Die Generation Y surft mobil. Was bedeutet das fürs Personalmarketing?

von personalmarketing2null. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen haben, aber soeben ist die neueste ARD/ZDF Online-Studie erscheinen. In meinen Augen eine der wichtigsten Studien zur Internetnutzung überhaupt (vergessen Sie bitte die fragwürdigen BITKOM-Studien). Seit 1997 informiert diese Studie über die Internetnutzung in Deutschland und nimmt dabei auch immer die neuesten Trends auf.

Wie hat sich nun die Internetnutzung in unserer Republik entwickelt? Laut Studie hat sich in den letzten 12 Jahren die Anzahl der deutschen User verdreifacht. Surften im Frühjahr 2000 18,4 Millionen durchs World Wide Web, sind es 2012 53,4 Millionen. Damit sind laut Studie 75,9 Prozent der Deutschen online. In der Altersklasse der heiß umkämpften Generationen Y und Z sind es sogar nahezu 100 Prozent. Gab es bis 2010 eine gewisse Sättigung, stiegen in den letzten Jahren die Zuwachsraten wieder verstärkt an. Ein Grund dafür neben immer preiswerteren Verbindungen und einem stetigen Ausbau des Breitbandnetzes ist natürlich auch die Nutzung von mobilen Endgeräten. Insbesondere die Jüngeren nutzen iPhone & Co. Für 26 Prozent ist das mobile Internet sogar unverzichtbar. Sieh da, sieh da. Ich gehöre zwar (zumindest altersmäßig) nicht mehr dieser Generation an, aber ein Verzicht aufs mobile Internet? Kein „Zeitung lesen“ mehr zum Frühstück, keine E-Mails mehr checken und beantworten von unterwegs, kein Facebook, kein Twitter mehr? Undenkbar :-).

Wobei mobil nicht gleich mobil heißt. Denn es geht den meisten Nutzern eher um die Bewegungsfreiheit innerhalb der eigenen vier Wände, als um die tatsächliche mobile Unterwegsnutzung. Ist ja auch viel einfacher, sein Handy zu zücken und rubbeldikatz ins Internet zu gehen, als welches stationäre Endgerät auch immer hochzufahren.

Nutzung von Mobiltelefonen für den Internetzugang 2012 - Quelle ARD_ZDF Onlinestudie

Und so surfen insbesondere die 14- bis 29-Jährigen mobil: 45 Prozent sind es mittlerweile (zum Vergleich: 2011 waren es 29 %).

Was aber bedeutet die mobile Internetnutzung fürs Personalmarketing?

Eigentlich ganz einfach: Die Websites der Unternehmen müssen so konzipiert sein, dass sie optimal via Smartphone (egal welcher Auflösung) betrachtet werden können. Das heißt im Zweifelsfall, dass man eine „abgespeckte“ Version bereitstellt, wo die wesentlichen Informationen – Achtung! – leicht zu erfassen sind und übersichtlich angeordnet sind. Ich hatte ja schon das eine oder andere Mal hier im Blog über mobile Karriere-Websites bzw. mobiles Recruiting geschrieben, aber die Studie bietet ja einen hervorragenden Anlass, einfach mal willkürlich herausgepickte Karriere-Websites, bspw. von so genannten „Top-Arbeitgebern“, mobil zu betrachten. Dabei habe ich mal wieder in meine Rolle als Bewerber begeben und meine vermeintlichen „Traum-Arbeitgeber“ gegoogelt (es sei die Anmerkung erlaubt, dass die Screenshots mit einem Android Handy, Sony XPERIA Mini Pro, erstellt wurden. Das spielt aber keine Rolle. Eine gute Karriere-Website sollte so erstellt sein, dass sie auf allen modernen Endgeräten wiedergegeben werden kann) . Here we go:

Mobile Karriere-Website ASI Wirtschaftsberatung

Abgesehen davon, dass ich jedes Mal schmunzeln muss, wenn ich „ASI“ Wirtschaftsberatung lese, ist in meinen Augen die Bezeichnung „Traumberuf Wirtschaftsberater“ einen Lacher wert. Eine extra Version fürs mobile Surfen bietet das Unternehmen nicht. Ohnehin sollten wir mal über einen Relaunch nachdenken :-).

Mobile Karriere-Website Bayer

Wie auch schon auf der eigentlichen Karriere-Website selbst, findet man auch in der mobilen Variante die Infos vor lauter Infos nicht. Das gilt aber nicht nur für Bayer: Mobil optimierte Karriere-Websites sind eher eine Seltenheit.

Mobile Karriere-Website Eismann

Schade. Während die Karriere-Website an sich wirklich Vorbildcharakter hat, gibt es bei der mobilen Variante definitiv Optimierungspotenziale!

Mobile Karriere-Website Telekom

Da sollte man denken, dass gerade ein Telekommunikations-Unternehmen mit gutem Beispiel voran geht. Na ja, immerhin war die Telekom ja eins der ersten Unternehmen mit einer Job-App :-): Apropos TK-Branche (nein, TK steht hier ausnahmsweise mal nicht für Tiefkühlkost), wie machen sich eigentlich Vodafone und E-Plus?

Mobile Karriere-Website Vodafone

Nun, Vodafone glänzt nicht gerade mit Nutzerfreundlichkeit. Eine für mobile Nutzung optimierte Website ist ebenfalls Fehlanzeige.

Mobile Karriere-Website E-Plus Gruppe

Hm. Unverkennbar geht es hier um Karriere. Schade, dass man nicht die wichtigen Infos erkennen kann. Der Header verschenkt unnötig wertvollen Platz. Aber E-Plus hat ja glücklicherweise ebenfalls eine Job App.

Hier nun noch zwei Beispiele, wo man dem Bewerber direkt zur Jobsuche führt. Warum nicht, ist ja wahrscheinlich der Grund, warum man auf eine Karriere-Website geht (Vorsicht, das könnte ein Trugschluss sein. Primär möchte man sich wohl auch über den Arbeitgeber informieren). Wie man es besser nicht macht, zeigt anschaulich Bertelsmann:

Mobile Karriere-Website Bertelsmann

Ein Kommentar ist da wohl eher überflüssig. Besser macht es BMW. Gerade ganz frisch an den Start gegangen, wird dem Bewerber auf der Karriereseite (die ebenfalls nicht mobil-optimiert ist) alternativ eine Job-Seite angeboten:

Mobile BMW Jobseite

BMW geht schon den Schritt in die richtige Richtung. Sehr gut gefällt mir die mobile Karriere-Website von ThyssenKrupp. Hier ist ganz klar auch der Ansatz zu erkennen, den ich in meiner Beratungspraxis verfolge und bei der Umsetzung berücksichtige: Die Website so zu konzipieren, dass wesentliche Infos mit einem Blick zu erfassen und mit einem Klick zu erreichen sind. Kann doch nicht so schwer sein, oder?

Mobile Karriere-Website ThyssenKrupp

Hier bleibt wirklich kein Wunsch offen. Infos für die gesuchten Zielgruppen,  ein direkter Link zu den Jobs. Und dazu dann auch noch emotionale Ansprache. Klasse! Ist das denn wirklich so schwer?

Mobile Karriere-Website EY Startseite

Bis auf das mit der emotionalen Ansprache macht das auch das Team um Marcus Reif von Ernst & Young wirklich gut. Kein Schnickschnack, kein Gedöns, einfach Infos für die Kernzielgruppen, ein Link zu den Stellenangeboten, fertig ist die Laube!

Mobile Apps werden nicht genutzt

Bliebe noch die Frage nach dem Sinn und Unsinn mobiler Job-Apps (darüber hatte ich mich lang und breit ausgelassen, aber die Studie untermauert sehr schön auch meine Ausagen):

Demnach wurden zwar letztes Jahr 962 Millionen Apps allein in Deutschland heruntergeladen. Allerdings werden viele Apps nur testweise geladen und dann wieder gelöscht: 80 Prozent der herunter geladenen Apps werden entweder nicht genutzt und 95 Prozent der genutzten Apps nach 30 Tagen vergessen.

Was heißt das für Sie? Bei einem Relaunch einer Karriere-Website sollten Sie unbedingt darauf achten, dass diese auch mobil die ideale Struktur und Nutzerführung aufweist. Auch hier gilt: Auf einen Blick mit einem Klick. Und vergessen Sie Apps. Spenden Sie das Geld lieber für soziale Projekte, für foodwatch oder für Greenpeace. Denn da ist das Geld definitiv besser angelegt!

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