Der Einsatz von Social Media in der Personalbeschaffung am Beispiel Gesundheitswesen

von Henner Knabenreich. Lesezeit: fast 6 Minuten.

Der Fachkräftemangel ist kein Geheimnis. Auch wenn ich der Meinung bin, dass vieles hausgemacht ist, so lässt sich nicht leugnen, dass die demographische Entwicklung den Wettbewerb um die Talente zunehmend verschärft. Natürlich bleibt auch das Gesundheitswesen nicht davon verschont. Im Gegenteil. Längst ist bekannt, dass es sich hier zunehmend schwieriger gestaltet, die passenden Fachkräfte zu rekrutieren.

So haben aufgrund dieser Entwicklung diverse Kliniken Probleme, ihren angestrebten  Expansionskurs beizubehalten, da es ihnen an geeignetem Personal fehlt. Deutliches Indiz dafür: Ein Anstieg der Zeitarbeit auch bei Medizinern und Pflegekräften. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 2003 waren es 2.638 Beschäftigte, 2007 bereits 13.439 und 2010 24.342 Leiharbeiter im Gesundheitswesen. Eine erschreckende Tendenz, wie ich finde und „obwohl Krankenhäuser es präferieren würden, mit festangestelltem Personal zu arbeiten„, bleibt die Suche nach den richtigen Mitarbeitern in vielen Fällen erfolglos. Was also tun, um dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zu begegnen bzw. die passenden Mitarbeiter zu rekrutieren? Was spricht gegen den Einsatz von Social Media auch im Gesundheitswesen? Man sieht hier und da mal die ein oder andere Karriere-Fanpage eines Krankenhauses auf Facebook, da die aber in der Regel eher ohne Bedeutung sind (ungepflegte Präsenz, stagnierende Fans), sind diese (derzeit) nicht in meiner Übersicht zu finden.

Dass es da durchaus Beispiele mit Vorbildcharakter gibt, zeigte ich ja unlängst am Beispiel der K&S Seniorenresidenzen, denen es via Facebook gelingt, qualifizierte Fach- und Pflegekräfte anzusprechen und zur Bewerbung zu motivieren.

Ein Einzelfall? Gute Frage. Umso erfreulicher, dass mir hierzu eine interessante Studie in die Hände gefallen ist, die den Einsatz von Social Media in der Personalbeschaffung des Gesundheitswesens beleuchtet. Das Ganze nicht nur aus der Sicht der Arbeitgeber, sondern auch aus Bewerberperspektive. Schauen wir uns das doch mal genauer an:

Die Befragung „Social-Media Aktivitäten im Gesundheitswesen“ kommt zu dem Schluss, dass Social Media zukünftig eine immer größere Rolle im Gesundheitswesen spielen wird. Über 500 Akteure aus dem Gesundheitswesen nahmen an der im Frühjahr durchgeführten Studie teil. Die Befragten bilden einen Querschnitt aus unterschiedlichsten Funktionen bzw. Positionen aus den Bereichen Krankenhaus, Gesundheitsmanagement und Pflegedienst.

Folgende Fragestellungen standen bei der Studie im Fokus:

  1. Welche Erfahrungen haben Einrichtungen im Gesundheitswesen mit der Personalbeschaffung über Social Media gesammelt, und wie wird das Thema Social Media Recruiting gegenwärtig und zukünftig von ihnen eingeschätzt?
  2. Sind Beschäftigte im Gesundheitswesen bereit, aufgrund einer Kontaktaufnahme über Social Media den Arbeitgeber zu wechseln?
  3. Wozu und mit welcher Häufigkeit werden Social Media von Unternehmen bzw. von Mitarbeitern im Gesundheitswesen besucht und genutzt?

Fragen, die so nicht neu sind, aber in diesem Kontext und so klar fokussiert auf eine Branche noch nie gestellt wurden.

Und so kann man mal wunderbar sehen, dass es – welch Überraschung! – neben Facebook auch noch andere Social Media Kanäle gibt, die es lohnt, zu nutzen. Ganz weit vorne in der Gunst der Befragten liegt da Xing, wie man das für sich nutzen kann, habe ich ja unlängst beschrieben. Aber auch YouTube ist sehr beliebt: Gut 40 % der Befragten tummeln sich bei der beliebten Videoplattform, die auch für Unternehmen eine hervorragende Möglichkeit darstellt, sich als Arbeitgeber darzustellen.

Von Kandidaten genutzte Social Media Kanäle - Quelle: beyondhealth

Von Kandidaten genutzte Social Media Kanäle - Quelle: BeyondHealth

Und wie sieht es auf Unternehmensseite aus? Welche Kanäle werden von Arbeitgebern im Gesundheitssektor bereits genutzt?

Von Arbeitgebern genutzte Social Media Kanäle - Quelle: beyondhealth

Von Arbeitgebern genutzte Social Media Kanäle - Quelle: BeyondHealth

Auch hier liegen Xing und Facebook weit vorne (Facebook? Ob man hier die Fragestellung falsch verstanden hat?), Youtube spielt eher eine untergeordnete Rolle. In meinen Augen wertvolles Potenzial, das hier verschenkt wird. Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, wie man Youtube als erfolgreichen Kanal nutzen kann, sich als Arbeitgeber erlebbar zu machen, sollte sich mal KronesTV anschauen. Lohnt sich. (Und wer mehr über die Social Media Aktivitäten von Krones erfahren möchte, der sollte am 17. November nach Langen kommen. Hier gibt Krones Social Media Chief Officer Charles Schmidt neben anderen Referenten (BMW, Lufthansa, DFS, Philips und in-tech) Einblicke in Social Media Personalmarketing-Aktivitäten und verrät Tipps und Tricks. Anmelden lohnt sich also!)

Wie ist es aber ist mit der Frage, ob potenzielle Kandidaten grundsätzlich damit einverstanden sind, innerhalb der Social Networks kontaktiert zu werden?

Würden Sie es begrüßen, dass Unternehmen potenzielle Arbeitnehmer persönlich in Social‐Media‐Netzwerken kontaktieren? - Quelle: beyondhealth

Würden Sie es begrüßen, dass Unternehmen potenzielle Arbeitnehmer persönlich in Social‐Media‐Netzwerken kontaktieren? - Quelle: BeyondHealth

Hier sind gut 65 % positiv gegenüber einer Kontaktaufnahme via Social Media eingestellt. Na, das wird die Personaler doch freuen ;-).

Auch die Einschätzung zum Einsatz von Social Media im Kontext der Mitarbeiterrekrutierung zeigt auf beiden Seiten, dass wir noch ziemlich am Anfang stehen und noch sehr viel Luft nach oben ist. So schätzen über 60 % der potenziellen Kandidaten die Bedeutung von Social Media im beruflichen Kontext für die Zukunft als stark bis sehr stark ein.

Welche Bedeutung messen Sie Social‐Media‐Aktiväten im beruflichen Kontext in der Zukunft zu?  - Quelle: beyondhealth

Welche Bedeutung messen Sie Social‐Media‐Aktiväten im beruflichen Kontext in der Zukunft zu? - Quelle: BeyondHealth

Auch auf Unternehmensseite ergibt sich ein ähnliches Bild. Gut 65 % der befragten Unternehmen messen Social Media im Kontext Personalmarketing und Recruiting eine wichtige Rolle zu.

Welche Bedeutung messen Unternehmen Social‐Media‐Aktiväten im beruflichen Kontext in der Zukunft zu? - Quelle: beyondhealth

Welche Bedeutung messen Unternehmen Social‐Media‐Aktiväten im beruflichen Kontext in der Zukunft zu? - Quelle: BeyondHealth

Stellt sich hier noch die Frage, wie Unternehmen im Gesundheitswesen Social Media einsetzen. Hier liegt der Fokus in der Tat klar auf Personalmarketing und Recruiting. So stellen für 27 % der Unternehmen Social Media einen Recruitingkanal dar, für 35 % liegt der Fokus auf Personalmarketing. Nur geringe Bedeutung haben verkaufsfördernde Maßnahmen und ohne spezielle Zielrichtung (auch das gibt es ;-)) gehen nur 9 % vor. Na, das ist doch mal ein Lichtblick!

Weitere Zahlen, Daten, Fakten sowie Grafiken gibt es auf der Seite von Beyond Health.

Fazit: Auch im Gesundheitswesen wird Social Media eine zunehmende Rolle im Personalmarketing und Recruiting einnehmen (müssen). Ich kann mich Heiko Möller, Initiator der Studie und Kopf von BeyondHealth da nur anschließen:

Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen! Die klassischen Werkzeuge der Personalbeschaffung haben weitestgehend ihre Wirkung verloren. Unternehmen müssen verstehen, dass Menschen dort „abgeholt“ werden müssen, wo sie einen Teil ihres Lebens
verbringen und ihre sozialen Kontakte pflegen.

Zwar tummeln sich laut einer weiteren aktuellen Erhebung bspw. bereits 195 Krankenhäuser und Kliniken mit einer Seite auf Facebook, hier auch mit dem Ziel der Personalwerbung. Aber auch hier gilt, wie so oft bzw. eigentlich immer, es geht nicht ums ob, sondern ums wie. Und wie die Umfrage zeigt: Social Media ist mehr als nur Facebook. By the way, was spricht eigentlich gegen einen Krankenhaus-Blog oder Videos auf Youtube, um sich als Arbeitgeber zu präsentieren? Oder kennen Sie vielleicht schon Beispiele? Dann her damit!

Apropos Blogs: Dazu demnächst mehr, also dran bleiben.

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