Was das Verbot von Facebook-Partys mit Social Media Personalmarketing zu tun hat

von Henner Knabenreich. Lesezeit: etwa 5 Minuten.

Eigentlich wollte ich in meinem neuesten Blogartikel mal die aktuelle Szene der deutschen HR-Blogs darstellen und kommentieren. Nun haben mir das aber gleich zwei Parteien abgenommen: Zum einen die Deutsche Employer Branding Akademie mit einer Übersicht auf ihrer Website, zum anderen die Jungs von der Wollmilchsau, respektive atenta, die ihre Übersicht über deutsche Recruitingblogs angepasst haben und weitere wichtige und hoch lesenswerte Blogs, wie den von Nina Kalmeyer, Christoph Athanas oder aber Jannis Tsalikis, der vom Namen her mit „Mein Freund, die Arbeitgebermarke“ für mich den Vogel absolut abschießt, mit aufgenommen. Von daher kann ich mich also voll und ganz einem komplett anderen Thema widmen.

Nämlich dem, was das Verbot von Facebook Partys mit Social Media Personalmarketing zu tun hat. Gar nichts, werden Sie jetzt sagen. Ich aber sage, doch, das hat miteinander zu tun. Sogar verdammt viel. Warum?

Nun einerseits, weil wir endlich einmal akzeptieren müssen, dass die Jugend (und nicht nur die, auch wir – schon alleine, wenn ich mir jetzt wieder den Hype um Google+ anschaue, sieht man es deutlich (ja, in diesem Falle können wir in der Tat von Hype sprechen. Ich persönlich glaube nämlich nicht an den großen Wurf von Google, werde aber mal abwarten und lasse mich auch gerne von klaren Argumenten überzeugen) im Social Web zuhause ist und mittlerweile die Nutzung von Facebook zum Kommunikationsmittel Nummer 1 geworden ist (heute verabredet man sich nicht mehr via Handy oder SMS, sondern zunehmend per Facebook, auch heißt es heute nicht mehr „darf ich deine Telefonnummer haben?“, sondern „bist du bei Facebook?“), andererseits weil die „andere Seite“ – sei es nun die Politik oder aber in unserem Falle die Personaler immer noch nicht diesen Kulturwandel verstanden hat (auch wenn es mittlerweile eine ganze Menge Karriere-Pages gibt, Frau Merkel regelmäßig Video-Podcasts in die Lande schickt und der Regierungssprecher twittert).

Auf der einen Seite versucht man das Pferd von der falschen Seite aufzuzäumen und will Partys verbieten (davon ist man aber wohl glücklicherweise wieder ab). Dies ist natürlich barer Unsinn. Die Partys finden ja in jedem Falle statt. Nur ist der Kommunikationsweg ein anderer. Anstatt via Telefon oder SMS verabredet man sich jetzt via Facebook. Und das ist insofern gut so, weil es dann wirklich jeder mitbekommt – auch die Polizei, die sich dann entsprechend vorbereiten könnte (wobei die anderen Partys im Verborgenen organisiert wurden und sie dann erst spät oder gar nicht erfahren hat, dass diese stattfanden). Es geht also nicht um Facebook, es geht um das Bewusstsein der Partizipierenden, wie sie sich auf solchen Partys zu verhalten hat. Dass aber mittlerweile Komasaufen und Randale zu einem Volkssport geworden sind, dafür kann Facebook, das böse, böse, böse Facebook nun wirklich nichts.

Und die andere Seite? Noch einmal: Social Media und die Errungenschaften des Social Web sind kein Hype. Um so wichtiger ist es, zu verstehen, wie man sich diese neuen Medien auch für die Personalarbeit, insbesondere aber für Personalmarketing und Recruiting zu eigen zu macht.

Und um das Beispiel von oben noch einmal aufzugreifen: Die Partys finden statt. Ob mit oder ohne Facebook. Und genau so ist es mit Ihnen. Ja, glauben Sie denn im Ernst, nur weil Sie nicht in Facebook oder auf anderen Plattformen unterwegs sind, spricht man nicht über Sie? Haben Sie heute schon mal Ihr Unternehmen gegoogelt? Richten Sie sich doch mal spaßeshalber einen Google Alerts-Account ein oder schauen Sie mal bei socialmention, ob und was da über sie geredet wird (tun sie es bitte nicht spaßeshalber, machen sie dies bitte kontinuierlich, betreiben Sie Monitoring. Und wenn es nur mit den eben dargestellten Hausmitteln ist. Besser als nichts). Wenn Sie nicht ein ganz unbeschriebenes Blatt sind, findet sich mit Sicherheit etwas über Sie. Kennen Sie bspw. Arbeitgeberbewertungsportale wie kununu, meinchef, evaluba, meinpraktikum oder Companize, um nur einige zu nennen? Da haben Mitarbeiter die Möglichkeit, Sie als Arbeitgeber fernab geschönter Hochglanzbroschürenauftritte zu bewerten. Sie sehen also, man redet über sie. Und dann nutzen Sie doch die Chance, hören Sie zu und treten Sie in den Dialog. Sie wollen wissen, wie das geht? Dann schauen Sie sich bspw. mal die Facebook Pages von BMW, der DFS oder SNT an (um nur einige zu nennen) oder den Blog von Cirquent oder das Profil von Medtronic auf kununu.

Alle jammern über den Fachkräftemangel, aber wagen keine neuen Wege und stecken lieber den Kopf in den Sand. Wie viele Personaler bspw. sind bei Xing unterwegs und haben ein nur rudimentär gepflegtes Profil und weisen nicht auf Stellenanzeigen hin? Es muss ja nicht einmal die Jobanzeige oder das Unternehmensprofil sein. Für den Anfang reichen ein gepflegtes Profil, Hinweise auf offene Vakanzen oder die sinnvolle Nutzung der Statusmeldungen.

Schauen Sie sich mal die Karriere-Websites der Unternehmen an (durchaus auch großer Unternehmen oder solcher, die sich im vermeintlichen Glanz einer Potentialpark-Ranking-Auszeichnung sonnen), suchen Sie dort mal Infos bspw. über Azubis oder über den Arbeitgeber oder den Standort. Versuchen Sie mal, sich bei den Unternehmen zu bewerben. Bei vielen scheitert man am Bewerbungsportal, bei anderen findet man nur marginale Informationen über das Unternehmen als Arbeitgeber, wenn überhaupt.

Oder Facebook. Klar, mittlerweile wissen immer mehr, welche Social Media „Tools“ es gibt. Und dann stürzen sich alle blindlings auf Facebook und verkünden stolz: „Wir sind jetzt auch dabei!“ Na und? Ohne Strategie wird das nix. Stichwort „Bewusstsein der Partizipierenden“: Oft höre ich „wir brauchen jetzt auch eine Facebook Karriere-Page (das höre ich übrigens aus betriebswirtschaftlicher Sicht sehr gerne ;-)), wenn ich dann nachfrage, welches Ziel denn damit verfolgt wird, ob die Ressourcen vorhanden sind, wie die Unternehmenskultur aufgestellt ist oder ob die IT das Ganze denn überhaupt möglich macht (oft sind Seiten wie Facebook, Twitter, Xing, Youtube & Co. ja als vermeintliche Arbeitszeitfresser gesperrt), schaut man nur in fragende Gesichter.

Blinder Aktionismus bringt also nichts. Weder in Sachen Verbot von Facebook-Partys, noch in Sachen Engagement in Social Media.

Aber vielleicht sind Sie ja auch der Meinung, dass „die Welt besser wäre, wenn es das Internet nicht gäbe“ und  dass „Twitter für Sie einfach nur dumm ist und die Menschen, die das nutzen, für Sie Idioten sind“, wie es vor einiger Zeit der Boss einer großen deutschen Trikotagenfirma formuliert hat (dieses Unternehmen verfügt übrigens über eine Website, einen Online-Shop, eine Facebook-Page, einen Twitter-Account etc). Dann, liebe Leser, jammern Sie weiter über den Fachkräftemangel. Ihnen ist dann nicht mehr zu helfen.

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