Ausbildung bei OTTO – anders als du denkst. Oder: Es muss nicht immer Facebook sein, Teil 3: Ausbildungsblogs

von Henner Knabenreich. Lesezeit: fast 9 Minuten.

Ich melde mich zurück nach einem Wochenende am Zwischenahner Meer. Leider konnte man nicht wirklich viel davon sehen, war doch das Ammerland die meiste Zeit in Nebel gehüllt. Sollten Sie mal vorhaben, nach Bad Zwischenahn zu reisen, so kann ich nur das Landhaus Haake wärmstens empfehlen. Aber das nur am Rande :-)

Kommen wir zum eigentlichen Thema. Wie schon bemerkt, entdecken viele Unternehmen das Thema Social Media im Kontext Personalmarketing für sich (gemessen an der Gesamtheit aber wohl eher nur ein Bruchteil). Und der Großteil dieser Unternehmen beschränkt sich dann auf Facebook, weil das ist ja hip und der Wettbewerber ist ja auch schon da. Wie ich aber schon bemerkte, beschränkt sich Social Media eben nicht nur auf Facebook. Die Nutzung von Xing spielt in diesem Kontext ebenso eine große Rolle (gerade mit neuen Features an den Start gegangen) wie Youtube oder kununu, um nur einige zu nennen. Ein Stiefkind nehmen bis dato die Blogs ein. Warum das so ist? Keine Ahnung, bietet doch kein anderes Medium eine solche Tiefe bei der Darstellung der Themen und ermöglicht so eine Vielfalt an Themen und „Tonalitäten“ (je nachdem, wer gerade schreibt, hat wohl jeder eine andere Art sich mitzuteilen. Man vergleiche hier einfach nur mal ein paar Blogs der Personalmarketigszene :-)).

Eine kleine Bemerkung am Rande. Als ich damals, es war 2004, meine Erhebung zum Online-Recruiting der 50 größten Arbeitgeber in Deutschland vornahm, machte mich ein Freund, der damals in den USA lebte, auf so genannte Blogs aufmerksam (Sie lesen gerade eins). Ich habe dem zu dem Zeitpunkt keinerlei Bedeutung beigemessen. Tja, wie man sich irren kann. Aber es hat in der Tat noch ein paar Jahre gebraucht, bis Corporate Blogs in Deutschland hoffähig wurden. First Mover war im Juni 2005 der Blog (meinetwegen auch das, der Duden erlaubt gnädigerweise beides) von Frosta. Das sind die mit Peter. Und die ohne Zusatzstoffe. Daimler (dessen Blog wohl die meisten kennen) kam erst viel später auf den Plan, nämlich im Oktober 2007 (2007 habe ich im Übrigen mein Blog angemeldet. Bis zum ersten Blogartikel hat es dann ja auch nur drei Jahre gedauert ;-)). Kurz nach Going live des Frosta-Blogs, im Oktober 2005, erblickte dann auch der erste (und lange, lange Zeit einzige) Ausbildungsblog Deutschlands das Licht der Welt und heißt bis heute auch noch so.

Damals von der Festo AG ins Leben gerufen und von Azubis und Ausbildungsverantwortlichen mit Themen bespielt, entdeckten nach und nach (in einer überschaubaren Anzahl) die Unternehmen das Medium für sich. Die einen scheitern aufgrund mangelnden Engagements oder weil das interne Interesse fehlt (das kennen wir schon von Facebook Karriere-Pages), andere erschreiben sich einen sehr guten Ruf mit einer großen Themenvielfalt und einem sympathischen Auftreten (das auch).

Und da mich genau so ein sympathische Auftreten im Rahmen des Vortrages von Kathrein Malchau und Sonja Königsberg vom Versandhausriesen OTTO (das sind die mit dem Model Brigitte und dem dicken Katalog sowie den kreativen Ansätzen im Online Personalmarketing) anlässlich der Social Media Recruiting Conference in Hamburg so begeistert hat, gibt es nun endlich auch das Interview zum Blog. Zwar ist dieses Blog eins der Jüngsten unter den Azubiblogs, aber das Alter hat mit Erfolg und guten Inhalten nicht zwingend zu tun (wie man ja – Achtung, Eigenlob (aber durchaus auch Fremdmeinungen) an: anhand meines Blogs sieht – Eigenlob aus). Zwei Monate nach dem Start von personalmarketing2null ging der OTTO-Azubi-Blog im Mai 2010 online. Wer ihn noch nicht kennt, wird ihn und eine der Macherinnen jetzt kennen lernen.

Kathrein Malchau

Kathrein Malchau

Kathrein Malchau, Motto „Bloggen ist doch ganz einfach„, ist 23 Jahre alt und absolviert seit August 2009 ihre Ausbildung zur Groß-und Außenhandelskauffrau bei OTTO. Mittlerweile steht sie kurz vor ihrer Abschlussprüfung.  Beim Otto-Azubiblog engagiert sie sich seit dem Start im Mai 2010. Bereits während ihrer Schulzeit hat sie für die Schülerzeitung geschrieben und auch nebenbei bei einer Tageszeitung gejobbt – das Bloggen ist also wenn man so will eine logische Konsequenz :-). Und da Kathrein  am Schreiben sehr viel Freude hat und die zunehmende Onlineausrichtung in Form von Blogs und Onlinezeitungen sehr spannend findet, denkt sie sogar darüber nach, im Anschluss an ihre Ausbildung  in den Bereich Medien und Journalismus zu gehen. Jetzt aber genug der vielen Worte, kommen wir zum Wesentlichen. Also, Bühne frei für Kathrein Malchau.

personalmarketing2null: Was war die Intention, mit dem Azubiblog zu starten?

Kathrein Malchau: Schon seit Jahren gibt es bei OTTO das Azubiprojekt „Azubis suchen ihre Nachfolger“ (AsiN). Dabei stellen Azubis auf Messen oder bei Schulbesuchen die Ausbildung bei OTTO vor. Als zusätzliche Unterstützung dieses Projektes wurde der Azubiblog im Mai 2010 ins Leben gerufen.

personalmarketing2null: Wer hatte die Idee? War das eine Initiative der Azubis oder wurde das von HR bzw. Unternehmenskommunikation an euch heran getragen?

Kathrein Malchau: Die Idee dazu kam aus dem Personalmarketing. Daraufhin wurde nach interessierten Azubis gesucht. Schnell fanden sich Sören Nilsson und David Rahnaward-Basar, die zu dem Zeitpunkt schon für OTTO getwittert haben und deswegen einschlägige Social Media Erfahrung hatten.

personalmarketing2null: Wer bloggt bei euch? Wer kann alles bei euch mitbloggen? Was müssen potenzielle Blogger(innen) dafür tun?

Kathrein Malchau: Mittlerweile sind wir acht feste Blogger, binden aber auch andere Azubis als Gastblogger ein. Diese kommen zum Teil über die Personalentwicklung zu uns, teilweise konnten einige auch durch uns angeregt werden. Einige kommen durch Eigeninitiative auf uns zu. Eine Voraussetzung gibt es eigentlich nicht, denn jeder kann irgendwas über die Ausbildung erzählen. Wir bitten allerdings immer um Fotos und darum, dass die Texte nicht übertrieben lang sind.

Der OTTO Azubiblog

Der OTTO Azubiblog

personalmarketing2null: Wie ist die Resonanz bei euch im Unternehmen? Generell und unter euch Azubis?

Kathrein Malchau: Am Anfang lief das Projekt noch ein wenig schleppend, mittlerweile bekommen wir aber viel positives Feedback. Es kommt vor, dass man auf die Posts gezielt angesprochen wird. Außerdem „liken“ unsere Mit-Azubis die Posts oder teilen Sie bei Facebook. Unter den festen Mitarbeitern ist der Blog bisher noch nicht so bekannt, aber diese sind ja auch nicht unsere Zielgruppe.

personalmarketing2null: Bekommt ihr Feedback auf euren Blog auch von außerhalb? Bspw. von potenziellen Azubis?

Kathrein Malchau: Direktes Feedback von außerhalb bekommen wir hin und wieder auf Messen oder bei Schulbesuchen. Dies kommt aber eher selten vor. Wir wissen aber durch die regelmäßigen Auswertungen, dass verschiedene Bewerber um einen Ausbildungsplatz, vorher den Blog besucht haben.

personalmarketing2null: Wer liest euren Blog? Was ist das Ziel eures Blogs?

Kathrein Malchau: Primäres Ziel unseres Blogs ist es, über die Ausbildung aufzuklären und Werbung dafür zu machen. Wir freuen uns aber über jeden Leser, ob er nun schon Azubi im Haus ist, seinen Vertrag vielleicht schon unterschrieben hat oder sich nur mal generell über die Ausbildungsberufe bei OTTO informieren will.

Ausbildung bei OTTO: Das Team vom OTTO Azubiblog - v.l.n.r. Sarah Stengel, David Rahnaward-Basar, Francesca Vetter, Sören Nilsson, Kathrein Malchau

Das Team vom OTTO Azubiblog – v.l.n.r. Sarah Stengel, David Rahnaward-Basar, Francesca Vetter, Sören Nilsson, Kathrein Malchau

personalmarketing2null: Wie oft bloggt ihr, ist es euch erlaubt, während der Arbeitszeit zu bloggen oder ist das euer „Freizeitvergnügen“? Habt ihr ein bestimmtes Zeitfenster bzw. -„budget“, um zu bloggen?

Kathrein Malchau: Das Bloggen zählt für uns auf jeden Fall zur Arbeitszeit und wir sind zum Glück ganz frei in der Zeiteinteilung. Natürlich muss man sich mit einer Abteilung abstimmen, da unsere Hauptaufgaben natürlich dort liegen. Ich selbst schreibe allerdings auch gern von zu Hause, weil ich dort einfach mehr Ruhe habe.

Grundsätzlich aber ist der Zeitaufwand für Recherchen, Posts und Redaktionssitzungen überschaubar. Ein Budget für uns Blogger gibt es nicht, allerdings haben wir bisher auch für keinen Post Geld benötigt. Technisches Equipment können wir uns im Personalmarketing ausleihen.

personalmarketing2null: Welches war euer erfolgreichster Artikel?

Kathrein Malchau: Unser erfolgreichster Post ist „Was ist toll, was geht besser?“ bei dem zehn OTTO-Azubis darüber berichten, was Ihnen an der Ausbildung gefällt und was sie gern ändern würden. Dieser Post gefällt auch mir persönlich wirklich sehr gut. Jeder Azubi ist kurz vorgestellt und zu jedem gibt es ein Foto. Außerdem kommen auch kritische Stimmen zu Wort. Der Post hat 723 Views und 95 „Likes“ (Stand 15.11.11) –  da kann man schon mal stolz drauf sein.

personalmarketing2null: Was sind eure Themen?

Kathrein Malchau: Unser Thema ist natürlich unsere Ausbildung und der Arbeitsalltag bei OTTO. Wir berichten über unsere Abteilungen und Aufgaben, die Berufsschule oder Uni und die Events und Projekte hier im Haus.

personalmarketing2null: Gibt es eine Art „Blog Policy“, seid ihr im Umgang mit dem öffentlichen Auftritt (ihr bloggt ja immerhin im Namen von OTTO) vorher sensibilisiert worden hinsichtlich Themen, Inhalten, Verwenden von Bildern etc. und Schreibstil?

Kathrein Malchau: Wir haben keine konkrete Blog-Policy. Für den Blog gilt wie für die gesamte Ausbildung das Allgemeine Gleichbehandlungs-Gesetz (AGG),  grundsätzlich versuchen wir einfach nach bestem Wissen und Gewissen zu schreiben.

Hinsichtlich des Stils gibt es keine Vorgabe, außer dass wir uns alle auf einen eher legeren und lockeren Umgang im Blog geeinigt haben. Darüber hinaus ist uns auch Datenschutz sehr wichtig: Dass wir keine Kundendaten abfotografieren und posten ist für uns alle selbstverständlich.

personalmarketing2null: Gibt es bei euch ein Redaktionsteam bzw. eine Art Redaktionsplan oder schreibt ihr spontan, wann euch danach ist? Gibt es jemanden, der den „Hut auf hat“ und die Blogaktivitäten steuert?

Kathrein Malchau: Wir haben einen eher lockeren Redaktionsplan. Unsere Kommunikation findet in einer geschlossenen Facebook-Gruppe statt. Dort stellt jeder sein Thema und den dazugehörigen Termin ein – auf diese Weise vermeiden wir Überschneidungen bzw. allzu große „Leerzeiten“. Grundsätzlich aber ist es möglich spontan etwas dazwischenzuschieben, wenn einem mal etwas unter den Nägeln brennt.

Jemanden, der die Aktivitäten steuert haben wir nicht. Wir kontrollieren uns untereinander und stupsen uns im Notfall auch mal an. Auch das Personalmarketing schaut sich natürlich an, was wir so posten, aber reingeredet wird uns von dieser Seite aus nicht.

personalmarketing2null: Das mit der Facebook-Gruppe ist eine super Idee. Schließlich bietet Facebook weitaus mehr als nur Pages. Kathrein, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg. Ich denke mal, dass ihr ab heute wieder ein paar mehr Leser haben werdet! :-)

Wer Kathrein Malchau und Sonja Königsberg auch noch mal hören und sehen möchte, hier das Video von der SMRC (via Wollmilchsau :-))

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