Denn Sie wissen nicht was Sie tun: Was SCHUFA und Google mit Social Media Personalmarketing auf Facebook zu tun haben

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 8 Minuten.

Unglaublich, schon wieder eine Woche her, dass ich Sie mit meinen geistigen und pädagogisch wertvollen Ergüssen bereichert habe. Da heißt es jetzt aber schleunigst nachlegen. Ich will mir doch nicht das nachsagen lassen, was ich vielen Unternehmen ankreide: Nämlich mit viel großem Bohei ins Social Media Abenteuer einsteigen und keine Taten folgen lassen. Das ist aufgrund beschränkter zeitlicher Ressourcen bzw. einer dringend überholungsbedürftigen Zeitrechnung manchmal gar nicht so einfach (ich meine, wir schreiben das Jahr 2012. Da wird es doch dringend mal Zeit, eine neue Zeitrechnung aufzumachen. Was spräche denn dagegen, wenn ein Tag 28 Stunden und eine Woche 8 Tage hätte? Es ließe sich so manches mehr schaffen). Nun denn, bis dahin muss ich mich wohl mit dem zufrieden geben, was bisher machbar ist. Aber das ist manchmal so einfach nicht. Schließlich wollen Konzepte erstellt, Seminare und Workshops gehalten und Blogs und Karriere-Websites umgesetzt werden. Und da, lieber geneigter Leser, muss man Prioritäten setzen. Und apropos Zeit: Die braucht es nun einmal für ein nachhaltiges Social Media Engagement. Zeit und viel Herzblut. Sonst bringt das eh alles nix. Und auch wenn es läuft, Ball flach halten ist nicht. Denn das schlägt sich sehr schnell nieder und lässt sich an der Resonanz der Community ablesen.

Aber ich schweife schon wieder ab, bevor ich auch nur ansatzweise darüber geschrieben habe, worum es heute eigentlich gehen soll. Es geht um Sie, lieber Leser. Genauer um Ihre Sicherheit. Noch genauer um Ihre Privatsphäre. Und darum, was die SCHUFA und Google mit Social Media Personalmarketing zu tun haben. Auf den ersten Blick mag das nicht viel sein, der ein oder andere mag sich nun an die Stirn fassen und sich fragen, was der Knabenreich da jetzt wieder für abstruse Theorien aufstellt. Abgesehen davon, dass so ein Artikel natürlich bedingt durch den Einsatz geschickt gesetzter Keywords in der Überschrift sehr gut bei Google zu finden sein dürfte (übrigens, das ist nicht unerheblich für den Erfolg und die Reichweite eines Blogs!), handelt es sich leider nicht um abstruse Theorien, sondern vielmehr um die nackte Realität.

Facebook und die Sache mit der SCHUFA

Also reden wir doch mal Tacheles. Ich weiß nicht, wer von Ihnen mitbekommen hat, was die SCHUFA neulich vohatte. Die SCHUFA kennen Sie, oder? Das ist die Institution aus Wiesbaden, der Sie Ihre Einwilligung erteilen, wenn es darum geht, einen Kredit in Anspruch zu nehmen. Oder einen Handyvertrag. Die Daten, die die SCHUFA sammelt, sind die, die Sie ihr freundlicherweise bei solchen Geschäftsanbahnungen übermitteln. Diese fließen dann in das so genannte Scoring ein – also grob in die Tüte gesprochen eine Art Punkteranking, aus dem dann wiederum hervorgeht, wie kreditwürdig Sie sind (genauer ist das eigentlich ein Wert von 1 bis 100, der dem jeweiligen Verbraucher zugeordnet wird und die statistische Wahrscheinlichkeit eines Kreditausfalles angibt). Aber letztendlich meint das ja das Gleiche). Teilweise ist das schon haarsträubend, welche Daten so ein Scoring beeinflussen.

Facebook und die Sache mit der Schufa

Facebook und die Sache mit der Schufa

Aber der SCHUFA reichten diese Daten nicht. Die wollte es noch genauer wissen. Und hatte eine großartige Idee: Man hatte in Wiesbaden von einem großen sozialen Netzwerk gehört, in dem die Nutzer auf leichtfertigste Art und Weise ihre Daten hinterlegen. Nahezu alles findet man da, was das Herz eines Datensammlers höher schlagen lässt: Name, Adresse, Schule, Arbeitgeber, Freunde, Vorlieben, Interessen, politische Gesinnung, Religion, Familienmitglieder, Beziehungsstatus etc. pp. Ich glaube, mehr muss ich Ihnen da nicht erzählen, schließlich sind Sie ja wahrscheinlich auch bei Facebook. Denn um genau dieses Netzwerk handelt es sich. Was wie eine Schnapsidee klingt, sollte tatsächlich umgesetzt werden, scheiterte aber letztendlich am Protest der Medien und Menschen (schade eigentlich, dass so etwas funktioniert, wenn es um Datenmissbrauch geht. Aber nicht, wenn es sich um Massentierhaltung, ESM, Atomkraft oder Gentechnik handelt. Immerhin, ein schwacher Lichtstrahl am Ende eines langen dunklen Tunnels). Man wollte wirklich sämtliche Nutzerprofile auswerten, um die Daten so zu verdichten, um seinen Kunden noch bessere Einschätzungen über die Kreditwürdigkeit zu geben. Fan von Bushido? Oha, das gibt Abzüge. Sie sind mit jemandem befreundet, der Mitglied der FDP ist? Herzlichen Glückwunsch! Sie lieben Motorsport? Eieiei, da gehören Sie einer Risikogruppe an. Bei Ihren Interessen haben Sie Louis Vuitton angegeben? Können Sie sich den Kram überhaupt leisten? Und so weiter und so fort.

Wie gesagt. Es ist nicht dazu gekommen. Vielleicht wertet die SCHUFA ja jetzt die Xing-Daten aus. Mit der neuen API sollte das ja wohl möglich sein. Aber Spaß beiseite. Möglich ist so ein Vorhaben nur, weil Sie so leichtfertig mit Ihren Daten umgehen. Ich weiß nicht, ob Sie es wussten: Aber wenn Sie sich bei Facebook anmelden, ist zunächst einmal alles öffentlich, was Sie in Ihr Profil eintragen. Alles. A-L-L-E-S. Sie sollten also im ersten Schritt, sofort nach dem Sie sich angemeldet haben, die Privatsphäre-Einstellungen vornehmen. Das ist immens wichtig. Sonst kann nämlich bald der nächste Adressenhändler oder Datensammler auf die gleiche Idee kommen, wie die SCHUFA. Es liegt an Ihnen, welche Daten da ausgewertet werden. Sie meinen, so blöd könne man ja gar nicht sein, dass man seine Privatsphäre-Einstellungen nicht entsprechend vornimmt? Ja, das denke ich auch immer. Aber leider zeigt die Praxis etwas anderes. Immer wieder.

Was Facebook-Nutzer davon abhält, Fan einer Facebook Karriereseite zu werden

Und genau das ist das Problem. Denn auf die Frage, was Facebook-Nutzer davon abhalten kann, Fan einer Karriereseite auf Facebook zu werden, äußerten über 70 % der Umfrageteilnehmer die Befürchtung, der Personaler könnte das Privatprofil ausspähen. Letztlich ist das sogar absolut korrekt. Natürlich kann er das. Aber abgesehen davon, ob der viel beschäftigte Personaler nun überhaupt die Zeit hätte, solche Profile auszuspähen, so liegt es einzig und alleine am Nutzer selbst, welche Daten denn überhaupt ausgespäht werden KÖNNEN. Machen wir doch mal kurz die Probe aufs Exempel. Ich schaue mal gerade bei den letzten zehn meiner neuen Fans, wie es dort um die Privatsphäre ausschaut. Moment, bin gleich wieder da!

So, ich bin zurück. Und muss sagen, es ist weitaus schlimmer, als ich das bei dieser kleinen Stichprobe befürchtet habe. Nicht einer hat sein Profil 100 %ig geschützt. Aber bei dreien sind wirklich alle Informationen einzusehen. Ich sehe die Pinnwand, die Fotos, die Interessen, die Freunde… Alles. Und kenne diese Person nicht einmal. Und was ich da sehe, kann jeder sehen. JEDER. Ist es Dummheit? Unwissenheit? Absicht? Es muss ja letztendlich wirklich jeder selber wissen, was er da auf Facebook macht. Aber ich bezweifle, dass es überhaupt viele wissen, was sie da tun. Und wer das alles mitbekommen kann. Das zeigen zumindest auch die Reaktionen in Seminaren, Vorträgen und Workshops, die ich auch zu dem Thema durchführe.

Wer meint, dass ich da wohl zu pessimistisch sei, dem sei ein Blick auf die Website „We know what you’re doing“ empfohlen.

We know what you are doing. And we think you should stop.

We know what you are doing. And we think you should stop.

Auf dieser Seite werden (natürlich anonym) in Echtzeit Beiträge von Facebook-Nutzern erfasst, die sich auf ihren persönlichen Profilen in aller Öffentlichkeit dazu äußern, dass sie ihren Boss hassen (Who wants to get fired), dass sie einen Kater haben (Who’s hungover?), wer Drogen nimmt (Who’s taking drugs?) und wer alles eine neue Telefonnummer besitzt (Who’s got a new phone number?). Das passiert tagtäglich. Auch Ihnen? Mittlerweile gibt es auch hierzulande Menschen, die Dank Facebook und einem allzu leichtfertigen Umgang mit dem sozialen Netzwerk (man könnte auch sagen: aufgrund himmelschreiender Blödheit) ihren Job verloren haben. Wobei, in einem Punkt kann ich Sie beruhigen. Die Website fragt derzeit nur englischsprachige Profile ab. Aber es wäre ein leichtes, das auch für deutschsprachige Posts einzurichten.

Und aufgrund dieser Tatsache gibt es hier demnächst jetzt den ultimativen Guide in Sachen Privatsphäre-Einstellungen auf Facebook (zumindest für den Moment, der blaue Riese ist ja bekannt dafür, seine Einstellungen etc. auch mal zu ändern. Und das gerne über Nacht und ohne Vorankündigung :-)).

Ihre Facebook-Kommentare auf Google

Bevor ich das aber an anderer Stelle noch einmal aufgreife, noch ein weiterer Hinweis. Allerdings hilft beim Nachfolgenden auch eine rigide Einstellung der Privatsphäre nicht wirklich. Hier helfen nur gesunder Menschenverstand und das Bewusstsein, dass alles, was man im Internet von sich gibt, auch irgendwo wiederzufinden ist. Im Zweifelsfall also bei Google. Geben Sie doch spaßeshalber einmal bei Google folgendes in die Suchmaske ein:

site:facebook.com „Ihr Name“

Tun Sie mir bitte den Gefallen und ändern Sie das „Ihr Namen“ in Ihren Namen um. Um es noch plastischer auszudrücken werde ich das Ganze anhand eines praktischen Beispiels illustrieren:

site:facebook.com „Henner Knabenreich“

Google erkennt auch die Kommentare auf Facebookseiten. Und da hilft auch keine Privatsphäreeinstellung.

Google erkennt auch die Kommentare auf Facebookseiten. Und da hilft auch keine Privatsphäreeinstellung.

Was passiert? Google spuckt jeden Kommentar aus, den Sie irgendwann mal in Ihrer Facebook-Karriere auf irgendeiner Seite hinterlassen haben. Das betrifft im Übrigen eben nicht nur die, die Sie auf irgendwelchen Websites oder Blogs hinterlassen haben, sondern auch die, die Sie UNMITTELBAR auf Facecbook hinterlassen haben. Und zwar unabhängig von Ihrer Privatsphäre-Einstellung. Und je nach Privatsphäre-Einstellung sogar nicht nur welche, die Sie auf einer Seite, sondern auch sonstwo, also bspw. auf dem Profil eines Freundes, welches über die Google-Suche auffindbar ist, hinterlassen haben. Sollte es vom Inhalt also hart auf hart kommen, hilft nur ein Löschen des entsprechenden Posts. Es dauert allerdings eine ganze Weile, bis das Ergebnis aus dem Google-Cache verschwindet. Leider. Peinlich könnte das für solche Facebook-Nutzer werden, die sich allzu enthemmt in irgendwelchen Shitstorms geäußert haben. Ja, auch an seine eigene Reputation sollte man immer denken. Also erst denken, dann auf Facebook posten!

Im Übrigen ist auch diese Tatsache (zwar wohl weniger bewusst, aber dennoch klar nachzuvollziehen) ein weiterer Grund dafür, was Facebook-Nutzer davon abhält, Fan einer (Karriere-)Fanpage auf Facebook zu werden: 75 % der Befragten haben nämlich kein Interesse daran, private Infos auf Karriere-Pages zu teilen.

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