Alles eine Frage der Technik? Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie gegen den Fachkräftemangel

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 7 Minuten.

Viel wird gesprochen und berichtet über den Fachkräftemangel. Es gibt sogar Studien, die wollen uns weismachen, dass es ihn gar nicht gibt. Dabei spüren ihn viele Unternehmen. Dass das aber nicht selten eine Frage mangelnden Engagements seitens der Unternehmen selbst ist, sollte eigentlich auch klar sein. Einige Beispiele gefällig (auch auf die Gefahr hin, dass ich mich hier wiederhole)?

Mangelndes Engagement der Grund für den Fachkräftemangel?

Oftmals konzentrieren sich die Unternehmen bspw. nur auf ein einziges Online-Stellenportal. Nicht selten ist das Monster. Oder Stepstone. Aber es gibt noch viele andere. Die müssen Sie selbst nicht zwingend alle kennen. Dafür gibt’s Experten wie bspw. Jobticket, Königsteiner oder 1000jobbörsen. Die kennen nicht nur die Jobbörsenlandschaft sehr gut, die schnüren Ihnen maßgeschneiderte Pakete. Und das günstiger als irgendwelche Einzelschaltungen. Und helfen Ihnen idealerweise auch bei der Gestaltung der (Online)-Stellenanzeige. Denn auch hier herrscht sehr, sehr viel Optimierungsbedarf.

Ein anderer Punkt ist Ihre Unternehmens-Website. Auch hier sollten Sie die Gelegenheit nutzen und potenziellen Kandidaten relevante Information im Rahmen Ihrer „Karriere-Website“ zur Verfügung stellen. Und diese bitte leicht auffindbar und adressiert an die Zielgruppen, die Sie suchen. Und bitte beschränken Sie sich dabei nicht nur auf Ihre Stellenangebote. Stellen Sie auch dar, warum man sich gerade für Sie als Arbeitgeber entscheiden soll. Apropos Website: Legen Sie auch Wert auf eine suchmaschinenoptimierte Struktur. Denn was nützt Ihnen die beste Website, wenn Sie nicht gefunden werden?

Und apropos finden: Nutzen Sie auch die Potenziale von Google Adwords. Auch die bieten hervorragende Möglichkeiten, auf sich als Arbeitgeber aufmerksam zu machen. Allerdings gilt hier das Gleiche wie für alle anderen Engagements auch: Nicht überstürzt starten und wild probieren, sonst wird hier unter Umständen viel Geld versenkt, sondern gleich an jemanden wenden, der sich damit auskennt.

Das nur ein paar Anhaltspunkte, wenn Sie wissen, welche Optimierungspotenziale es noch gibt, lesen Sie einfach aufmerksam mein Blog, besuchen Sie meine Seminare oder kontaktieren Sie mich anderweitig.

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, wenn sich mehrere Unternehmen einer Region zusammentun, um dem Fachkräftemangel ein Schnippchen zu schlagen. Was heißt manchmal? Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wie bspw. das Modell der Younect Talentpools eindrucksvoll zeigt. Oder aber das der Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie. Worum geht’s?

Personalmarketing in der Elektro- und Metallindustrie Vorarlbergs

Wussten Sie eigentlich, dass die Region Vorarlberg (das ist da, wo viele Ihren Urlaub in Österreich verbringen) eine der erfolgreichsten Wirtschaftsregionen in Europa und in der Welt ist? Sehen Sie, ich auch nicht. Aber der „Fachkräftemangel“ geht auch an diesen Unternehmen nicht vorbei. Also haben sich hier rund 100 Unternehmen mit über 16.000 Mitarbeitern zur V. E. M. (Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie) zusammengeschlossen. Mehr Infos darüber gibt’s auf dem Blog von karriere.at, das komplette und hoch interessantes Interview dazu auf dem Blog meines Hamburger Bloggerkollegen Helge Weinberg (eigentlich kommt er aus Gummersbach, aber dafür kann er ja nichts), ich möchte mich hier an dieser Stelle darauf beschränken, die Plattformen und Medien einmal kurz vorzustellen, mit denen die V. E. M. um den Nachwuchs wirbt.

Ganz klar im Zentrum steht natürlich (!) die Website der V. E. M. Hier findet der geneigte Interessent alle relevanten Informationen über die gesuchten Jobprofile und eine Vorstellung der Unternehmen sowie der jeweiligen Ansprechpartner.

Screenshot Website der V. E. M. mit umfangreichem Info-Angebot

Website der V. E. M. mit umfangreichem Info-Angebot

Infos gibt’s nicht nur für Studierende bzw. Absolventen, sondern auch für die Schüler, die Kernzielgruppe der V. E. M. (Azubis heißen in Österreich übrigens immer noch ganz offiziell „Lehrling“ und die Ausbildung Lehre. Deswegen ist auch der Begriff „Karriere mit Lehre“ schön und passend gewählt. Und besonders erfreulich: Umfangreiche Infos für Eltern werden auch gleich bereitgestellt. Schließlich sind es neben Freunden und Bekannten nach wie vor die wesentlichen Influencer, wie man so schön neudeutsch sagt, wenn es um die Berufswahl geht. Was ich besonders erschreckend finde: Selbst Fernsehserien haben einen Einfluss auf die Berufswahl. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Sohn als Berufswunsch „Bauer“ äußert, wenn Sie zu viel „Bauer sucht Frau“ schauen oder Ihre Tochter „Magersüchtiges Model“, wenn Sie regelmäßig „Germany’s next Top Moppel“ konsumieren. Abgesehen davon wird der Konsum beider Serien sowohl bei Ihren Kindern als auch bei Ihnen selbst mit Sicherheit nicht folgenlos bleiben. Sollte allerdings „Wer wird Millionär“ zu Ihren bevorzugten Serien gehören, so lassen Sie Ihrem Nachwuchs gerne diese Option offen. Schließlich werden Sie mit davon profitieren können :-). Aber das ist ein anderes Thema. Zurück zur Website.

Wie gesagt, hier gibt es jede Menge Optionen, sich über Jobs und Berufsbilder zu informieren. Einziger Wermutstropfen hier: Die Jobsuche präsentiert die Ergebnisse leider nicht in Echtzeit. Hier ist Frustration also vorprogrammiert. Schöner wäre es doch bspw. sofort erkennen zu können, ob es überhaupt eine Lehrstelle als Kunststoffformgeber in Bludenz gibt – ohne mich durchklicken und aufs Neue suchen zu müssen …

Jobsuche führt leider auch zu Frustrationserlebnissen...

Jobsuche führt leider auch zu Frustrationserlebnissen...

Aber ich will mal ein Auge zudrücken. Schauen wir uns nun mal an, auf welchen Pfaden die V.E. M. sonst so wandelt.

V. E. M. im Social Web

Da ist zunächst einmal die Facebook-Seite mit knapp 1.000 Fans. Umgestellt auf die Chronik hat man dort noch nicht. Aber es sind ja noch ein paar Tage hin :-).

Facebookseite der V. E. M.

Facebookseite der V. E. M.

Auf der Facebook-Seite gibt’s umfangreiche Infos zu aktuellen Events und Neuigkeiten aus den Unternehmen der Region. In Sachen Interaktion ist noch Luft nach oben, wie der Vergleich mit anderen Karriereseiten aus Österreich zeigt.

Top 10 Facebook-Seiten aus Österreich - powered by Allfacebook | stats

Top 10 Facebook-Seiten aus Österreich - powered by Allfacebook | stats

Aber, so haben wir gelernt, Facebook ist nicht alles, entscheidend sind die Hausaufgaben. Und die erfüllt die V. E. M. sehr gut. Insofern ist auch zu verschmerzen, dass das Engagement in Google+ bzw. die Wahrnehmung eher unter ferner liefen läuft. Schaut man sich allerdings mal die Resonanz der Seite im Vergleich zu anderen Karriereseiten auf Google+ an, so muss man hier den Hut ziehen. Immerhin wurde die Seite 718 mal geplusst oder Kreisen hinzugefügt. Nichtsdestotrotz spielt Google+ für Karriere-Pages ohnehin keine Rolle. Wenn es überhaupt eine Rolle spielt. Ich sage mal nein. Setzt Google doch jetzt schon auf Werbung, um neue User zu erschließen. Stellen Sie sich mal vor, Facebook würde Werbung machen ;-) …

Auch ein Azubi- respektive Lehrlingsblog betreibt die V. E. M. Sehr schön, wie ich finde, dass man das Tool auch ernsthaft nutzt und nicht nur alle Jubeljahre irrelevante Kopien irgendwelcher Pressemeldungen postet, sondern wirklich die Zielgruppe abholt und aus Unternehmen berichtet. Was ich mir hier wünschen würde, wäre eine Vorstellung der einzelnen Blogger in einer separaten Rubrik und separat anwählbare Kategorien, z. B. für die einzelnen Ausbildungs- hoppla, Lehrlingsberufe, aber vielleicht ist mir ja auch nur etwas entgangen?

Selbstverständlich ist man auch auf Youtube vertreten. 53 Videos wurden dort bisher hochgeladen, allerdings lässt sich die Resonanz wohl noch ausbauen. Lediglich sechs Abonnenten zählt der Youtube-Channel und 4.700 Videoaufrufe sind herunter gebrochen auf die Anzahl der Videos auch nicht die Masse. Aber wie ich sooft sage: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Auch hat man bei der V. E. M. erkannt, dass die jugendliche Zielgruppe zunehmend mobil ins Internet geht (und das nicht nur in Österreich).  Hierfür gibt’s dann die passende App im iTunes-Store (fürs Android soll sie noch folgen).

Die kostenlose App bietet News aus V.E.M.-Ausbildungsbetrieben, Videos aus dem youtube-Channel, den V.E.M.-Lehrlingsblog und eine Landkarte mit V.E.M.-Ausbildungsbetrieben (inkl. Kontaktinfos) und wurde von einem Vorarlberger Unternehmen umgesetzt. Das finde ich sehr lobenswert und glaubwürdig, anders als eine Kampagne, die Fachkräfte in MeckPomm halten soll bzw. dort hinbringen, dann aber von einer Hamburger Agentur umgesetzt wurde …

Fazit

Summa summarum kann man also sagen, dass die Arbeitgeber der V. E. M. in Sachen Personalmarketing respektive Ausbildungsmarketing eine ganze Menge unternehmen, um sich dem Fachkräftemangel zu stellen. Von mangelndem Engagement kann man mit Sicherheit hier nicht reden, wie auch das oben erwähnte Interview mit Sebastian Manhardt verdeutlicht.

Letztendlich hat das Ganze auf jeden Fall Vorbildcharakter. Mehr zu dem Thema erfahren Sie im Übrigen auch am 29. März bei der Preisverleihung im Rahmen des Land der Ideen-Wettbewerbs für den Younect Talentpool. Noch gibt’s Karten.

So viel für heute von mir. Und denken Sie dran, am 24. März feiert mein Blog 2-jähriges. Und das wäre ohne Sie als treuer Leser gar nicht möglich gewesen. Vielen Dank dafür!

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