Einen vom Pferd erzählt. Oder: Was Personalmarketing mit Pferden zu tun hat.

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 10 Minuten.

Vor einigen Wochen machte mir mein geliebtes Eheweib eine besondere Überraschung: Sie schenkte mir ein Führungskräfteseminar. Genauer: Ein Basisseminar „Führen mit Pferd„. Nun müssen Sie wissen, dass ich nicht wirklich ein großer Pferdeliebhaber bin (das erstreckte sich bei mir im Wesentlichen maximal auf einen Band aus der „Was ist Was“-Reihe, ich glaube 27 war es, „Pferde“ (unglaublich, es ist tatsächlich Band 27! Dass ich das noch nach 30 und mehr Jahren weiß, spricht wohl für sich) und auf die Winnetou-Filme. Das war’s dann auch schon). Pferde waren mir bis dato immer etwas suspekt. Warum auch immer. Schon alleine die Größe und das damit verbundene Gewicht fand ich bis zu dem Seminar vergangenen Samstag – sagen wir mal – Respekt einflößend. Und dann so ein Seminar… Ich und Pferde. Meine Begeisterung hielt sich also doch relativ in Grenzen :-). Führungsarbeit mit Pferden erlernen? Was für ein Humbug! Ich und Pferdeflüsterer? Ob das gut geht?

Um es kurz zu machen. Es ging gut. Es war sogar ein sehr emotional bewegendes Erlebnis. Auch wenn ich zunächst etwas skeptisch war und auch sehr distanziert gegenüber den Pferden war (was diese letztendlich gemerkt haben :-)), am Ende des Tages waren Pferd und ich eins. Oder sagen wir so: Wir waren uns ein ganzes Stück näher gekommen. Wenn Sie nun fragen, was das Ganze denn nun mit Personalmarketing zu tun hat oder meinetwegen auch mit Employer Branding, so kann ich nur antworten: eine ganze Menge. Denn wenn es intern im Unternehmen nicht stimmt (und da gehört nun mal die Führungsarbeit und das Verhalten von Führungskräften unmittelbar dazu), kann man nach außen noch so sehr auf bunt schillernden Karriere-Websites oder Facebook Karriereseiten die Werbe- und PR-Trommel rühren. Spätestens, wenn der neue, hoffnungsfrohe Bewerber im Unternehmen durchstartet, wird die Bombe platzen (abgesehen davon meint Personalmarketing nicht immer nur die Außenwirkung, vielmehr geht es auch um das interne Personalmarketing – und ein ganz wesentliches Element ist nun einmal der Führungsstil bzw. sind die Führungskräfte selbst).

Und Tschüss, für viel Geld kreierte Arbeitgebermarke, heißt es dann. Denn wer will schon in einem Unternehmen arbeiten, wo die Führungskräfte Flachpfeifen sind. Dank Transparenz und kununu sind solche Unternehmen schnell identifiziert :-) (denn hier lassen sich Arbeitgeberbewertungen oftmals an mangelndem Führungsstil einzelner Personen, Filial- und Abteilungsleitern festmachen). Und nicht umsonst sagt man ja auch: der Fisch stinkt vom Kopfe. Aber zurück zum Seminar, welches bei bestem Wetter unter freiem Himmel am Rande Wiesbadens stattfand…

Führen mit Pferd - Kerry und Silverado fassen Zutrauen. Oder umgekehrt :-)

Im Übrigen war ich nicht allein. Generell nicht – neben mir waren noch drei andere Teilnehmerinnen mit im Bund (Apropos Bund: eine bunt gewürfelte Truppe waren wir. Eine Erzieherin, eine Bankerin und eine Psychokinesiologin machten das Dutzend voll (also im übertragenen Sinn, wer rechnen kann wird schnell feststellen, dass es nur wir vier waren, also quasi vier alle, um es mit Ottos Worten auszudrücken :-))). Und was die Angst vor Pferden anging, hatte ich eine mutige Mitstreiterin, die sich gemeinsam mit mir ihren Ängsten stellte.

Die Zusammensetzung sagt schon, dass das Training nicht nur für Führungskräfte im klassischen Sinn war bzw. ist, schließlich gilt es ja, immer und überall Leute zu führen: Kinder, die einem auf der Nase rumtanzen, Kollegen und Mitarbeiter, die dasselbe tun, Freunde und Partner oder auch aber auch Kunden, die ich letztendlich führen muss. Und zwar entweder zum Altar oder zum Vertragsabschluss :-).

Was so ein Training bringt und wie das Ganze funktioniert, habe ich im Nachgang mit Thomas Schirmer, meinem Coach und Trainer an dem Tag, erörtert. Die Pferde selber, Kerry und Silverado, konnte ich ja schlecht befragen. Auch die Erlebnisse hier wiederzugeben, die mir widerfahren sind, können nicht das wiedergeben, was ein solches Training bringt: ein unglaublich emotional aufwühlendes Erlebnis.

Führen mit Pferd – Grundlagen vertrauensbasierter Führungsarbeit

Führen mit Pferd: Coach Thomas Schirmer mit SilveradoThomas Schirmer hat mehr als 15 Jahre Führungserfahrung in deutschen und internationalen Banken, Finanzierungshäusern und Unternehmensberatungen. Seit 2006 ist er mit seiner Beratung TSB Thomas Schirmer selbst als freiberuflicher Unternehmensberater, Coach und Trainer in der Führungskräfteentwicklung tätig und sorgt dafür, dass auch das interne Personalmarketing und damit im Umkehrschluss auch die Außenwirkung des Unternehmens (wieder) stimmt.

Ein Angebot, das ihn unglaublich fasziniert, ist das tiergestützte Training und Coaching (das müssen nicht nur Pferde sein. Auch Hunde (!) sind hervorragende Lehrmeister!). Wer nun wissen will, was an diesem Ansatz dran ist und warum Unternehmen auf Tiere setzen sollten, sollte hier unbedingt weiter lesen.

personalmarketing2null: Thomas, jetzt mal ganz im Ernst: Was kann ein Manager oder eine Führungskraft denn nun ausgerechnet von einem Pferd lernen?

Thomas: Nun, zuallererst, wie man den Schwächeren oben lernt zu ertragen, obwohl man ihn ganz leicht loswerden kann. Nein, im Ernst, Pferde sind ausgezeichnete Beobachter, die erst den Charakter ihres Gegenübers einschätzen, bevor sie reagieren. Dies kann bereits ein erster Ansatz sein, der vielen Menschen, gerade in Führungspositionen weiterhilft. Erst beobachten, die Situation einschätzen und dann die vernünftigste Handlungsalternative wählen, statt operative Hektik zu verbreiten.

personalmarketing2null: Warum dann ausgerechnet Tiere, respektive Pferde im Führungskräftetraining und -coaching? Du willst uns wohl einen vom Pferd erzählen…

Thomas: Diese Frage werde ich dir gerne unter verschiedenen Aspekten beleuchten und beantworten. In meiner Welt bedeutet Führen zuallererst Veränderungen herbeiführen zu können, durch Autorität, Überzeugung, was auch immer.  Veränderung fängt jedoch stets bei sich selbst an, ich kann mich immer wieder beschweren, dass sich Menschen nicht verändern, erzwingen oder beeinflussen kann ich das nur bei mir selbst. Wenn diese Veränderung zielgerichtet erfolgt, d. h. mir die Fähigkeit verschafft, mit gegebenen Situationen besser umzugehen, nennt man das „Persönliche Kompetenzentwicklung.“  Im Training  zeigt das Tier als Spiegel Veränderungsbedarf und -erfolg direkt und unmittelbar an. Zum einen wird beispielsweise ein Pferd nur dann dem Führenden vertrauensvoll folgen, wenn er authentisch, ehrlich und kompetent ist, zum anderen erlaubt die eigene Veränderung in dieser Richtung auch gleichzeitig eine Erfolgskontrolle des Geübten und Erprobten.

personalmarketing2null: Ja, das habe ich heute eindrucksvoll bemerkt. Und das ist wirklich erfolgreicher, als das Trainieren von Menschengruppen?

Thomas: Ja, meine Beobachtung ist, dass dies effektiver, da ehrlicher, als in einer menschlichen Umgebung, geschieht. Ich betrachte dies vollkommen wertfrei, freue mich jedoch immer wieder, dass meine tierischen Co-Trainer solch nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Das führe ich im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurück. Ich glaube, dass Menschen sich in sozialen Gruppen hauptsächlich konfliktvermeidend verhalten, in Trainings schon daher, da alle die gleichen Interessen teilen, nämlich den Trainingserfolg. Trotz toller Übungen, Rollenspiele etc. wird die Situation stets eine künstliche bleiben. Tiere sind da wesentlich robuster, da geht es um die eigenen Interessen, hauptsächlich kann der Führende seine Position behaupten und durchsetzen.

personalmarketing2null Du meinst also Führung nur als ein Behaupten im wilden Rudel oder in der Herde?

Führen mit Pferd - Das klappt noch nicht so ganz. Momentan macht Silverado noch, was er will. Noch!

Thomas: Wenn Du so willst, kann man das auf diesen Punkt konzentrieren :-). Ein weiterer Aspekt ist mir allerdings auch noch ganz wichtig. Ich glaube, dies Seminar ist so erfolgreich, weil es mit Emotionen arbeitet. Wenn die Teilnehmer es schaffen, eine 700 Kilo schweres Pferd, das von sich aus mit dem Menschen nicht kooperieren bräuchte, ohne weitere Führungshilfen zur Zusammenarbeit und zum vertrauensvollen Führen zu bewegen, ist dies auch eine sehr emotionelle Erfahrung. Und ich glaube, auch aus eigener Erfahrung, sind die erfolgreichen Seminare, die die nachhaltige Eindrücke und Erinnerungen beinhalten.

personalmarketing2null: Emotional bewegend war es, in der Tat. Was hat denn die Führungskraft Manager an Eigenschaften, die einem Pferd entsprechen? Bzw. welche sollte sie haben?

Thomas: Was ist denn der Idealtyp des Managers aus Sicht der Eigentümer und aus Sicht der Mitarbeiter? Natürlich derjenige, der fachlich hochkompetent ist und die gestellten Aufgaben mit Fachkompetenz löst. Aber Fachkompetenz ist nur die eine Seite der Medaille. Um als Führungspersönlichkeit überzeugen zu können, benötige ich darüber hinaus Selbstvertrauen, natürliche Autorität, Ruhe und Souveränität. Dies sind die Attribute, die auch eine Führungspersönlichkeit in einer Pferdeherde auszeichnen. In der Trainings- und Coachingarbeit mit Tieren entwickeln wir diese Kompetenzen und machen sie auf die tägliche Führungssituation übertragbar. Der Manager erhält somit Lösungen, die er in der täglichen Arbeit erfolgreich anwenden kann.

personalmarketing2null: Ich selber war ja in der Vergangenheit selber mal Trainer und habe Führungskräfte der mittleren Ebene trainiert. In der Tat war da die Fachkompetenz bei allen sehr hoch ausgeprägt. Grobe Defizite gab es bei fast allen aber in der Sozialkompetenz. Wie sieht nun dein Seminar-Angebot eigentlich genau aus?

Thomas: Das Training sieht ein dreiteiliges Curriculum vor: als Grundlage wird in einem eintägigem Basiskurs eine Standortbestimmung durchgeführt. Also das, was du heute miterleben durftest. Es geht hier um Themen wie Selbstverständnis, Verständnis der Führungsrolle, Erleben von Führung sowie die Reaktion des Geführten. Die eigenen Empfindungen werden dabei von den Teilnehmern in intensiven Runden gegenseitig reflektiert und die eigenen Erfahrungen werden geteilt.

Darauf aufbauend biete ich dann einen zweitägigen Intensiv-Aufbaukurs „Führen mit Vertrauen“ an, der idealerweise mit einigem zeitlichen Abstand genommen wird, um das Gelernte und Erlebte zu reflektieren und zu festigen. Themen, die wir dort behandeln sind: Selbstvertrauen als Grundlage von vertrauensvoller Führung, Herstellung von Vertrauen zum Geführten sowie Kooperation und Zusammenwirken als Erfolg der Führungsarbeit.

Als drittes Modul bieten sich eintägige Vertiefungskurse an. Diese reichen von Präsentation, über Teamarbeit oder Veränderung bis hin zum Thema Konfliktmanagement. Ideal ist es, wenn die Teilnehmer den Transfer in die Praxis durch mein Coaching begleiten lassen. Dann können wir im Anschluss an das Training einen Aktions- und Umsetzungsplan erstellen und den Erfolg in regelmäßigen Treffen betrachten und reflektieren.

personalmarketing2null: Okay, das klingt ja nach einer wirklich runden Sache. Aber nun mal ehrlich, warum soll der Personaler seine Leute ausgerechnet auf Dein Seminar schicken?

Thomas: Lass mich die Antwort mit einer Gegenfrage beginnen: wie wird man in Deutschland Führungskraft? Meine Beobachtung ist, oft sind dies die besten Arbeiter gewesen, die irgendwann Führungsaufgaben übertragen bekommen haben. Maßgeblich ist die fachliche Stärke. Was jedoch zu kurz kommt, ist die persönliche Vorbereitung. Ich glaube, es ist in Deutschland hilfreich, einen gewissen fachlichen Background zu besitzen, ich kann jedoch nur gut ausgebildete Menschen führen, wenn ich auch über die persönlichen Qualifikationen verfüge. Und dies Trainieren wir in den Kursen. Also idealerweise, Führen mit Pferd als Bestandteil in Führungsnachwuchsprogrammen.

Aber nicht nur Neulinge in oder auf dem Weg zu Führungspositionen profitieren von der Teilnahme. Ich kann selbst als erfolgreiche Führungskraft irgendwann an meine Grenzen stoßen und dann benötige ich Impulse von außen. Und die erhält man im Training zur Genüge, unmittelbar, ehrlich aber stets wertschätzend und respektvoll.

Schließlich greife ich noch mal auf das vorab gesagte zurück: Führen mit Pferd ist ein emotionales und nachhaltiges Erlebnis. Dies vergleiche ich mit konventionellen Trainings, wo ein Schwachpunkt stets der mangelnde Transfer des Gelernten und Erprobten in die Praxis ist. Studien sprechen dabei von einer Transferrate von nur 30 Prozent. Ich sehe einen Mangel darin, dass die Trainings, seien sie auch noch so professionell aufgezogen, einzig am Verstand ansetzen und Teilnehmer nicht in ihrem Herzen berühren. Führen mit Pferd dagegen ist ein emotionelles Erlebnis. Und bitte erinnere Dich mal an besondere Erlebnisse in Deinem Leben. Sind dies nicht diejenigen, die Dich emotionell berührt haben?

Führen mit Pferd - am Ende des Tages war ich glücklich und zufrieden und hatte die Scheu vor Pferden abgelegt

personalmarketing2null: Auf jeden Fall! Und dass das Basisseminar heute in der Tat emotional berührt hat, kann ich nur bestätigen. Für mich war das Seminar ein prägendes Erlebnis, was wirklich jeder einmal ausprobieren sollte. Und meine Furcht vor Pferden habe ich auch verloren. Es lohnt sich also wirklich! Thomas, vielen Dank für das Interview und einen tollen Tag.

Wer nun Lust auf mehr bekommen hat und meint, seine Führungskräfte hätten eine Frischzellenkur dringend nötig, der kann sich gerne hier weiter informieren, einen Blick auf die Facebookseite werfen (mit vielen Einblicken in das Basisseminar) oder auch mich ansprechen. Ich bin noch immer begeistert und hätte nie gedacht, dass ich einmal zum Pferdeflüsterer mutieren würde :-).

Übrigens: Wer weiß, woher der Spruch „einen vom Pferd erzählen“ kommt, der kann Band 27 aus der Was-ist-Was-Reihe gewinnen: Pferde! Also einfach die Antwort per Kommentar hinterlassen und gewinnen! Bei mehr als einer richtigen Antwort entscheidet das Los! ;-)

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