AMG? WTF?? OMG! Die neue Karriere-Website von Mercedes-AMG

von Henner Knabenreich. Lesezeit: fast 8 Minuten.

The last slow day was yesterday. So steht es da auf der neuen Schickimickihochglanz-Karriere-Website von Mercedes AMG. Dass die Seite schickimickihochglanz sein muss, ist schon klar. Denn schließlich sind das ja Schickimickihochglanzfahrzeuge, die die bauen und werden ja auch von Schickimickitypen und -tussis gefahren. So weit, so gut. Erst mal. Dass die Ansprache auf der Website auf Deutsch ist, man aber mit einem englischen Claim arbeitet, nun denn, so ist es nun mal in Deutschland. „Der letzte langsame Tag war gestern“ klingt ja auch selten blöd.

Aber abgesehen von diesem Claim – bei dieser Website geht es geht ja um was anderes.  Nicht um das Produkt. Sondern um den Bewerber. Und der sollte ja nicht schickimickihochglanz sein, sondern passend und qualifiziert. Ob er passt, kann er auch schon im Vorfeld für sich entscheiden und selbst eine Vorselektion vornehmen. Vorausgesetzt, er findet die Infos, die er braucht und fühlt sich von den Inhalten angesprochen. Und das gilt es bei der Kommunikation, Konzeption und Umsetzung unbedingt zu beachten. Nun ja, da Mercedes-AMG sich ernsthaft fragt, was sie denn nun noch besser machen können, so hätte ich eine Antwort parat (ich weiß, die Frage ist rhetorisch gemeint, sie provoziert die Antwort aber förmlich ;-)): Die Karriere-Website!

Mercedes-AMG fragt sich, was sie noch besser machen könnenMercedes-AMG fragt sich, was sie noch besser machen können

Die ist zwar erst seit vorgestern am Start, aber hätte man mich vorher gefragt, so hätte ich doch auf einige schwerwiegende Fehler verweisen können, die man hätte vermeiden können. Aber nun, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, freue ich mich natürlich sehr, eine Antwort auf oben gestellte Frage geben zu können. Wo fange ich nur an…?

Navigation und Nutzerfreundlichkeit bleiben auf der Strecke

Klar, es geht natürlich gleich auf der Startseite los. Emotional gestaltet kommt sie daher. Toll in Szene gesetzte Mitarbeiter, Fahrzeuge, Motoren und Karossen. Das war’s dann aber auch schon. Leider. Navigation und Nutzerführung? Nun ja – ich sage mal so: Unübersichtlichkeit oder besser Verwirrung schaffen sind hier Trumpf. Intuitive Benutzerführung funktioniert definitiv anders. Und manchmal ist es einfach besser, auf altbewährte Navigations- (und damit auch Nutzungs-)muster der User zu setzen und nicht auf die Art des horizontalen Scrollens, wie sie sich schon bei Volles Rohr Zukunft als Rohrkrepierer entpuppt. Warum genau? Auf großen Bildschirmen funktioniert so eine Navigation eigentlich ganz gut, aber je kleiner der Bildschirm, desto schlechter und nutzerunfreundlicher kommt so ein Konzept rüber. Das macht sich vor allen Dingen bei mobilen Endgeräten schmerzlich bemerkbar. Dazu aber später. Abgesehen davon gibt es einfach ein gewisses gelerntes Benutzerverhalten. Und das sollte man nicht überstrapazieren.

AMG Karriere - So sollte die Karriere-Website idealerweise aussehenAMG Karriere – So sollte die Karriere-Website idealerweise aussehen. Vorausgesetzt, die Bildschirmauflösung gibt das auch her.

Wenn also die Navigation schon Kraut und Rüben ist und Verwirrung stiftet, wie schaut es denn mit den Inhalten und dem Bewerbungsprozess aus? Stets bestrebt darum, für Transparenz und Aufklärung zu sorgen, gibt’s nun hier also den ultimativen Karriere-Website-Check der AMG Karriereseite. Hierzu schlüpfe ich mal wieder in die Rolle eines jungen, hoffnungsfreudigen Studierenden, der beabsichtigt bei AMG ein Praktikum zu machen (man nennt mich nicht ohne Grund aufgrund meiner extremen Wandlungsfähigkeit und meiner schonungslosen Aufklärung schwerer Verbrechen am Bewerber den „Inspektor Clouseau der Personalmarketingszene“).

Die Informationen für „Studenten und Absolventen“ findet man in der verwirrenden Website-Oberfläche noch relativ schnell, schließlich macht mich eine etwas steril wirkende Nachwuchsingenieurin auf den Bereich aufmerksam, der zudem noch relativ zentral auf der Seite platziert und damit auch bei kleineren Bildschirmauflösungen zu erfassen ist. WELCHE Informationen sich hier konkret verbergen, das erfahre ich leider nicht auf den ersten Blick – also bspw. per Teaser oder Mouseover. Schade. Dann muss ich wohl mal klicken. Jetzt erfahre ich zwar, dass es „ungemein motiviert, dass man bei AMG schnell Verantwortung übernehmen muss“, schnelle Informationen sind aber Fehlanzeige. Also noch ein weiterer Klick auf „Einsteigen bei AMG als Student„. Hier finde ich denn ein paar rudimentäre Infos für Studierende. Da ich mich aber für ein Praktikum interessiere und noch weitere Infos möchte, klicke ich auf „Mehr zu Praktika, Werksstudenten und Abschlussarbeiten bei Mercedes-AMG erfahren“. Nur um dann dort zu erfahren, dass ich „als Praktikant bei Mercedes-AMG intensive Einblicke in die Arbeitswelt eines Performance-orientierten Unternehmens erhalte“ (was genau darf man sich eigentlich unter einem „Performance-orientierten Unternehmen“ vorstellen?). Aha. „Sie können sich für Praktika, auch für Pflichtpraktika, bei uns bewerben. Die Dauer beträgt drei bis sechs Monate.“ Toll. Da braucht’s also drei Klicks, um mir das mitzuteilen. Die spinnen doch, die AMGler. Da hätte ich mir mehr Informationen gewünscht. Erfahrungsberichte beispielsweise. Oder ein Praktikanten-Rap-Video. Natürlich nicht, war ein Scherz!

Online-Bewerbungsprozess: Eher abschreckend, als einladend

Nun ja, ich bin einfach so heiß auf das Unternehmen (wer weiß, vielleicht ergibt sich ja die Gelegenheit während des Praktikums mit dem SLK 55 AMG durch die Gegend zu cruisen und ein paar Schnecken aufzureißen. Hehe!), da sehe ich mal großzügig drüber hinweg. Mir doch wurscht, dass die nicht in der Lage sind, ne gescheite Navigation hinzukriegen (haben Sie schon mal versucht, sich zurück zu navigieren – nicht auf die Homepage, auch nicht eine Ebene vor. Würden Sie nicht auch gerne auf einen Blick sehen, welche Optionen respektive Rubriken sich noch auf der Website befinden? Tja, da muss ich Sie enttäuschen, dafür ist die Seite nicht vorgesehen. Wenn Sie also bspw. Infos über das Thema Personalentwicklung haben möchten, müssen Sie erst einmal ins Gefängnis auf Los, also auf Home. Und hier in der unübersichtlichen Teaserstruktur auf „Challenges & Benefits“ klicken (das muss man erst mal wissen), dann auf „Unsere Benefits“ und erst über einen weiteren Klick erfahren Sie etwas über die Weiterbildungsprogramme bei AMG. Allerdings – und das kommt noch erschwerend hinzu – in der schlecht lesbaren CorporateS-Typo von Mercedes, die zwar wunderbar auf Drucksachen funktioniert, aber nicht im Web. Ich frage Sie: Ist so etwas wirklich nutzerfreundlich?). Aber zurück zum Thema.

Ich bewerbe mich (das kann ich wiederum erst, nachdem ich einen weiteren Klick, nämlich auf „Offene Stellen„, getan habe. Und da kann ich mir dann auch mühsam heraussuchen, was denn nun eine Praktikanten- respektive Absolventenstelle ist) also einfach mal als „Praktikant Fahrzeugleichtbau und Gewichtsmanagement“.

Das Online-Formular stellt Bewerber auf eine harte ProbeDas Online-Formular stellt Bewerber auf eine harte Probe

Etwas groß ist die Enttäuschung, als ich auf ein langweiliges Standard-Formular gelotst werde, welches als Pop-Up erscheint (hoffentlich haben Sie den Pop-Up-Blocker deaktiviert!) und auch einen langweiligen Standardtext zu lesen bekomme, der gar nichts mehr mit der Hochglanzwelt der Website zu tun hat. Aber ich bin hart im Nehmen und kann mit Enttäuschungen verdammt noch mal umgehen! Ich will den Job!!!

Daher stört es mich auch nicht, dass ich wenn ich „Online bewerben“ anklicke, erst einmal festlegen muss, als was ich mich denn bewerbe: Ich muss (in dem zusätzlichen Pop-up, welches nun wieder aufpoppte), tatsächlich in der Rubrik „Beschäftigungsart“ festlegen, dass ich ein Praktikum absolvieren möchte. Wir erinnern uns, ich bewerbe mich auf eine Stelle als Praktikant! Und so denke ich mir (und das nicht zum ersten Mal, seit dem ich diese Website betreten habe): WTF????!!!! Auch das Beschäftigungsfeld muss ich angeben (welches sich aber eigentlich aus der Position ergibt. Hier gilt es ein wenig zu raten, denn in welchem Bereich dieses Praktikum von den genannten angesiedelt ist, weiß ich nicht zwingend).

Man könnte hier ja nun nun noch gnädig das ein oder andere Auge zudrücken (bei mehr als einem wird einem allerdings die Sicht getrübt), wenn es dann nicht heiter weitergehen würde. Oder sagen wir so: Jetzt geht die Party erst richtig los. Von der Eingabe meiner Kontaktdaten bis zum Hochladen meines Bewerbungs-PDF muss ich mich durch sage und schreibe zehn (10, in Worten Z-E-H-N) Formularfelder durchklicken, um endlich meine Bewerbung abschicken zu können. Ein wiederholtes Mal frage ich mich WTF???!!! und denke, die spinnen, die AMGler.

Im Übrigen bin ich mittlerweile so weit, dass ich auf eine Bewerbung verzichtet habe. So etwas lasse ich mir nicht bieten. Dann gehe ich eben zu Porsche. Oder zu Audi. Oder so.

Ich schlüpfe aus meiner Verkleidung als Bewerber und bin wieder ganz ich selbst. Ganz ehrlich, wie hier mit potenziellen Bewerbern umgegangen wird, ist eine Zumutung. Ich weiß, dass dies kein Einzelfall ist, Websites dieser Art gibt es zuhauf da draußen (aber es gibt auch bessere Beispiele). Aber wenn so eine Website per Pressemitteilung angekündigt wird, weckt sie natürlich meine Neugierde. Schließlich erwartet AMG „durch diese adäquate Ansprache der Motorsport-Enthusiasten eine Steigerung der Bewerberqualität“. Schauen Sie sich die Website mal an und bilden Sie sich Ihr eigenen Urteil. Ob das gewünschte Ergebnis tatsächlich zu erzielen ist? Ich für meinen Teil wage das zu bezweifeln.

Mobile Karriere-Website? So nicht!

Und schauen Sie sich das Ganze doch auch mal mobil an ;-) (zugegebenermaßen, ja, ich habe weder ein iPhone, noch iPad. Aber auch in einem handelsüblichen Android-Handy sollte die Website vernünftig wiedergegeben werden, oder was meinen Sie)?

Auch auf der mobilen Website erschließen sich dem Nutzer die Informationen nichtAuch auf der mobilen Website erschließen sich dem Nutzer die Informationen nicht

Ja, und nach all der Traurigkeit, nun noch etwas zur Erheiterung. Mein Alter Ego in Bestform. R.I.P., Peter Sellers!

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