte auch für eine Karriere-Website, die allen gängigen Usability-Gesetzen konform ist. Vermeiden Sie unbedingt Experimente (hierzu in Kürze mehr).

Abgesehen davon, dass ich Sie hier natürlich auch unterhalten will, gibt Ihnen eine Auswertung der verwandten Suchanfragen aber auch Anzeichen darüber, wie Ihre Bewerber ticken bzw. welche Unternehmen in der Gunst Ihrer Bewerber ebenfalls oben stehen (das wissen Sie natürlich auch so, schließlich betreiben Sie ja ausgedehnte Personalmarketingforschung. Gell?).

Allerdings funktioniert das in dieser Form in der Regel nur bei bekannten Unternehmen bzw. bei Unternehmen mit vielen Suchanfragen.

Testen Sie doch einfach mal selbst!

 

  1. Roger sagt:

    süffig geschrieben… habe mich bestens unterhalten gefühlt. :-)

  2. […] Zugegeben, das ist schon eher eine Milchmädchenrechnung. Denn das heißt natürlich nicht, dass diese über eine Millionen Fans auch die Fans sind, die nur auf einer Seite “Gefällt mir” geklickt haben. Im Gegenteil, wie man anhand des Analyse-Tools fanpagekarma sehr schön herausfinden kann, sind viele Facebooknutzer gleich Fans von mehreren Karriereseiten. Was nicht sooo überraschend ist, bewirbt man sich doch auch nicht nur bei einem Unternehmen :-), zudem spiegelt dieses Bild ja auch ganz gut die verwandten Suchanfragen bei Google wieder. […]

  3. hi „thomas“,
    na da bin ich ja mal gespannt, ab wann dein beitrag bei google zu dem suchbegriff bettina wulff gelistet wird :)

    grüße aus berlin
    tibor

  4. Hi Henner,

    ich muss gestehe, dass ich Deinen ersten Artikel auch noch nicht gelesen habe, werde das aber umgehend nachholen, wenn ich hier mit kommentieren fertig bin :)

    Aber zurück zum eigentlich Kommentar-Grund – ich mag Deine Artikel, aber dieser hier würde von mir das Prädikat „Viel Lärm um nichts bekommen“ … sorry ;-)

    Die Google-Algorithmen sind nun einmal nicht auf „Nicht-Kanibalisieren“ justiert, von daher kann man da wenig bis gar nichts dagegen machen. Selbst Frau Wulff ist da an die Grenzen der Kommerzialisierung gestoßen.

    Wenn ich also die ganzen Screenshots und Füllzeilen wegreduziere, bleibt als Quintessenz: Personalmarketing und SEO gehören zusammen wie der linke und der rechte Schuh. Wenn dann noch Social Media mit ins Spiel kommt, wird ein regelrechter Schuhschrank draus :D

    Sorry, aber den Kommentar konnte ich mir beim Lesen gerade nicht verkneifen ;-)

    • personalmarketing2null sagt:

      Hi Jan,
      ich schätze deine Kommentare sehr, insofern kein Grund, sich zu entschuldigen.
      Viel Lärm um nichts ist auch nicht schlecht, aber du darfst das auch nicht alles so sehr auf die Goldkante legen, was ich hier schreibe. Ironie hat den Nachteil, dass sie nicht jeder erkennt. Aber es ist durchaus auch ein Funken Wahrheit dahinter. Und vor allem, und das ist das Entscheidende, du erkennst die Botschaft. In Schuhschränken steht ja auch immer der eine oder andere Schuh, der nur Lücken füllt (geile Metapher übrigens, muss ich mir merken :-)).
      Grüße nach Dresden
      Henner

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