Das schockt: Nur 56 Prozent nutzen das Internet zur Ansprache von Bewerbern, nicht einmal 23 Prozent der Unternehmen haben eine Karriere-Website

von Henner Knabenreich. Lesezeit: fast 5 Minuten.

Ich muss sagen, ich bin doch immer wieder verwundert und reibe mir die Augen, wenn ich die einen oder anderen Studienergebnisse lese. So fand bspw. die letzte Ausbildungsumfrage der DIHK heraus, dass von 14.533 befragten Unternehmen nur 56 Prozent das Internet nutzen, um Auszubildende zu gewinnen. Im Umkehrschluss sind das also 44 Prozent, die das Internet nicht nutzen.

Und dann klagen alle darüber, dass sie keine Bewerber finden :-). Wer nun aber denkt, dass die Unternehmen, die das Internet einsetzen, dieses nun strategisch und sinnvoll tun, der ist leider mal wieder schief gewickelt. Denn auf die Frage, in welcher Form das Internet zur Gewinnung des jungen Nachwuchses genutzt wird, so antworteten 90 Prozent mit „Stellenanzeige auf der Unternehmenshomepage“. Ich meine, man muss das ja mal so sehen: Im Vergleich zum Vorjahr gibt es bei den Unternehmen, die das Internet nutzen, immerhin ein Prozent mehr und es werden ja auch bei drei Prozent der Unternehmen mehr Stellenanzeigen auf der Website geschaltet. Das ist ja schon mal was. Aber bei weitem nicht ausreichend (wen es interessiert: auch soziale Medien werden verstärkt eingesetzt, hier sind es im Vergleich zum Vorjahr sieben Prozent mehr, 19 Prozent erklären, soziale Medien wie Facebook, SchülerVZ und Xing einzusetzen. Ich behaupte mal, dass davon der Großteil an der Zielgruppe vorbei geht – auf Xing finden Sie keine Schüler, auch wenn Sie jetzt dort kostenlos Stellenanzeigen für Ausbildungsplätze schalten können, vergessen Sie’s, SchülerVZ ist tot und über den Großteil der Karriereseiten auf Facebook muss ich wohl auch kein Wort verlieren).

Nutzung des Internet zur Gewinnung von Azubis - Quelle: DIHK Ausbildungsumfrage 2012Nutzung des Internet zur Gewinnung von Azubis – Quelle: DIHK Ausbildungsumfrage 2012

Denn bei einer Karriere-Website geht es um weit mehr, als nur über Jobs zu informieren bzw. diese online zu stellen. Herauszufinden, wie sich Arbeitgeber denn nun im Internet präsentieren und ob auf der Website mehr als eben nur Jobs präsentiert werden, hat sich u. a. die aktuelle index-Studie zur Aufgabe gemacht, auf die ich gerade aufmerksam wurde.

An der Studie haben sich insgesamt 231 Personalexperten aus verschiedensten Branchen und Unternehmensgrößen beteiligt. Mit 26 Prozent sind dabei Unternehmen mit 50 bis 249 Mitarbeitern am stärksten vertreten. Aber auch die Unternehmensgrößen 250 bis 499 Mitarbeiter (8 Prozent), 500 bis 999 Mitarbeiter (10 Prozent) sowie 1.000 und mehr Mitarbeiter (13 Prozent) haben sich an der Umfrage beteiligt.

Maßnahmen der Bewerberkommunikation

Und was ich da lesen musste, hat meine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Bzw. übertroffen. Denn wenn ich lese, dass nicht einmal 23 % der befragten Unternehmen über eine Karriere-Website verfügen, also eine Sektion innerhalb der Corporate Website, die eben mehr tut, als nur Stellenanzeigen bereit zu stellen, sondern auch Sie als Arbeitgeber ins rechte Licht rückt (wenn Mitarbeiter dies auf kununu & Co. nicht konterkarieren :-)) und Bewerber mit relevanten Informationen und Entscheidungshilfen versorgt, sich bei Ihnen zu bewerben (oder eben auch nicht), schockt mich das echt. Alle Welt redet vom Fachkräftemangel und davon, dass man keine Bewerber findet und dass einen keiner kennt. Und dann so was? Also jammern auf allerhöchstem Niveau. Oder einfach nur Naivität. Ich meine, wir reden hier nicht von irgend einer bahnbrechenden neuen Erfindung. Wir reden von etwas, was bereits seit langer Zeit Standard sein sollte. Das Internet gibt es nicht erst seit gestern. Und das Problem, Bewerber zu bekommen auch nicht. Und dass die Nutzung von Online-Medien deutlich günstiger ist, als Print-Medien sollte sich auch langsam herumgesprochen haben.

Maßnahmen der Bewerberkommunikation - Karriere-Websites spielen untergeordnete Rolle - Quelle: index 2012Maßnahmen der Bewerberkommunikation – Karriere-Websites spielen untergeordnete Rolle – Quelle: index 2012

Immerhin liegt die Karriere-Website aber noch vor der Nutzung von „Facebook-Seiten zu Recruiting-Zwecken“ und „Twitter-Feeds zu Recruiting-Zwecken“, aber dennoch hinter der Nutzung von Xing und Linkedin.

Auf die Frage, welche Maßnahmen in Sachen Mitarbeitergewinnung in den nächsten 12 Monaten verstärkt zum Einsatz kommen sollen, sieht es dann etwas besser aus: Immerhin liegt der Aus- bzw. Aufbau von Karriere-Websites mit 27 Prozent auf dem zweiten Platz der geplanten Personalmarketingmaßnahmen.  Allerdings spielen bei den wichtigsten Kanälen der Mitarbeitergewinnung laut index Karriere-Websites wiederum keine Rolle. Hier liegen Stellenanzeigen (online und print) und Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme (neudeutsch: „Employee Referral„) auf den ersten drei Plätzen. Selbst Social Media gehören dazu.

Die wichtigsten Kanäle für erfolgreiche Mitarbeitergewinnung - Quelle: index 2012Die wichtigsten Kanäle für erfolgreiche Mitarbeitergewinnung – Quelle: index 2012

Eine Erkenntnis, die ich so nicht nachvollziehen kann und mit Sorge betrachte. Denn sollte jemand die falschen Schlüsse aus dieser Untersuchung ziehen, so würde das wahrscheinlich einen weiteren unkontrollierten und unbedachten Ausbau der Social Media Aktivitäten zur Folge haben. Und tatsächlich soll gemäß index auch die Nutzung der sozialen Medien in den nächsten 12 Monaten gesteigert werden. Wenn ich auch Bauchschmerzen habe, wenn ich etwas von „Facebook und Twitter zu Recruitingzwecken“ oder einem „Ausbau von PR- und Pressearbeit in Richtung Bewerber“ lese (falsch verstandene PR wäre genau das falsche Signal, Bewerber wollen keine PR-weich-gespülten Informationen, sondern authentische Einblicke in einer Sprache, die sie auf Augenhöhe abholt und zur Bewerbung motiviert), trifft mich doch auch eine weitere Erkenntnis der Studie echt hart. Nämlich das Thema Budget.

Kaum Budget für Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme und Karriere-Websites

Da wird ohne mit der Wimper zu zucken eine Anzeige in der FAZ für 25.000 Euro oder mehr oder eine Kampagne in einem Beileger für 150.000 Euro lanciert, gleichzeitig ist man aber zu geizig, gleiche Summen in eine Karriere-Website zu investieren? Ja geht’s noch?

Leider haben wir immer noch die Kultur der „Das-haben-wir-aber-immer-schon-so-gemacht-Verfechter“. Auch werden Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter-Programme weiterhin stiefmütterlich behandelt. Nicht nur komisch, sondern dumm, weiß man doch, dass diese Art der Rekrutierung die erfolgreichste ist und sogar laut diesen Studienergebnissen den dritt erfolgreichsten Kanal der Mitarbeitergewinnung darstellt.

Anteil der Maßnahmen am Personalbeschaffungsbudget - Quelle: index 2012Anteil der Maßnahmen am Personalbeschaffungsbudget – Quelle: index 2012

Glücklicherweise wächst aber unter den Personalern eine jüngere und aufgeklärtere Generation heran, für die die Nutzung des Internets eine Selbstverständlichkeit darstellen sollte und die die Fehler Ihrer Vorgänger hoffentlich nicht mehr macht.

Die komplette Studie gibt es hier zum Download. Wer sich selber aktiv an solchen Studien beteiligen möchte, dem sei die Umfrage meiner Blogger-Kollegin und Online-Recruiting-Expertin Eva Zils ans Herz gelegt. Also, gleich mitmachen!

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