Personalmarketing mit Karriereseiten auf Google+. War da was?

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 4 Minuten.

Ach ja, es ist noch gar nicht sooo lange her, da launchte das am schnellsten wachsende Social Network der Welt. Alle waren begeistert, sich endlich aus den Fängen von Facebook zu befreien und zum blütenreinen Anbieter Google und seinem Netzwerk Google+ zu wechseln. Ein unglaublicher Exodus begann (vermeintlich :-). Apropos Exodus: wussten Sie eigentlich, dass dieser so nie passiert ist und unsere Bibel bzw. das Alte Testament nur auf Riesenirrtümern beruht? Aber das ist eine gaaanz andere Geschichte ;-)) Dieser Exodus fand natürlich nicht wirklich statt, zwar meldeten sich unendlich Viele aufgrund von Neugier und der Angst, etwas zu verpassen, in kürzester Zeit an (deswegen ja auch das schnellst wachsende Netzwerk), schnell stellte man aber fest, dass so ganz ohne Freunde auch doof ist und Facebook doch irgendwie das coolere Netzwerk darstellt.

Nichtsdestotrotz gab es einen Riesenhype und viele konnten es kaum erwarten, bis denn nun endlich auch Unternehmensseiten auf Google+ möglich waren. Und die ganz Ungeduldigen legten dann auch schon mal vorab welche an – was Google jetzt nicht sooo gut fand und die Profile einfach löschte. Nicht, dass Facebook das nicht hin und wieder auch mal  tut, so wie jetzt beim Stadtportal München oder vor etwas längerer Zeit beim Facebook-Blog facebookbiz (die heißen jetzt  nicht ohne Grund futurebiz), aber immerhin ist Google so fair und warnt seine User vorher. Der blaue Riese aus Palo Alto hingegen überrascht seine User ja ohnehin gerne mal und führt gegen den Willen seiner User irgendwelche Änderungen ein (z. B. die Chronik oder geänderte Privatsphäre-Einstellungen) oder löscht mal eben eine Seite. Hoppla, kann ja mal passieren :-)

Am 8. November 2011 war es dann endlich soweit und Google+ präsentierte die Unternehmensprofile. Natürlich waren von der ersten Minute auch deutsche Personaler dabei, die nur auf diesen Moment gewartet hatten und ihren Innovationsgeist beweisen wollten. Den Anfang machte damals die Otto Group, 10 Minuten später folgte dann Bayer. Beide Karriereseiten haben seit dem eine gewissen Kontinuität und können wohl als das nachhaltigste Engagement auf Google+ betrachtet werden.

Bayer Karriere auf Google+

Bayer Karriere auf Google+

Am 18. November stieß dann auch Bertelsmann dazu. Andere folgten, schnell war jedoch zu erkennen, dass man hier mal wieder getreu der Devise der Kölner Karnevalskapelle Die Höhner: „Da simmer dabei, dat is prima!“ handelte und sich in wildem Aktionismus in ein Abenteuer stürzte, das schon bei Facebook nicht klappte (Bsp. Lightwerk Karriere, zwar auch seit dem 8. November dabei, aber mittlerweile wohl mit vergangener Lust an Google+) oder aber der TÜV Nord, der zwar vielleicht die Welt sicherer macht, aber mit seinen Social Media-Personalmarketing-Aktivitäten vorerst gescheitert ist. Abgesehen von dem mangelnden Engagement ist aber allen Arbeitgeber-Präsenzen eines gemeinsam: Das mangelnde Interesse der Nutzer. Vergleicht man bspw. die Zahlen mit Facebook, so sind die Nutzerzahlen oder diejenigen, die die Karriereseiten ihren Kreisen hinzugefügt haben, lächerlich gering.

Nun gut, wir sind ja hier in Deutschland. Wie schaut’s denn dann aus im Mutterland des innovativen Recruitings, den USA? Schließlich ist doch auch hier das größte Nutzerwachstum weltweit zu verzeichnen. Genau wie bei uns auch, gab es ein paar Pioniere der ersten Stunde. GE bspw., Sodexo, die am 15. November richtig Gas gegeben haben, danach aber das Interesse an Google+ verloren oder auch KPMG. Letztere haben zwar eine Präsenz, aber das man diese mit Inhalten füllen sollte, ist dort wohl noch nicht angekommen.

GE Careers auf Google+ - das war wohl nix

GE Careers auf Google+ - das war wohl nix

Aber genau wie in Deutschland oder sogar eher noch weniger, tun sich die US-amerikanischen Unternehmen hier sehr schwer. Übrigens gelten diese Beobachtungen auch für Karriere-Pages auf Facebook. Scheinbar kann sich Amerika derzeit nicht ansatzweise an deutschen Standards messen. So findet man zwar jede Menge schick gestalteter Apps, aber wenn es um Dialog oder aber die Darstellung der Personen geht, die hinter der Seite stehen, so ist das im Land der unbegrenzten Möglichkeiten eher Mangelware.

Und was das Engagement deutscher Unternehmen auf Google+ angeht: Kein Wunder, dass die Seiten hier mit wenig Liebe gepflegt werden (wenn man da noch von Pflege reden kann). Schließlich will man sich doch gut überlegen, auf wie vielen Hochzeiten man tanzen kann. Social Media bedeutet Pflege und Aufwand, Ressourcen und Inhalte und lässt sich nun mal nicht eben nebenher erledigen. Eine Präsenz mit den gleichen Inhalten zu bespielen, wie schon auf Facebook oder Twitter wird irgendwann langweilig. Relevante Inhalte gehören her. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Meine Empfehlung: Vergessen Sie Google+. Konzentieren Sie sich auf Ihre Hausaufgaben, auf das Wesentliche. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Karriere-Website die gesuchten Zielgruppen abholt und über klare Nutzerstrukturen mit den relevanten Informationen versorgt. Und vergessen Sie nicht den Bewerbungsprozess, der möglichst einfach gestaltet sein sollte. Und wenn Sie sich in Social Media engagieren, verzetteln Sie sich nicht. Konzentrieren Sie sich auf eine oder zwei Sachen. Und machen Sie diese richtig und mit nachhaltigem Engagement. Denken Sie an kununu, Blogs und Xing, aber vergessen Sie Google+.

In diesem Sinne, Narhallamarsch!

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